07.10.14
Finanzierungen

Refinanzierungsrisiken bei Mittelstandsanleihen steigen

Emittenten von Mittelstandsanleihen stehen im Zuge der Refinanzierung harte Zeiten ins Haus. Auch wenn einige Emittenten schon gezeigt haben, wie es gehen kann, wird dies nicht allen gelingen. Mit weiteren Ausfällen ist zu rechnen.

Die Refinanzierungsrisiken für Emittenten von Mittelstandsanleihen steigen. Nach Berechnungen der Ratingagentur Scope werden bis 2018 im Segment der Mittelstandsanleihen insgesamt 5,4 Milliarden Euro fällig. Vor allem für die Jahre 2017 und 2018 rechnet Scope mit Refinanzierungsrisiken, da in drei Jahren ein Anleihevolumen von insgesamt 1,6 Milliarden Euro fällig wird. 2018 laufen sogar Mittelstandsanleihen in einem Gesamtvolumen von 2,4 Milliarden Euro aus.

Mittelstandsanleihen: KTG und DIC gehen Refinanzierung an

Wie Emittenten ihre Mittelstandsanleihen refinanzieren können, zeigen bereits eine Handvoll Beispiele: Das Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar hatte im August angekündigt, seinen bestehenden Anleihegläubigern neue Papiere anzubieten, um die Laufzeit um weitere fünf Jahre zu verlängern. KTG-Chef Siegfried Hofreiter muss den Gläubigern aber einen um 50 Basispunkte höheren Kupon anbieten, um sie von dem Umtausch zu überzeugen. Auch der Immobilienentwickler Eyemaxx Real Estate muss seinen Anleihegläubigern einen Kupon von 8 Prozent für den Umtausch der alten, 2019 fällig werdenden Mittelstandsanleihe bieten, die mit 7,875 Prozent verzinst wird. Das sagt einiges über die gewachsene Skepsis der Investoren gegenüber Mittelstandsanleihen aus.

Der Frankfurter Immobiliengesellschaft DIC Asset ist es sogar gelungen, Anfang September innerhalb weniger Stunden mit einer neuen Anleihe 125 Millionen Euro einzusammeln. Aber DIC Asset steht nicht für den klassischen Emittenten einer Mittelstandsanleihe: Zum einen konnte die Immobiliengesellschaft vor kurzem ein besseres operatives Ergebnis vorweisen, was bislang nur wenigen Emittenten gelungen ist. Zum anderen hat sich DIC Asset bereits vom angeschlagenen Segment der Mittelstandsanleihen abgegrenzt. War die Anleihe 2011 noch im Entry Standard für Unternehmensanleihen, dem Mittelstandssegment der Deutschen Börse, gestartet, notieren inzwischen alle Bonds von DIC Asset im Prime Standard.

„Wir unterscheiden uns von vielen mittelständischen Emittenten, weil wir eine deutlich höhere Transparenz und einen langfristig positiven Track-Record bieten“, begründete DIC-CEO Ulrich Höller gegenüber FINANCE bereits im Sommer 2013 diese Entscheidung.

Dürr zählte nie wirklich zu den Mittelstandsanleiheemittenten

Auch der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr, den Scope noch als Beispiel anführt, hat sich von den Mittelstandsanleihesegmenten inzwischen deutlich abgesetzt. Zwar gehörte die 2010 platzierte und inzwischen gekündigte Mittelstandsanleihe zu den ersten dieser Mittelstandssegmente, aber Dürr zählte nie wirklich zu den klassischen Emittenten eines sogenannten Minibonds.

Mit dem platzierten ungerateten Euro-Bond in Höhe von 300 Millionen Euro im März hat sich der Maschinen- und Anlagenbauer nun vollständig von diesem Markt abgegrenzt. „Das Mittelstandsanleihesegment hat sich […] leider nicht in der von uns erwarteten Form entwickelt, sondern viele Emittenten mit minderer Kreditqualität angezogen“, sagte Dürr-CFO Ralph Heuwing  im Frühjahr zu FINANCE. „Wir hätten uns von den Marktbeteiligten mehr Sorgfalt in der Emittentenauswahl gewünscht.“ 

Mittelstandsanleihen: Viele Ratings im BB-Bereich oder darunter

Scope geht davon aus, dass insbesondere Unternehmen mit geringer Bonität und einem für  Eigenkapitalinvestoren nicht attraktiven Geschäftsmodell Probleme bei der Refinanzierung haben könnten. Mehr als zwei Drittel der aller existierenden Ratings in den Mittelstandsanleiheemittenten liegen aktuell im BB-Bereich oder darunter. Weitere Ausfälle sind zu erwarten.

Erst vor wenigen Tagen ist mit der Immobiliengesellschaft Golden Gate der nächste Mittelstandsanleiheemittent pleite gegangen. Seit 2010 musste der deutsche Markt für Mittelstandsanleihen Scope zufolge bereits 23 ausgefallene Mittelstandsanleihen von 20 Emittenten verkraften.

Um dennoch die bereits platzierten Minibonds refinanzieren zu können, erwartet Scope, dass die Emittenten verstärkt Besicherungen und Financial Covenants in den Anleihebedingungen aufnehmen werden müssen. Bislang haben der Ratingagentur zufolge lediglich rund 20 Prozent der Emittenten Besicherungen oder Financial Covenants ihren Investoren angeboten.

Der Best Practice Guide der Deutschen Börse soll dabei helfen, neue Maßstäbe am Markt für Mittelstandsanleihen zu etablieren. Die Anleihe des Erotikunternehmens Beate Uhse ist die erste dieser neuen Generation. Ob diese Ansprüche reichen werden, die Mittelstandsanleihe doch noch als Instrument zu etablieren und die anstehenden Refinanzierungen zu ermöglichen, muss sich aber erst noch zeigen.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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