Gerry Weber wird künftig über einen Insolvenzplan saniert und erhält in diesem Zuge bis zu 49,2 Millionen Euro.

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16.07.19
Wirtschaft

Insolvenzplan und frische Millionen für Gerry Weber

Gerry Weber wird über einen Insolvenzplan saniert. Die Fonds Robus und Whitebox stecken dafür einen Millionenbetrag in das angeschlagene Unternehmen.

Das westfälische Modeunternehmen Gerry Weber hat seinen Investorenprozess abgeschlossen. Wie in der Nacht zum heutigen Dienstag bekannt wurde, einigte sich das Management um CFO und CRO Florian Frank mit den Fonds Robus Capital und Whitebox Advisors auf eine Investmentvereinbarung, mit der das Unternehmen finanziell saniert werden soll.

Das Modehaus, das Ende Januar die Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hatte, wird nun über einen Insolvenzplan saniert und erhält im Gegenzug von einem Investorenkreis unter Führung von Robus und Whitebox bis zu 49,2 Millionen Euro. Diese Summe errechnet sich aus einer Kapitalspritze für Gerry Weber sowie aus einer Working-Capital-Finanzierung, erläuterte das Management am Dienstagvormittag in einer Telefonkonferenz. Für die Tochtergesellschaft Gerry Weber Retail wurde ein separater Insolvenzplan erarbeitet.

Gläubiger von Gerry Weber vor der Wahl

Die für Gerry Weber getroffene Vereinbarung verlangt von den Gesellschaftern einige Zugeständnisse. Die bestehenden Aktionäre werden leer ausgehen, Bestandteil des Insolvenzplans ist eine Kapitalherabsetzung „auf voraussichtlich Null Euro“, auf die eine anschließende Barkapitalerhöhung folgen soll. Die daraus entstehenden neuen Aktien sollen zunächst vollständig von den Geldgebern Robus und Whitebox gezeichnet werden.

Allerdings bekommen die weiteren Gläubiger verschiedene Optionen, um einen Teil ihrer Forderungen zurückzuerhalten. Eine Möglichkeit ist eine Barabfindungsquote. Die zweite Möglichkeit ist ein Verzicht auf 60 Prozent der Forderungen und eine Wandlung der übrigen Forderungen in Anleihen. Die dritte Möglichkeit ist die Zeichnung einer Wandelschuldverschreibung. Die genauen Quoten, die Gläubiger je nach Instrument erwarten können, sollen in zwei bis drei Wochen mit dem Insolvenzplan offengelegt werden. Grundsätzlich gilt: Je längerfristiger die Gläubiger an Bord bleiben, umso höher die Quoten.

„Das Verhandlungsergebnis wird eine deutlich überdurchschnittliche Insolvenzbefriedigung ermöglichen.“

Christian Gerloff, Generalbevollmächtigter

Der als Generalbevollmächtigter eingesetzte Jurist Christian Gerloff von der Münchener Kanzlei Gerloff-Liebler macht den Gläubigern nach dem aus seiner Sicht „sehr intensiven Investorenprozess“ allerdings Hoffnung: „Das erreichte Verhandlungsergebnis wird eine für Insolvenzverfahren deutlich überdurchschnittliche Insolvenzbefriedigung ermöglichen“, teilte er mit. Üblich sind in Insolvenzverfahren Quoten im einstelligen Prozentbereich, diese möchte man bei Gerry Weber „deutlich übertreffen“, hieß es im Call. Derzeit geht Sachwalter Stefan Meyer von Forderungen von voraussichtlich 262 Millionen Euro für die Gerry Weber AG und weiteren 35 Millionen Euro für die Tochter Gerry Weber Retail aus.

Für Gerry Weber endet die Ära als Familienkonzern

Mit dem nun beschlossenen Konzept ist die Ära Gerry Webers als traditionelles Familienunternehmen endgültig beendet. Bis zuletzt hatte es im Markt Gerüchte darüber gegeben, die Alteigentümer könnten versuchen, das Unternehmen selbst wieder zu übernehmen. Allerdings zählte den Beteiligten zufolge die Familie Weber gegen Ende des Investorenprozesses nicht mehr zu den Interessenten. Zuletzt seien die Konzepte von drei Interessenten diskutiert worden, wobei das Konzept von Robus und Whitehall im zehnköpfigen Gläubigerausschuss einstimmige Zustimmung erfahren habe.

Ziel sei es nun, die Insolvenzverfahren „im Spätherbst dieses Jahres erfolgreich zu beenden“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass auch der separate Insolvenzplan der Retail-Tochter von den Gläubigern angenommen wird.

Erste Erfolge der bisherigen Bemühungen zur Restrukturierung sind den Westfalen zufolge erkennbar: So seien Prozesse verbessert worden und die Produkte nun konsequenter auf die Zielgruppe zugeschnitten. Dies zeige bereits „positive Resultate in Umsatz und Ertrag“, die jedoch nicht näher beziffert wurden. Sachwalter Stefan Meyer von der Kanzlei Pluta Rechtsanwälte sagte, es habe sich das Angebot durchgesetzt, das „nicht nur mit Blick auf die Gläubigerbefriedigung, sondern auch hinsichtlich der Transaktionsschnelligkeit und -sicherheit die beste Option darstellt“.

Robus ist bereits bei Hallhuber investiert

Robus und Whitebox hatten sich Medienberichten zufolge bereits vor mehreren Monaten in die Schuldscheine von Gerry Weber eingekauft. Robus zog zudem vor wenigen Tagen seine Kaufoption auf die frühere Gerry-Weber-Tochter Hallhuber, die der Fonds im Februar mit einer kurzfristig bereitgestellten Kapitalspritze am Leben gehalten hatte. Trotz der Übereinstimmungen in der Investorenstruktur sollen jedoch Gerry Weber und Hallhuber weiterhin getrennt bleiben, betonten die Verantwortlichen in dem Call.

FINANCE-Köpfe

Florian Frank, Gerry Weber International AG

Florian Frank beginnt seinen beruflichen Werdegang im Jahr 2000 als Assistant Manager Corporate Restructuring bei KPMG in Düsseldorf und Hamburg. Zu seinen Aufgaben gehören Audits insbesondere im Einzelhandelssektor. 2006 wechselt er zu Hanse Management Consulting in Hamburg und ist dort vier Jahre als Projektleiter Restrukturierung und Ertragssteigerung mit Schwerpunkt auf den Handels- und Bausektor tätig. Ab Juli 2010 ist er bei Dr. Wieselhuber & Partner in Hamburg verantwortlich für Restrukturierung und Performance Improvement.

Im Rahmen seiner betreuten Mandate wird Florian Frank mehrfach als CFO und Chief Restructuring Officer (CRO) eingesetzt. Seit Oktober 2018 ist er als CRO und Mitglied des Vorstands bei dem insolventen Modekonzern Gerry Weber in Halle/Westfalen tätig. Dort ist er für die Entwicklung und Umsetzung aller operativen Maßnahmen der Restrukturierung und der Performance-Verbesserung im Unternehmen verantwortlich.

zum Profil

Bei Gerry Weber lag die finanzielle Situation etwas anders als bei Hallhuber: Aufgrund des lukrativen Verkaufs mehrere Showrooms war die Finanzierung des Geschäftsbetriebs trotz der Insolvenz bis ins Jahr 2020 hinein gesichert. Eine darüber hinaus gehende Perspektive zu vermitteln, ist in der aktuellen Phase dennoch ein wichtiges Signal, denn es stehen wichtige Branchenmessen bevor, auf denen Großhändler ihre Vorbestellungen aufgeben müssen.

Die nun getroffene Investmentvereinbarung schaffe Klarheit am Markt für Kunden, Mitarbeiter, Filialen und Lieferanten, betonte CEO Johannes Ehling.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Lesen Sie mehr über die aktuellen Entwicklungen bei dem Modeunternehmen auf unserer Themenseite zu Gerry Weber.