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BNP Paribas will auch im schwierigen Umfeld wachsen

Lutz Diederichs präsentiert die neue Strategie von BNP Paribas. Foto: BNP Paribas
Lutz Diederichs präsentiert die neue Strategie von BNP Paribas. Foto: BNP Paribas

Neue Deutschlandzentrale, neue Strategie: Nach dem selbst definierten Übergangsjahr 2021, das noch stark von Corona-Sondereffekten geprägt war, meldet sich BNP Paribas mit neuen Wachstumszielen zurück. Die französische Großbank, die Deutschland als einen ihrer Heimatmärkte begreift, will in den kommenden fünf Jahren ihren Nettobankenertrag („Net Banking Income“) auf rund 2,8 Milliarden Euro steigern, erklärte Deutschlandchef Lutz Diederichs heute vor Journalisten. Ende 2021 stand die Bank bei Erträgen von 2,2 Milliarden Euro.

BNP Paribas hat in Deutschland einen guten Track-Record: In den Jahren zwischen 2016 und 2020 ist es der Bank nach eigenen Angaben gelungen, von rund 1,5 Milliarden Euro auf 2,1 Milliarden Euro zu wachsen. Damals wuchs die Bank mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 9,4 Prozent. „Das gelang in einem Marktumfeld, in dem der Kuchen nicht größer wurde“, betonte Diederichs.

In den vergangenen Jahren lief das Wachstum vor allem organisch über die verschiedenen Geschäftsbereiche hinweg – die Bank ist neben dem Corporate & Institutional Banking unter anderem auch in der Konsumentenfinanzierung, dem Flottenmanagement („Arval“) und Wealth Management vertreten. In den Jahren von 2012 bis 2016 war die Bank stark über Akquisitionen gewachsen, kauft etwa die Commerzbank Depotbank sowie den Vermögensverwalter DAB und GE Capital Fleet Services.

BNP ist stärker als der Wettbewerb gewachsen

Nach einer eigenen Analyse der Erträge in Deutschland sei die Bank im Vergleich mit dem Wettbewerb deutlich gewachsen. Alleine ING und BNP Paribas erzielten demnach Wachstumsraten von über 8 Prozent, während heimische Platzhirsche wie die Deutsche Bank, Commerzbank oder die HVB wenig gewachsen oder sogar geschrumpft seien. Das Erfolgsrezept sei etwa der digitale Ansatz. „Wir müssen kein Filialnetz restrukturieren“, sagte Diederichs.

„Wir erreichen eine bessere Kostenertragsrelation primär durch höhere Erträge und nicht durch Kostenkürzungen.“

Lutz Diederichs, Deutschlandchef der BNP Paribas

Bis 2025 will sich die Bank in punkto Erträge in Deutschland auf den Platz 5 vorkämpfen – hinter Deutsche, Commerzbank, DZ Bank und Hypovereinsbank. Im Vergleich zu den heimischen Wettbewerbern kann die BNP mit 55 Prozent eine bessere Kostenertragsrelation vorweisen. „Wir erreichen diese primär durch höhere Erträge und nicht durch Kostenkürzungen“, sagte Diederichs.

BNP Paribas nutzte Covid-Effekt im Firmenkundengeschäft

In den kommenden Jahren will Diederichs speziell die Position im Firmenkundengeschäft ausbauen, das zum Corporate & Institutional Banking gehört, welches für rund 30 Prozent der Erträge in Deutschland steht. Dabei betonte Diederichs aber, das mit deutschen Firmenkunden international gesehen sogar das dreifache des deutschen Werts verdient werde. Dies werde aber nicht der deutschen Bilanz zugeschrieben.

Das Umfeld derzeit ist durch die verschiedenen Faktoren kritisch. Zu bekannten Problemen wie der mangelnden Digitalisierung und dem demographischen Wandel – Stichwort Fachkräftemangel – gesellen sich exogene Schocks wie die Coronakrise und der Ukraine-Krieg inklusive Energiekrise. „In dreißig Jahren im Bankgeschäft habe ich noch nie eine derartige Situation erlebt“, sagte Diederichs. Speziell in der Coronakrise hatte die Bank bei deutschen Unternehmen mit mehr Krediten unter die Arme gegriffen – sie beteiligte sich nach FINANCE-Informationen etwa an der Corona-Krediten von Daimler und ZF.

Gegen den aktuellen Trend stärker werden will BNP Paribas bei der Finanzierung von Private-Equity-Deals. Auch im M&A-Geschäft will die Bank noch wachsen. In diesen Feldern ist die Bank laut FINANCE-Banken-Survey zuletzt vorangekommen, wie der Artikel unserer Serie Inside Corporate Banking zeigt.

Firmenkundengeschäft: ESG wird zum harten Kredit-Faktor

In der aktuellen Wachstumsstrategie spielt Nachhaltigkeit eine besonders wichtige Rolle. Dabei werden ESG-Faktoren immer mehr zu einem zentralen Faktor in der Kreditvergabe.

„Wir führen ein ESG-Assessment durch und fragen Unternehmen nach ihren Zielen und ihren Transformationsbemühungen“, sagt die Nachhaltigkeitschefin Eva Meyer (CSO), deren Team erst jüngst durch einen Neuzugang gewachsen ist.

Ein spezieller Deal, bei dem BNP Paribas beraten hat, ist die letztjährige Finanzierungsrunde über 700 Millionen Euro von Ionity, die Ladestationen für E-Autos in ganz Europa ausbauen. Bei der Finanzierungsrunde beteiligten sich neben Autobauern wie VW, BMW und Mercedes auch der Finanzinvestor Blackrock.

Schon früher als andere hatte die Bank Sektoren wie Kohle oder Tabak aus dem Portfolio verbannt. Damit liegt die Bank im Trend: Immer mehr Geldhäuser sieben ihre Kreditportfolien nach Nachhaltigkeitskriterien aus.

Eva Meyer leitet das Ressort Nachhaltigkeit bei BNP Paribas in Deutschland. Foto: BNP Paribas

Diederichs ergänzt: „Wir sehen wie wichtig das Thema ist, weil inzwischen auch die CEOs ESG auf der Agenda haben und nicht nur unsere üblichen Ansprechpartner, die CFOs.“ Nachhaltigkeit hat auch einen direkten Einfluss für die Vergütung des BNP-Paribas-Managements. „Der Großteil des Boni des Top-Managements ist inzwischen an CSR-Ziele geknüpft“, sagt Eva Meyer.

markus.dentz@finance-magazin.de | + posts

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.