Private-Equity-Ticker: Capiton, EQT, Klaus Maurer

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13.02.20
Deals

Private-Equity-Ticker: Capiton, EQT, Klaus Maurer

Capiton gelingt ein komplexer Coup bei Alphapet, EQT bezahlt für Deutsche Glasfaser ein dreistelliges Ebitda-Multiple und Klaus Maurer hat ICG schon wieder verlassen. Die wichtigsten Neuigkeiten aus der deutschsprachigen PE-Szene im FINANCE-Private-Equity-Ticker.

 

Capiton schmiedet Onlinehändler für Tierfutter

In einer komplexen Transaktion beteiligt sich der Berliner Private-Equity-Investor Capiton an dem Onlinehändler für Tierfutter Alphapet und finanziert gleichzeitig dessen Übernahme von Healthfood24. Die Beteiligungsgesellschaft Heliad Equity Partnes nutzt diese Gelegenheit, um bei Alphapet auszusteigen.

Und so lief der Deal: Capiton beteiligt sich zusammen mit „namhaften Bestandsinvestoren“ – das dürfte in erster Line das Family Office Reimann Investors sein – an einer Kapitalerhöhung der Alphapet-Gruppe. Mit den frischen Mitteln aus der Kapitalerhöhung und einer bereitgestellten Akquisitionsfinanzierung des Finanzinvestors Muzinich wiederum finanziert Alphapet den Zukauf von Healtfood24.


Neben der Kapitalerhöhung übernimmt Capiton zudem die bisherigen Anteile von Heliad an der Alphapet-Gruppe wodurch Capiton nach Abschluss der Transaktion der neue Lead Investor der Gruppe ist und laut Alphapet 36 Prozent der Anteile hält. Zweitgrößter Anteilseigner sei nun Reimann Investors. 

Heliad hatte sich nach eigener Aussage 2017 an einer 13 Millionen Euro schweren Wachstumsfinanzierung – 10 Millionen davon kamen von Family Offices – an Alphapet beteiligt und erwartet bei seinem Ausstieg nun einen Liquiditätszufluss von rund 3,9 Millionen Euro. Der Profit für Heliad dürfte folglich bei rund 1 Million Euro liegen, sofern die Kartellbehörden die Transaktion freigeben.

Mega-Deal zwischen KKR, EQT und Omers

Der schwedische Finanzinvestor EQT hat zusammen mit dem kanadischen Pensionsfonds Omers von KKR die Deutsche Glasfaser übernommen. Den Kaufpreis nannten die Beteiligten nicht, doch dem Vernehmen nach soll Deutsche Glasfaser bei der Transaktion mit 2,8 Milliarden Euro bewertet worden sein, was einem dreistelligen Ebitda-Multiples entsprechen dürfte. Der Umsatz des Unternehmens lag 2018 nur bei 64 Millionen Euro.

Für das Investorenduo EQT und Omers ist der Deal strategisch wichtig: Nach Abschluss der Transaktion soll die Deutsche Glasfaser mit dessen Wettbewerber Inexio zusammengelegt werden. Diesen hatte das Duo erst im vergangenen Herbst für rund 1 Milliarde Euro von den beiden Finanzinvestoren Warburg Pincus und DBAG übernommen. An dem kombinierten Unternehmen soll EQT dann 51 Prozent und Omers 49 Prozent halten.

KKR war 2015 über seinen Infrastrukturfonds bei der Deutschen Glasfaser eingestiegen und hat seitdem nach eigener Aussage 1,2 Milliarden Euro in den Ausbau des deutschen Glasfasernetzes investiert. Unter der Regie der neuen Eigentümer sollen es in den nächsten Jahren 7 Milliarden Euro werden. 

Afinum verkauft Meridian Spa

Afinum hat Meridian Spa & Fitness an dessen deutlich größeren britischen Wettbewerber David Lloyd Leisure verkauft. Hinter den Briten steht mit TDR Capital ebenfalls ein Finanzinvestor, der mit 8 Milliarden Euro verwaltetem Kapital jedoch deutlich größer ist als Afinum.

Meridian Spa soll bei der Transaktion nach FINANCE-Informationen mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag bewertet worden sein, wodurch Afinum seinen Einsatz in fünf Jahren um das 2,5-Fache gesteigert haben dürfte. Dies gelang zum einen über Multiple-Arbitrage, vor allem jedoch durch organisches Wachstum beim Ebitda, das sich während der Haltedauer ausgehend von 3 Millionen Euro mehr als verdoppelt hat. 

Aurelius verkauft Ghotel an Art-Invest Real Estate

Der Turnaround-Investor Aurelius hat seine Hotelkette Ghotel für 63 Millionen Euro an den Immobilieninvestor Art-Invest Real Estate verkauft. Die börsennotierte Aurelius erwartet für das Geschäftsjahr 2020 aus dem Verkauf einen positiven Ergebniseffekt von rund 50 Millionen Euro.

Die Hotelkette für Geschäftskunden im 3- bis 4-Sternebereich liegt bereits seit 14 Jahren im Portfolio von Aurelius und ist damit eine der ältesten Beteiligungen des Finanzinvestors. Aurelius hatte das Unternehmen 2006 von der Deutschen Post übernommen, für die das Geschäft nur ein Randbereich war.

Aurelius hat das Unternehmen nach eigener Aussage zunächst restrukturiert und anschließend zu einer Kette ausgebaut. Es wurden sowohl neue Hotels eröffnet als auch sieben Hotels zugekauft. Der Umsatz habe sich daraufhin in den vergangenen drei Jahren auf 60 Millionen Euro verdoppelt.

Permira macht mit Duff & Phelps Kasse

Nächster großer Exit für Permira: Der britische Finanzinvestor hat die Mehrheit an der Corporate-Finance-Beratung Duff & Phelps nach nur zwei Jahren für 4,2 Milliarden Dollar an die beiden Private-Equity-Investoren Stone Point Capital und Further Global verkauft. Permira selbst hatte Duff & Phelps erst 2018 für 1,75 Milliarden Dollar übernommen, behält nach eigener Aussage aber eine Minderheit.

Permira scheint derzeit einen Lauf zu haben: Ende Dezember gab der Investor bereits den Verkauf der deutschen Software-Firma P&I für 2 Milliarden Euro an den Vorbesitzer Hg bekannt. Von dem Finanzinvestor hatte Permira das Unternehmen im September 2016 übernommen und mit kolportierten 800 Millionen Euro nur einen Bruchteil der Ausstiegsbewertung bezahlt. 

Deutsche Investoren­konferenz

Das zentrale Treffen für Mittelstands-Private-Equity in Deutschland

Die „Deutsche Investorenkonferenz“ bietet einen exklusiven Austausch unter Limited und General Partners über aktuelle Erfolgsstrategien. In praxisnahen Vorträgen und spannenden Diskussionsrunden werden die Trends der Private-Equity- und Private-Debt-Branche diskutiert. Jenseits des Programms haben die Teilnehmer ausreichend Möglichkeiten um mit Investoren und Investmentmanagern ins Gespräch zu kommen.

Weitere Informationen

 

 

Triton übernimmt Renk von VW

Der nordeuropäische Finanzinvestor Triton übernimmt die Mehrheit an dem Großgetriebehersteller Renk. Verkäufer des Aktienpakets ist der Autobauer VW, der für seine 76 Prozent knapp 100 Euro je Aktie erhält. Volkswagen fließen durch den Deal rund 530 Millionen Euro zu. Triton möchte Renk jedoch komplett übernehmen und hat den übrigen Aktionären deshalb ein freiwilliges Übernahmeangebot unterbreitet.

Der Mindestpreis orientiert sich an dem durchschnittlichen inländischen Börsenkurs der Renk-Aktie während der letzten drei Monate vor Veröffentlichung des Übernahmeangebots und liegt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) zufolge bei 106,20 Euro. Die Aktionäre scheinen jedoch auf ein höheres Angebot zu spekulieren, die Aktie notiert derzeit bei rund 111 Euro. Bei dem Deal mit VW soll Triton verschiedenen Medienberichten zufolge den schwedischen Finanzinvestor EQT ausgestochen haben. 

Weitere Private-Equity-Deals

Der US-Finanzinvestor Bain Capital bekommt in Deutschland den Gegenwind im Automotive-Sektor zu spüren. So haben einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge 16 Tochtergesellschaften des Reifengroßhändlers Fintyre Group in Deutschland Insolvenz angemeldet. Grund dafür seien Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung gewesen. 

Der US-amerikanische Finanzinvestor SCP will zusammen mit dem Immobilieninvestor X+bricks die Supermarktkette Real übernehmen. Die Bewertung liegt bei 1 Milliarden Euro, wovon 300 Millionen Euro in bar fließen sollen. Der Rest dürfte auf Finanz- und Pensionsverpflichtungen entfallen. Das Investorenduo bekäme Metro damit günstiger als gedacht, war beim Nettozufluss vorher noch die Rede von 500 Millionen Euro.

Nimbus hat den Hersteller von Befestigungstechnik Joseph Desselhaus von den vier Eigentümerfamilien übernommen. Der Deal sei eine Nachfolgeregelung, teilte der niederländische Turnaround-Investor mit. Die Industrieholding Nimbus hat nach eigener Aussage mehr als 30 europäische Unternehmen im Portfolio, die zusammen rund 2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften sollen.

Der schwedische Finanzinvestor EQT übernimmt einen Minderheitsanteil an dem schweizerischen Pharmazulieferer SHL Medical (Federführung: Andreas Aschenbrenner). Wie groß der Minderheitsanteil ist, gab EQT nicht bekannt. Die Gelder stammen aus dem achten Buy-out-Fonds, der EQT zufolge nun zu 70 bis 75 Prozent ausinvestiert ist.

Der Private-Equity-Investor Lea Partners übernimmt Enscape, einen erst 2017 gegründeten IT-Dienstleister im Baugewerbe mit Sitz in Karlsruhe. Die beiden Gründer Thomas Willberger und Moritz Luck sowie der High-Tech-Gründerfonds sollen weiterhin signifikant beteiligt bleiben. 

Der Turnaround-Investor Liberta Partners übernimmt den Veranstalter Ameropa von der Deutschen Bahn. Liberta ist in München ansässig und wurde 2016 von ehemaligen Aurelius-Mitarbeitern gegründet. Geschäftsführer von Ameropa soll Kai de Graaff bleiben, der das Unternehmen bereits seit sieben Jahren führt. Der Umsatz von Ameropa wird auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Ameropa war seit 1973 Teil des Deutsche-Bahn-Konzerns und gehört seit 1993 der Fernverkehrstochter der Deutschen Bahn.

Die Beteiligungsgesellschaft DRS Investment (Federführung: Andreas Spiegel) übernimmt das Softwareunternehmen Electric Paper Evaluationssysteme, das Universitäten bei Befragungen unterstützt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Der Münchener Private-Equity-Investor Emeram übernimmt für sein Portfoliounternehmen, die Digitalagentur Diva-e, den Adobe-Experten Provision. Diva-e entstand 2016, als Emeram sechs selbständige Agenturen im Rahmen einer Transaktion zusammengeführt hatte. Provision ist bereits der fünfte Zukauf im Rahmen der Buy-and-Build-Strategie von Diva-e.

Nordic Capital übernimmt für seinen Altenheimbetreiber Alloheim die beiden Pflegeheimbetreiber Mohring und Vital Wohnen. Beide Unternehmen sitzen in Nordrhein-Westfalen und sollen über sämtliche Standorte 1.176 Betten anbieten. Alloheim vereint nach eigener Aussage nach Abschluss der Transaktion dann 24.000 Betten. Nordic Capital hatte Alloheim 2017 für 1,3 Milliarden Euro von dem US-Finanzinvestor Carlyle übernommen.

Harald Quandt Industriebeteiligungen hat ATX Hardware übernommen. Das Unternehmen wurde 1997 von Hans Drexler und Benedikt Epple gegründet und stellt Prüfadapter für elektronische Testverfahren her. Mit Hans Drexler soll jedoch nur einer der Gründer als Gesellschafter und alleiniger Geschäftsführer erhalten bleiben.

Der deutsche Private-Equity-Investor Halder treibt seine Buy-and-Build-Strategie bei Conen voran. Dazu hat der Schulausstatter mit Sitz in Morbach HKS Systemtechnik von dessen Gründer und Hauptgesellschafter Winfried Steins übernommen. Steins regelt mit dem Verkauf seine Nachfolge. Sein Partner und Geschäftsführer Christian Monz soll aber an Bord bleiben und HKS weiterführen. Er wird an der Conen-Gruppe beteiligt, bei der Halder Anfang 2019 eingestiegen ist.

Der Finanzinvestor Hg hat das erste Add-on für sein Software-Unternehmen Medifox eingefädelt und die Dan-Gruppe übernommen. Die Gruppe soll unter Medifox-Dan-Gruppe firmieren. Hg war 2018 bei Medifox eingestiegen. Hg hat weltweit nach eigener Aussage bereits über 1 Milliarde Dollar in den Healthcare-Technologie-Sektor investiert.

Und noch ein Add-on: Triton hat für AVS Verkehrssicherung das Unternehmen SVA Implenia aus Saarbrücken übernommen. SVA beschäftig 30 Mitarbeiter und ist Teil der Implenia AG, dem größten Bau- und Baudienstleistungsunternehmen der Schweiz. Triton hatte AVS im Januar 2018 übernommen. 

Die Osnabrücker Beteiligungsgesellschaft Zwei.7 hat sich an der Ossenberg-Gruppe beteiligt. Der Gehhilfenhersteller hatte vergangenes Jahr den Wettbewerber Erwin Kowsky aus Neumünster übernommen. Mit dem Einstieg von Zwei.7 hat Geschäftsführer Frank Wieditz das Unternehmen verlassen. Hinter der 2018 gegründeten Zwei.7 steht Karsten Wulf, dem zuvor die BUW-Gruppe gehört hat, ehe diese an den US-Konzern Convergys verkauft wurde.

Die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Quartum Kapital hat das Reinigungsunternehmen Profi-con an die CWS-Gruppe verkauft. Diese gehört der Familienholding Haniel, die mit dem Zukauf ihr Geschäft mit Hygienelösungen ausbaut. 

Kein Deal, aber dennoch eine Meldung wert: Aus Steadfast Capital wird Borromin. Die Namensänderung sei nötig gewesen, weil es dem Private-Equity-Investor zufolge vermehrt zu Verwechslungen mit Unternehmensgruppen mit ähnlichen Firmierungen gekommen sie.

Private-Equity-Personalien

Klaus Maurer ist erneut gewechselt. Wie der Private-Equity-Manager über das Karrierenetzwerk Linkedin bekannt gab, ist er seit Februar diesen Jahres Partner bei dem französischen Finanzinvestor EMZ Partners. Maurer war erst im Juli 2019 als Managing Director von Silverfleet zu ICG gewechselt und sollte dort den neuen Midcap-Fonds betreuen. Bei EMZ soll Maurer von München aus arbeiten und für die Franzosen das Geschäft im deutschsprachigen Raum aufbauen. EMZ ist ein Midcap-Investor, der aus einem rund 1 Milliarde Euro schweren Fonds in Unternehmen investiert, deren Unternehmenswert zwischen 20 und 300 Millionen Euro liegt.

Jens Tischendorf wird den schwedischen Finanzinvestor Cevian verlassen. Der Deutschlandchef ist formal bereits Ende 2019 gegangen, führt seine Geschäfte aber bis zum Ablauf einer Übergangszeit weiter. Tischendorf sitzt für Cevian unter anderem im Aufsichtsrat von Bilfinger und ThyssenKrupp, zwei Investments, die Cevian bisher nicht sonderlich Freude bereiten dürften. 

Der Asset Manager Capza hat Oliver Nell zum „Flex Equity Partner“ ernannt. In dieser Funktion verantwortet er im deutschsprachigen Raum Finanzierungslösungen für mittelständische Unternehmen mit einem Ebitda zwischen 3 und 10 Millionen Euro. Das betreffe Mehrheits- und Minderheitskapital, Wandelanleihen und Mezzanine-Finanzierungen. Nell soll von München aus arbeiten, wo Capza nach eigener Aussage bereits seit 2017 Private-Debt-Geschäft betreibt.

Florian Kawohl wird Managing Director bei HIG Bayside Capital. Kawohl kommt von Strategic Value Partners und wechselt in das Distressed-Vehikel von HIG Capital. Kawohl soll sowohl von Hamburg als auch von London aus arbeiten. Im Zuge der sich abkühlenden Konjunktur verstärken sich aktuell immer mehr Investoren und Beratungsgesellschaften mit Restrukturierungsspezialisten.

Neues Research

Der deutsche Private-Equity-Midmarket hat auch 2019 wieder alle Rekorde gebrochen. Nach FINANCE-Recherchen haben Finanzinvestoren 2019 insgesamt 51 Unternehmen im Gesamtwert von 5,4 Milliarden Euro übernommen. Gezählt wurden ausschließlich Buy-outs (keine Add-ons) mit Unternehmenswerten zwischen 50 und 250 Millionen Euro in Deutschland. Der Markt wuchs damit sowohl bei der Dealanzahl als auch beim Dealvolumen und ist heute mehr als doppelt so groß wie noch im Jahr 2013.

Dass der Markt in den vergangenen drei Jahren derart explodiert ist, liegt vor allem an der Zunahme von Primary Buy-outs, sprich, wenn ein Private-Equity-Investor nicht von einem anderen Finanzinvestor, sondern direkt von den Gründern oder Eigentümern kauft. Hier scheint sich der Mittelstand nach langem Zögern nun doch nachhaltig für Private Equity zu öffnen, wie die Primary-Entwicklung vermuten lässt. Die fünf aktivsten Investoren in diesem Marktsegment waren 2019 Avedon, Borromin, Bregal, IK und Riverside.

2019 war für Mittelstands-Private-Equity in Deutschland unter dem Strich ein sehr gutes Jahr, doch es gibt einzelne Branche, die den Finanzinvestoren Sorgen bereiten. Dies betrifft allen voran den gebeutelten Automotive-Sektor und die deutsche Industrie. Dem aktuellen FINANCE Private-Equity-Midmarket-Monitor zufolge gehen fast 80 Prozent der rund 50 befragten Investmentmanager davon aus, dass die Rezession in der deutschen Industrie ihre Renditen spürbar schmälern wird. Mehr als Dreiviertel der Befragten gehen zudem davon aus, 2020 mehr oder sogar deutlich mehr Restrukturierungsarbeit leisten zu müssen als 2019.

Und auch der neue Midcap Monitor von GCA Altium ist da. Die Corporate-Finance-Berater beobachten unter anderem, dass 2019 im Vergleich zu den Vorjahren stärker von Recaps und Add-ons geprägt war. GCA begründet das mit mehr gescheiterten Verkaufsprozessen, insbesondere wenn Verkäufer zu hohe Bewertungen aufgerufen haben. 

Der Midcap Monitor von GCA  verdeutlicht aber auch, dass sich die Debt-Fonds im deutschen Markt festgebissen haben. Ihr Marktanteil lag 2019 bei über 50 Prozent. Dies sei über aggressive Unitranche- oder Streched-Senior-Finanzierungen gelungen, schreibt GCA. Banken würden sich darum vor allem auf kleinere Deals konzentrieren. Bei den größeren kämen immer häufiger die Fonds zum Zug, weil diese größere Finanzierungstickets als die Banken anbieten können. Zudem gebe es inzwischen große Versicherungsunternehmen mit eigenen Direct-Lending-Vehikeln, die sogar Bankpreise darstellen können. Hierbei dürfte es sich vermutlich vor allem um Akquivest handeln.

Wenn es konjunkturell bergab geht, stürzt sich Private Equity erfahrungsgemäß gerne auf vermeintlich cashflow-stabilere Sektoren wie Healthcare oder IT. Die Unternehmensberater von PwC haben herausgefunden, dass die PE-Investitionen in IT-Unternehmen um 48 Prozent auf rund 9,5 Milliarden Euro gestiegen sind, was vor allem an drei Mega-Deals liegen soll: Autoscout24 (Hellman & Friedman), P&I (Hg) und Inexio (EQT). IT-Investments können richtig lukrativ sein, laut PwC lag das Money Multiple bei jeder zehnten Transaktion bei 7,5x. Aber: Bei mehr als 25 Prozent aller Transaktionen in Deutschland habe Private Equity auch Verlust gemacht. 

Gerüchteküche

Der schwedische Finanzinvestor EQT will sich von Apleona trennen, schreibt das Handelsblatt" mit Verweis auf Finanzkreise. EQT hatte das frühere Bilfinger Facility Management 2016 für rund 1,2 Milliarden Euro übernommen, doch 300 Millionen davon musste der Finanzinvestor nicht direkt bezahlen: 100 Millionen Euro seien gegen Zins gestundet worden, 200 Millionen Euro in eine Verkaufsbeteiligung umgewandelt worden. Bilfinger sei dadurch jetzt mit 49 Prozent an einem möglichen Verkaufserlös beteiligt. 

BC Partners will den Wissenschaftsverlag Springer Nature anscheinend noch im ersten Halbjahr an die Börse bringen. Das berichtet die „Börsenzeitung“ unter Berufung auf Insider. Die beiden Eigentümer BC Partners und die Verlagsgruppe Georg von Holltzbrinck hätten dazu die US-Investmentbank Goldman Sachs mandatiert. Dem Finanzinvestor soll dabei eine Unternehmensbewertung von 7 bis 8 Milliarden Euro vorschweben. Ein erster Anlauf war vor über zwei Jahren an der schwachen Nachfrage gescheitert.

Die RAG-Stiftung soll mit den beiden Private-Equity-Investoren Advent und Cinven für die Aufzugssparte von ThyssenKrupp bieten. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Bezug auf Insider. Die Stiftung könne allerdings nur einen Betrag von weniger als einer halben Milliarde Euro in das Konsortium einbringen. Unklar sei jedoch noch, ob die Stiftung selbst Anteile an ThyssenKrupp Elevator übernehmen oder nur als Geldgeber auftreten soll. 

Der Frankfurter Private-Equity-Investor Quadriga soll einen neuen Verkaufsversuch für seinen Hemdenhersteller Eterna wagen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, habe Quadriga dazu eine Investmentbank mandatiert. 2016 hatte Quadriga schon einmal versucht, Eterna zu verkaufen. Den Hemdenhersteller haben die Frankfurter bereits seit 2006 im Portfolio liegen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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