Stada/Fresenius/Bayer; Montage: FINANCE

05.01.18
CFO

Die spektakulärsten CFO-Wechsel 2017

M&A-Schlachten, Kommunikationspannen, enttäuschte Chef-Träume: FINANCE präsentiert die aufsehenerregendsten CFO-Abgänge des Jahres 2017.

5. Thomas Rathmann, Siemens Healthineers

Über 30 Jahre hat Thomas Rathmann für den Siemens-Konzern gearbeitet, zuletzt seit 2015 als CFO der Medizintechniksparte. Rathmanns Erfahrung sollte eigentlich dabei helfen, die mit bis zu 40 Milliarden Euro bewertete Sparte mit dem Namen Healthineers an die Börse zu bringen.

Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit im Vorstand. Im April kehrte Michael Sen, langjähriger CFO der Healthcare-Sparte, zu Siemens zurück und übernahm im obersten Siemens-Gremium die Verantwortung für Healthineers. Kurz darauf verlängerte Siemens mit CFO Rathmann. Das sollte die bei Börsengängen wichtige Kontinuität und Stabilität suggerieren.

Doch es kam anders: Medienberichten zufolge waren Sen und seine Vorstandskollegen mit der Arbeit seines Nachfolgers nicht zufrieden, die Vorbereitungen nicht weit genug fortgeschritten. Daher entschied sich Siemens zu einem radikalen Manöver: Inmitten der IPO-Vorbereitungen wurde CFO Rathmann im November abberufen. Nun soll Siemens‘ Controlling-Chef Jochen Schmitz als CFO den Börsengang stemmen. 

4. Rachel Empey, Fresenius

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Rachel Empey, Fresenius SE & Co KGaA

Ihre Laufbahn beginnt Rachel Empey als Wirtschaftsprüferin bei Ernst & Young und als Business Analyst bei dem Telekommunikationsausrüster Lucent Technologies. Danach nimmt eine steile Karriere durch verschiedene Finanz- und Controllingfunktionen im spanischen Telefónica-Konzern ihren Anfang.

Als Group Controller bei Telefónica Europe verantwortet sie die Planung des Berichtswesens im Rahmen des internationalen Managements der europäischen Niederlassungen. Zuvor hat sie verschiedene Führungspositionen in Finanzbereichen bei der Konzerntochter O2 in Großbritannien inne. Ab 2009 leitet Empey das Controlling der deutschen Tochter Telefónica Deutschland. Dort steuert sie die Strategie des Unternehmens bei der Auktion der neuen Lizenzen für den ultra-schnellen Mobilfunkstandard LTE erfolgreich mit.

2011 wird sie zur Finanzchefin befördert und leitet in dieser Funktion den Börsengang von Telefónica Deutschland im Oktober 2012 – mit einem Emissionsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro einer der größten IPOs der vergangenen Jahre in Deutschland.

Von Februar bis Juli 2014 ist Empey mit der gemeinsamen Führung des Management Boards der Telefónica Deutschland Holding AG betraut und verantwortet in dieser Funktion das operative Geschäft. Nach dem Abschluss der Fusion mit E-Plus konzentriert sie sich wieder auf ihre Aufgaben als Finanz- und Strategiechefin.

Im August 2017 wechselt Empey zu dem Dax-Unternehmen Fresenius, wo sie die CFO-Position übernimmt.

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Ein Kommunikationswirrwarr wie bei Rachel Empeys Wechsel zu Fresenius sieht man selten. Im April sagte der Fresenius-Chef und langjährige CFO Stephan Sturm gegenüber Analysten, man habe einen neuen Finanzvorstand gefunden, nannte den Namen aber nicht. Kurz darauf kamen Berichte auf, dass es sich dabei um Empey handle, seinerzeit Finanzchefin von Telefónica Deutschland. Der Mobilfunkerkonzern dementierte daraufhin: Es gebe keine Gespräche zwischen den beiden Konzernen um Empey, hieß es. Doch letztlich kam es doch zu dem kolportierten Wechsel: Seit August ist die Britin die neue Finanzchefin von Fresenius.

3. Helmut Kraft, Stada

Anfang Juli kam es zum Managementbeben bei Stada: Der Arzneimittelkonzern aus Bad Vilbel teilte mit, dass der langjährige CFO Helmut Kraft ebenso wie CEO Mathias Wiedenfels das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. Die Abgänge kamen inmitten des Übernahmekrimis bei Stada. Die Private-Equity-Häuser Bain und Cinven waren gerade mit einer milliardenschweren Kaufofferte gescheitert und erörterten die Möglichkeit eines zweiten Anlaufs.
 
Als Interimsspitze engagierte Stada Bernhard Düttmann, Ex-CFO des Chemiekonzerns Lanxess, als Finanzchef sowie den ehemaligen Boehringer-Ingelheim-Manager Coster Tjeenk Willink als CEO. Im zweiten Versuch glückte Bain und Cinven dann der Kauf des Arzneiherstellers. Interims-CFO Düttmann zog sich daraufhin zurück und übergab die Stada-Finanzen an Mark Keatley

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Helmut Kraft, Stada AG

Seine berufliche Karriere beginnt Helmut Kraft 1991 als Wirtschaftsprüfungs- und Steuerassistent bei KPMG. Dort bleibt er bis 1994. Anschließend leitet er für ein Jahr die Finanzen und Steuern der Unternehmensgruppe Landis & Gyr, die zu Siemens Building Technologies gehört.

1996 wechselt Kraft zur Phoenix Group, wo er den Zentralbereich Konzernfinanzen, Steuern und Beteiligungen leitet. Auch als Kraft später anderen Verpflichtungen nachgeht, behält er diese Position bis zu seiner Berufung in den Vorstand von Stada. Von 1999 bis 2009 ist er für die Geschäfte des IT-Dienstleisters Pharma Rechenzentrum verantwortlich. Parallel dazu ist er von 2004 bis 2009 Geschäftsführer des Phoenix Finance B.V. und von 2005 bis 2009 Aufsichtsratsvorsitzender von Pharmos. Darüber hinaus leitet er von 2005 bis 2009 die Geschäfte der Phoenix International Beteiligungsgesellschaft.

Im Januar 2010 wird Kraft Finanzvorstand von Stada und verantwortet dort das Finanzressort. Im Juli 2017 wird bekannt, dass Kraft bei Stada mit sofortiger Wirkung ausscheidet.

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2. Frank Lutz, Covestro

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Frank Lutz, CRX Markets

Frank Lutz beginnt seine Karriere 1995 bei Goldman Sachs und arbeitet dort bis Ende des Jahres 2004 in verschiedenen Positionen in London, Frankfurt und New York. Danach folgt ein Zwischenstopp bei der Deutschen Bank.

2006 wechselt er zu dem Lastwagenbauer MAN und wird Senior Vice President für den Bereich Finanzen. 2009 übernimmt er dort den CFO-Posten. 2013 wechselt Frank Lutz zu Aldi Süd, wo er ebenfalls als Finanzchef tätig ist. Diese Position verlässt er ein Jahr später.

Im Oktober 2014 wird er Vorstandsmitglied bei Bayer Material Science. Einen Monat später wird er zum CFO ernannt. Bayer Material Science firmiert seit September 2015 unter dem Namen Covestro. Im Juni 2017 legt Lutz aus nicht genannten Gründen sein CFO-Mandat bei Covestro nieder. Nach einer kurzen Auszeit schlägt er einen neuen Karrierepfad ein: Im Januar 2018 wird er CEO des Fintechs CRX Markets.

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Frank Lutz hat ein Faible für spektakuläre Abgänge: Bereits seine Abschiede vom Lkw-Hersteller MAN und dem Einzelhändler Aldi Süd verliefen nicht geräuschlos. Im Juni 2017 verkündete dann der Kunststoffkonzern Covestro überraschend, dass der Finanzchef die Leverkusener aus „persönlichen Gründen“ verlassen habe. Wenige Tage zuvor hatte Covestro bekanntgegeben, dass der Vertriebs- und Marketing-Vorstand Markus Steilemann die Nachfolge des Vorstandschefs Patrick Thomas antritt.

Gerüchten zufolge hatte Lutz sich Hoffnungen auf das CEO-Amt gemacht. Die Nichtberücksichtigung habe zum Abschied des ehemaligen Investmentbankers geführt, heißt es in Personalberaterkreisen. Lutz hat nun eine neue, etwas kleinere Aufgabe: Er ist bei dem Supply-Chain-Finance-Fintech CRX Markets der neue CEO und CFO in Personalunion.

1. Johannes Dietsch, Bayer

Die Finanzierung eines 66 Milliarden US-Dollar schweren M&A-Deals ist schwierig genug. Um so problematischer wird es, wenn der Finanzvorstand inmitten dieser Finanzierung seinen Abschied ankündigt. So tat es Bayer-CFO Johannes Dietsch, der momentan die Ausfinanzierung des Kaufs des Glyphosatherstellers Monsanto ins Trockene bringen soll, Anfang Juni des vergangenen Jahres.

Zwar bleibt Dietsch noch bis Mitte 2018 bei dem Chemie- und Pharmariesen aus Leverkusen. Den Kapitalmarkt hat der Wechsel dennoch verunsichert. Momentan sieht es nicht so aus, als könne Bayer die Monsanto-Übernahme und die Finanzierung bis zum Abgang des erfahrenen Finanzchefs stemmen. Dietschs Nachfolger wird der USA-erfahrene Wolfgang Nickl, der vom Halbleiterkonzern ASML kommt.

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Johannes Dietsch, Bayer AG

Im Anschluss an seine Ausbildung nimmt Dietsch Leitungsfunktionen in verschiedenen Abteilungen des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer wahr. Auslandserfahrung sammelt er in zwei mehrjährigen Aufenthalten bei Bayer Japan, zuletzt als CFO für den Finanz- und Verwaltungsbereich.

2001 wird Dietsch in Leverkusen die Abteilungsleitung Corporate Finance innerhalb des Konzernbereichs Finanzen übertragen. Am 1. Juli 2002 übernimmt er die Leitung des Bereichs Finanzen im Corporate Center der Bayer AG. In diesen Zuständigkeitsbereich fallen die Ressorts Treasury, Corporate Finance, Financial Controlling, Asset Management Pensions, Mergers & Acquisitions und Taxes.

Im September 2011 wechselt Dietsch als Landessprecher und CFO Greater China zu Bayer China mit Sitz in Shanghai.

Seit September 2014 besetzt Johannes Dietsch den CFO-Posten bei Bayer. Sein Vertrag wurde bis Ende Mai 2018 verlängert, danach will er das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen.

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Der Abschluss der Finanzierung des größten M&A-Deals der deutschen Wirtschaftsgeschichte würde dann in die Hände eines bislang in Deutschland recht unbekannten Finanzchefs fallen. Wolfgang Nickl wechselt vom niederländischen Chiphersteller ASML nach Leverkusen. Die Ernennung des 48-Jährigen zum Bayer-CFO gilt als mutig, denn ASML ist mit 6,8 Milliarden Euro Umsatz deutlich kleiner als Bayer (46,7 Milliarden Euro).

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