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Wo das Firmenkundengeschäft bald digitaler wird – und wo eher nicht

Noch zu wenig digital: das Firmenkundengeschäft.
Noch zu wenig digital: das Firmenkundengeschäft. Foto: everythingpossible - adobestock.co

Schneller, digitaler, handlicher: Was im Privatkundengeschäft schon an der Tagesordnung ist, klingt für Firmenkunden teils noch wie Science Fiction. Viele Prozesse, etwa im Außenhandelsgeschäft, laufen noch weitgehend manuell und papierbasiert ab, fast wie vor 40 Jahren. Doch das dürfte sich in absehbarer Zeit ändern, denn auch das Corporate Banking wird zunehmend digitaler, wie eine neue Studie von FINANCE und der LBBW zeigt. Doch die befragten Finanzentscheider sehen auch an vielen Stellen noch Nachholbedarf.

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Digitale Firmenkunden: Es hakt (auch) bei Unternehmen

Bei der Befragung zeigt sich, dass schon in einigen Unternehmen die Voraussetzungen für eine digitale Bankbeziehung nicht vollständig gegeben ist: 68 Prozent der Befragten schätzen den eigenen Digitalisierungsgrad als gerade einmal „mittel“ ein. Nur 17 Prozent bezeichnen ihn als hoch. Um webbasierte Bankangebote aber vollständig nutzen zu können, sollte der Digitalisierungsgrad so hoch wie möglich sein.

Hinzu kommt: Die befragten CFOs und Treasurer sind zurückhaltend bei der Einführung neuer Technologien. Schon aus Sicherheitsgründen agieren sie selten als „Early Adopter“, sondern führen Systeme meist erst ein, wenn diese ausgiebig erprobt sind. Diese Zurückhaltung ist ein weiterer Grund, warum die Digitalisierung bei Firmenkunden deutlich langsamer voranschreitet als bei Privatleuten.

Zahlungsverkehr top, KYC-Prozesse flop

Das heißt aber nicht, dass Digitalisierung überhaupt nicht stattfindet: Am weitesten fortgeschritten ist die Zusammenarbeit von Banken und Firmenkunden im Brot-und-Butter-Geschäft, dem Zahlungsverkehr. Hier nutzen Unternehmen häufig Webportale von Banken oder planen dies. Größere Unternehmen setzen dabei auch häufig unabhängige Payment- und Treasury-Systeme ein, um mit ihren Banken zu kommunizieren und Zahlungsinformationen auszutauschen.

Es zeigt sich aber auch, dass bei komplexen Anwendungen wie etwa Investitionsfinanzierungen und selbst bei Kontoeröffnungen der analoge Weg nach wie vor dominiert. Bei der Kontoeröffnung ist besonders das Thema „Know-your-Customer“ ein wichtiges Hemmnis: Wie die Umfrage zeigt, dauern die KYC-Checks der Banken oft mehr als fünf Tage, in Einzelfällen ziehen sie sich sogar über Wochen und Monate. Dieser Prozess, der dazu dienen soll, Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu vermeiden, müsse noch effizienter werden, fordern viele Treasurer.

Digitalisierung von FX-Prozessen noch die Ausnahme

Es gibt aber durchaus auch Erfolge zu vermelden, denn der Markt und das Angebot der Banken werden größer. Beispiel Avale: Diese Art der Bürgschaft oder Bankgarantie, die in einigen Branchen existentiell wichtig ist, wird zunehmend digitaler. Für Avale planen 21 Prozent der teilnehmenden Finanzexperten derzeit eine digitale Lösung, 25 Prozent verwenden eine solche bereits. Die aufwändige Verwaltung von Rechten und Vollmachten böte sich eigentlich ebenfalls über eine webbasierte Lösung an, doch eine solche ist für 58 Prozent der Befragten bislang noch nicht in Sicht.

In Zeiten von Home Office und Remote Work ist auch die Nachfrage nach elektronischen  Unterschriften deutlich gestiegen. Viele Befragte planen gerade die Einführung von digitalen Signaturen. Allerdings machen Formerfordernisse ihren Einsatz im Bankenverkehr aufwändig und erfordern zusätzlich die Zusammenarbeit mit einem weiteren Dienstleister.

Auch im Bereich der Fremdwährungssicherung nutzen erste Unternehmen webbasierte Prozesse, allerdings ist in dem Bereich noch viel Luft nach oben: Vier von zehn Befragten nutzen bereits webbasierte FX-Prozesse, weitere 9 Prozent planen zumindest die Umstellung.

Revolution im Zahlungsverkehr

Ein Bereich, der sich in den kommenden Jahren massiv ändern dürfte, ist der Zahlungsverkehr. Hier stehen die Innovationen schon in den Startlöchern: Echtzeitzahlungen (Instant Payments) werden inzwischen von vielen Banken angeboten. Knapp ein Drittel der befragten Finanzentscheider und Treasurer verwendet Echtzeitzahlungen oder plant zumindest ihren Einsatz. Um einen Nutzen aus diesen Instant Payments zu ziehen, müssen aber noch die internen Systeme und Prozesse der Unternehmen angepasst werden. Das ist aufwändig und erfolgt nur, wenn ein konkreter Nutzen ersichtlich ist – momentan fehlen in vielen Branchen aber noch die Business Cases.

Auch Request to Pay ist ein neues Verfahren, das seit Sommer dieses Jahres eingesetzt werden kann. Noch gehört es nicht zum Standard-Repertoire von Unternehmen und Banken, doch das dürfte sich ändern. Aber selbst das wird seine Zeit brauchen, denn der neue Ansatz, der automatisch Überweisungen auslösen kann, ist komplex.  

So zeichnet die Studie ein Bild von „Work in Progress“: Bei der Digitalisierung des Firmenkundengeschäfts ist viel in Bewegung, aber noch lange nicht das Ziel erreicht.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.