Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Transformation Deutschland Grenke-Chefin verspricht „Neuaufstellung“

Grenke-Chefin verspricht „Neuaufstellung“

Antje Leminsky, Chefin von Grenke, will den Konzern neu aufstellen.
Grenke

Antje Leminsky, Chefin des unter Beschuss von Shortsellern und Bilanzforensikern geratenen Leasinganbieters Grenke, hat bei der heutigen Präsentation der Geschäftszahlen um Vertrauen geworben – trotz des immer noch ausstehenden Bilanztestats. „Bei der Bilanzaufstellung sind wir auf der Zielgeraden“, sagte Leminsky. Ihr zufolge habe der Abschlussprüfer KPMG zugesichert, dass die Bilanzprüfung bis zum 17. Mai abgeschlossen sein soll.

Am 21. Mai plant Grenke, den Geschäftsbericht vorzulegen, inklusive des Bilanztestats. „Wir haben im Moment keinerlei Hinweise darauf, dass es zu einer Einschränkung des Testats kommen könnte“, sagte Leminsky. Finanzchef Sebastian Hirsch ergänzte: „Alle benötigten Nachweise für die Bilanzprüfung haben wir vollumfänglich erbracht.“

Wie Leminsky weiter erläuterte, sei die Sonderprüfung zahlreicher kritischer Geschäftsvorkommnisse, die der Shortseller Fraser Perring bei Grenke kritisiert, inzwischen in der Jahresabschlussprüfung durch KPMG aufgegangen. CFO Hirsch versprach, die Ergebnisse dieser Sonderprüfung nicht zu verschweigen, sondern sie im Lagebericht des Geschäftsberichts „vorzustellen und zu kommentieren“.

Mazars hat Grenke-Bericht der Bafin übergeben

Zur zweiten Sonderprüfung bei Grenke, mit der die Bafin das WP-Haus Mazars beauftragt hatte und deren Zwischenergebnis wenig schmeichelhaft für Grenke ausfiel, erklärte Leminsky, dass Mazars in der vergangenen Woche den Abschlussbericht an die Bafin übergeben habe. Die Grenke-Chefin bereitet den Kapitalmarkt aber darauf vor, dass über die Ergebnisse der Mazars-Sonderprüfung wahrscheinlich erst nach der Bilanzvorlage Mitte Mai berichtet werden könne. Mazars prüft bei Grenke vor allem die Qualität der Compliance und der Geldwäsche-Prävention.

„Wir haben von allen Beteiligten selbst das größte Interesse an Transparenz.“

Antje Leminsky, CEO, Grenke

„Wir haben von allen Beteiligten selbst das größte Interesse an Transparenz und einer vollständigen Aufarbeitung der im Raum stehenden Vorwürfe“, behauptete Leminsky. Die Berichte zu den Sonderprüfungen will Grenke nach Aussage seiner Chefin trotzdem nicht in Gänze veröffentlichen. Pressegerüchte, wonach es einen Machtkampf zwischen dem Vorstand und dem Konzerngründer Wolfgang Grenke gebe, wies die Grenke-Chefin zurück. Wolfgang Grenke hatte der „Süddeutschen Zeitung“ vor wenigen Wochen ein Interview ergeben, dessen Inhalt vielerorts als Abrücken von Leminsky verstanden worden war.

Grenke will 13 M&A-Deals machen

Die Belastung durch die zahlreichen laufenden Prüfungen bezeichnete die Managerin als „hoch“, CFO Hirsch merkte an, der Konzern werde gerade „auf links gedreht“. Die Grenke-Chefin will die missliche Situation jedoch nutzen, um den Konzern „neu aufzustellen“.

Personell seien die Weichen dafür bereits gestellt: Neben der von der LBBW geholten neuen Risikochefin Isabel Rösler bekommen nun auch die Corporate Compliance sowie die Konzernrevision neue Chefs von außen. Zudem sei die Geldwäscheprävention der Grenke Bank personell verstärkt worden. Dort gab es undurchsichtige Kreditvergabeprozesse, die Mazars bemängelt hatte. Grenke hat das Kleinkreditgeschäft daraufhin eingestellt und konzentriert sich nun auf das Förderkreditgeschäft, sagte Hirsch.

 

 

Auch im M&A-Bereich hat Grenke einschneidende Veränderungen auf den Weg gebracht: Alle 13 noch nicht im Konzernbesitz befindlichen Franchisegesellschaften sollen bis spätestens Ende 2022 übernommen werden. Das Next-Ten-Haus Warth & Klein Grant Thornton soll die Angemessenheit der Kaufpreise überprüfen. In Zukunft will Grenke den Aufbau von Franchise- und Landesgesellschaften nicht mehr an Finanzinvestoren und ehemalige Mitarbeiter auslagern, sondern selbst steuern.

FINANCE-Köpfe

Sebastian Hirsch, Grenke AG

Sebastian Hirsch steigt 2004 direkt nach seinem Studium bei dem Finanzdienstleister Grenke ein und ist zunächst im Bereich Konzernrefinanzierung tätig. 2006 übernimmt er das gesamte Controlling und verantwortet den Konzernabschluss 2008. Im Jahr 2009 geht Hirsch zur Grenke Bank, wo er als Generalbevollmächtigter und ab 2011 als Vorstand für den Bereich Markt agiert.

2013 wechselt er als Generalbevollmächtigter zurück zum Mutterkonzern und rückt Anfang 2017 in den Vorstand auf. Als CFO verantwortet Hirsch die Bereiche Controlling, M&A, Treasury, Investor Relations, Recht und Steuern.

zum Profil

Grenke verzeichnet Gewinneinbruch

Wie die am heutigen Freitag präsentierten Zahlen zeigen, belasten die internen Probleme und die Folgen der Corona-Pandemie nicht nur die Organisation, sondern auch das Geschäft. Der Nettogewinn des Grenke-Konzerns brach 2020 wegen einer deutlich aufgestockten Risikovorsorge von 136 auf 80 Millionen Euro ein. Dieses Jahr soll er auf 50 bis 70 Millionen Euro weiter zurückgehen.

Neben einer stark aufgestockten Risikovorsorge und einem rückläufigen Neugeschäft macht der Vorstand dafür auch die externen Beratungskosten verantwortlich, die Grenke seit der Shortseller-Attacke Mitte September stemmen muss. Obwohl sich diese erst gegen Ende des dritten Quartals ereignete, trieb sie 2020 die Prüfungs- und Beratungskosten von 15 auf 24 Millionen Euro nach oben. Im ersten Quartal dieses Jahres sind weitere Sonderkosten in Höhe von 6,7 Millionen Euro hinzugekommen.

Auch die auf Druck des Kapitalmarkts vorgenommene Vollkonsolidierung aller Franchise-Gesellschaften hat den Gewinn um einen einstelligen Millionenbetrag belastet. Insgesamt musste Grenke 67,4 Millionen Euro auf Goodwill und immaterielle Vermögenswerte abschreiben. Die Erstkonsolidierung defizitärer Franchisegesellschaften reduzierte das Eigenkapital um weitere 20,5 Millionen Euro. Dies kostete Grenke rund 1 Prozentpunkt der Eigenkapitalquote. Trotzdem gelang es Finanzvorstand Sebastian Hirsch, die Eigenkapitalquote bei 16 Prozent nahezu stabil zu halten.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

 

 

Info

Viele News, Analysen und Hintergründe zum Tauziehen um den Finanzdienstleister finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Grenke. Immer auf dem Laufenden hält sie unser Grenke-Ticker. Alles über den CFO lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Sebastian Hirsch.

Website | + posts

Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

Unternehmen