Der aktivistische Investor Petrus Advisors ist mit den ersten Eckpunkten aus der Strategieüberprüfung der Aareal Bank nicht zufrieden.

Aareal Bank

12.02.21
Banking & Berater

Petrus lässt bei Aareal Bank nicht locker

Petrus Advisers legt mit Kritik bei der Aareal Bank nach. Die ersten Eckpunkte für eine neue Strategie reichen dem aktivistischen Investor nicht aus, er fordert Nachbesserungen – und eine vollständige Abspaltung der IT-Tochter Aareon.

Bei der Aareal Bank zeichnet sich auch 2021 keine Entspannung ab. Nachdem die Bank, die auf Finanzierungen von Hotels und Gewerbeimmobilien spezialisiert ist, im Januar aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie eine Gewinnwarnung abgeben musste, legt nun auch der aktivistische Investor Petrus Advisers mit seiner Kritik nach.
 
Seit der aktivistische Investor vor über einem Jahr bei der Bank eingestiegen war, äußerte er sich zunehmend kritisch über die Strategie und verlangte immer forscher Anpassungen. Zuletzt im November, als er sogar eine Auflösung der Bank forderte, wie er es drastisch formulierte. Zusammen mit der Bekanntgabe der Gewinnwarnung hatte die Aareal Bank im Januar auch erste Eckpunkte darüber bekanntgegeben, wie sie auf das geänderte Marktumfeld reagieren will. Die Bank führt seit dem vergangenen Jahr eine Überprüfung ihrer Strategie durch. Weitere Details dazu will die Bank am 24. Februar im Rahmen der Bilanzpressekonferenz vorstellen.

Auf dieses erste Update zur neuen Strategie hat Petrus nun in einem neuen Brandbrief samt dazugehöriger Präsentation reagiert, die am vergangenen Mittwoch veröffentlicht wurden. „Die Aareal Bank hat Schritte in die richtige Richtung gemacht, die Messlatte aber zu tief gehängt“, heißt es darin unter anderem. Die Bank selbst gibt zu dem aktuellen Brief keinen Kommentar ab.

Petrus kritisiert zu hohe Kosten bei Aareal Bank

Der Hedgefonds greift in seinem Brief einige Punkte auf, die er auch schon in der Vergangenheit angesprochen hat und macht deutlich, dass die Aareal Bank seiner Meinung nach vielfach nicht genug tun würde, um diese Punkte zu adressieren. Zu den Aspekten, die der Aktivist nun kritisiert, zählt unter anderem die Kostenstruktur. „Statt zu akzeptieren, dass Aareal Bank seit Jahren nicht die Kapitalkosten verdienen konnte und eine nachhaltige Zukunft des Geschäfts nicht gesichert ist, will man mittels erhöhtem Risk-taking die fehlende Profitabilität verstecken“, behauptet Petrus.

Der Investor fordert unter anderem erneut den Boni-Verzicht, sowie eine Korrektur der aus Sicht von Petrus überdimensionierten Vorstandsgehälter. Auch den Hauptsitz, den er als „Palast“ bezeichnet, sieht er als „Geldverschwendung“. Petrus kritisiert zudem die Wachstumsstrategie der Bank: Der Fokus läge zu stark auf RWA-intensivem Geschäft (Risk Weighted Assets). Die Wiesbadener sollten sich lieber auf RWA-effizientes Wachstum konzentrieren, um sich damit unabhängiger vom Zinsniveau und regulatorischen Kapitalisierungsvorgaben zu machen.

Ein Dorn im Auge ist dem Investor auch, dass die Bank weiterhin ohne CEO agiert. Hermann Merkens ist vor drei Monaten krankheitsbedingt temporär ausgeschieden, CFO Marc Heß übergangsweise eingesprungen. „Aktionäre tappen noch immer völlig im Dunkeln“,  beschwert sich Petrus Advisers. Der Investor fordert „sofort Klarheit bezüglich der künftigen Führung“. Wenig überraschend plädiert Petrus für eine externe Besetzung.

Aktivist Petrus Advisers für Spin-off von Aareon

Eine Kernforderung des Investors bezieht sich zudem auf die IT-Tochter der Bank, Aaeron. Diese solle in einem Spin-off an die Aktionäre gehen – im zweiten Halbjahr dieses Jahres oder im ersten Quartal 2022.

Das Pochen auf eine Abspaltung der Software-Tochter ist ein Dauerbrenner unter den Forderungen an die Aareal Bank. Seit dem Einstieg forcierte der Investor einen Spin-off, unterstützt wurde er dabei noch von dem anderen Aktivisten Teleios. Im vergangenen Jahr holte die Aareal Bank schließlich den Private-Equity-Investor Advent bei der Tochter ins Boot, um ihr Wachstum zu forcieren. Advent hält 30 Prozent.

Dieser Schritt hat Petrus aber offensichtlich nicht besänftigt. Der Aktivist will nun nicht länger warten, denn die ertragreiche „Software-Perle“ ist seiner Meinung nach bereit für den nächsten Schritt: „Die Mitarbeit von Advent sollte inzwischen zu Fortschritt geführt haben“, meinen die Petrus-Manager. „Solange Aareon Teil einer regulierten Bank bleibt, die zudem keine nachhaltige Strategie aufzuweisen hat“, werde der Wert der Tochter die Aktionäre nicht erreichen. Nun fordert der Investor eine Nachbesserung der Strategie bis zum 24. Februar.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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