Der ehemalige CFO von Heidelberger Druckmaschinen Dirk Kaliebe sitzt künftig im Aufsichtsrat von Leoni.

Heidelberger Druckmaschinen

19.08.20
CFO

Ex-Heideldruck-CFO Dirk Kaliebe kontrolliert Leoni

Dirk Kaliebe, Ex-CFO von Heidelberger Druckmaschinen, sitzt jetzt im Aufsichtsrat des Autozulieferers Leoni. Dort wird seine Restrukturierungsexpertise dringend gebraucht.

Es ist ein überraschendes Wiedersehen: Dirk Kaliebe, ehemals CFO von Heidelberger Druckmaschinen, ist in den Aufsichtsrat von Leoni eingezogen, wie das Unternehmen gegenüber FINANCE bestätigt hat.

Demnach wurde der 54-Jährige bereits am 15. August als neues Aufsichtsratsmitglied von Leoni bestellt. Dort ersetzt er Werner Lang, der den Aufsichtsrat bereits im Juli verlassen hat, um sich vollständig auf seine Funktion als Geschäftsführer der Mekra-Lang-Gruppe zu konzentrieren.

Kaliebes Mandat ist zunächst bis zur nächsten Hauptversammlung im Jahr 2021 befristet. Dort kann es aber von den Aktionären bis 2022 bestätigt werden. Somit besteht der Leoni-Aufsichtsrat wieder aus zwölf Personen, Aufsichtsratschef ist der ehemalige Leoni-CEO Klaus Probst.

Dirk Kaliebe arbeitete über 20 Jahre bei Heideldruck

Ein Vorstandsmandat oder auch ein weiteres Aufsichtsratsmandat bekleidet Kaliebe aktuell nicht. Im Mai 2019 hatte Kaliebe angekündigt, seinen damaligen Arbeitgeber Heideldruck verlassen zu wollen und sich einem „neuen unternehmerischen Ziel zu widmen“, wie es damals in einer Unternehmensmitteilung hieß.

Der damalige Finanzchef verließ Heideldruck daraufhin zum 30. September 2019, um ein Sabbatical zu nehmen. Auf ihn folgte bei den Heidelbergern Marcus Wassenberg, der nun den Turnaround bei dem Druckmaschinenhersteller forciert.

Wassenberg ist damals in große Fußstapfen getreten, denn Dirk Kaliebe hat den Finanzbereich des Unternehmens entscheidend geprägt und ist ein ausgewiesener Restrukturierungsexperte. Bis auf eine Station bei BDO hat er seine gesamte berufliche Karriere bei Heideldruck verbracht. 1999 wurde der heute 54-Jährige zum Leiter des Finanz- und Rechnungswesens ernannt. Ein Jahr später übertrug man ihm auch das Ressort Investor Relations. Im Oktober 2006 folgte der Aufstieg zum CFO.

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Dirk Kaliebe, Heidelberger Druckmaschinen AG

Nach seinem Studium arbeitet Kaliebe von 1992 bis 1998 bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. Während dieser Zeit legt er 1997 das Examen zum Steuerberater ab. Als er zwei Jahre später das Examen zum Wirtschaftsprüfer ablegt, arbeitet Kaliebe bereits bei Heidelberger Druckmaschinen, wo er 1999 die Leitung des Finanz- und Rechnungswesens übernimmt. Im Jahr 2000 wird ihm zusätzlich die Leitung des Bereichs Investor Relations übertragen.

Seit Oktober 2006 ist Kaliebe Mitglied des Vorstands (CFO) und verantwortlich für die Sparte Financial Services. Im Sommer 2015 rückt der Manager vorübergehend an die Vorstandsspitze. Im Mai 2019 kündigt Kaliebe an, dass er Heideldruck im September des gleichen Jahres verlassen wird.

Im August 2020 zieht Dirk Kaliebe in den Aufsichtsrat von Leoni ein.

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Dirk Kaliebe ist erfahrener Restrukturierer

Während seiner Zeit bei Heidelberger Druckmaschinen stand das Thema Restrukturierung fast durchgehend auf der Agenda. Als Druckmaschinenhersteller muss sich das Unternehmen auf die Digitalisierung und damit auch auf neue Geschäftsmodelle und Technologien wie den 3D-Druck einstellen. Dafür hat Heideldruck unter anderem ein Subskriptionsmodell für Druckmaschinen eingeführt, das wiederkehrende Umsätze generiert.

Das sind nicht die einzigen Transformationsprojekte, die Kaliebe auf den Weg gebracht hat. Bereits im Jahr 2010 startete Heideldruck mit umfassenden Effizienz- und Kostensenkungsprogrammen, im Jahr 2014 gelang unter der Führung von Kaliebe der operative Turnaround. Er hat regelmäßig die Finanzierungsstruktur des Unternehmens angepasst, unter anderem über Kapitalerhöhungen, Anleihen, Fördermittel und Bankkredite.

Und auch beim Thema M&A kennt der Ex-CFO sich aus: So begleitete er bei Heideldruck unter anderem die Übernahme des kleineren Wettbewerbers Gallus im Jahr 2014, den Heideldruck im vergangenen Monat wieder verkaufte. Und auch der Einstieg des chinesischen Unternehmens Masterwork erfolgte in Kaliebes Amtszeit.

Leoni muss hart sanieren

Alle diese Erfahrungen wird der 54-Jährige nun für sein neues Mandat bei Leoni bündeln müssen. Der Autozulieferer steckt in einer tiefen Krise – die nicht alleine auf die Ausbreitung des Coronavirus‘ zurückzuführen ist. Schon vor dem Ausbruch der Pandemie hatte der Autozulieferer mit zu hohen Cash-Abflüssen zu kämpfen und erlegte sich daher selbst ein Transformationsprogramm („Value 21“) auf.

Anfang des Jahres war Leoni mit einer akuten Liquiditätskrise konfrontiert, schaffte es aber schließlich, einen fälligen Schuldschein fristgerecht zurückzuzahlen. Doch dann kam die Coronakrise, die die Situation nochmal deutlich verschärfte. Im April erhielt Leoni Staatshilfe von 330 Millionen Euro. Über den Berg ist das Unternehmen um CEO Aldo Kamper und CFO Ingrid Jägering damit aber noch nicht, vor allem die weitere Entwicklung der Pandemie sorgt für Unsicherheit.

Ein großes Projekt steht zudem noch aus: Leoni will seine ertragreiche Kabelsparte verkaufen. In dem M&A-Prozess gab es zuletzt aber einen Dämpfer: Den Nürnbergern ist es nicht gelungen, einen Käufer für die gesamte Sparte zu finden. Daher änderte Leoni seinen M&A-Kurs und will die Sparte nun auch in Einzelteilen an den Mann bringen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Mehr über den Ex-Heideldruck-CFO erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Dirk Kaliebe. Alles zur Finanzchefin von Leoni lesen Sie auf dem Profil von Ingrid Jägering.

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