Was genau macht eigentlich ein Treasurer, welche Skills braucht er für seinen Job und wer hat die besten Gehaltsaussichten?

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30.10.20
CFO

Karriereziel Treasurer: Aus dem Banking ins Treasury

Wer im Treasury Karriere machen will, startet am besten im Banking. Wer den Aufstieg geschafft hat, wird mit einem überdurchschnittlich hohen Gehalt belohnt. Dafür stellen die Finanzabteilungen aber auch hohe Anforderungen an ihre Mitarbeiter im Treasury.

Liquidität sichern, Zahlungen steuern und Risiken absichern: Kaum eine Abteilung im Finanzbereich ist so wichtig wie das Treasury. Gerade in Krisenzeiten – ob Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 oder der Ausbruch des Coronavirus – wächst der Stellenwert des Treasury enorm.

Inzwischen gibt es so gut wie in jedem Großkonzern eine eigene Treasury-Abteilung, und viele Mittelständler haben in den vergangenen Jahren nachgezogen. Ein Treasurer kann sich dabei schon für Unternehmen ab 100 Millionen Euro Umsatz rechnen. Ob sich die Einstellungen eines Treasurers rentiert, lässt sich an zwei Kriterien festmachen: Je höher die Kreditfinanzierung und je internationaler das Geschäft ist, desto eher lohnt sich ein Treasurer.

Das sind die Aufgaben des Treasury

Doch welche Aufgaben hat ein Treasurer genau – und wie wird man Treasurer? Was im Unternehmen in der Treasury-Abteilung angesiedelt ist, variiert stark. Doch es lassen sich drei Treasury-Kernfunktionen unterscheiden: Das Cash- und Liquiditätsmanagement, Finanzierung und finanzielles Asset Management sowie das finanzielle Risikomanagement.

Auskennen sollte sich ein Treasurer daher mit Cashflow-Rechnungen und in der Rechnungslegung. Auch Kenntnisse im Bereich der Investitionsrechnung und Know-how im Hinblick auf verschiedene Finanzierungsinstrumente wie Kredite und AnleihenSchuldscheine oder Equity-Finanzierungen sollte ein Treasurer mitbringen. Ebenfalls notwendig sind Anwenderkenntnisse mit ERP- sowie Treasury-Management-Systemen. Wissen um gängige Händlersoftware wie Bloomberg und die essentiellen Anlageinstrumente wie Optionen, Termingeld oder Zinsswaps runden das Bild ab.

Andere Aufgabengebiete wie Rohstoffpreissicherungen, Working-Capital-Management, Versicherungen oder das Debitorenmanagement liegen hingegen nicht immer in der Treasury-Abteilung. Sie können auch im Controlling oder im Rechnungswesen angesiedelt sein. In den vergangenen Jahren sind diese Cash-nahen Kompetenzen aber zunehmend in das Treasury gewandert.

Karriere im Treasury: Banking-Skills sind hilfreich

Wer eine Karriere im Treasury anvisiert, dem hilft zunächst eine Bankausbildung, um sich mit den Mechanismen der Geld- und Finanzmärkte vertraut zu machen. Anschließend folgt bei vielen ein betriebs- oder wirtschaftwissenschaftliches Studium, bevor sie die Treasury-Laufbahn einschlagen.

Dass viele Nachwuchs-Treasurer zunächst BWL oder Wirtschaftswissenschaften studieren, hat einen einfachen Grund: Spezielle Treasury-Studiengänge gibt es noch immer kaum, und Grundlagenmodule sind häufig noch sehr praxisfern. Zudem finden sich spezielle Treasury-Bausteine wie Cash Management und Zahlungsverkehr oft noch gar nicht in den Lehrplänen wieder.

Treasury: Das sind die Weiterbildungsoptionen

Hat man es erst einmal ins Treasury geschafft, gibt es zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten. Viele Treasurer greifen im deutschsprachigen Raum auf die Angebote des Verbands Deutscher Treasurer (VDT) zurück. International schätzen Treasurer die Lehrgänge des britischen Treasurer-Verbands ACT oder Bausteine des Certified Treasury Professionals (CTP) in der US-Vereinigung AFP. Veranstaltungen von Banken, Asset Managern und Beratungshäusern runden das Bild ab.

Das Wichtigste im Treasury ist aber ein stetiges „Training on the Job“ – denn das Jobprofil und die Anforderungen verändern sich stetig. Dabei sind die Themen automatisierter Zahlungsverkehr und automatisiertes Risikomanagement nur zwei Beispiele dafür, wie etwa die Digitalisierung das Treasury verändert.

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Treasury muss gut mit Banken kommunizieren

Neben dem fachlichen Wissen sind auch gute bis sehr gute Englischkenntnisse eine Grundvoraussetzung für die Tätigkeit im Treasury. Zudem muss der Treasurer gute Kommunikations-Skills mitbringen – die dann nützlich sind, wenn er den Kontakt zu den Banken hält. Deshalb gilt auch im Treasury zunehmend: Extrovertierte Menschen haben es etwas leichter.

Ein Treasurer muss außerdem genau und termingetreu arbeiten. Wer flexibel und dynamisch agiert sowie Engagement und Eigeninitiative an den Tag legt, hat gute Chancen, in der Treasury-Abteilung – oder gar darüber hinaus – aufzusteigen.

Die Karriereleiter verläuft oft vom Referent Treasury über den Senior Treasury bis hin zum Leiter Treasury. Dabei lockt auch ein für den Finanzbereich überdurchschnittliches Gehalt. Anschließend sind weitere Entwicklungsmöglichkeiten zum Leiter Finanzen und letztlich zum CFO möglich.

Das Gehalt im Treasury kann sich sehen lassen

Das vielfältige Aufgabenspektrum und die damit verbundene Verantwortung spiegeln sich auch in der Vergütung der Treasurer wieder. Gegenüber den Kollegen aus dem Rechnungswesen und dem Controlling verdienen sie aber vergleichsweise gut – Tendenz steigend.

Doch die Spannbreite bei der Vergütung ist groß: Ein Berufseinsteiger im Treasury verdient in der Regel zwischen 40.000 und 60.000 Euro. Wer es im Treasury bis ganz nach oben geschafft hat und sich Leiter Treasury nennen darf, kann sogar auf eine Vergütung von rund 200.000 Euro jährlich kommen. Für erfahrene Treasurer ist immerhin ein Jahresgehalt zwischen 55.000 und bis zu 130.000 Euro drin. Die Höhe des Gehalts hängt neben der Erfahrung des Treasurers auch von der Unternehmensgröße und der Branche ab. Je größer ein Unternehmen ist, desto höher ist in der Regel das Gehalt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Berufsbilder im Finanzbereich – einschließlich Ausbildung, Karrierewege und Gehaltsentwicklungen – finden Sie auf unserer Themenseite Jobs in Finance.

Alle Infos rund um das Treasury finden Sie auf der Website der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer unter www.derTreasurer.de.