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Restrukturierungsnews: Borgward, Veritas, Wolford

Borgward gilt als deutsche Traditionsmarke, in den vergangenen Jahren versuchte das Unternehmen den Relaunch als SUV-Hersteller. Nun ist Borgward endgültig insolvent. Foto: hanseat - stock.adobe.com

Traditionsautobauer Borgward endgültig insolvent

Der deutsche Traditions-Autohersteller Borgward ist endgültig insolvent. Wie das Portal „Automotive News Europe“ berichtet, hat die chinesische Mutter für den einst drittgrößten deutschen Fahrzeugbauer Insolvenz angemeldet. Die Borgward-Mutter, Beiqi Foton Motor, habe zudem eine Genehmigung zur Liquidation der Vermögenswerte beantragt. Auch die deutsche Tochter des Konzerns, die Borgward Group GmbH, die bis zuletzt zumindest formell noch Bestand hatte, ist laut einem Eintrag im Bundesanzeiger liquidiert. Grund für die Insolvenz seien zu geringe Absatzzahlen.

Borgward war Ende der 50er-Jahre einer der größten deutschen Autohersteller, musste aber 1963 Insolvenz beantragen. 2015 wurde die Marke vom chinesischen Automobilkonzern Beiqi Foton Motor, der 2014 die Markenrechte an Borgward erworben hatte, wiederbelebt. Das Unternehmen wollte unter der Marke vorrangig SUV-Modelle vertreiben, geplant war auch, 2019 ein Borgward-Werk in Bremen zu eröffnen. Die Pläne wurden nie in die Tat umgesetzt, laut der „Welt“ wurde der deutsche Standort bereits 2020 abgewickelt.

Türkische Investoren übernehmen Autozulieferer Veritas

Für den insolventen Automobilzulieferer Veritas steht nun eine Investorenlösung. Große Teile des im hessischen Gelnhausen sitzenden Unternehmens werden von den beiden Investorenfamilien Celik und Gundemir aus der Türkei übernommen. Die Familie Celik besitzt 50 Prozent des türkischen Automobilzulieferers Beycelik-Gestamp Automotive, die Familie Gundemir ist Eigentümerin diverser Textil-, Immobilien- und Automobilunternehmen.

Der Deal umfasst drei deutsche Standorte in Gelnhausen, Polenz und Neustadt (Sachsen) sowie alle Auslandstöchter in Bosnien, Österreich, Ungarn, der Türkei, China und Mexiko. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Standort in Benshausen (Thüringen) mit rund 200 Beschäftigten steht noch zum Verkauf, aktuell finden laut Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner (Brinkmann & Partner) Gespräche mit einem Interessenten statt.

Veritas hatte kurz nach Beginn der Corona-Pandemie 2020 Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 4.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Februar dieses Jahres wurde bekannt, dass die geplante Übernahme durch das US-Unternehmen HDT geplatzt war.

Wolford restrukturiert weiter

Wolford hat einen weiteren Schritt innerhalb seiner kniffligen Restrukturierungsphase getan. Der strauchelnde Strumpfhosenhersteller hat Anfang Dezember eine Kapitalherabsetzung mit anschließender Kapitalerhöhung beschlossen. Damit reduziert Wolford sein Grundkapital auf 32 Millionen Euro, durch die Ausgabe von bis zu 3,3 Millionen neuer Stückaktien soll das Kapital dann auf rund 48 Millionen Euro erhöht werden. Dadurch könnten dem Unternehmen, das mehrheitlich dem chinesischen Investor Fosun gehört, bis zu 20 Millionen Euro frische Liquidität zufließen.

Zudem hat Wolford bekannt gegeben, dass das Unternehmen eine neue Finanzleiterin hat. Valentina Rainone wird den Posten übernehmen, die 44-Jährige soll dabei alle Aufgaben einer CFO wahrnehmen, ohne dem Vorstand anzugehören. Rainone soll an COO Paul Kotrba berichten. Ihre Aufgabe und die des Vorstands wird es sein, Wolford wieder in die Gewinnzone zu bringen. In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen bis auf das Jahr 2020 zweistellige Millionenverluste (nach Steuern) verbucht.

Adler-Sanierung macht Fortschritte

Die Adler-Sanierung macht Fortschritte. Nachdem sich der Immobilienkonzern mit seinen Anleihegläubigern auf eine Geldspritze in Höhe von 900 Millionen Euro einigen konnte, haben weitere Gläubiger den Änderungen der Anleihebedingungen zugestimmt. Die Zustimmung ist neben einem positiven Sanierungsgutachten eine der Voraussetzungen dafür, dass Adler das frische Kapital erhält. Beraten hatte bei der Finanzierung die Kanzlei White & Case.

Wie das Unternehmen am vergangenen Freitag mitteilte, hätten bislang 60 Prozent aller Anleihegläubiger den Änderungen zugestimmt. Adler benötigt aber für jede seiner sechs Anleiheserien eine Zustimmung von mindestens 75 Prozent, und hat diese Schwelle erst bei drei von sechs Anleiheserien erreicht. Um die noch unentschlossenen Anleihegläubiger zur Zustimmung zu motivieren, verspricht Adler jedem, der zustimmt, eine Abstimmungsgebühr von 25 Basispunkten.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Laut einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ hat der Schuhkonzern Ara für seine beiden Einzelhandelstöchter Salamander und Klauser ein Schutzschirmverfahren angemeldet. Betroffen sind 93 Filialen in Deutschland mit rund 950 Beschäftigten. Ara hatte die beiden Marken vor sechs Jahren übernommen und wollte eine Zukunftsstrategie für beide Unternehmen entwickeln. Grund für das Schutzschirmverfahren sind wirtschaftliche Einbußen durch die Corona-Pandemie und steigende Energiekosten, hohe Inflation und eine erhebliche Eintrübung des konjunkturellen Umfelds in Folge des Ukrainekriegs, so Sven Tischendorf, der gemeinsam mit Alexander Höpfner (beide Act AC Tischendorf) die operative Sanierung leitet. Als vorläufiger Sachwalter ist Christian Holzmann (CMS) bestellt,

Die Österreich-Tochter des Lebensmittel-Schnelllieferdienstes Flink ist insolvent. Flink Austria sei es nicht möglich gewesen, das Flink-Geschäftsmodell in dem Alpenland „gewinnbringend umzusetzen“. Die deutsche Muttergesellschaft stellt keine Finanzhilfen zur Verfügung, da sie aktuell selbst in einer Restrukturierung steckt. Flink Austria beschäftigt 163 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Höhe der Verbindlichkeiten beträgt mit 22,4 Millionen Euro. Laut dem Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) ist der Österreich-Ableger von Flink erst seit Oktober 2021 operativ tätig.

Das Berliner Luxusuhren-Start-up Watchmaster musste Insolvenz anmelden. Der Grund dafür ist mindestens ungewöhnlich: Bei einem Diebstahl sind aus dem Tresorraum des Unternehmens in Berlin Uhren im Wert von 10 Millionen Euro gestohlen worden. Laut dem „Handelsblatt“ bestand zwar eine Versicherung für die Uhren, diese deckt aber nur den Einkaufswert ab – und nicht die Kosten der Aufbereitung und Zertifizierung der Uhren sowie des Marketings. Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist Philipp Hackländer (White & Case) bestellt.

Der Küchenhersteller Rational Einbauküchen ist nun endgültig insolvent. Der Auslöser für die Insolvenz war ein Stromausfall, der zu einem Totalausfall entscheidender Teile der Serversysteme führte. Dieser wiederum hatte zu erheblichen Schäden an den IT-Servern und damit zu einem irreparablen Datenverlust geführt. Aber die wirtschaftliche Situation des Unternehmens war auch zuvor schon angespannt, wie ein Blick in die Rational-Bilanzen zeigte. Da Rational unter Anleitung von Insolvenzverwalter Stefan Meyer (Pluta) nun keinen Käufer finden konnte, war keine Restrukturierung mehr möglich, und allen Beschäftigten musste gekündigt werden.

Der Hydrauliksysteme-Hersteller Knapheide Hydraulik Systeme (KHS) hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Laut Insolvenzverwalter Görg sieht sich das Unternehmen „aktuell erheblichen Kostensteigerungen einerseits und massiven Umsatzverlusten andererseits ausgesetzt“. KHS habe deshalb für die Knapheide Hydraulik Systeme GmbH Beckum sowie für drei weitere Gesellschaften der Gruppe Eigenverwaltung angemeldet. Gerrit Hölzle und Thorsten Bieg (beide Görg) ergänzen im Sanierungsverfahren die Geschäftsführung und unterstützen die Investorensuche. Vorläufiger Sachwalter ist Stephan Michels (Michels Inso).

Alles zum Thema

Restrukturierung

Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus. Für Sanierungsberater ist das ein gutes Geschäft.

Der Automobilzulieferer Lohr Technologies aus Heiligenhaus befindet sich in Insolvenz in Eigenverwaltung. Als Grund für die Restrukturierung führt das Unternehmen Umsatzeinbrüche durch die Corona-Pandemie und Lieferengpässe an. Hinzu seien Verluste durch stark gestiegene Kosten bei Rohstoffen, Energie und Logistik gekommen. Als vorläufiger Sachwalter agiert Holger Leichtle (Görg), die Lohr-Geschäftsführung wird durch Simon Leopold (ABG Consulting-Partner) unterstützt. Als Generalbevollmächtigter ist Stefan Ettelt (Kulitzscher & Ettelt) berufen.

Sechs Töchter der Immobilienholding Fakt sind insolvent. Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist Gregor Bräuer (Hww) bestellt. Die sechs Gesellschaften umfassen die Fakt Liegenschaften Bochum GmbH, die Fakt Tower GmbH & Co. KG, die Fakt Liegenschaften Essen GmbH, die Fakt Liegenschaften Paderborn GmbH, die Fakt Shamrockpark GmbH sowie die Fakt Immobilien AG. „Es ist aufgrund der engen rechtlichen und wirtschaftlichen Verflechtungen nicht unüblich, dass die Insolvenz einer Gruppengesellschaft die Insolvenz weiterer zum Verbund gehörenden Beteiligungen nach sich zieht“, so Insolvenzverwalter Bräuer. Es werde derzeit geprüft, ob Insolvenzverfahren für weitere Gesellschaften nötig sind.

Havita Frischsalate ist insolvent. Das Familienunternehmen, das Frischeprodukte für den Lebensmitteleinzelhandel herstellt, sei wegen gestiegener Energiekosten und erhöhter Einkaufspreise bei den Lieferanten in die Insolvenz geraten. Havita beschäftigt rund 265 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Tobias Wahl (Anchor).

Distressed M&A-Deals

Microvision, ein US-amerikanischer Spezialist im Bereich der Lidar-Sensoren, übernimmt das Hamburger Unternehmen Ibeo Automotive. Ibeo entwickelt ebenfalls Lidar-Sensoren, diese gelten als eine Kerntechnologie für das autonome Fahren. Die Hamburger hatten im Oktober Insolvenz anmelden müssen. Beraten hatte bei dem M&A-Deal die Kanzlei Baker McKenzie.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Der sich in Restrukturierung befindliche Immobilienfinanzierer Corestate baut seinen Vorstand um. CEO Stavros Efremidis wird das Unternehmen verlassen, ebenso der Chief Investment Officer (CIO) Ralf Struckmeyer. Laut einem bisher unbestätigten Bericht der „Wirtschaftswoche“ steht möglicherweise zudem ein Wechsel des CFOs Udo Giegerich zur Adler Group an. Über die CEO-Nachfolge und die zukünftige Ressort-Verteilung wolle der Aufsichtsrat in Bälde entscheiden, so Corestate. Seit Beginn dieser Woche hat Corestate zudem einen Chief Restructuring Officer gefunden: Stephan Götschel wird den Posten ab 2023 übernehmen, Götschel ist Rechtsanwalt und gilt als Sanierungsexperte mit breitem Branchenhintergrund.

Gute Nachrichten für die Gläubiger im Insolvenzverfahren um das Krankenhaus Land Hadeln Otterndorf. Mit einer weiteren Zahlung von 50 Prozent des Insolvenzverwalters Christian Kaufmann (Pluta) konnte nun eine Insolvenzquote von 100 Prozent erreicht werden. Damit haben die Gläubiger eineinhalb Jahre nach dem Insolvenzantrag ihr Geld vollständig zurückerhalten.

Küchen Quelle kann wieder die ersten Küchen an ihre Kunden ausliefern. Voraussetzung ist, dass die Kunden eine Zuzahlung leisten. Küchenquelle ist ein Unternehmen, das Küchen vertreibt, und war Ende November in Insolvenz geraten. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Patrick Meyerle (Pluta).

Info

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.