Edgar Ernst, Präsident der Deutschen Prüfsteller für Rechnungslegung (DPR), tritt zum Jahresende zurück.

DPR

25.02.21
Wirtschaft

Nach Wirecard-Skandal: DPR-Chef Edgar Ernst geht

Der Wirecard-Skandal fordert einen weiteren Rücktritt: Nach heftiger Kritik um seine Aufsichtsratsmandate nimmt Edgar Ernst, Präsident der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung, freiwillig seinen Hut.

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) muss sich einen neuen Präsidenten suchen: Wie die Prüfstelle mitteilte, wird der amtierende Präsident Edgar Ernst sein Amt zum Ende dieses Jahres niederliegen und damit seine Tätigkeit bei der DPR vorzeitig beenden. Ursprünglich ging sein Vertrag bis 2023.

„Mit Herrn Prof. Ernst wird die DPR einen sehr versierten Kapitalmarkt-Experten verlieren. Die DPR spricht ihm bereits heute mit Blick auf seine annähernd zehnjährige Tätigkeit großen Dank insbesondere dafür aus, dass er den präventiven Grundgedanken der Bilanzkontrolle durch eine Vielzahl von Instrumenten fortentwickelt und damit die Akzeptanz bei den geprüften Unternehmen deutlich gesteigert hat“, lässt sich DPR-Vorstandschef Rolf Pohlig zitieren.

Edgar Ernst hatte drei Aufsichtsratsmandate inne

Edgar Ernst war seit Juli 2011 Präsident der „Bilanzpolizei“, die dafür zuständig ist, die Bilanzen kapitalmarktorientierter deutscher Konzerne auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Zuvor war der 69-Jährige rund 15 Jahre lang als CFO der Deutschen Post tätig. Davor arbeitete er unter anderem im Controlling der Deutschen Bundespost sowie als Unternehmensberater bei McKinsey. Der studierte Mathematiker und Betriebswirt ist zudem Honorarprofessor an der Otto Beisheim School of Management.

Es sind aber drei andere Tätigkeiten, die ihn nun zum Abschied von der DPR veranlasst haben: Seine Aufsichtsratsmandate bei den drei Großkonzernen Metro, Tui und Vonovia. Diese sind im Zuge der geplanten Neuaufstellung der DPR nach dem Wirecard-Skandal nun ins Visier der Öffentlichkeit geraten, nachdem Ernst im Untersuchungsausschuss zu Wirecard Mitte Februar nicht nachvollziehbar darstellen konnte, warum er diese Mandate inne hat.

Kritik an DPR-Chef Edgar Ernst ist nicht neu

Das Interessenskonflikt liegt auf der Hand: Wie unabhängig kann eine Prüfstelle die Bilanzen von Unternehmen durchleuchten, wenn deren Chef gleichzeitig gut dotierte Mandate bei bedeutenden Unternehmen inne hat? Neu ist das Thema nicht: Schon vor Jahren hatte es deshalb Konflikte gegeben, vor allem intern.

Einige ehemalige Mitglieder der DPR hatten dieses Konstrukt angeprangert, konnten sich aber nicht durchsetzen und haben die Prüfstelle letztlich verlassen. Ernst selbst verteidigte sich unter anderem damit, dass solche Mandate wichtig seien, um Prozesse in Unternehmen gut zu verstehen. Auch läge es in der Natur der Prüfstelle, dass solche Konflikte entstünden, nicht nur beim Thema Aufsichtsrat: Immerhin seien manche Mitarbeiter auch ehemals als Wirtschaftsprüfer bei den Gesellschaften tätig gewesen, die die Bilanzen von jenen Unternehmen abgesegnet hätten, die die DPR nun prüfe.

Warum gab Ernst das Metro-Mandat nicht ab?

Das Problem ist aber nicht nur, dass Ernst die Aufsichtsratsmandate überhaupt innehatte. Kritisiert wurde jetzt vor allem auch der Zeitpunkt, zu dem er die Mandate angenommen hat. Das Aufsichtsratsmandat bei dem Großhandelskonzern Metro hatte Ernst im Jahr 2017 angenommen, und das, obwohl der DPR-Präsident seit 2016 gemäß der internen Regeln keine neuen Mandate in Kontrollgremien antreten durfte.

Um sich zu erklären, beauftragte die DPR schließlich einen Experten für Arbeitsrecht mit einem Gutachten, berichtete das „Manager Magazin“. Demnach habe Ernst nicht gegen die seit 2016 verschärften Regeln verstoßen, weil er seinen Dienstvertrag schon vorher abgeschlossen habe, sodass noch eine ältere Version der Verfahrensordnung für ihn gegolten habe. Diese sah vor, dass man Aufsichtsratsposten lediglich zuvor anmelden und durch den Nominierungsausschuss genehmigen lassen musste.

DPR-Präsident darf nicht mehr Aufsichtsrat sein

Der Bundesregierung reichte die Erklärung offenbar nicht aus – vor allem nicht im Lichte des Wirecard-Skandals. Im vergangenen Sommer, nachdem der Bilanzskandal publik wurde, kündigte das Bundesjustizministerium der DPR den Vertrag zum Jahresende 2021. Die DPR war unter Druck geraten, weil sie Bilanzungereimtheiten bei Wirecard nicht entdeckt hatte. Nun sollte die Prüfstelle eigentlich neu aufgestellt werden, mit einer neuen Arbeitsteilung zwischen DPR und Bafin.

„Die Bundesregierung hat den Anerkennungsvertrag mit der DPR im Juni 2020 gekündigt, um ein deutliches Signal dafür zu setzen, dass wir das System der Bilanzkontrolle grundlegend reformieren wollen“, zitiert das „Handelsblatt“ das Bundesjustizministerium. „Wichtig ist dabei, dass schon der Anschein eines Interessenkonflikts vermieden wird.“

Mit seinem Weggang ebnet Ernst nun den Weg für eine Neuordnung der DPR. „Er möchte der DPR für den Fall der Anerkennung als Prüfstelle ab dem Jahr 2022 einen personellen Neuanfang ohne die um seine Person entstandene Diskussion zur Wahrnehmung von Aufsichtsratsmandaten ermöglichen“, so der DPR-Vorstandschef Pohlig.

Die DPR will der Forderung des Ministeriums nachkommen und versichert, „die geplanten Verbotsvorgaben strikt einzuhalten“. Ab 2022 sollen demnach durch das Präsidium und die Mitglieder der Prüfstelle keine Aufsichtsratsmandate mehr wahrgenommen werden.

olivia.harder[at]finance-magazin.de