Bilanzskandale zeigen immer wieder, wie wichtig eine reibungslose Buchhaltung in Unternehmen ist. Wie wird man Buchhalter und was muss man für den Job mitbringen?

Blue Planet Studio - adobestock.com

04.11.20
CFO

Diese Karrierechancen haben Buchhalter

Jedes Unternehmen braucht Buchhalter – in einem kleinen Betrieb sieht der Job aber ganz anders aus als im Konzern. Welche fachlichen Voraussetzungen müssen Buchhalter mitbringen und welche Karrierestufen sind möglich?

In der Buchhaltung ist der genaue Blick für die Details unerlässlich – das gilt für alle Firmen, aber ganz besonders für kapitalmarktorientierte Unternehmen, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Regelmäßig finden sich im Bundesanzeiger Meldungen, in denen Unternehmen Bilanzierungsfehler veröffentlichen, die die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) bei ihnen gefunden hat. 

Ein paar Beispiele: Bastei Lübbe hat einen zu hohen Goodwill bilanziert, die DVB Bank ihren Verlust zu niedrig ausgewiesen und Adidas eine Marke zu hoch bewertet. Solche Fehler werfen ein schlechtes Licht auf Unternehmen. Ist die Bilanzierung schwer zu durchdringen und verwirrend, kann sie sogar eine Angriffsfläche für Shortseller bieten: So war es etwa beim Finanzdienstleister Grenke oder der Beteiligungsgesellschaft Aurelius.

 

 

Das sind die Aufgaben in der Buchhaltung

Diese und andere Beispiele zeigen, was alles schiefgehen kann, wenn es in der Buchhaltung – auch als Accounting bezeichnet – zu Ungenauigkeiten oder gar Fehlern kommt. Denn der Buchhalter ist im Unternehmen im externen Rechnungswesen für die operative Debitoren-, Kreditoren-, Anlagen- und Hauptbuchhaltung sowie das Mahnwesen und allgemeine Buchhaltungsaufgaben zuständig. Teilweise verantwortet er oder sie auch die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung. Zusätzlich erstellt der Buchhalter die Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse nach HGB und leitet sie gegebenenfalls auch in die Internationalen Bilanzierungsstandards IFRS über. Auch die damit verbundene Intercompany-Abstimmung fällt in den Aufgabenbereich eines Buchhalters.

Darüber hinaus betreuen die Mitarbeiter der Buchhaltung steuerliche Themen und arbeiten mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern eng zusammen. Hierfür sind Kenntnisse eines gängigen ERP-Systems wie beispielsweise SAP, Hyperion, Oracle, Lexware oder Navision und einer Konsolidierungssoftware (IDL) unumgänglich. Darüber hinaus sollte sich ein Buchhalter auch in der Konzernrechnungslegung auskennen und abschlusssicher nach HGB sein. Aus Arbeitgebersicht ist dies zusätzlich für IFRS oder US-Gaap wünschenswert. Wenn man internationale Auslandsgesellschaften betreuen kann, ist das von Vorteil, sagen Personalberater.

 

 

Diese Soft Skills brauchen Buchhalter

Zusätzlich zu diesen fachlichen Voraussetzungen sind auch einige Soft Skills für Buchhalter unerlässlich. Sie sollten ein gutes Zahlenverständnis besitzen und analytisch begabt, genau, detailorientiert, loyal sowie vertrauenswürdig sein.

Eine eigenständige Ausbildung zum Beruf des Buchhalters gibt es allerdings nicht. Wer diesen Beruf ausüben möchte, benötigt mindestens eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten oder zum Industriekaufmann. Anschließend ist eine Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter – national oder international – an einer IHK ein möglicher Entwicklungsschritt. Die Perspektiven in der Buchhaltung sind gut, sofern man sich regelmäßig weiterbildet.

Ausbildung und Studium zum Buchhalter

In der Buchhaltung gibt es verschiedene Karrierestufen: Den einfachen Sachbearbeiter in der Buchhaltung, den Kreditoren-/Debitorenbuchhalter, den Finanzbuchhalter, den Hauptbuchhalter/Alleinbuchhalter, den Bilanzbuchhalter, den internationalen Bilanzbuchhalter oder den Spezialisten im Bereich Konsolidierung/Konzernrechnungswesen. Weitere Karriereschritte können die Beförderung zum Leiter Rechnungswesen, dem Leiter Finanzen und dem Leiter Finanz- und Rechnungswesen sein.

Bei den einfacheren Tätigkeiten in der Buchhaltung ist ein abgeschlossenes Studium eher selten. Will man allerdings über die Ebene des Sachbearbeiters hinaus bis zum Leiter Rechnungswesen oder Finanzen aufsteigen, ist ein Studium mit Schwerpunkten wie Accounting, Rechnungswesen oder Controlling häufig die Regel, wenn auch nicht zwingend erforderlich. Ist man auf der Karriereleiter erst einmal so weit gekommen, ist der Schritt zum CFO durchaus denkbar und möglich, auch wenn nur einige der heutigen Finanzchefs aus dem Accounting kommen.

Buchhalter in Deutschland

In Deutschland brauchen schon die kleinsten Unternehmen ab rund fünf Mitarbeiter Buchhalter. Kleinere Firmen mit bis zu 100 Mitarbeitern stellen oft Buchhalter an, suchen aber eher Generalisten, die das gesamte Aufgabenspektrum der Buchhaltung abdecken können. Zudem greifen viele von diesen Kleinunternehmen auf selbstständige Buchhalter zurück. Je größer ein Unternehmen ist, umso eher sind Spezialisten gefragt, die auch internationale Aufgaben erfüllen können.

Besonders gefragt sind Buchhalter mit der Qualifikation zum Bilanzbuchhalter (national oder international) und gegebenenfalls einem Studium. Doch nur wenige wagen den Schritt aus der Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung heraus, hinein in Themenstellungen aus der nationalen und internationalen Bilanzierung. Dabei kann sich das finanziell durchaus lohnen.

So viel Gehalt verdient ein Buchhalter

Am wenigsten verdienen Sachbearbeiter in der Buchhaltung, sie starten mit einem Jahresgehalt von 31.250 Euro. Nur unwesentlich mehr verdienen Kreditoren- und Debitorenbuchhalter. Finanzbuchhalter erhalten dagegen schon mehr: Sein Verdienst beginnt mit 37.750 Euro und kann bis auf 68.500 Euro steigen.

Als Hauptbuchhalter und Bilanzbuchhalter sind Gehälter bis zu 89.000 Euro drin. Wer sich an die internationale Bilanzierung wagt, kann sogar sechsstellig verdienen. Das Fixgehalt kann zusätzlich durch einen variablen Bonus aufgestockt werden. In leitenden Funktionen kann auch ein Firmenwagen im Vergütungspaket enthalten sein.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Berufsbilder im Finanzbereich – einschließlich Ausbildung, Karrierewege und Gehaltsentwicklungen – finden Sie auf unserer Themenseite Jobs in Finance.