Der Umbau der Commerzbank

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11.03.21
CFO

Commerzbank, Wirecard und andere Aufreger

Heute erscheint das neue FINANCE-Magazin. Darin im besonderen Fokus: Der Umbau der Commerzbank.

Kaiserwetter am Kaiserplatz oder eher Rosskur am Roßmarkt? Momentan spricht bei der Commerzbank mehr für Option zwei, auch wenn der Frankfurter Roßmarkt ein paar Meter weiter von ihrem berühmten Turm entfernt liegt als der Kaiserplatz.

Die Lage ist prekär, 2020 ist die Commerzbank tief in die roten Zahlen gerutscht. CEO Martin Zielke musste gehen, nachdem ihm die Eigner rund um den Bund und den als nicht zimperlich bekannten Finanzinvestor Cerberus das Vertrauen entzogen hatten. Kein Wunder, nach mehreren Strategieanläufen und einer schwachen Umsetzung. Aber auch Firmenkundenvorstand Roland Boekhout, eigentlich als Hoffnungsträger gestartet, nahm im vergangenen Herbst seinen Hut, ohne große Spuren hinterlassen zu haben.

Nun führt Manfred Knof die Bank – unter Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter, der sich als Sanierer der LBBW nach der Finanzkrise einen Namen gemacht hat. Deren Wurf muss jetzt gelingen, sonst ist die Zukunft der Bank als eigenständiges Haus bedroht. Das wäre ein Desaster für die mehr als 150 Jahre alte Bank – und auch ein Einschnitt für viele deutsche CFOs, schließlich haben sie die Commerzbank in unserer alljährlichen FINANCE-Banken-Survey mehrfach zur wichtigsten Firmenkundenbank in Deutschland gewählt.

„Profitabilität geht bei uns künftig vor Wachstum.“

Michael Kotzbauer, Firmenkundevorstand, Commerzbank

Und was bedeutet die neue Strategie für Firmenkunden? Eine ziemliche Schubumkehr. Lautete des Motto der vergangenen Jahre: Wachsen, Wachsen, Wachsen (auch im Ausland), stehen die Zeichen jetzt auf Schrumpfen: Weniger Auslandsstandorte, weniger Filialen, unprofitable Kunden sollen gekappt werden. Wir haben den seit kurzem amtierenden Firmenkundenvorstand Michael Kotzbauer mit unseren Fragen konfrontiert. „Profitabilität geht bei uns künftig vor Wachstum“, lautete sein Konter. Was er sonst noch gesagt hat, können Sie heute schon im E-Paper nachlesen.

Das absurde Nachspiel des Wirecard-Skandals

Ein schlimmer Schlag ins Kontor war für die Commerzbank auch die Wirecard-Pleite. Auch ein dreiviertel Jahr danach rumort es noch kräftig, der Bilanzskandal weitet sich zum einem Skandal für die Finanzbranche aus. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Absurditäten ans Tageslicht kommen, wie etwa Details zu CEO Markus Brauns willigen Helferinnen in Deutschlands Top-Banken. Auch der Wirtschaftsprüfer EY muss sich demnächst verantworten, und selbst die Münchener Staatsanwaltschaft scheint versagt zu haben – von der Bafin und der Bilanzpolizei DPR gar nicht erst zu sprechen.

Mit ein Grund für die Enthüllungen ist die Arbeit des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Deutschen Bundestag. Für die neue Ausgabe haben wir mit den Ausschussmitgliedern Fabio De Masi und Danyal Bayaz über ihre Arbeit gesprochen. „Nun dürfte endgültig klar sein, dass wir die Finanzaufsicht stärken müssen“, lautet ein Fazit von Bayaz – aber bei weitem nicht das einzige.

März/April 2021

Radikale Reform

Welche Perspektiven die neue Commerzbank-Strategie Finanzchefs bietet
 

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Energische CFO will Siemens Energy umkrempeln

Ebenfalls aus München, auch im Dax notiert – aber damit haben sich die Gemeinsamkeiten von Wirecard und Siemens Energy schon erledigt. In der neuen Ausgabe berichtet die CFO Maria Ferraro über die Herausforderungen des Siemens-Spin-offs. Die Powerfrau übernahm das Finanzressort mitten in den IPO-Vorbereitungen, als Vorgänger Klaus Patzak (heute Schaeffler) im Streit mit Siemens CEO-Joe Kaeser ging. Ferraro brachte den Energiekonzern an die Börse, nun muss die Equity Story dort bestehen – und das macht Arbeit. „Wir müssen die Komplexität, die wir zum Teil von Siemens geerbt haben, herausnehmen. Das geht von Einkauf und Logistik bis hin zur IT-Landschaft“, sagt Ferraro im FINANCE-Interview.

Um IT ging es auch im Gespräch mit E.ons CFO Marc Spieker. zu dem sich kurzerhand dann auch noch kein geringerer als SAPs Finanzchef Luka Mucic gesellte. Die beiden Top-CFOs begaben sich in den digitalen Maschinenraum des Energiekonzerns. Nach der Übernahme von Innogy, die in einem komplexen Deal gemeinsam mit RWE filetiert wurde, stellte sich die Fragen nach dem richtigen SAP-S/4-Hana-System. Das von Innogy übernehmen oder ein ganz neues aufbauen? Für was sich Spieker entschieden hat und welche Rolle Mucic dabei spielte, erfahren Sie im neuen Magazin.

„Wir müssen die Komplexität, die wir zum Teil von Siemens geerbt haben, herausnehmen.“

Maria Ferraro, CFO Siemens Energy

Schwerpunkt Green Finance

Ein Feld, in dem E.on auch schon mächtig aktiv ist, ist Green Finance. Ob Green Bond oder ESG-Linked Loan – der Energiekonzern hat schon diverse Papiere im Kapital- und Bankenmarkt platziert. Viele Nutzer von Green Finance stehen aber erst am Anfang, ihnen sei die Lektüre unseres Schwerpunkts der neuen Ausgabe empfohlen. Darin erörtern wir die Frage, warum CFOs sich mit der neuen EU-Taxonomie auseinandersetzen sollten und was diese überhaupt für sie und den Markt bereithält. Kleine Anmerkung: Weiß man es nicht, droht man am Kapitalmarkt abgehängt zu werden.

Wir werfen auch einen ersten Blick in die neue Studie zu Green Finance, die wir Ende März gemeinsam mit der LBBW veröffentlichen werden – übrigens auf der neuen Veranstaltung „Green FINANCE“, unseren ersten Ableger der Structured FINANCE, für die Sie sich hier unbedingt noch anmelden sollten. Aber natürlich ist auch der junge grüne Markt nicht frei von Makeln: Manche meinen, es herrsche „Wilder Westen“ bei ESG-Ratings. Dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht, würde nicht verwundern, speziell wenn man sich die „neuen Märkte“ der vergangenen Jahre anschaut.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Welche vier CFOs zu Krisenmanagern mutieren, was Gerry-Weber-CFO Florian Frank gegen die Finanzierungs- und Lockdownkrise machen will und welche Erfahrungen Top-CFOs mit virtuellen HVs gesammelt haben – all das und noch viel mehr finden Sie im neuen FINANCE-Magazin.

Dieses Mal dabei auch die Beilage Top-Kanzleien, die viele rechtliche Tipps – speziell für Restrukturierungen – bereithält.