Grenke versucht die Stimmung zu drehen und veröffentlicht erste Ergebnisse der Gutachten von KPMG und WKGT. So reagieren die Aktionäre.

Grenke

21.10.20
Finanzabteilung

Grenke sieht sich entlastet

Grenke hat erste Zwischenstände aus den Sonderprüfungen von KPMG und WKGT vorgelegt – und schafft es damit tatsächlich, ein Stückweit aus der Defensive zu kommen. Doch einige Punkte bleiben offen.

Grenke intensiviert die Bemühungen, im Ringen mit Shortsellern und kritischen Hedgefonds endlich wieder die Deutungshoheit über die eigenen Finanzkennzahlen zurückzugewinnen. Der Finanzdienstleister hat verschiedene Prüfer für unabhängige Gutachten ins Boot geholt und nun erste Einblicke geboten, die Grenke entlasten sollen. Doch der Konzern selbst betont, dass die Sonderberichte noch lange nicht finalisiert sind.

WKGT hält Franchise-Übernahmen für „sinnvoll“

Das WP-Haus Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) ist damit betraut, jenes Feld auszuleuchten, das der bekannte Shortseller Fraser Perring in den Mittelpunkt seines Angriffs stellt: Die Übernahme von Franchise-Partnern und die Rolle, die Unternehmensgründer Wolfgang Grenke dabei spielt. Viceroy behauptet, die zugekauften Franchise-Unternehmen schrieben Verluste und hätten keinen reellen Wert, seien aber als werthaltiger Goodwill in der Bilanz erfasst. Zudem wittert der Hedgefonds einen Interessenskonflikt, weil Wolfgang Grenke und weitere Ex-Grenke-Mitarbeiter auf Verkäuferseite in diese Deals involviert sind.

Wie Grenke jetzt offengelegt hat, untersucht WKGT die vier größten Franchise-Übernahmen zwischen 2008 und 2018. Auf diese entfallen demnach 60 Prozent der gezahlten Kaufpreise für alle bisher erworbenen Franchise-Gesellschaften. Das erste vorläufige Ergebnis dieser Überprüfung lautet: Die Performance der übernommenen Unternehmen liege „im Rahmen der Ergebniserwartungen, die eine Investition in Beteiligungen rechtfertigen. Die Übernahmen können daher als positiv bezeichnet werden“. Zur Kaufpreisermittlung setzt Grenke auf die übliche Multiplikatormethode, basierend auf den Ergebniserwartungen der Franchise-Partner für die nachfolgenden Jahre.

Obwohl diese Unternehmen zum Zeitpunkt der Übernahme durch Grenke in der Regel noch Verluste schreiben und die Schätzungen der künftigen Erträge daher mit Unsicherheiten behaftet sind, erachtet WKGT diese Vorgehensweise laut der Darstellung von Grenke als „grundsätzlich sinnvoll“.

KPMG prüft Leasing- und Geschäftsmodell

Auch KPMG, Wirtschafts- und Sonderprüfer von Grenke, hat offenbar einen positiven ersten Eindruck von seinen Prüffeldern bekommen. Das Big-Four-Haus schaut sich die Leasingverträge genauer an, deren Existenz und Solidität Viceroy ebenfalls anzweifelt. KPMG habe die Zahlungseingänge der Leasingnehmer zum 1. Juli, 1. August und 1. Oktober “validiert“, erklärt Grenke.

Daneben fragt KPMG in Form von Zufallsstichproben bei Leasingkunden des Grenke-Konzerns deren Verträge und Leasingraten ab. Hierzu vermeldet Grenke allerdings keinen Zwischenstand – anders als zur Prüfung der Geschäftsprozesse durch KPMG. KYC-Prozesse, Geldwäsche- und Betrugsprävention: Laut Grenke seien dort „keine wesentlichen Auffälligkeiten im Geschäftsmodell und der Geschäftsorganisation erkennbar“. Anfang Oktober bereits hatte KPMG 99 Prozent der Bankguthaben des Grenke-Konzerns nachweisen können. Auch deren Existenz zweifelt Viceroy an.

Grenke hofft, die Vorwürfe spätestens mit der Vorlage der finalen Prüfberichte vollständig aus dem Weg räumen zu können. „Ich bin zuversichtlich, dass alle Untersuchungen schnellstmöglich abgeschlossen werden. Gleichzeitig geht unser Blick nach vorne. Wir nutzen diese Situation auch als Chance und arbeiten an einem Zukunftsbild“, sagte Vorstandschefin Antje Leminsky. Dies könnte laut CFO Sebastian Hirsch auch dazu führen, dass Grenke seine M&A-Strategie ändert und künftig im Ausland selbst Tochterfirmen aufbaut, anstatt diese durch Ex-Mitarbeiter aufziehen zu lassen und erst später dann via M&A in den Konzern zu holen.

FINANCE-Köpfe

Sebastian Hirsch, Grenke AG

Sebastian Hirsch steigt 2004 direkt nach seinem Studium bei dem Finanzdienstleister Grenke ein und ist zunächst im Bereich Konzernrefinanzierung tätig. 2006 übernimmt er das gesamte Controlling und verantwortet den Konzernabschluss 2008. Im Jahr 2009 geht Hirsch zur Grenke Bank, wo er als Generalbevollmächtigter und ab 2011 als Vorstand für den Bereich Markt agiert.

2013 wechselt er als Generalbevollmächtigter zurück zum Mutterkonzern und rückt Anfang 2017 in den Vorstand auf. Als CFO verantwortet Hirsch die Bereiche Controlling, M&A, Treasury, Investor Relations, Recht und Steuern.

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Grenke-Aktie entfernt sich von ihrem Tief (3 Monatschart)

An der Börse schlägt Grenke trotzdem immer noch Skepsis entgegen, wenngleich die Unterstützer des Unternehmens langsam die Oberhand zu gewinnen scheinen. Nach der Veröffentlichung der Zwischenstände stieg die Grenke-Aktie zwischenzeitlich um 6 Prozent auf über 36 Euro an – deutlich mehr als der Tiefstand von 27 Euro, auf den das Papier direkt nach der Shortseller-Attacke gefallen war. Vor zwei Wochen hatte der Kurs aber auch schon einmal deutlich mehr als 40 Euro erreicht.

Manche Investoren sehen nach wie vor bestimmte Parallelen zum Fall Wirecard. „Man denkt, Grenke hat vieles widerlegt, aber so sehe ich das nicht. Vieles erinnert an Wirecard, nur mit dem Unterschied, dass bei Grenke Geld da ist“, kommentierte Stefan de Schutter von dem Mid-Cap-Aktienspezialisten Alpha Wertpapierhandel die aktuelle Entwicklung.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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