FINANCE Wrap-up

Abonnements

Wie der Ukraine-Krieg die FINANCE-Magazinproduktion durcheinander wirbelte

Telekom, Lufthansa und Commerzbank: Wann veräußert der Bund seine Beteiligungen? Foto: Telekom: nmann77 - stock.adobe.com; Lufthansa: Lukas Wunderlich - stock.adobe.com; Commerzbank: lukasgerber - stock.adobe.com
Telekom, Lufthansa und Commerzbank: Wann veräußert der Bund seine Beteiligungen? Foto: Telekom: nmann77 - stock.adobe.com; Lufthansa: Lukas Wunderlich - stock.adobe.com; Commerzbank: lukasgerber - stock.adobe.com

Manchmal passiert fast nichts, häufig ist der Redaktionsalltag aber wild, weil völlig neue Nachrichten aus der Finanzwelt eintreffen. Darin liegt (auch) der spezielle Reiz unseres Berufs. Allerdings kommen wichtige Nachrichten oft als böse Überraschungen daher: Platzen der Dotcom-Blase, die Lehman-Insolvenz, die Wirecard-Pleite, der Corona-Lockdown. Und jetzt ist es der Ukraine-Krieg, der auch das Finanzmanagement von Unternehmen trifft – und die Produktion unsere neuesten Magazins etwas durcheinandergewirbelt hat.

Die meisten Geschichten waren schon anrecherchiert, zum Teil schon geschrieben, als am frühen Morgen des 24. Februar Krieg in dem osteuropäischen Land ausbrach. In selten dagewesener Weise hat Wladimir Putin eine Angriffskrieg vom Zaun gebrochen, mitten in Europa. 

Doch wir haben reagiert und alle Artikel auf Relevanz in der neuen Lage überprüft. Dazu gehört auch die Titelgeschichte: Lufthansa, Commerzbank, DB Schenker, Deutsche Post und Telekom sind bekanntlich Beteiligungen des Bundes. Sie alle stehen nach Antritt des neuen liberalen Bundesfinanzministers Christian Lindner auf dem Prüfstand. Besondere Relevanz erhalten potentielle Beteiligungsverkäufe aber seit der Regierungserklärung vom 27. Februar 2022. An jenem Sonntagvormittag wurde bekannt, dass die Bundesregierung 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr stecken will. Wo sollen die herkommen, wenn man nicht nur neue Schulden aufnehmen will? Raten Sie mal! Unsere Titelgeschichte dürfte Anhaltspunkte liefern. Mehr dazu erfahren Sie im neuen FINANCE-Magazin, das heute bereits als E-Paper zur Verfügung steht.

Waffenindustrie im ESG-Visier

Natürlich haben wir auch der Krise selbst einen Artikel gewidmet. Da sich die Nachrichten so überschlagen haben, ist es eher eine persönliche Reflektion der ersten Kriegstage geworden. Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie Sie zu der Situation in Russland stehen – und zu anderen Autokratien wie China, die so viel wichtiger für Deutschland sind. Schreiben Sie mir direkt an meine Mailadresse.

Zweifellos wird durch den Krieg die Rüstungsindustrie eine Sonderkonjunktur erleben. An der Börse tut sie das schon jetzt: Während der Dax unter dem Tosen der Kanonen in Kiew nachgibt, schießt etwa die Aktie von Rheinmetall durch die Decke. Doch auch wenn die Weltlage der Waffenindustrie Rückenwind gibt, befinden sich Unternehmen aus der Branche doch im Visier der Banken: Wegen neuer ESG-Kriterien tun sich die Geldhäuser immer schwerer damit, Rüstungsunternehmen Kredit zu geben. Worauf achten die Banken genau? Und was müssen gerade hochverschuldete Unternehmen wie Heckler & Koch beachten, die in absehbarer Zeit refinanzieren müssen? Fragen, die über Nacht extrem relevant geworden sind und die unser Artikel erklärt.

HomeToGo geht via Spac an die Börse

Finanzierungen haben viele Facetten. Eine neueres Phänomen, das zuletzt einen kleinen Hype erlebte (zumindest im Ausland), wir bei FINANCE aber eher kritisch sehen, sind Spacs. Unübersehbar ist bei aller Kritik, dass diese börsennotierten Übernahmevehikel den Kapitalmarkt bereichern können, wenn man sie richtig einsetzt. Trivial ist eine Zusammenarbeit mit Spacs aber nicht. Einen Erfahrungsbericht über den ersten Spac-IPO in Deutschland seit langer Zeit liefert das Unternehmen Hometogo. Deren CFO Steffen Schneider sagt: „Das war eine schwierige Abwägung zwischen Bewertung, Emissionserlös und Transaktionssicherheit.“

„Das war eine schwierige Abwägung zwischen Bewertung, Emissionserlös und Transaktionssicherheit.“

Steffen Schneider, CFO HomeToGo

Auch der Familienkonzern Dussmann geht neue Wege bei Finanzierungen. Dass sich genau hinschauen und abwarten auszahlen können, berichtet CFO Dieter Royal (früher Tognum/Rolls Royce Power Systems) im Interview: „Wir hatten die Refinanzierung schon länger im Blick, doch im ersten Halbjahr 2021 war die Marktlage schwierig. Viele Banken wollten nur drei Jahre Laufzeit anbieten, unser Ziel waren aber mindestens fünf Jahre.“ Wie Royal schließlich zum Ziel kam, erfahren Sie in der neuen Ausgabe.

Schwerpunkt Green Finance und Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist gerade der prägende übergreifende Trend bei Finanzierungen. Vor einigen Jahren erst aufgekommen, dreht sich Green Finance unheimlich schnell weiter. ESG-Linked-Loans, Green Bonds, grüne Schuldscheine und Co. sind inzwischen bekannt. Doch Marktstandards müssen sich noch herausbilden, speziell durch die neue EU-Taxonomie. Damit kämpfen CFOs derzeit, wie wir an den Beispielen von LEG Immobilien und SGL Carbon illustrieren. „Die Abweichungen in Details machen die notwendigen Erläuterungen gegenüber dem Kapitalmarkt so komplex“, sagte uns die LEG-CFO Susanne Schröter-Crossan.

„Diese Abweichungen in Details machen die notwendigen Erläuterungen gegenüber dem Kapitalmarkt so komplex.“

Susanne Schröter-Crossan, CFO bei LEG Immobilien

Spannend sind auch die Ergebnisse einer neuen Studie zu Green Finance, die FINANCE gemeinsam mit der LBBW aufgelegt hat – bereits zum dritten Mal nach 2020 und 2021. Zum einen ist spannend zu sehen, wie sich die Einstellungen von Finanzentscheidern gegenüber nachhaltigen Finanzierungen in dieser so kurzen Zeit verändert haben. Zum anderen verändern sich die Prioritäten. Besonders gefragt bei CFOs sind inzwischen die richtigen Daten für die Kommunikation mit Banken und Investoren. Wie man dabei genau vorgeht, lernen Sie ebenfalls in der neuen Ausgabe. Das ist zwar auch kompliziert, hat aber zum Glück nichts mit dem Ukrainekrieg zu tun.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Info

+ posts

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

FINANCE Daily Newsletter
Das Wichtigste aus der FINANCE-Welt – täglich direkt in Ihr Postfach.
Jetzt abonnieren »
Jetzt abonnieren »
FINANCE Daily Newsletter