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Private Equity: Der Dealmotor dreht auf

Der Private-Equity-Motor heult auf, die Finanzinvestoren wollen Gas geben im Mittelstandsgeschäft.
Alexander/stock.adobe.com

Sprudelnde Dealquellen, hoher Transaktionshunger – und eine gehörig gewachsene Portion Kreativität scheinen in diesen Tagen die prägenden Merkmale des deutschen Private-Equity-Geschäfts zu sein. Die aktuelle Befragung des FINANCE Private Equity Panels liefert gleich mehrere Hinweise darauf, dass der M&A-Jahrgang 2021 ein großer am deutschen Private-Equity-Markt werden kann – eine These, die vor kurzem auch der M&A-Berater Michael Drill mit klaren Worten vertreten hat.

Käme es tatsächlich so, wäre dies eine deutliche Veränderung gegenüber dem vergangenen Jahr, in dem der Markt für Mittelstands-Private-Equity in Deutschland um 30 Prozent einbrach. „Der Jahrgang 2021 hat einen echten Blitzstart hingelegt – mit ungewöhnlich hoher Dealaktivität ab der ersten Woche“, berichtet auch Jacob Siebert, Partner der Kanzlei CMS, die mit FINANCE gemeinsam das Private Equity Panel befragt.

Massiv angestiegene Sell-side-Aktivität

Der Dealflow scheint in den ersten Wochen des Jahres deutlich angezogen zu haben, suggerieren die Ergebnisse der FINANCE-Umfrage unter mehr als 50 Private-Equity-Häusern. Zumindest sind die Erwartungen der befragten PE-Manager an die Sell-side-Aktivität bei zwei wichtigen Gruppen regelrecht in die Höhe geschossen. Bei der Aktivität der eigenen Private-Equity-Kollegen erwarten sie einen Anstieg von fast 60 Prozent verglichen mit dem Vorjahr – der dazu gehörige Wert stieg auf 7,52 von 10 möglichen Punkten. Bei den Unternehmern erhöhte er sich um 50 Prozent auf 6,58 Punkte.

Täuscht die FINANCE-Panelisten ihr Eindruck nicht, stehen im weiteren Jahresverlauf eine Menge Secondary und Tertiary Buy-outs sowie Nachfolge-Deals ins Haus. Einzig bei den Konzernen ist die Dynamik schwach: Deren erwartete Exit-Aktivität sehen die PE-Manager nur um 4 Prozent höher bei glatt 6 Punkten.

„Die Chancen, bei Software- und Healthcare-Deals zum Zuge zu kommen, sind eher gering. Investoren müssen sich auch nach anderen Branchen umsehen.“

Tobias Schneider, Partner, CMS

Info

Die Panelergebnisse eingeordnet mit Einschätzungen zum aktuellen Stand am PE-Markt und den Gefahren für den Dealflow, die von der neuen Investitionskontrolle ausgehen, heute um 11:00 Uhr im FINANCE-Webinar. Hier geht’s zur Anmeldung.

Neue Deals sind Priorität Nummer 1

Gleichzeitig ist der eigene Investitionshunger stark ausgeprägt: 55 Prozent der Befragten planen, dieses Jahr mehr Zeit für die Arbeit an Neu-Investments einzusetzen als im vergangenen Jahr, bei Add-on-Akquisitionen sind es sogar 64 Prozent. An den Finanzierungen dürfte es nicht scheitern: Die Einschätzungen sowohl zur Verfügbarkeit als auch zu den Konditionen von Buy-out-Finanzierungen haben ihren Corona-Einbruch schon fast komplett wieder wettgemacht und liegen nur noch knapp unter dem Vorkrisenniveau.

Doch ein Problem bleibt den Finanzinvestoren: So gut wie alle Käufer und Finanzierer jagen die gleiche Art von Targets: Wachsende und gleichzeitig stabile Firmen aus Branchen, die strukturellen Rückenwind genießen, allen voran Software und Healthcare. Entsprechend hoch bewertet sind die Unternehmen aus diesen Branchen. 

Wo gibt es noch attraktiv bewertete Targets?

Dies scheint inzwischen zu einer wachsenden Offenheit der PE-Manager gegenüber Branchen geführt zu haben, an denen der M&A-Boom der vergangenen Jahre mehr oder weniger vorbei ging. Im Branchen-Ranking des aktuellen Private Equity Panels gibt es drei große Gewinner, deren Attraktivitätswerte massiv angestiegen sind: Erneuerbare Energien, Handel/E-Commerce und Maschinenbau.

Die Handelsbranche verzeichnet mit einem Plus von 64 Prozent auf 6,38 Punkte sogar den größten Zuwachs, den es in der mehr als zehnjährigen Geschichte dieses Research-Projekts jemals gegeben hat. Gleichwohl: So richtig populär sind trotz der starken Anstiege weder der Handel noch die Erneuerbaren Energien (6,21 Punkte) oder gar der Maschinenbau (5,03 Punkte). Dies könnte mutigen Käufern Transaktionsmöglichkeiten eröffnen.

„Die große Attraktivität von Software- und Healthcare-Assets bleibt sicher erst einmal ungebrochen. Die Chancen für PE-Investoren, bei einem solchen Asset zum Zug zu kommen, sind allerdings eher gering, selbst wenn man die sehr sportlichen Bewertungen mitgeht“, meint CMS-Partner Tobias Schneider. Entsprechend müssten sich die Investoren auch nach anderen Branchen umsehen.

Die besonders mutigen Investoren lassen ihren Blick sogar in noch viel unkonventionellere Zielbranchen schweifen. Gewaltiges Renditepotenzial und exzellente Vorlagen für Buy-and-Build- und Konsolidierungsstrategien bieten Zielmärkte wie beispielsweise die Heizungsbranche, die fragmentierte Landschaft der Bauzulieferer oder bestimmte Nischen des Food-Segments.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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