Nach erfolgter Integration verlässt CFO Richard Lohner Hallhuber.

Gerry Weber

02.08.18
CFO

Hallhuber-CFO Richard Lohner geht

Die Integration von Hallhuber in den Gerry-Weber-Konzern ist durch, und der langjährige Hallhuber-CFO Richard Lohner nimmt seinen Hut. Hallhuber hat sich zuletzt gut entwickelt – im Gegensatz zur Mutter Gerry Weber.

Die Integration von Hallhuber in den Modekonzern Gerry Weber ist abgeschlossen. Der langjährige Finanzchef Richard Lohner nimmt dies zum Anlass, Hallhuber zu verlassen. Lohner, der für die Verlagerung seiner kaufmännischen Bereiche Buchhaltung, Controlling, Personal und Logistik in den Mutterkonzern verantwortlich war, geht „auf eigenen Wunsch und in bestem Einvernehmen“, wie Gerry Weber in einer offiziellen Mitteilung betont.

Gerry Weber hatte Hallhuber Anfang 2015 von dem Private-Equity-Investor Change Capital Partners übernommen – mit dem Deal stieg der Konzern in das jüngere Damenmodesegment ein. „Die Integration der kaufmännischen Bereiche in die Gerry-Weber-Gruppe war von Anfang an Teil des strategischen Plans, um die Synergien der beiden Unternehmen bestens zu nutzen. Nach erfolgreichem Abschluss wende ich mich nun neuen beruflichen Aufgaben zu“, erklärt Lohner seinen Schritt. Wohin es ihn jetzt zieht, ist nicht bekannt.

Jörg Stüber wurde neuer Gerry-Weber-CFO

Lohner war seit 2010 CFO von Hallhuber, zwischen Juli 2017 und Januar 2018 war er auch als CEO des Unternehmens tätig, nachdem Firmenchef Norbert Steinke zurückgetreten war und auch den Vorstand von Gerry Weber verlassen hatte. Lohner hat einen Großteil seiner Karriere in der Modebranche verbracht, unter anderem war er Finanzvorstand und Geschäftsführer bei dem Herrenmoden-Hersteller Bäumler und Finanzdirektor bei dem Luxusmodenschneider Escada.

Lohner ist nicht der erste hochrangige Abgang im Finanzressort von Gerry Weber: Mitte November schied schon der damalige Konzern-CFO David Frink aus, nachdem das Unternehmen den Kapitalmarkt einige Tage zuvor mit der Ankündigung irritiert hatte, über das Ausscheiden von Frink beraten zu wollen. Den CFO-Posten übernahm der damalige Leiter Finanzen Jörg Stüber zunächst interimistisch, ab diesem April dann schließlich endgültig. Möglicherweise wäre dieser Posten auch für Lohner eine interessante Perspektive gewesen.

Gerry Weber schockte mit Gewinnwarnung

Stüber hat nun aber alle Hände voll zu tun, denn bei Gerry Weber reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Das Unternehmen gab Mitte Juni eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr heraus, nachdem auch schon die beiden vorangegangenen Geschäftsjahre extrem enttäuschend verlaufen waren. Der Umsatz des einstigen Vorzeigeunternehmens sinkt, die Gewinne sind massiv eingebrochen. Erwirtschaftete das börsennotierte Familienunternehmen im Geschäftsjahr 2013/14 noch einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 109 Millionen Euro, waren es im vergangenen Jahr nur noch 10 Millionen.

Jörg Stüber, Gerry Weber International AG

Jörg Stüber startet seine Karriere 1988 als Bankkaufmann bei der Sparkasse Herford. Nach dem Studium steigt er 1997 als Prüfungsassistent in der Wirtschaftsprüfung bei Ernst & Young ein. Er legt dort seine Examen als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ab und wird Senior Manager und Prokurist.

Knapp zehn Jahre später wechselt Stüber zum Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg, wo er zunächst die Leitung des Bereichs Rechnungswesen & Steuern der Vertriebsgesellschaften und später dann bei den Kraftwerks- und Erzeugungsgesellschaften übernimmt.

Im März 2011 wird er Leiter für Finanzen bei dem Modekonzern Gerry Weber International. Dort übernimmt er nach dem Weggang von Ex-CFO David Frink im November 2017 zunächst interimsweise den CFO-Posten. Ab April 2018 wird er für drei Jahre zum Finanzvorstand bestellt, gibt sein Amt aber schon im August des gleichen Jahres wieder auf, um auf seinen alten Posten als Leiter Finanzen zurückzukehren.

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Zudem erwies sich das erste Restrukturierungsprogramm von Gerry Weber, „Fit 4 Growth“, als viel zu zaghaft, so dass das Management im Juni ein zweites Sanierungspaket aufgelegt hat, welches nicht nur das Ebit mittelfristig um 35 bis 40 Millionen Euro entlasten soll, sondern im Kern auch noch die wichtigsten Unternehmensprozesse tiefgreifend umstellt. Der Aktienkurs brach im Zuge dessen noch einmal deutlich ein, so dass sich das Dreijahresminus inzwischen auf 75 Prozent summiert.

Hallhuber hingegen hat sich etwas besser entwickelt als die Stammmarke Gerry Weber: Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte das Label seinen Umsatz um 6 Prozent auf 194 Millionen Euro. Zum Zeitpunkt der Übernahme drei Jahre zuvor lag Hallhuber noch bei 140 Millionen Euro. Mit einem Ebit von minus 2,5 Millionen Euro schrieb Hallhuber im Gegensatz zum Gesamtkonzern aber sogar operativ rote Zahlen. Alle Marken des Gerry-Weber-Konzerns leiden unter dem harten Wettbewerb in der deutschen Textilbranche, die durch den Siegeszug des Online-Shoppings immer stärker unter Druck gerät.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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