Der Küchenbauer Alno und der Erotikhändler Beate Uhse können ihre Jahreszahlen erneut nicht vorlegen.

Volker Waldorf/Alno AG

03.07.17
Finanzabteilung

Alno und Beate Uhse verschieben Geschäftsberichte erneut

Der Küchenbauer Alno und der Erotikhändler Beate Uhse können ihre Jahreszahlen noch immer nicht vorlegen. Für die Anleihegläubiger verheißt das nichts Gutes.

Der Küchenhersteller Alno und der Erotikhändler Beate Uhse haben offenbar immer größere Probleme, sich einen Überblick über ihre Geschäftszahlen zu verschaffen. Wie die beiden Emittenten einer Mittelstandsanleihe unabhängig voneinander mitteilten, verschieben sie die Veröffentlichung ihrer Geschäftsberichte für das Jahr 2016, die eigentlich schon im Frühjahr fällig gewesen wären, erneut.

Beate Uhse: Geschäftsbericht verzögert sich wegen CFO-Abgang

Beide führen als Begründung  Wechsel im Management an. Bereits im April hatte Beate Uhse die Bekanntgabe der Jahreszahlen verschoben. Damals hieß es noch, dass diese voraussichtlich bis Mai präsentiert werden.

Nachdem der langjährige CFO Cornelis Vlasblom Beate Uhse Anfang Juni verlassen musste, hatten die Hamburger jedoch angekündigt, dass sich der Bericht erneut verschieben würde. Einen Zeitpunkt konnte das Unternehmen seinerzeit auf Anfrage nicht nennen.

Nun hat Beate Uhse mitgeteilt, dass sich die Aufbereitung der Zahlen aufgrund des Abgangs von Finanzchef Vlasblom bis Oktober dieses Jahres verzögert. Zur Unterstützung bei der Erstellung des Geschäftsberichts hat der Erotikhändler eine nicht näher genannte Unternehmensberatung aus Hamburg hinzugezogen.

Beate Uhse hat eine Mittelstandsanleihe über 30 Millionen Euro mit einem Kupon von 7,75 Prozent am Markt. Die nächste Zinszahlung ist am kommenden Wochenende fällig. Derzeit notiert das Papier bei knapp 30 Prozent. Mit einem Plan für die Restrukturierung der Anleihe war Beate Uhse vor einem Jahr gescheitert. Die Kuponzahlung konnten die Norddeutschen im Vorjahr nur mit Verspätung leisten.

Alnos Jahreszahlen sollen im August vorliegen

Auch Alno muss die Vorlage der Zahlen erneut verschieben. Eigentlich wollte der Küchenhersteller diese eigentlich am 28. April präsentieren, verschob diese dann aber auf den 9. Juni. Später verlegte Alno den Geschäftsbericht auf den 30. Juni. Als Grund nannte das Unternehmen den Wechsel des Vorstandschefs Max Müller. Dieser machte Platz für den bisherigen CFO Christian Brenner.

Aber auch diese Frist ließ Alno jetzt verstreichen. Nun sollen die Jahreszahlen am 14. August vorliegen, verspricht Alno. Immerhin präsentierte der Konzern vorläufige Zahlen für die ersten fünf Monate 2017: Demnach ist der Umsatz von 124,5 auf 122,5 Millionen Euro leicht rückläufig. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Restrukturierungsaufwendungen liegt mit 1,3 Millionen Euro weiterhin im negativen Bereich. Im vergangenen Jahr hatte dieser Wert aber noch bei minus 10 Millionen Euro gelegen.

Mittelstandsanleihen von Alno und Beate Uhse unter Druck

Alno hat ebenfalls einen Mini-Bond am Markt, der noch bis Mai 2018 läuft. Dieser hat ein Volumen von 45 Millionen Euro und ist mit 8,5 Prozent verzinst. Die Anleihe notiert derzeit bei 35 Prozent.

Im vergangenen Jahr war der Finanzinvestor Tahoe bei Alno eingestiegen. Dahinter steckt die Hastor-Familie, die zuletzt bei dem Autozulieferer Grammer durch einen Versuch aufgefallen war, die Kontrolle an sich zu reißen. Der neue Alno-CEO/CFO Brenner gilt als Vertrauter von Tahoe.

Alno und Beate Uhse haben beide seit vielen Jahren mit schweren operativen Problemen zu kämpfen. Der Turnaround lässt in beiden Fällen auf sich warten. Die gravierenden Probleme bei der Erstellung der Jahresberichte lassen für die Bondholder wenig Gutes erahnen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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