Managing Partner Herbert Brauner will mit RSM wieder unter die zehn größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshäuser in Deutschland.

RSM

18.05.20
Banking & Berater

So will der Prüfer und Berater RSM wieder in die Top 10

Der Wettbewerb zwischen Deutschlands größten Wirtschaftsprüfern ist bereits enorm – und nun drängt noch ein weiterer Player in den Markt. So will die ambitionierte RSM in die Top 10 kommen.

Schon seit vielen Jahren sieht die Liste der zehn größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshäuser gleich aus: An der Spitze stehen die Big Four PwC, EY, KPMG und Deloitte, ihnen folgen mit einem großen Abstand die Next Ten-Häuser BDO, Rödl & Partner, Ebner Stolz, Baker Tilly und Mazars. Jetzt will ein Player dieses Ranking aufbrechen: die mittelständische WP- und Beratungsgesellschaft RSM. „Wir wollen schnell in die Top 10 kommen“, kündigt der Managing Partner Herbert Brauner im Gespräch mit FINANCE an.

Im Geschäftsjahr 2017 war RSM mit einem Umsatz von 41,3 Millionen Euro noch die Nummer 15 in Deutschland, 2018 landete RSM mit einem Umsatz von 60,3 Millionen Euro schon auf Rang 12. Und 2019 sind die Düsseldorfer ihrem Ziel noch näher gekommen, wie Brauner bei der Vorlage der Geschäftszahlen berichtet: Im vergangenen Jahr ist RSM um knapp 30 Prozent auf 77,9 Millionen Euro gewachsen.

Gut möglich, dass die Gesellschaft damit schon PKF Fasselt Schlage überholt hat, die 2018 noch einen Umsatz von 66 Millionen Euro erwirtschaftet hat – und Ende 2018 ihren großen Frankfurter Standort an RSM verloren hat. In diesem Fall dürfte RSM jetzt die neue Nummer 11 sein. Doch der letzte Sprung, um in den Top 10 anzukommen, ist der größte, setzt der zehntgrößte WP und Berater, Warth & Klein Grant Thornton, doch 60 Millionen Euro mehr um. „Wir sind uns dessen bewusst, dass das eine Herkulesaufgabe ist“, gibt Herbert Brauner zu.

RSM war von der Bildfläche verschwunden

Dabei war RSM vor vielen Jahren sogar schon einmal in den Top 10: 2005 war die Gesellschaft unter dem Namen RSM Haarmann Hemmelrath noch siebtgrößter Wirtschaftsprüfer in Deutschland, dazu reichte damals noch ein Umsatz von gerade einmal 60 Millionen Euro. Die Kanzlei Haarmann Hemmelrath, die unter anderem wegen der Beratung bei der Vodafone-Mannesmann-Übernahmeschlacht große Bekanntheit erlangte, agierte damals als eigenständige Gesellschaft im weltweiten RSM-Netzwerk, daher der Zusatz im Namen.

Nachdem die Haarmann Hemmelrath 2006 aber auseinanderfiel, flog RSM aus den Top 10 heraus, und es wurde ruhig um das Netzwerk. 2014 startete RSM aber wieder einen neuen Anlauf in Deutschland. Damals schlossen sich die drei zu RSM gehörenden Netzwerke Verhülsdonk & Partner, Hansaberatung und THP Treuhandpartner zur RSM Verhülsdonk zusammen. RSM Verhülsdonk war aber nur eine von vielen deutschen Gesellschaften, die Teil des weltweiten RSM-Netzwerks waren.

2017 folgte der nächste große Schritt: RSM setzte weltweit die „One Firm – One-Brand“-Strategie um. Statt mehrerer eigenständiger Netzwerkmitglieder sollte es in Deutschland nur noch eine RSM GmbH geben. Nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten auch die Big-Four- sowie einige Next-Ten-Gesellschaften wie BDO und Warth & Klein. In jedem Land gibt es nur eine Partnergesellschaft, die den Namen des Netzwerks trägt. In Deutschland setzte sich RSM Verhülsdonk durch.

RSM hat an Umsatz eingebüßt

Was zu einem Durchmarsch direkt in die Top 10 hätte werden können, wurde zunächst zum Rückschlag, denn dieser wichtige Schritt der Vereinheitlichung brachte auch einen starken Umsatzrückgang mit sich, weil einige Mitgliedsfirmen nicht mitgegangen sind: „Durch die neue Strategie fiel zuerst der Umsatz von 120 auf 50 Millionen Euro“, erinnert sich Herbert Brauner.

Doch jetzt hat RSM unter dem einheitlichen Markennamen wieder in den Angriffsmodus geschaltet. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Zugewinn des Frankfurter Standorts vom Konkurrenten PKF Ende 2018, wodurch 80 neue Kollegen zu RSM wechselten. „Damit hat RSM nun auch eine Niederlassung in der Metropole Frankfurt und damit auch einen besseren Zugriff Mandaten aus der Finanzbranche“, sagt Brauner. Durch den neuen Standort konnte RSM die Wachstumsrate im vergangenen Jahr beinahe verdoppeln.

RSM will in Deutschland zukaufen

Dieser Schritt dient Brauner nun als Blaupause: „Ohne Fusionen mit kleineren Wettbewerbern wird es nicht gehen“, weiß der RSM-Chef. Die Schwierigkeit: In der Zeit, in der RSM sich innerhalb des Netzwerks neu geordnet hat, hat sich der deutsche WP- und Beratermarkt bereits massiv konsolidiert.

„Es gibt nach wie vor interessante Merger-Kandidaten für uns.“

Herbert Brauner, Managing Partner, RSM

So hat etwa Warth & Klein Trinavis integriert, und Mazars ist mit Roever Broenner Susat verschmolzen. Doch Brauner ficht das nicht an: „Es stimmt, dass der Markt inzwischen schon vielfach verteilt ist und wir ein wenig spät dran sind. Trotzdem gibt es nach wie vor interessante Merger-Kandidaten für uns.“ Mit einigen führe RSM bereits Gespräche.

„Mittelfristig“ will RSM so auf einem Umsatz von 150 Millionen Euro kommen. Ob das dann für die Top 10 ausreichen wird, ist allerdings unklar, peilt die aktuelle Nummer 10 Warth & Klein bis 2025 doch schon einen Umsatz von 250 Millionen Euro an.

RSM will bekannter werden

Doch RSM sieht eine große Chance für sich – und diese liegt ausgerechnet darin, dass das Next-Ten-Haus bisher vielen noch eher unbekannt ist. Was zunächst unlogisch klingt, erklärt Brauner so: „Wir merken in Erstgesprächen immer wieder, dass viele unseren Namen nicht kennen. Doch wenn wir über uns berichten – wir sind der deutsche Vertreter des weltweit sechstgrößten Wirtschaftsprüfernetzwerks, bieten Prüfung, Steuerberatung und Consulting an und haben große mittelständische Unternehmen, die teils an der Börse sind, als Kunden –, dann ist das Interesse sehr groß. Allein nur wenn wir es schaffen, unseren Bekanntheitsgrad weiter zu steigern, sehe ich hier einen sehr großen Hebel.“

2019 habe man bereits daran gearbeitet, die Bekanntheit zu steigern, was sich auch in den Zahlen widerspiegeln würde, meint Brauner. Tatsächlich hat RSM in allen Geschäftsfeldern gut zugelegt. In der Steuerberatung ist RSM um 22 Prozent auf 36,5 Millionen Euro gewachsen, im Bereich Transaction Services & Consulting legte das Haus um über 66 Prozent auf 13,8 Millionen Euro zu.

Damit spielt das Beratungsgeschäft – gemessen am Umsatz – noch keine so wichtige Rolle wie bei den größeren Next-Ten-Häusern, soll aber perspektivisch ausgebaut werden. Der Umsatz in der Rechtsberatung liegt mit 1,5 Millionen Euro allerdings noch auf einem sehr geringen Niveau.

RSM hat neue Prüfmandate gewonnen

In der Wirtschaftsprüfung ist RSM um 34 Prozent auf 26,1 Millionen Euro gewachsen, Treiber waren unter anderem neue Prüfmandate, die RSM auch im Zuge der Prüferrotation hinzugewonnen hat. Insgesamt prüft RSM 13 kapitalmarktorientierte Unternehmen, darunter auch die SDax-Firmen Aumann und Isra Vision.

Innerhalb der Next Ten steht RSM damit nicht schlecht dar: Die Dax-Familie wird hauptsächlich durch die Big Four geprüft, von den Next Ten hat BDO sechs Mandate, Ebner Stolz drei und Rödl & Partner eines, während Mazars und Warth & Klein gar keins haben. „Wir könnten uns durchaus auch weitere Kunden im S- und MDax vorstellen“, sagt Herbert Brauner. Immerhin hat das Frankfurter Büro – damals noch als PKF – auch viele Jahre Stada geprüft. Doch wegen des hohen Zeit- und Kostenfaktors bewerbe man sich in der Dax100-Familie nur selektiv, schränkt er ein.

Corona macht RSM einen Strich durch die Rechnung

Für 2020 hatte RSM ursprünglich ein Umsatzwachstum von mindestens 10 Prozent auf rund 86 Millionen Euro angepeilt – doch die durch das Coronavirus verursachte Krise macht diesen Ambitionen nun wohl einen Strich durch die Rechnung. „Wir schließen aber nicht aus, dass auch 2020 mit einem Umsatzwachstum endet“, zeigt sich Brauner zuversichtlich. Anders als die größeren Häuser profitiert RSM nun davon, sein Geschäft bisher vor allem mit Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung gemacht zu haben. Beide Felder werden von der Krise kaum tangiert.

Viele Häuser, die stark im Consulting vertreten sind, bauen inzwischen rigoros Stellen ab – RSM nach eigenem Bekunden nicht: „Stellenstreichungen sind für uns überhaupt kein Thema“,  bestätigt Brauner auf diese Entwicklung angesprochen. „Wir wissen, wie schwierig der Personalmarkt ist: Wenn wir jetzt jemanden gehen lassen, ist er für immer weg.“

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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