Studieren hier die CFOs von morgen?

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28.04.21
CFO

Das haben Deutschlands Top-CFOs studiert

Ob Literatur, Physik oder Philosophie – wer Dax-CFO werden will, muss nicht zwingend BWL studieren. Welcher Studiengang der Beste ist und welche Uni eine Kaderschmiede ist, zeigt unsere Analyse der Dax-Finanzchefs.

Wie werde ich Dax-CFO? Auch wenn der Weg vom 1. Semester bis zum Chefsessel in der Dax-Zentrale ein weiter ist, gibt es einige Weichen, die man bereits zu Beginn der eigenen Ausbildung stellen kann. Welcher Studiengang kommt infrage, wie wichtig sind Auslandsaufenthalt und Promotion und wo sind die Kaderschmieden? Der Blick in die Lebensläufe deutscher Top-CFOs gibt Aufschluss.

Literatur studieren und dann CFO werden?

Bachelor of Arts in Literatur und Philosophie – klingt nicht unbedingt nach dem Studiengang eines Dax-CFOs? Falsch gedacht! James von Moltke, der seit 2017 Finanzchef der Deutschen Bank ist, hat in diesen beiden Fächern einen Abschluss von der Universität Oxford.

Auch wenn er danach in London, New York und Hongkong bei Credit Suisse und JP Morgan durchstartete und damit Erfahrungen im Finanzbereich machen konnte, sei der Ausbildungsweg doch eher „exotisch“, kommentiert Nico-Alexander Köhler, Senior Partner bei Page Executive.

„Durch lange Berufspraxis und nach einer gewissen Zeit im Job verblasst die Prägung und Färbung eines Studiums aber auch“, gibt Köhler zu. Ebenso könne die Persönlichkeit und ein gewisses Entrepreneurship zur Top-Karriere im Finanzbereich führen. Im Vergleich zu den Studiengängen der anderen 29 Dax-CFOs fällt ein geisteswissenschaftliches Studium dennoch stark ins Auge.

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James von Moltke, Deutsche Bank AG

Nach seinem Bachelor-Abschluss an der Universität Oxford beginnt James von Moltke seine Karriere 1992 bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston in London. Drei Jahre später und bis 2005 ist er für JP Morgan in New York und Hongkong tätig. Anschließend wechselt er zu Morgan Stanley in New York. In diesen Rollen berät er vor allem Unternehmen aus dem Financial-Services-Bereich.
 
2009 übernimmt von Moltke die Leitung der Corporate M&A Abteilung bei der Citigroup und drei Jahre später die Verantwortung für die weltweite Finanzplanung der US-Bank. 2015 wird er zum Treasury-Chef der Citigroup befördert. Im Frühjahr 2017 verkündet von Moltke seinen Wechsel zur Deutschen Bank, wo er seit Juli des gleichen Jahres Konzern-CFO ist.

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CFOs studieren in der Regel BWL

Die Mehrheit der Dax-CFOs hat ein finanz- oder wirtschaftswissenschaftliches Grundstudium absolviert – insgesamt 20 Finanzchefs aus der ersten Börsenliga haben einen Bachelor/Master oder Diplom in Betriebswirtschaftslehre beziehungsweise im englischsprachigen Pendant Business Administration in der Tasche. Dahinter folgt – Überraschung – Physik: Gleich vier Dax-CFOs haben sich für dieses naturwissenschaftliche Studium entschieden, zum Beispiel Melanie Kreis von der Deutschen Post oder Christoph Jurecka von der Münchener Rück.

Die Finanzvorstände Hans-Ulrich Engel von BASF, Nicolas Peter von BMW und Luka Mucic von SAP haben jeweils Jura studiert – Mucic hat aber mit einem Abschluss in Business Administration nachgelegt. Die Studiengänge Wirtschaftsingenieurwesen, Chemie, Mathematik, sowie Literatur und Philosophie sind mit jeweils nur einer Nennung in unserer Analyse vertreten.

CFOs profitieren von Themenüberschneidungen

Laut Personalberater Nico-Alexander Köhler gäbe es aber nicht den „falschen“ oder den „richtigen“ Studiengang, um CFO zu werden. „Dies muss differenziert betrachtet werden: Maschinenbau eröffnet zum Beispiel viele andere berufliche Positionen als eine Karriere in der Finanzverwaltung in einem großen Unternehmen“, sagt Köhler.

„Allerdings können sich thematische Verzahnungen in der Produktion, Logistik oder in anderen Bereichen ergeben, welche sich dann als fruchtbar für den CFO herausstellen.“ Das Wissen aus verschiedenen Abteilungen werde für den CFO von morgen auch immer wichtiger, Silodenken sei gerade bei den Großkonzernen immer weniger gefragt.

Der designierte Volkswagen-CFO Arno Antlitz, der im Sommer bei den Wolfsburgern anfangen soll und daher noch nicht in unserer Analyse berücksichtigt ist, hat beispielsweise ein Studium der Wirtschaftsingenieurswissenschaften mit der Fachrichtung Maschinenbau an der Technischen Universität Darmstadt absolviert.

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Dr. Nicolas Peter, BMW Group

Nicolas Peter ist ein BMW-Eigengewächs. Er beginnt seine Karriere 1991 in der Absatzfinanzierung und sammelt im Konzern auch internationale Erfahrung.

1999 steigt er zum Geschäftsführer für Finanzen und Verwaltung bei der BMW France auf. 2002 wechselt der studierte Jurist zu BMW nach Schweden, wo er die Vertriebsorganisation leitet. Zwischen 2007 und 2011 verantwortet er das Konzerncontrolling.  Im Oktober 2011 wird ihm dann die Leitung für die Vertriebsregion Europa übertragen. Finanzvorstand der BMW Group wird Nicolas Peter im Januar 2017.

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Seine Berufung zum CFO beim größten deutschen Autobauer könnte also auch mit seinem Abschluss und der vom Experten angesprochenen Überscheidung von technischen und finanziellen Themen zusammenhängen. „In diesem Umfeld sieht ein Finanzchef mit Ingenieurshintergrund gut aus“, kommentiert Nico-Alexander Köhler den Fall um den designierten VW-CFO.

Welche Uni ist die Kaderschmiede für CFOs?

Nach seinem Studium hat Arno Antlitz auch seine Promotion abgelegt, und zwar an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Koblenz. Damit ist er einer von insgesamt elf Dax-CFOs, die einen Doktortitel tragen und zusammen mit Thomas Toepfer von Covestro und Marc Spieker von E.on einer von drei aktuellen Dax-CFOs, die ihre Promotion an der WHU in Koblenz abgelegt haben.

Anders als Antlitz haben Spieker und Toepfer beide ihren akademischen Werdegang an der WHU aber im Studiengang BWL begonnen. Damit ist Koblenz Spitzenreiter unter den Unistädten der insgesamt zwölf promovierten Dax-CFOs – Glückwünsch an die WHU.

Die WHU bezeichnet Köhler auch als Kaderschmiede der CFOs in Deutschland. Angesichts der großen Zahl der Dax-CFOs, die an der WHU sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert haben, scheinen diese beiden die beste akademische Stationen zu sein, um eine Karriere als CFO anzustreben. Die European Business School und andere private Wirtschaftshochschulen seien auch gute Institutionen, um einen solchen Karriereweg einzuschlagen, meint Köhler.

Die LMU in München hat insgesamt sechs der 30 CFOs ausgebildet – und zweien davon eine Promotion vergeben. Damit ist die Universität unter den CFOs Spitzenreiter bei den grundständigen Studiengängen und auf Platz zwei unter denjenigen mit Promotion. Christian P. Illek, der Finanzvorstand der Deutschen Telekom, hat in München mit Chemie und BWL angefangen und die Universität mit einem Doktor in Chemie wieder verlassen.

Muss ein CFO promovieren?

Der zweite promovierte Dax-CFO von der LMU München, Nicolas Peter, war seiner bayrischen Alma Mater ähnlich treu: Der Finanzchef der Bayerischen Motoren Werke hatte sich für ein Jurastudium entschieden, bevor er es mit einer Promotion in Rechtswissenschaften beendete. Die Kommilitonen von Illek und Peter waren sowohl Harald Wilhelm von Daimler und Wolfgang Schäfer von Continental, welche beide BWL in München studiert haben, als auch Vonovias Helene von Roeder und Peter Kameritsch von MTU Aero Engines, welche beide ein Studium der Physik in München absolviert haben. Kameritsch hat zusätzlich auch einen Abschluss als Diplom-Kaufmann gemacht.

Bei der Frage, ob die Promotion ein „must-have“ sei, sagt Personalberater Nico-Alexander Köhler: „Es kommt auf den avisierten Karriereweg an. Wenn man unbedingt in den Dax will, dann wäre der Doktortitel eine Zusatzqualifikation, die einem gegenüber anderen gewisse Vorteile im Konkurrenzkampf bietet.“ So sei aber auch der Master in Business Administration – ob dual oder als Vollzeitstudium – bereits ein erster Schritt zur Zusatzqualifikation, falls sich jemand nach dem grundständigen Studium erst für Berufspraxis entscheide.

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Peter Kameritsch, MTU Aero Engines AG

Peter Kameritsch steigt 1999 bei MTU Aero Engines ein. Im Laufe seiner Karriere bei dem Triebwerkshersteller arbeitet er in verschiedenen Führungspositionen – unter anderem als Leiter der Bereiche Finanzen, Controlling, Strategie und Investor Relations. Anfang 2018 tritt Kameritsch in den Vorstand der Münchener ein, wo er die Bereiche Finanzen und IT verantwortet.

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Auslandsaufenthalte als Investition für CFOs

In einer immer globaler werdenden Welt gewinnt außerdem der Auslandsaufenthalt während des Studiums an Bedeutung – hier auch vor allem unter dem Gesichtspunkt der CFO-Karriere. „Vor 40 Jahren waren schlichtweg die Möglichkeiten noch nicht da, die ein Studierender heutzutage hat – ob finanziell oder strukturell“, so Personalberater Köhler.

„Im Gegensatz zu heute waren unter den früheren Umständen meist nur nationale Karrieren möglich – sprich nach dem Studium ein direkter Einstieg in ein Unternehmen, das seinen Hauptsitz und sein Hauptgeschäftsfeld in Deutschland hat, ohne Auslandsaufenthalt.“

Dies sei heutzutage doch eher selten. „Unternehmen sind globaler geworden, die persönlichen Wechselzyklen sind wesentlich höher und Landesgrenzen bestehen nicht mehr wie es noch früher der Fall war“, sagt Köhler weiter. Und wohin hat es die Dax-CFOs verschlagen? Vor allem englischsprachige Länder standen bei den Finanzvorständen hoch im Kurs.

„Generell gilt für die kommende Generation: Die Investition in sich selbst kann nicht früh genug beginnen.“

Nico-Alexander Köhler, Personalberater bei Page Executive.

Mit insgesamt acht Auslandsaufenthalten in den USA und sechs Aufenthalten in Großbritannien verweisen diese Frankreich (fünf), Kanada, Spanien und Italien (jeweils eins) auf die hinteren Plätze. Eine beliebte Uni im europäischen Ausland ist zum Beispiel die Wirtschaftshochschule INSEAD im französischen Fontainebleau, hier haben insgesamt zwei der Dax-CFOs einen Teil ihres Studiums verbracht.

Wie werden die CFOs 2030?

Für die nächste Dekade prognostiziert der Recruiter Nico-Alexander Köhler einen Anstieg von Frauen in Vorständen großer Konzerne, auch einen Anstieg der weiblichen CFOs. „Generell gilt für die kommende Generation: Die Investition in sich selbst kann nicht früh genug beginnen. Ob es die Leistungskurse im Abitur sind, die Wahl des Studiums, ein Auslandsaufenthalt, der richtige Nebenjob während des Studiums oder einfach das Netzwerken im Laufe der Karriere.“

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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