Grenke macht einen Strategieschwenk und leitet zwei große Maßnahmen ein.

Grenke

29.10.20
Finanzabteilung

Grenke reagiert radikal auf Shortseller-Kritik

Nach der heftigen Kritik des Shortsellers Viceroy reagiert Grenke nun mit radikalen Maßnahmen: Neben einer Veränderung im Geschäftsmodell wird nun auch der Vorstand umgebaut.

Grenke holt erneut zum Gegenschlag aus und reagiert mit gleich mehreren neuen Maßnahmen auf die Kritik des Shortsellers Viceroy. Konkret geht es dabei um das Franchise-System und personelle Verantwortlichkeiten.

Grenke integriert umstrittene Franchise-Unternehmen

Als erste Maßnahme leitet der Finanzdienstleister eine Veränderung des seit 2003 bestehenden Franchise-Geschäftsmodells ein. Bisher lief es so: Ehemalige Grenke-Mitarbeiter gründeten Start-ups, die finanzielle Starthilfe, unter anderem von der CTP Beteiligungsgesellschaft, erhielten. Je nachdem, wie sich das Geschäft dann entwickelte, übernahm Grenke vier bis sechs Jahre später die Unternehmen. Der Knackpunkt: Seit Anfang 2020 ist der Grenke-Gründer Wolfgang Grenke an CTP beteiligt. Da dieser bis vor kurzem auch noch im Aufsichtsrat von Grenke saß, wirft Viceroy ihm einen Interessenskonflikt vor. Zudem kritisiert der Investor Fraser Perring, der hinter Viceroy steht, dass Grenke die Start-ups zu überhöhten Kaufpreisen erwerbe, da sie meist defizitär seien.

Bereits vor einigen Wochen gab der Konzern bekannt, dass Wolfgang Grenke als erste Maßnahme zunächst sein Aufsichtsratsmandat ruhen lassen wird. Nun folgt ein weiterer, radikalerer Schritt: Grenke gibt das bisherige Franchise-Konzept auf und will sich künftig ohne externe Finanzinvestoren direkt an den Start-ups beteiligen und diese selbst aufbauen. Das bedeutet, dass der Konzern von nun an selbst die Risiken beim Aufbau der Start-ups trägt. 

CFO Hirsch will Grenke transparenter machen

Der Finanzdienstleister will nun die noch nicht übernommenen 16-Franchise-Unternehmen komplett unter sein Dach holen. Dazu werde man zügig Gespräche mit den bisherigen Eigentümern dieser Gesellschaften aufnehmen. Alle Transaktionen sollen in den nächsten 12 bis 18 Monaten erfolgen. Die Anteile will Grenke nicht nur von der CTP, sondern auch von der Garuna AG übernehmen. Die Rolle von Garuna war ebenfalls in die Kritik geraten, weil Wolfgang Grenkes Lebensgefährtin Anteile an ihr hält.

Um das neue Geschäftsmodell transparenter zu machen, will Grenke zudem weitere Maßnahmen ergreifen: „Wir wollen neben den bisherigen Darstellungen in unserer Bilanz die Ergebnisse dieser Start-ups sowie die damit verbundenen Kosten gesondert darstellen“, so CFO Sebastian Hirsch. Zusätzlich will Grenke für den Jahresabschluss 2020 eine Pro-forma-Konsolidierung vornehmen und dabei die erwarteten Auswirkungen auf die Bilanz aufzeigen. Vor wenigen Tagen kündigte der Finanzchef im Interview mit FINANCE bereits an, das Zahlenwerk in den Geschäftsberichten verständlicher aufbereiten zu wollen.

Grenke schafft CRO-Posten

Als zweite große Maßnahme baut der Konzern den Vorstand um: Sebastian Hirsch, der de facto schon CFO war, trägt ab sofort auch offiziell diesen Titel. Shortseller Viceroy hatte bemängelt, dass Grenke gar keinen richtigen Finanzchef hätte – auf diese Kritik reagiert der Konzern nun. Ab sofort verantwortet außerdem die Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky zusätzlich die interne Revision.

Zudem schafft Grenke im Vorstand einen CRO (Chief Risk Officer)-Posten, der die Themen Risikocontrolling, Recht und Compliance verantworten soll. „Damit will das Unternehmen den gestiegenen aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die internen Kontrollsysteme zukünftig noch besser gerecht werden“, heißt es zur Begründung. Die Suche nach einem Kandidaten habe bereits begonnen.

Auch Compliance-Richtlinien sowie sämtliche Nebentätigkeiten und Rollen von Mitarbeitern innerhalb und außerhalb des Konzerns will Grenke überprüfen. Diese Maßnahme dürfte mit der undurchsichtige Rolle von Wolfgang Grenke und seinen Vertrauten zusammenhängen.

FINANCE-Köpfe

Sebastian Hirsch, Grenke AG

Sebastian Hirsch steigt 2004 direkt nach seinem Studium bei dem Finanzdienstleister Grenke ein und ist zunächst im Bereich Konzernrefinanzierung tätig. 2006 übernimmt er das gesamte Controlling und verantwortet den Konzernabschluss 2008. Im Jahr 2009 geht Hirsch zur Grenke Bank, wo er als Generalbevollmächtigter und ab 2011 als Vorstand für den Bereich Markt agiert.

2013 wechselt er als Generalbevollmächtigter zurück zum Mutterkonzern und rückt Anfang 2017 in den Vorstand auf. Als CFO verantwortet Hirsch die Bereiche Controlling, M&A, Treasury, Investor Relations, Recht und Steuern.

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Grenke-Aktionäre sind vorsichtig optimistisch

Mit diesem Vorgehen spricht Grenke eine Vielzahl von Punkten an, die der Shortseller kritisiert hatte. Mitte September veröffentlichte er einen 64-seitigen Report, der den Aktienkurs massiv einbrechen ließ – auch, weil Viceroy in seinem Schreiben Parallelen zum Bilanzskandal bei Wirecard zog. Grenke erklärte sich daraufhin bereit, seine Geschäfte durch den bisherigen Prüfer KPMG und den Sonderprüfer Warth & Klein Grant Thornton tiefgehend prüfen zu lassen.

Sind diese Maßnahmen ausreichend, um das Vertrauen in Grenke wieder herzustellen?

Vor wenigen Tagen erst veröffentlichte der Konzern erste Ergebnisse der Prüfung: Die Kaufpreise für die Franchise-Unternehmen seien angemessen, hieß es. Zudem konnte KPMG einen Großteil der Zahlungsmittel auf den Konten der Deutschen Bundesbank nachweisen.

Die Aktionäre goutieren die weiteren Schritte, die Grenke heute nun verkündet hat, die Aktie legte wieder etwas zu und notierte am Donnerstagvormittag bei 33 Euro. Den Wert vor der Shortseller-Attacke von über 55 Euro erreicht sie aber bei weitem noch nicht.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Der Finanzdienstleister Grenke ist heftigen Anschuldigungen des Shortsellers Viceroy ausgesetzt. Wie argumentiert Viceroy und was kann Grenke gegenhalten? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite zu Grenke.