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Zahl der Big-Four-Verfolger wächst

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PwC führt auch 2022 die Liste der 25 umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland an. Foto: eyeofpaul - stock.adobe.com
PwC führt auch 2022 die Liste der 25 umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland an. Foto: eyeofpaul - stock.adobe.com

Ob Wirecard oder Greensill, Grenke oder Adler: Die Wirtschaftsprüfer-Branche sah sich im vergangenen Jahr gleich in mehreren prominenten Fällen mit kritischen Fragen zu ihrer Arbeitsweise ausgesetzt. Und auch sonst war 2021 mit der andauernden Corona-Pandemie, den Anforderungen durch das im vergangenen Juli in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISG) und Personalsorgen kein einfaches Jahr für die Branche. Die Auf- und Absteiger im Rennen um Mandate und Umsätze zeigt das aktuelle Umsatz-Ranking der 25 größten WP-Häuser in Deutschland, das das Marktforschungshaus Lünendonk & Hossenfelder am gestrigen Mittwoch veröffentlicht hat.

So zeigt die „Lünendonk-Liste“ an der Spitze zunächst das gewohnte Bild: In Sachen Umsatz halten die Big Four die Konkurrenz weiterhin auf Distanz – wobei auch der Abstand zum Verfolgerfeld kaum merkbar schmilzt. Mit einem Umsatz in Deutschland von rund 2,3 Milliarden Euro hält PwC erneut die Spitze, gefolgt von EY mit 2,1 Milliarden, KPMG mit 2 Milliarden und Deloitte mit 1,6 Milliarden.

Big Four mit Umsatzschwächen

Allerdings: Während die Umsätze der 25 führenden WP-Gesellschaften hierzulande im Geschäftsjahr um durchschnittlich 4,8 Prozent zulegten, mussten drei der großen Vier jedoch einen Rückgang verbuchen, allen voran Deloitte mit einem Rückgang von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies könnte sich damit erklären, dass Deloitte rund 53 Prozent seines Umsatzes im Beratungsgeschäft  erwirtschaftet, das zuletzt stärker von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen war.

Bei den anderen Big-Four-Häusern verteilen sich die Einnahmen zu je rund einem Drittel auf die Bereiche Prüfung, Steuerberatung und Advisory. Lediglich KPMG konnte mit einem Plus 3,1 Prozent leicht zulegen. Die Konkurrenz profitiert unter anderem davon, dass EY im Zuge des Wirecard-Skandals mehrere Prüfmandate wie das der Commerzbank verloren hatte. Letzteres konnte sich KPMG sichern.

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Next Six holen auf

Ganz anders das Bild beim Feld der Next Six, zu denen sich in diesem Jahr ein weiteres Haus  mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro gesellt – RSM. Mit Grant Thornton (+15,6 Prozent), Mazars (+12,3 Prozent) sowie RSM (+13,1 Prozent) verzeichneten gleich drei jener sieben Wirtschaftsprüfer im Geschäftsjahr 2021 ein zweistelliges Wachstum.

Angeführt wird das Feld der neuen „Next Seven“ auch in diesem Jahr von BDO. Das mittelständische Prüf- und Beratungshaus hat im Umsatz um 6,6 Prozent auf 304 Millionen Euro zugelegt. Dahinter folgen auf den Plätzen 6 und 7 Ebner Stolz (298 Millionen) sowie Rödl & Partner (295 Millionen). Mit etwas Abstand rangiert auf Platz 8 mit einem Umsatz von 204 Millionen Euro Mazars, gefolgt von Baker Tilly (177 Millionen Euro) und der jüngst umfirmierten Grant Thornton (ehemals Warth & Klein Grant Thornton) mit 170 Millionen Euro.

Grund zur Freude gibt es auch beim Aufsteiger RSM, der mit 101 Millionen Euro erstmals einen dreistelligen Umsatz in Deutschland verbucht. Bis zum erklärten Ziel von RSM, einem Platz in den hiesigen Top Ten, liegt muss sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aber noch strecken. Geschmolzen ist indes der Abstand des Verfolgerfelds der Big Four, wenngleich dieser noch immer immens ist. So müsste das fünftplatzierte Mittelstandshaus BDO seinen Umsatz mehr als verfünffachen, um zu Deloitte als kleinstem der vier Dickschiffe aufzuschließen.

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Prüfersuche wird für CFOs schwerer und teurer

Für das laufende Geschäftsjahr 2022 rechnet die Branche mit weiter wachsenden Einnahmen, was nicht zuletzt an steigenden Honorarsätzen liegen dürfte. So ergab die Befragung durch Lünendonk & Hossenfelder, dass alle Häuser in diesem Jahr eine Preiserhöhung um durchschnittlich 5,4 Prozent planen. Dabei variiert die Höhe der geplanten Anpassungen zwischen 2 und 10 Prozent – für Finanzentscheider könnte sich also ein Blick auf das Angebot der Konkurrenz durchaus lohnen.

Dennoch dürfte für den ein oder anderen CFO die Suche nach einem neuen Abschlussprüfer künftig schwerer werden, wie Rainer Grote, Partner und Leiter des Bereichs Audit, bei RSM erläutert. Ein Grund dafür ist nicht zuletzt die sinkende Zahl neuer Berufsträger, die die Personalgewinnung deutlich erschwert. Das führt dazu, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nicht mehr jedes Mandat stemmen können. „Wir nehmen nur Mandate an, bei denen wir auch Qualität gewährleisten können“, sagt BDO-Vorstandsmitglied Andrea Bruckner. Zudem müsse die Branche endlich die Honorare aufrufen, die sie brauche, um eben jene Qualität auch künftig gewährleisten zu können.

CFOs müssen Risiken selbst managen

Ein weiterer Grund dafür, dass die Wirtschaftsprüfer bei neuen Mandaten künftig selektiver agieren, dürften auch die Anforderungen des FISG sein, das neben kürzeren Rotationsfristen und einer weitergehenden Trennung von Prüfung und Beratung auch eine deutlich höhere Haftung für Abschlussprüfer vorsieht. „CFOs und Aufsichtsräte müssen ihr Risiko künftig stärker selbst managen und können es nicht mehr so stark an Wirtschaftsprüfer abgeben“, betont Mazars-Geschäftsführer Christoph Regierer. Gleiches gelte für die Aufsichtsräte, ergänzt Christoph Schenk, Managing Partner von Deloitte.  

Kritisch auch im Hinblick auf künftige Bewerber steht eine mögliche Abspaltung des Prüf- vom Beratungsgeschäfts, wie sie aktuell EY erwägt. „Mit einer Aufteilung bekommen wir junge Leute im Recruiting gar nicht mehr“, befürchtet Andrea Bruckner. Schließlich sei es gerade die multidisziplinäre Aufstellung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die für den Nachwuchs den Reiz ausmache.   

Auch an ihrer Wahrnehmung müsse die Branche arbeiten. „Wirtschaftsprüfer sind keine Dienstleister“, betont Christoph Schenk. Dieser Eindruck habe sich in den vergangenen zehn Jahren beim ein oder anderen Unternehmen leider offenbar verbreitet.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.