Der Finanzinvestor EQT greift für die Deutsche Glasfaser tief in die Tasche.

Deutsche Glasfaser / Michael Bader

14.02.20
Deals

M&A-Deals: Deutsche Glasfaser, Real, Francotyp-Postalia

Die Deutsche Glasfaser wird von zwei Finanzinvestoren übernommen, Metro findet endlich einen Käufer für Real, und Francotyp-Postalia kauft trotz Elgeti-Chaos zu. Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Mega-Bewertung für Deutsche Glasfaser

Die Private-Equity-Investoren EQT und Omers übernehmen den Breitbandspezialisten Deutsche Glasfaser von dem US-Finanzinvestor KKR. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht – dem Vernehmen nach konnte KKR bei dem Verkauf die Deutsche Glasfaser eine Bewertung von 2,8 Milliarden Euro durchsetzen.

Der schwedische Finanzinvestor und der kanadische Pensionsfonds haben auch schon Pläne für die Zukunft von der Deutschen Glasfaser: Das Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Borken soll mit dem Konkurrenten Inexio fusionieren. EQT hatte den saarländischen Kabelnetzbetreiber im vergangenen Herbst für rund 1 Milliarde Euro von den Finanzinvestoren Warburg Pincus und DBAG erworben. Das zusammengelegte Unternehmen soll zu 51 Prozent EQT und zu 49 Prozent Omers gehören. Mit dem Abschluss der Transaktion wird im zweiten Quartal dieses Jahres gerechnet. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren mehr als sieben Milliarden Euro in den Ausbau von Hochgeschwindigkeits-Internetinfrastruktur investiert werden.

Die Anwaltskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Rainer Traugott und Nils Röver) hat die Käuferseite bei dem M&A-Deal unterstützt. Deutsche Glasfaser wurde von der Anwaltskanzlei Eversheds Sutherland (Federführung: Michael Prüßner und Christophe Samson) beraten.

Metro bekommt für Real weniger als erhofft

Die Käufersuche für Real hat ein Ende: Metro verkauft die verlustreiche Supermarktkette an ein Konsortium um den Immobilieninvestor X+bricks und den Private-Equity-Investor SCP. Real wird dabei mit rund 1 Milliarde Euro bewertet – davon sollen rund 300 Millionen Euro als Nettomittelzufluss direkt an die Düsseldorfer gehen. Die restlichen 700 Millionen Euro entsprechen wohl den Nettofinanzschulden sowie den Pensionsverpflichtungen Reals.

Letztlich hat sich Metro von seiner Supermarktkette für einen geringeren Kaufpreis getrennt als eigentlich erwartet: In den exklusiven Verhandlungen mit X-bricks und SCP im Dezember vergangenen Jahres hatte der Handelsriese noch mit einem Nettozufluss von 500 Millionen Euro gerechnet.

Francotyp-Postalia kauft im Elgeti-Chaos zu

Francotyp-Postalia (FP) erwirbt im Rahmen eines Asset Deals Hefter Systemform, einen Händler von Postbearbeitungsmaschinen. Wie der Berliner Frankiermaschinenhersteller bekannt gab, übernimmt er den Markennamen sowie 28 Mitarbeiter. Der Kaufpreis für das Unternehmen aus Prien am Chiemsee ist nicht bekannt. Den Berlinern zufolge erwirtschaftet Hefter einen Jahresumsatz von rund 6 Millionen Euro.

Abseits dieses M&A-Deals geht es bei Francotyp-Postalia derzeit stürmisch zu: Der aktivistische Investor Rolf Elgeti fordert den Abgang von FP-CEO und CFO Rüdiger Andreas Günther. Der Großaktionär, der mit 20,7 Prozent an dem Berliner Unternehmen beteiligt ist, habe für dieses Anliegen die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung verlangt, teilte FP mit.

Weitere Meldungen

Übernahme-Deal in der Software-Branche: Schneider Electric will RIB Software übernehmen und hat dafür ein öffentliches Übernahmeangebot für den Bausoftware-Anbieter angekündigt. Schneider Electric bietet dazu 29 Euro pro Aktie, was einer Prämie von 41 Prozent auf den letzten Schlusskurs vor dem Tag der Ankündigung entspreche. RIB wird ohne Schulden bei der Transaktion mit 1,4 Milliarden Euro bewertet. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent plus 1 Aktie. RIB mit Sitz in Stuttgart erzielte 2019 nach eigener Aussage einen Umsatz von 214 Millionen Euro, bei einer Ebitda-Marge von 23,4 Prozent. Schneider Electric wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Hengeler Mueller (Federführung: Maximilian Schiessl und Bernd Wirbel) beraten.

Nun also doch: Nach der Übernahme von Osram durch AMS sucht der österreichische Chiphersteller nach einem Käufer für die Digitalsparte des Münchener Lichtkonzerns. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. „Das digitale Geschäft von Osram passt nicht wirklich zu AMS, wir suchen dafür ein besseres Zuhause”, zitiert die Nachrichtenagentur AMS-CFO Michael Wachsler-Markowitsch. Die Zukunft der Sparte, die sich mit Großprojekten zur Beleuchtung von Sportstadien oder Industrieanlagen beschäftigt, war bislang ungewiss: Im Rahmen des zweiten Übernahmeangebots für Osram hatte AMS Zugeständnisse gemacht – dazu gehörte auch die Prüfung des vollständigen oder teilweisen Verkaufs der Osram-Digitalsparte.

Endspurt für den Verkauf der Aufzugsparte von ThyssenKrupp: Wie das „Handelsblatt“ aus konzernnahen Kreisen erfuhr, startet beim MDax-Konzern die letzte Runde im Bieterwettkampf um Elevator. Dafür habe der Essener Industriekonzern weitere Interessenten aussortiert. Dem Bericht zufolge habe es der finnische Kone-Konzern mit seiner 17-Milliarden-Euro-schweren Offerte in die Endrunde geschafft. Die Finnen stehen bei dem Bieterwettstreit mehreren Private-Equity-Investoren gegenüber. Berichten zufolge zählen darunter ein von Carlyle und Blackstone angeführtes Konsortium, ein von der RAG-Stiftung unterstütztes Konsortium um Advent und Cinven sowie ein Konsortium um den Finanzinvestor Brookfield.

Der schwedische Industriekonzern Atlas Copco will das Darmstädter Hightech-Unternehmen Isra Vision übernehmen. Wie das auf die industrielle Bildverarbeitung spezialisierte SDax-Unternehmen bekannt gab, bieten die Schweden 50 Euro in bar je Isra-Aktie – das entspreche einer Prämie von 43 Prozent auf den Schlusskurs vom 7. Februar. Damit bewertet Atlas Copco das Eigenkapital des Darmstädter Unternehmens von Gründer und CEO Enis Ersü mit rund 1,1 Milliarden Euro. Die Schweden haben sich über unwiderrufliche Andienungsverpflichtungen von mehreren Aktionären sowie durch einen Aktienkaufvertrag mit dem US-Vermögensverwalter Kabouter Management bereits 34,9 Prozent der Isra-Aktien gesichert. Isra Vision wurde bei dem Deal von der Kanzlei Allen & Overy (Federführung: Hartmut Krause und Alexander Wüpper) und der Investmentbanking-Beratung Parkview Partners unterstützt.

Der Finanzinvestor Investkapital Industrieholding legt die beiden Schraubenhersteller Emil Niggeloh und Hugo Dürholt zusammen. Der Investor hatte zuvor beide Unternehmen aus der Insolvenz heraus gekauft. Emil Niggeloh hatte Hugo Dürholt 2017 erworben. Künftig sollen die beiden fusionierten Unternehmen unter Eni Spezialschrauben firmieren. Den Verkaufsprozess leitete die Restrukturierungsberatung Falkensteg (Federführung: Jonas Eckhardt und Florian Weingärtner). 

Godewind Immobilien hat ein Übernahmeangebot des französischen Immobilienkonzerns Covivio erhalten. Der gebotene Preis von 6,40 Euro je Aktie entspricht einem Eigenkapitalwert von 640 Millionen Euro. Die Prämie auf den Aktienkurs beläuft sich auf 42 Prozent, bezogenen auf den Nettovermögenswert beträgt sie 5 Prozent. Käme es zum Delisting, würde die Übernahme jenen Godewind-Aktionären, die seit dem IPO im April 2018 mit dabei sind, eine jährliche Rendite von fast 30 Prozent bringen. Beraten wurde Godewind von JP Morgan und Clifford Chance.

Die Oppenweiler MBO-Gruppe wird von Komori übernommen, einem japanischen Druckmaschinenhersteller. Der Kaufpreis für den schwäbischen Anbieter von Maschinen und Automatisierungslösungen für die Druckweiterverarbeitung ist nicht bekannt. Die Japaner wurden bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Arqis (Federführung: Shigeo Yamaguchi und Meiko Dillmann) beraten. Die Unternehmerfamilie Binder als Gesellschafter der MBO-Gruppe wurde von der Kanzlei Menold Bezler (Federführung: Rudolf Bezler und Vladimir Cutura) begleitet. Dem Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen war im Mai vergangenen Jahres die Übernahme der MBO-Gruppe untersagt worden.

Der Private Equity Investor Bridgepoint erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an PharmaZell, einem Hersteller von aktiven pharmazeutischen Wirkstoffen. Verkäufer sind die DPE Deutsche Private Equity und Maxburg Capital Partners. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. „Seit unserer Investition in PharmaZell Anfang 2014 hat das Unternehmen ein zweistelliges jährliches Wachstum mit branchenweit führenden Margen erzielt und seine Größe annähernd verdoppelt“, sagt Guido Prehn, Managing Partner bei DPE. Die Transaktion wurde auf Seiten Bridgepoint von Alantra, HSBC, Freshfields, EY und BCG begleitet. DPE mandtierte Rothschild, Latham & Watkins, Deloitte, L.E.K. sowie ERM.

Die Investmentbank GCA übernimmt sämtliche Anteile an der M&A-Boutique Stella EOC mit Standorten in Stockholm, Lausanne und London. Stella ist auf die Branchen Technologie, Medien und Entertainment spezialisiert und wird in den europäischen Geschäftsbereich GCA Altium integriert. Ein besonderer Fokus der 2011 gegründeten Beratung liegt auf Skandinavien und den Benelux-Ländern – mit der Übernahme weitet GCA Altium demnach seine Präsenz auf diesen Märkten aus. Nach Abschluss des Deals wird GCA eigenen Angaben zufolge 400 M&A- und Finanzierungsexperten an mehr als 25 Standorten in 14 Ländern beschäftigen, davon 165 Professionals in Europa.

Die Fondsgesellschaft Union Investment kauft das Hamburger Logistikimmobilienunternehmen Logistrial von Garbe. Wie der Vermögensverwalter der Volks- und Raiffeisenbanken mitteilte, beträgt der Kaufpreis rund 800 Millionen Euro. Der Deal umfasse ein Logistikportfolio mit 13 Bestandsimmobilien und sechs Projektentwicklungen. Ursprünglich plante die Hamburger Garbe-Immobiliengruppe für ihr erst im vergangenen Jahr gebündeltes Portfolio den Gang an die Börse – nun wurde es doch ein Verkauf.

Die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Quartum verkauft den Reinigungsdienstleister Profi-con an die CWS-Gruppe, hinter der die Unternehmerfamilie Haniel steht. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Marke Profi-con soll zunächst eigenständig weitergeführt werden. Die Wirtschaftskanzlei Dentons (Federführung: Robert Bastian) hat Quartum bei der Transaktion beraten.

Der Druckverarbeiter Adolf Nill ist gerettet: Der Geschäftsbetrieb des insolventen Reutlinger Unternehmens wird an das neu gegründete Unternehmen Patrick Nill verkauft. Somit können die 34 Arbeitsplätze sowie der Standort Reutlingen erhalten bleiben. Dietmar Haffa von der Anwaltssozietät Schultze & Braun war als Insolvenzverwalter mit der Investorensuche beauftragt worden, nachdem Adolf Nill im November vergangenen Jahres Insolvenz beantragen musste.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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