Delivery Hero kauft den Konkurrenten Glovo.

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08.07.20
Finanzierungen

Delivery Hero sammelt 1,5 Milliarden Euro ein

Über Wandelanleihen hat Delivery Hero 1,5 Milliarden Euro frisches Kapital eingeholt. Wegen Corona profitiert der Essenslieferdienst massiv von einer erhöhten Nachfrage – und könnte sogar schon bald in den Dax aufsteigen.

Einer der Profiteure in der aktuellen Coronavirus-Krise besorgt sich frisches Geld am Kapitalmarkt: Wie der Essenslieferdienst Delivery Hero mitteilte, hat er über Wandelanleihen insgesamt 1,5 Milliarden Euro Kapital aufgenommen. Sie wurden ausschließlich bei institutionellen Investoren platziert, die Bezugsrechte der Aktionäre wurden ausgeschlossen.

Joint Global Coordinators der Transaktion waren J.P Morgan, Morgan Stanley, Jefferies und Unicredit. Gemeinsam mit der HSBC war das Konsortium auch als Joint Bookrunners tätig.

Konkret sind die Wandelschuldverschreibungen in zwei Tranchen aufgeteilt, jede davon mit einem Volumen von 750 Millionen Euro. Tranche A hat eine Laufzeit bis Juli 2025 und wird mit einem jährlichen Kupon von 0,875 Prozent verzinst. Tranche B läuft bis Januar 2028, der Zinssatz liegt bei 1,5 Prozent. Die anfallenden Zinsen kann Delivery Hero halbjährlich begleichen.

Die Wandlungsprämien haben die Berliner bei 42,5 Prozent für Tranche A und bei 47,5 Prozent für Tranche B festgelegt. Der Preis der Aktie lag am heutigen Mittwochmorgen bei rund 101 Euro. Damit liegt der anfängliche Wandlungspreis bei 143,93 Euro für die erste Tranche und bei 148,98 Euro für die zweite Tranche.

Corona: Delivery Hero profitiert von hoher Nachfrage

Das Instrument der Wandelanleihe ist Delivery Hero nicht unbekannt: Schon zu Beginn dieses Jahres sammelten die Berliner 2,3 Milliarden Euro ein – unter anderem über Wandelanleihen. Das frische Kapital nutze Delivery Hero damals allerdings, um den Milliardenzukauf des südkoreanischen Wettbewerbers Woowa zu finanzieren.

Diesmal will Delivery Hero die finanziellen Mittel aber für „allgemeine Unternehmenszwecke“ und „sich möglicherweise bietende attraktive Investitionsmöglichkeiten“ verwenden, heißt es in der Mitteilung noch recht bedeckt. Die Berliner füllen damit ihre Kassen weiter auf – das Unternehmen verfüge mit Barmitteln von 2,8 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals bereits über eine sehr gut gefüllte Kriegskasse, schrieb etwa Analystin Sarah Simon von der Privatbank Berenberg. Sie vermutet, dass Delivery Hero verstärkt investieren wolle, oder aber neue Zukauf-Chancen wittere oder womöglich beides plant.

FINANCE-Köpfe

Emmanuel Thomassin, Delivery Hero SE

Emmanuel Thomassin ist nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Frankreich und Deutschland ab 2001 für sechs Jahre Finanzleiter der operativen Beteiligungen der Radioholding Regiocast und Mit-Geschäftsführer der zur Regiocast gehörenden Forschungsgruppe Medien sowie der TOP Radiovermarktung.

2007 wird Thomassin zum CFO von MetaDesign, einer Agentur für Markenberatung, -Management und –Design berufen. Dort ist er für den kaufmännischen Bereich, das operative Geschäft, Kundenbeziehungen und Personalentwicklung verantwortlich. 2013 beruft der Berliner Inkubator Team Europe Thomassin zum CFO. Dort leitet er das sechsköpfige Finance & Legal Department und ist daneben für Investor Relations und Portfolio-Management mitverantwortlich.

Seit 2014 ist Emmanuel Thomassin CFO bei Delivery Hero. Der Essenslieferant ging im Sommer 2017 an die Börse. Der IPO hatte ein Volumen von fast 1 Milliarde Euro.

zum Profil

Der Berliner Essenslieferdienst profitiert derzeit massiv von der Coronakrise. Da zu Beginn des Lockdowns nahezu alle Restaurants schließen mussten, boomt das Geschäft von Lieferdiensten wie Delivery Hero. Das zeigt auch die Entwicklung der Aktie: Seit März hat sich der Wert der Aktie nahezu verdoppelt und die 100-Euro-Marke geknackt.

Trotzt Corona: Delivery-Hero-Aktie seit Beginn des Jahres

Steigt Delivery Hero in den Dax auf?

Mittlerweile wird Delivery Hero – neben dem Aromenhersteller Symrise – sogar als heißer Dax-Aspirant gehandelt, nachdem Wirecard wegen des Bilanzskandals und der darauffolgenden Insolvenz die erste Börsenliga verlassen muss. Gleichzeitig arbeitet CFO Emmanuel Thomassin aber immer noch daran, Delivery Hero profitabel zu machen.

2019 erwirtschaftete das Unternehmen bei einem Umsatz von knapp 1,5 Milliarden Euro einen bereinigten Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 431 Millionen Euro. Für 2020 erwarteten die Berliner ursprünglich einen Umsatz zwischen 2,4 Milliarden und 2,6 Milliarden Euro, bei immer noch negativem Ergebnis – doch das war vor Corona. Delivery Hero hält bislang an dem Ausblick fest.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

 

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