KPMG holt im Beratungsgeschäft langsam auf – bleibt aber noch die Nummer 4 unter den Big Four.

KPMG

12.02.19
Banking & Berater

Big-Four-Analyse Consulting: KPMG greift endlich an

2018 haben die Big Four im Beratungsgeschäft stark zugelegt. Die Abstände zwischen PwC, Deloitte und EY werden immer kleiner – und auch KPMG holt auf, zeigt die FINANCE-Marktanalyse.

2018 hat sich ein Trend fortgesetzt, der einige Beratungshäuser in Deutschland deprimieren dürfte: KPMG, PwC, Deloitte und EY, deren Kerngeschäft eigentlich die Wirtschaftsprüfung ist, sind ein weiteres Mal stark im Consulting-Geschäft gewachsen. Damit sind die sogenannten „Big Four“ mittlerweile zur veritablen Konkurrenz für reine Beratungshäuser aufgestiegen.

Doch wer unter den Big Four hat sich im vergangenen Geschäftsjahr am besten entwickelt, und wo schlummert noch das meiste Potential? Die jährliche FINANCE-Analyse nimmt die Geschäftszahlen im Bereich Consulting und Advisory (ausgenommen Tax) unter die Lupe.

PwC muss um Platz 1 kämpfen

Wie schon in den Vorjahren ist PwC gemessen an der Gesamtleistung im Beratungsgeschäft die Nummer 1 unter den Big Four. Insgesamt erwirtschaftete die Gesellschaft im vergangenen Geschäftsjahr rund 858 Millionen Euro mit Consulting und Advisory, was einem Wachstum von rund 10 Prozent entspricht. Im Vorjahr war der Zuwachs mit 18 Prozent allerdings noch deutlich höher, im Jahr davor lag er sogar bei über 40 Prozent.

Das ehemals stärkere Wachstum dürfte sich jedoch durch die Übernahme der Strategieberatung Strategy & (ehemals Booz) im Jahr 2014 erklären. Den Deal sieht der seit Juli 2018 amtierende Deutschlandchef Ulrich Störk als wichtiges Alleinstellungsmerkmal seines Hauses: „PwC ist die einzige der Big Four mit einer echten Strategieberatung“, betonte er noch im Herbst. Unklar ist jedoch, welchen Anteil die Strategieberatung am gesamten Beratungsgeschäft ausmacht – diese Zahlen weist PwC nicht aus.

PwC hat aber einen Wachstumshemmer im Beratungsgeschäft: Die Gesellschaft prüft viele namhafte Unternehmen aus Dax, M-, S- und TecDax und kann dort folglich nur sehr eingeschränkt beraten. Doch diese Mandate wird PwC aufgrund der Prüferrotation nicht unbegrenzt halten können. Für das Haus wird es deshalb essentiell sein, im Zuge dessen neue Beratungsaufträge zu gewinnen.

Die Chancen stehen nicht schlecht: Aufgrund der langjährigen Erfahrungen bei den Unternehmen hat das Haus bei ehemaligen Prüfmandanten gute Chancen, neuer Berater zu werden. Eine Herausforderung ist dabei allerdings die Cooling-Off-Periode, die die Häuser bei diesen Mandaten einhalten müssten.

Deloitte will Marktführer in Beratung werden

Doch selbst wenn PwC den ein oder anderen Prüfkunden von einer Beratungsleistung überzeugen kann, ist es fraglich, ob die aktuelle Nummer 1 ihre Spitzenposition noch lange halten kann – denn Konkurrent Deloitte hat PwC nahezu eingeholt. Mit einem Wachstum von 24 Prozent hat Deloitte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 827 Millionen Euro mit Consulting und Financial Advisory erwirtschaftet.

Im Gegensatz zu PwC weist Deloitte nur den Umsatz aus und nicht die Gesamtleistung, bei der auch Leistungen aus bis zum Bilanzstichtag noch nicht beendeten Projekten berücksichtigt werden. Gemessen an der Gesamtleistung könnte es also schon jetzt so sein, dass Deloitte PwC überholt hat.

Deloitte hat in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Wachstumskurs im Beratungsgeschäft hingelegt und mit hohen zweistelligen Zuwachsraten von sich reden gemacht – 2016 war Deloitte noch die Nummer 4 unter den Big Four im Geschäftsfeld Beratung. Trotzdem war Deutschlandchef Martin Plendl mit der Entwicklung im vergangenen Jahr nicht ganz zufrieden, denn er hatte sich vorgenommen, dass Deloitte schon 2018 zum Marktführer im Beratungsgeschäft wird. Dieses Ziel hat er nun auf 2019 verschoben und dürfte es aller Voraussicht nach erreichen.

Im Beratungsgeschäft hat Deloitte zwei Faktoren auf seiner Seite: Erstens haben die Münchener aktuell wesentlich weniger Prüfmandate in der Dax-Familie als etwa KPMG und PwC und damit keine Einschränkungen bei ihren Beratungsdienstleistungen. Und zweitens hat Deloitte seine Beratungssparte nie verkauft – im Gegensatz zur Konkurrenz, die sich die Beratungsexpertise in den vergangenen Jahren auf vielen Feldern erst wieder mühevoll durch Zukäufe ins Haus holen musste.

EY punktet in Prüfung statt Beratung

Mit der starken Entwicklung hat Deloitte den Konkurrenten EY auf den dritten Platz im Beratungsgeschäft verwiesen. Dort setzte EY im vergangenen Jahr 782 Millionen Euro um. Die Wachstumsrate von rund 8 Prozent war die schwächste unter den vier Häusern, im Vorjahr lag sie mit über 25 Prozent um einiges höher.

Die verhaltene Entwicklung überrascht. Zum einen hatte EY 2017 mehrere Beratungshäuser gekauft. Die Umsätze daraus sollten sich eigentlich in den aktuellen Geschäftszahlen niederschlagen. Zum anderen hatte EY – ähnlich wie Deloitte – bisher nur wenige Prüfmandate in Dax und MDax und damit noch genug Spielraum, das Beratungsgeschäft auszubauen.

Allerdings hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt, wohin EY seine Energie offenbar gesteckt hat: Das Big-Four-Haus hat ein renommiertes Dax-Mandat nach dem nächsten für die Wirtschaftsprüfung gewinnen können. Damit wird EY sich zumindest im Dax in der Zukunft beim Beraten einschränken müssen.

KPMG nimmt Verfolgung auf

Das Schlusslicht unter den Big Four im Beratungsgeschäft ist wie im Vorjahr wieder KPMG. Mit einer Gesamtleistung von 670 Millionen Euro ist das Haus noch weit entfernt von EY. Allerdings scheint es nun in den Angriffsmodus geschaltet zu haben: Das Wachstum von 17 Prozent war das zweitstärkste innerhalb der Konkurrenten. Im Vorjahr lag es nur bei 1 Prozent.

Erstmals in der Geschichte setzt KPMG mit der Beratung so viel um wie mit der Prüfung. „Es war unser explizites Ziel, dass Beratung und Prüfung gleichauf sind. Das haben wir stark forciert“, erklärt Deutschlandchef Klaus Becker. Dadurch sei das Geschäftsmodell von KPMG ausbalanciert und resistenter.

So viel erwirtschafteten die Big Four 2018 mit Beratung

1 PwC

858 Mio. Euro (Gesamtleistung)

2 Deloitte

827 Mio. Euro (Umsatz)

3 EY

782 Mio. Euro (Umsatz)

4 KPMG

670 Mio. Euro (Gesamtleistung)

Die zahlreichen Investitionen in den Ausbau des Geschäftsfelds, die Becker in den vergangenen Jahren angestoßen hatte, scheinen nun Früchte zu tragen. Unter anderem hatte KPMG neue Beratungsangebote etabliert und Allianzen mit Softwareanbietern geschlossen, um gerade die Digitalisierungsberatung voranzutreiben.

2018 hat KPMG zudem einige spezialisierte Beratungshäuser gekauft, die im aktuellen Geschäftsjahr zum Wachstum in dem Geschäftsfeld beitragen sollten. Zudem wird auch KPMG bis 2020 viele große Prüfmandate abgeben müssen, was dem Haus neue Chancen für das Beratungsgeschäft eröffnet.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Den ersten Teil der FINANCE-Big-Four-Analyse zum Bereich Wirtschaftsprüfung können Sie hier nachlesen. Weitere News zu KPMG, PwC, Deloitte und EY finden Sie auf der Themenseite Big Four.