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Olaf Klinger: Dufte im Dax

Symrise hat endlich den Aufstieg in den Dax geschafft. Finanzchef Olaf Klinger spielte dabei eine wichtige Rolle – er ist unser CFO des Monats.
Symrise hat endlich den Aufstieg in den Dax geschafft. Finanzchef Olaf Klinger spielte dabei eine wichtige Rolle – er ist unser CFO des Monats. Foto: Symrise

Was lange währt, wird endlich gut – das gilt nun auch für Symrise. Der Hersteller von Aromen und Düften hat eine beständige Wachstumsphase hinter sich und galt schon seit einiger Zeit als möglicher Anwärter für den Dax. Vor einem Jahr standen die Chancen bereits gut, als ein Dax-Nachfolger für das Skandalunternehmen Wirecard gesucht wurde. Symrise verpasste den Einzug letztlich aber knapp – neues Dax-Mitglied wurde stattdessen der Essenslieferant Delivery Hero.

„Über kurz oder lang kommen wir da sowieso rein“, sagte Symrise-CEO Heinz-Jürgen Bertram damals und gab sich tiefentspannt. Er sollte Recht behalten: Mit der Erweiterung des Dax von 30 auf 40 Mitglieder gelang der Einzug in die erste Börsenliga.

Das Traditionsunternehmen, dessen Historie bis 1874 zurückreicht, stellt Düfte und Geschmäcker für Nahrung, Getränke, Tierfutter, Kosmetika und Hygieneprodukte großer Konzerne her. Symrise ist seit 2006 an der Börse und war 14 Jahre lang im MDax gelistet. Seit dem IPO hat sich der Aktienkurs versechsfacht, bis auf einen Dämpfer während der Finanzkrise ging es im Trend stets bergauf. Das starke Unternehmenswachstum der vergangenen Jahren bei gleichzeitig solider Bilanz ist auch ein Verdienst von Finanzchef Olaf Klinger.

CFO Olaf Klinger trieb M&A-Strategie voran

Unser CFO des Monats ist dem Unternehmen schon lange treu: 2016 wurde Klinger Finanzchef bei Symrise. Schon vor seinem Amtsantritt fuhr das Unternehmen eine ambitionierte M&A-Strategie: Sein CFO-Vorgänger Bernd Hirsch fädelte etwa die Milliardenübernahme des französischen Wettbewerbers Diana ein, Symrise stieg damit groß in das Geschäft mit Heimtiernahrung ein. Kurz vor seinem Abgang tütete Hirsch noch die Übernahme des US-Konkurrenten Pinova für 400 Millionen US-Dollar ein. Die Integration des Zukaufs war dann schon Klingers Job.

Ihm gelang es, die M&A-Strategie fortzuführen. 2017 übernahm Symrise unter CFO Klinger den britischen Säfte-Hersteller Cobell, 2019 folgte der US-Hersteller von Tierfutterzusätzen ADF/IDF, der für 900 Millionen US-Dollar ins Konzernportfolio wanderte. ADF/IDF ergänzt das Angebot von Diana – rückblickend ein wegweisender Deal, von dem Symrise gerade in der Corona-Pandemie profitieren sollte.

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Zwar spürte auch Symrise zu Beginn der Pandemie einen Einbruch – dieser währte aber nur kurz. Dabei profitierte das Unternehmen von der großen Bandbreite der Endprodukte, in denen sich die Düfte und Aromen wiederfinden: Während die Nachfrage nach Produkten für die Gastronomie wie Getränke und Süßigkeiten während der Lockdowns einbrach, entwickelten sich insbesondere Tierfutter und Hygieneprodukte zum großen Verkaufsschlager.

Im Geschäftsjahr 2020, das für den Großteil der deutschen Unternehmen ein Krisenjahr war, legte der Umsatz von Symrise immerhin noch um über 3 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zu. Dass das Umsatzziel verfehlt wurde, ist einem Hacker-Angriff geschuldet, der den Geschäftsverlauf im Dezember deutlich beeinträchtigt hatte. Der Free Cashflow stieg im Corona-Jahr um 18 Prozent auf 564 Millionen Euro.

Symrise kämpfte mit Logistikproblemen während Corona

Trotzdem war das Wachstum keinesfalls ein Selbstläufer für CFO Klinger – Logistikprobleme machten auch dem Holzmindener Unternehmen zu schaffen. „Wie wir an unsere Rohstoffe kommen, war von Tag eins Thema bei uns. Dabei war das Problem gar nicht der Zugang zu den Rohstoffen, denn unsere Lieferfähigkeit ist gegeben, sondern die Schwierigkeiten bei der Logistik“, berichtete der Finanzchef Ende November 2020 bei einer Podiumsdiskussion auf der Structured FINANCE.

Besonders der Import aus dem Ausland sei kaum noch möglich gewesen. Die Flexibilität bei der Planung sicherzustellen und schnell zu reagieren, war damals die größte Herausforderung für den CFO und seine Finanzabteilung. Ein Vorteil für das Unternehmen dabei: Symrise hatte in den Vorjahren die Integration seiner Lieferketten stark vorangetrieben und die Lager gut gefüllt. Dadurch war der Konzern zumindest von Lieferengpässen bei bestimmten Rohstoffen deutlich weniger stark betroffen als mancher Wettbewerber.

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So finanziert Symrise-CFO Olaf Klinger die M&A-Strategie

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Mit der Übernahme von ADF/IDF will Symrise seine US-Präsenz ausbauen und stärker in den Tierfuttermittelbereich vordringen. CFO Olaf Klinger hat die Finanzierung für die 800 Millionen Euro schwere Transaktion so gut wie abgeschlossen. Als nächstes steht im Juli die Refinanzierung einer 500 Millionen Euro schweren Unternehmensanleihe auf seinem Plan. Dem Instrument will er treu bleiben: „Wir werden im Laufe des Jahres mit einer neuen Anleihe auf den Markt kommen“, sagt er im Talk bei FINANCE-TV. Wie sich die Verschuldung durch den jüngsten Zukauf verändert und wie er den Kapitalmarkt ohne Rating nutzt, verrät der CFO im Talk bei FINANCE-TV.

Auch finanziell sicherte Klinger sein Unternehmen in der Krise ab. Sein Ziel: Ein Puffer in Höhe von 1 Milliarde Euro Liquidität. Dafür nahm Symrise noch bilaterale Bankenlinien in Anspruch. Auch Refinanzierungen waren 2020 an der Tagesordnung: Dafür begab der CFO im Sommer eine Anleihe über 500 Millionen Euro.

Und auch 2021 blieb Klinger nicht tatenlos: Im Mai sicherte er dem Unternehmen erstmals eine revolvierende Kreditlinie mit Nachhaltigkeitskomponente in Höhe von einer halben Milliarde Euro. Symrise ist auf Finanzierungsseite mit Krediten, Anleihen und Schuldscheinen sehr breit aufgestellt – diese Diversifizierung ist eine bewusste Entscheidung, wie Klinger in einem FINANCE-TV-Talk betonte. Um die Strukturen weiter zu verbessern, stieß er außerdem nach seinem Amtsantritt den Aufbau eines Inhouse-Bank an, die nun seit 2019 etabliert ist.

Symrise muss sich im Dax erst beweisen

Mit dem Aufstieg in den Dax erntet das Management nun die Früchte des Erfolgs. Nun gilt es, sich dauerhaft zu etablieren und zu beweisen. Der Neuling ist noch ein vergleichsweiser kleiner Wert im Dax. Im Gegensatz zu den anderen Aufsteigern wie Airbus, Zalando oder Puma ist Symrise einer breiten Bevölkerung außerdem kaum bekannt, auch wenn fast jeder vermutlich täglich mit Produkten in Berührung kommt, in denen Duft- oder Geschmacksstoffe des Konzerns stecken.

Mehr denn je dürften Symrise und sein CFO Klinger nun im Rampenlicht stehen. Fehltritte wie die heftige Cyberattacke Ende 2020, bei der Symrise sogar vorübergehend die Produktion einstellen musste, darf sich das Unternehmen nun nicht mehr erlauben.

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Olaf Klinger, Symrise AG

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Symrise AG

Wie kann CFO Klinger das Wachstum weiter vorantreiben? Das krisensichere Geschäftsmodell und die breite Aufstellung kommen dem Unternehmen derzeit erneut zugute: Während sich die Nachfrage nach Hygieneprodukten und Tierfutter wieder normalisieren dürfte, steigt mit geöffneter Gastronomie wieder die Nachfrage nach Symrise-Produkten für Nahrung und Getränke. Im August hob Symrise daher die Prognose für 2021 an, das Umsatzwachstum soll bei über 7 Prozent liegen.

Vor kurzem kündigte der Konzern außerdem an, sein Geschäft mit Sonnenschutz und Farben für Kosmetika mit einer Partnerschaft auszubauen. Symrise beteiligte sich mit einem Viertel an dem US-Unternehmen Kobo. Das wird aber auf Dauer nicht reichen – der Markt erwartet eine größere Übernahme. Da diese eine Kapitalerhöhung nach sich ziehen könnte, sind Analysten skeptisch, ob die anspruchsvolle Bewertung des Aktienkurses auf dem aktuellen Rekordniveau wirklich nachhaltig ist. Zudem sind die gestiegenen Rohstoffkosten eine Herausforderung: Sie könnten die Gewinnmargen drücken. Der neue Dax-CFO kann sich also auf dem Erfolg der vergangenen Jahre nicht ausruhen.  

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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Julia Schmitt ist Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung, Controlling und Bilanzierung. Julia Schmitt hat einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre und Publizistik und arbeitete während ihres Studiums unter anderem in der Online-Redaktion der ZDF heute.de-Nachrichten.

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