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Restrukturierungsnews: Consus, Hess Automotive, Staples

Eine große Baustelle: Die Bilanz der Adler-Tochter Consus. Foto: Photographee.eu
Eine große Baustelle: Die Bilanz der Adler-Tochter Consus. Foto: Photographee.eu

Adler-Tochter Consus gerät in Schieflage

Die Adler-Tochter Consus hat im vergangenen Jahr massive Verluste gemacht. Der Projektentwickler müsse „überwiegend wahrscheinlich“ Beteiligungen und Ausleihungen an verbundenen Unternehmen abschreiben. Der Verlust im vergangenen Jahr führt laut Consus dazu, dass sich das bilanzierte Eigenkapital auf weniger als die Hälfte des Grundkapitals reduziert hat. Auf Basis aktueller Berechnungen wäre das Eigenkapital der Gesellschaft damit zum Ende des Jahres 2021 negativ. Grund für die Abschreibungen seien gestiegene Baukosten und ein Absinken des erwarteten Projektentwicklungsvolumens.

Adler äußerte sich am Dienstag zu den Abschreibungen bei Consus: Man sei sich der Verantwortung für das Tochterunternehmen bewusst und werde im Interesse aller Stakeholder von Adler und Consus auf die Stärkung und Fortführung von Consus hinwirken.

Hess Automotive wird zerschlagen

Die auf Autoteile spezialisierte Handelsgruppe Hess Automotive mit Hauptsitz in Köln wird in ihrer bisherigen Form nicht weitergeführt. Insolvenzverwalter Christoph Niering (Kanzlei Niering Stock Tömp) zufolge ist die Suche nach einem Investor für die Gesamtgruppe trotz der Ansprache von rund 70 Interessenten gescheitert. Die Investorensuche sei von den negativen Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf den europäischen Autoteilehandel geprägt worden. Das Unternehmen, das in der Spitze bis zu 1.500 Beschäftigte zählte, hatte im März Insolvenzantrag gestellt.

Nach der Zerschlagung der Gruppe werden von den 25 Standorten voraussichtlich 14 Standorte mit etwa 300 Arbeitsplätzen erhalten bleiben. Der Betrieb des zur Gruppe gehörenden Teilehändlers Schwenker wurde Anfang Mai bereits mit sofortiger Wirkung eingestellt, 200 Mitarbeiter sind betroffen. Dort war Medienberichten zufolge ein Investor kurzfristig abgesprochen. Für das Gruppenunternehmen Autoteile Jakobs soll noch im Mai eine Investorenvereinbarung geschlossen werden, die acht Standorte mit 130 Arbeitsplätzen rettet.

Gespräche zur Übernahme von Einzelstandorten aus der Hess-Gruppe sowie zur Zukunft des Hauptsitzes in Köln laufen noch.

Staples-Betreiber geht vom Markt

Die Investorensuche für den Bürobedarfshändler Office Centre ist gescheitert. Der Betreiber der Staples-Märkte bereitet daher den Rückzug vom Markt vor, wie Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz (White & Case) mitteilte. Das Unternehmen hatte im Februar Insolvenzantrag gestellt.

Seitdem wurden Undritz zufolge in einem strukturierten Verkaufsprozess mehr als 120 potentielle Käufer angesprochen, bis Ende April liefen Verhandlungen mit mehreren Interessenten. Letztlich habe aber die „intensive Prüfung des Geschäftsmodelles“ in Verbindung mit den „dringend benötigten  Investitionen für eine Neuausrichtung am Markt“ dazu geführt, dass die Interessenten abgesprungen sind. Die Ware in den Filialen wird nun nach und nach abverkauft. Den rund 50 Vermietern der Ladengeschäfte will Undritz „kurzfristig“ eine Nachmieterlösung anbieten.

Bauprojektentwickler Terragon will Zinszahlung stunden

Der Bauprojektentwickler Terragon will die für den 24. Mai fällige Zinszahlung für seine Anleihe bis 2024 laufende Anleihe für acht Monate stunden, neuer Fälligkeitstermin wäre dann der 31. Januar 2023. Die Anleihe im Volumen von 25 Millionen Euro ist mit 6,5 Prozent verzinst. Das entspricht einer fälligen Kuponzahlung von 1,625 Millionen Euro.

Grund für die Stundung sind laut Terragon-CEO Michael Held Liquiditätsengpässe. Terragon habe aktuell einen „erhöhten Liquiditätsbedarf“ von rund 6,5 Millionen Euro aufgrund pandemiebedingt verlängerter Projektlaufzeiten sowie hoher Rohstoff- und Baukosten. Konkret gebe es Verzögerungen und gestiegene Kosten bei mehreren Bauprojekten in Deutschland, unter anderem in Berlin und Duisburg.

Hauptgesellschafter und CEO Michael Held will über seine Beteiligungsgesellschaft 2,4 Millionen Euro bereitstellen. Um die Liquiditätsprobleme zu lösen sollen künftig Bauprojekte beschleunigt und Kaufverträge mit Forward-Funding-Vereinbarungen für zwei Projekte abgeschlossen werden. Laut Terragon-Chef Held sei sein Unternehmen nach wie vor solide aufgestellt. Der Markt ist allerdings skeptisch: Nachdem Terragon um Zinsstundung gebeten hat, brach der Anleihekurs dramatisch ein und rangierte zuletzt bei rund 25 Prozent des Nennwerts.

Distressed M&A: Gesundheitsbranche rückt in den Fokus

Experten erwarten einen Anstieg an Distressed M&A Deals auf dem deutschen Markt. Das zeigt die Distressed M&A-Studie 2022 von Deloitte, an der Professionals aus den Bereichen Beratung, Finanzierung, Management, Restrukturierung und Insolvenz teilgenommen haben. 75 Prozent der Teilnehmer rechnen mit einem Anstieg der Transaktionen. Als Hauptrisiko für die deutsche Wirtschaft sehen 78 Prozent der Experten die hohe Inflation.

Dabei gehen 30 Prozent der Befragten davon aus, dass der Anstieg bei Distressed-Deals länger als zwölf Monate anhalten wird. Nur 1 Prozent erwartet einen kurzfristigen Anstieg von weniger als drei Monaten. Insbesondere Teilnehmer aus dem Banking stellen sich auf langfristig steigende Transaktionszahlen ein: In dieser Berufsgruppe erwarten sogar 50 Prozent der Studienteilnehmer, dass der Anstieg länger als zwölf Monate andauert. In der Insolvenzberatung glauben dies 42 Prozent der Befragten.

Unter den Branchen rückt das Gesundheitswesen in den Fokus: 25 Prozent der Teilnehmer erwarten hier einen Anstieg der Distressed-Deals in den kommenden 36 Monaten, mit Blick auf die kommenden zwölf Monate erwarten dies 21 Prozent – das ist ein Plus von 13 Prozentpunkten gegenüber der vorherigen Befragung. Die meisten Teilnehmer rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Fallzahlen im Tourismus (55 Prozent), der Automobilindustrie (53 Prozent) und dem Handel (48 Prozent). Allerdings sind die Nennungen gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken: In der Tourismusindustrie nahm die Nennung um 18 Prozentpunkte ab, im Automotive-Beriech sogar um 23 Prozentpunkte und die Einschätzung für die Handelsbranche ging um 16 Prozentpunkte zurück.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Restrukturierungsberatung One Square prüft die Fortführung der insolventen Deutschen Lichtmieteüber eine gläubigergeführte Auffanglösung. Hinter der Lösung stehen vor allem institutionelle Investoren, die gemeinsam rund 65 Millionen Euro Anleihevolumen halten. Das Konzept, das neben den Investoren mit der Insolvenzverwaltung und dem Gläubigerausschuss entwickelt wurde, sieht die Fortführung unter der Regie der Anleihegläubiger vor. Dabei übernehmen die Gläubiger das Eigenkapital der Gesellschaft, installieren ein neues Management und passen das Geschäftsmodell an. Als Stellschrauben für das neue Geschäftsmodell sieht One Square zwei Aspekte: Zum einen seien Preiserhöhungen bei den Produkten der Lichtmiete denkbar. Zum anderen könne es eine Lösung sein, bei den Produkten stärker auf Zulieferer zu setzen statt diese wie bisher selbst zu produzieren. Der Investitionsbedarf dazu würde in einstelliger Millionenhöhe liegen. Ziel ist es über einen Plan, die Lichtmiete außerhalb der Insolvenz wieder in eine stabile Lage zu bringen, „damit sich Investoren in zwei bis drei Jahren wieder für die Gesellschaft interessieren und das Unternehmen dann zu einem adäquaten Preis verkauft werden kann“.

Der sächsische Teilelieferant Falz & Kannenberg restrukturiert sich über eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Sachwalter ist Nils Freudenberg (Kanzlei Tiefenbacher), Stefan Ettelt von der Kanzlei Kulitzscher & Ettelt ist Generalbevollmächtigter. Kaufmännisch berät Simon Leopold (ABG Consulting-Partner). Das Unternehmen hat gestiegene Rohstoff- und Energiepreise als Auslöser für die Krise angegeben.

Der Bio-Großhändler BiUno, bekannt auch unter der Marke Phönix Naturprodukte, hat Insolvenzantrag gestellt. Vorläufiger Verwalter ist Michael Lojowsky von Schultze & Braun. Der Geschäftsbetrieb läuft in vollem Umfang weiter. Lojowsky will nun nach möglichen Investoren suchen.  „Wir haben bereits erste Anfragen erhalten“, sagte er. BiUno ist in Schieflage geraten, nachdem eine beendete Zusammenarbeit mit einem Großkunden zu einem deutlichen Auftragsrückgang geführt hat.

Das Transport- und Baulogistikunternehmen DFA will sich über eine Insolvenz in Eigenverwaltung sanieren. Das Unternehmen werde unter anderem durch einige „verlusttreibende Großaufträge“ belastet, heißt es in einer Mitteilung. Das Eigenverwaltungsverfahren kann das Unternehmen nun nutzen, um nachteilige Verträge vereinfacht zu beenden. Raik Müller (Rödl & Partner) berät DFA bei der Restrukturierung.

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Insolvenz

Welche Formen der Insolvenz gibt es? Welche Unternehmen sind betroffen? Die wichtigsten Praxistipps und aktuelle Fälle in der Übersicht.

Das Amtsgericht Mannheim hat eine vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung für den Schwimmbagger-Hersteller Rohr-Idreco Bagger angeordnet. Grund für die Insolvenz seien aktuelle Preisanstiege für Energie und Materialien aufgrund des Ukraine-Kriegs. Die Rohr-Idreco-Gruppe unterstütze den Sanierungskurs der Tochter, weitere Töchter seien nicht betroffen. Als Eigenverwalter berät Marc-Philippe Hornung (Schilling, Zutt & Anschütz) das Management des Unternehmens, das rund 50 Beschäftigte zählt. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Steffen Rauschenbusch (Ernestus) bestellt.

Distressed M&A-Deals

Das Beteiligungsunternehmen Sierra Zulu übernimmt den Automobilzulieferer Castwerk. Die Tochter der Hettich-Gruppe befindet sich seit 2021 in einer Transformation und war auf der Suche nach einem Käufer. Alle Beschäftigten von Castwerk werden übernommen. Beraten hatte Pluta unter Leitung von Maximilian Pluta.

Die zuletzt in Private-Equity-Hand befindliche Eisengießerei Vulcast Germany (vormals Ergocast) hat erneut Insolvenzantrag gestellt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Ingo Grünewald aus der Kanzlei Professor Schmidt. Das Vorgängerunternehmen Ergocast war im Herbst 2019 aus der Insolvenz heraus von dem Private-Equity-Investor Callista übernommen worden, der das Guss-Unternehmen in Vulcast umbenannte. Nun soll ein Investorenprozess neue Eigentümer bringen. Den M&A-Prozess begleitet Mentor.

Der Personaldienstleister Tempton übernimmt den insolventen Wettbewerber VD Personaldienst und hat auch allen Mitarbeitern ein Übernahmeangebot gemacht. Der Bielefelder Personaldienstleister hatte im März wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag gestellt, Verwalter ist André Wehner (Pluta). Tempton hat seinen Sitz in Essen und will mit der Übernahme seine regionale Präsenz erweitern. Als Grund für die Krise gab VD Personalmangel an: Wegen fehlender Mitarbeiter habe man Aufträge nicht annehmen und nicht mehr profitabel arbeiten können. Sämtliche Mitarbeiter und Kunden wurden nun an Tempton weitervermittelt. Dies wirke sich positiv auf die Quote für die Gläubiger aus, kündigte Wehner an. Details zu deren Höhe nannte er nicht.

Der insolvente Gartenmöbelhändler Ploß hat neue Eigentümer. Das Geschäft des Unternehmens, das vorwiegend in Asien produziert, war infolge gestiegener Frachtkosten und gestörter Lieferketten in Schieflage geraten, wegen einer Finanzierungslücke von rund 5 Millionen Euro stellte Ploß im Dezember 2021 Insolvenzantrag. Insolvenzverwalter war Peter-Alexander Borchardt von der Kanzlei Reimer. Im Zuge eines Asset Deals übernimmt nun die schwedische BHG Group den Betrieb sowie sämtliche Mitarbeiter. BHG gehörte vor der Insolvenz bereits zu den größten Kunden von Ploß. Den M&A-Prozess begleitete Centuros Consult als M&A-Berater.

Das Maschinenbauunternehmen Gilbert & Schmalriede wird von der Unternehmensgruppe Lürssen übernommen und firmiert künftig unter Gilbert & Schmalriede Technology. Laut Insolvenzverwalter Malte Köster (Willmer Köster) wurde in der ersten Maiwoche der Kaufvertrag unterzeichnet, über den Kaufpreis wurde nichts bekannt. Lürssen will alle rund 100 Beschäftigten übernehmen und die Sparten „Yachtausrüstung“, „Hydraulik“ und „Stahlwasserbau“ am Standort Bremen fortführen.

Die Krefelder Unternehmensgruppe Haufe übernimmt die Stahlgießerei Bischoff, die künftig unter Bischoff-Werke firmiert, aus der Insolvenz. Bischoff hatte Ende 2021 Insolvenzantrag gestellt und als Grund die gestiegenen Energiepreise angeführt. Insolvenzverwalter war Michael Mönig (Mönig Wirtschaftskanzlei). Die Suche nach einem Investor hatte die M&A-Beratung Mentor begleitet. Die Unternehmensberatung Burk begleitete das operative Geschäft, nach dem Weggang der vormals geschäftsführenden Gesellschafter. Für die Stahlgießerei aus dem nordrhein-westfälischen Lüdinghausen war es das zweite Insolvenzverfahren nach 2015. Damals hatten die späteren Geschäftsführer nach einer Sanierung über einen Insolvenzplan frisches Kapital in das Unternehmen eingebracht. Auch das damalige Insolvenzverfahren hatte Michael Mönig begleitet.

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Distressed M&A

Die Coronakrise bringt einen Boom an Distressed M&A-Deals. Die wichtigsten Besonderheiten bei den Transaktionen und aktuelle Fälle gibt es hier im Überblick.

Der Maschinenbauer Beumer übernimmt das Magdeburger Unternehmen FAM, das ebenfalls in der Herstellung von Förderanlagen tätig ist. FAM hatte Insolvenzantrag gestellt, nachdem sich eine Investorengruppe aus dem Unternehmen zurückgezogen hatte, die die Umstrukturierung des Unternehmens nicht mehr mittragen wollte. Die Übernahme durch Beumer umfasst auch die Tochtergesellschaften von FAM im Ausland, das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Am Magdeburger Standort, wo zuletzt rund 500 Menschen arbeiteten, soll ein Großteil der Beschäftigten in eine Transfergesellschaft wechseln, 185 Beschäftigte übernimmt Beumer direkt. Die zuständigen Behörden müssen die Transaktion noch freigeben. Beraten hatte FAM ein Team von BRL unter Führung von Friedemann Schade, Alexander Oberreit und Stefan Denkhaus. Für die betroffenen Auslandsjurisdiktionen wurde BRL von einem Team von Dentons unterstützt. Die Beumer Gruppe wurde von Rödl & Partner unter Leitung von Alexandra Giering beraten. Als Generalbevollmächtigte im Eigenverwaltungsverfahren der FAM waren Lucas Flöther und Florian Eckelt (beide Flöther & Wissing) tätig. Sachwalter des Verfahrens ist Rainer Eckert (Eckert Rechtsanwälte).

Die Logistikgruppe Meyer-Jumbo Logistics hat Schröder+Schierenberg aus der Insolvenz heraus übernommen, das Speditionsunternehmen kann damit den Geschäftsbetrieb fortsetzen. Unter Leitung von Insolvenzverwalter Hans-Joachim Berner (Willmer Köster) wurde vereinbart, dass Meyer-Jumbo Logistics die Vermögensgüter inklusive einer Logistikimmobilie sowie die rund 100 Beschäftigten übernimmt. Schröder+Schierenberg war erst in Eigenverwaltung saniert worden, später folgte dann der Wechsel in die Regelinsolvenz. Insolvenzverwalter Berner, der bei der Sanierung zuerst als Sachverwalter tätig gewesen war, wurde dabei von Sanierungsgeschäftsführer Jochen Oelmann und dem Generalbevollmächtigten Norbert Ruthemeyer von Das Werk Consulting unterstützt.

Im Rahmen einer übertragenden Sanierung übernimmt der gemeinnützige Projektentwickler ProKultur den Geschäftsbetrieb des Slawendorfs in Neustrelitz, Mecklenburg-Vorpommern, inklusive aller Beschäftigten. Das Slawendorf war von IPSE betrieben worden, einem Beschäftigungsträger und kommunalem Dienstleister. Über IPSE war im Dezember 2021 ein Insolvenzverfahren eröffnet worden, Insolvenzverwalter ist Michael Bohnhoff (Pluta). Bohnhoff hat bereits mehrere Einzellösungen für die Einrichtungen von IPSE erzielt.

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Mit dem Abschluss des Verkaufs an den Finanzinvestor Aequita ist die Restrukturierung der Ifa Gruppe abgeschlossen. CRO Arno Haselhorst hat die Geschäftsführung abgegeben. Bei der finanziellen Restrukturierung hat Dentons eine Gruppe nationaler und internationaler Banken und Sparkassen Schuldscheingläubiger beraten, seit Sommer 2019 fungiert die Kanzlei als Schuldscheinvertreter. Im Zuge des jetzt vollzogenen Verkaufs wurde die Finanzierungsstruktur neu aufgestellt.

Die Spedition Scherm Logline Transporte mit 260 Mitarbeitern hat die Sanierung über ein Schutzschirmverfahren abgeschlossen. Zuvor hatten die Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt. Das Unternehmen war in Schieflage geraten, nachdem die schlechte Marktlage der Automobilbranche, die Chipkrise und die Corona-Lockdowns Scherm wirtschaftlich stark getroffen hatten. Ein Team um Moritz Handrup (Advant Beiten) hat das Schutzschirmverfahrens und den Insolvenzantrag vorbereitet. Operativ hat Sebastian Netzel (Brinkmann & Partner)die Betriebsfortführung begleitet. Sachwalter des Verfahrens war Hubert Ampferl (Dr. Beck & Partner).

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Das Modeunternehmen Gerry Weber hat am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass bei der Prüfung des vorläufigen Jahresabschlusses ein Verlust von rund 5 Millionen Euro festgestellt wurde, das entspricht der Hälfte des Grundkapitals des Unternehmens. Der Großteile der Verluste sei auf einen Gewinnabführungsvertrag zurückzuführen, aufgrund dessen Gerry Weber die Verluste der Tochter Gerry Weber Retail übernimmt. Diese musste aufgrund der Corona-Pandemie und damit einhergehenden Ladenschließungen wirtschaftliche Einbußen hinnehmen. Gerry Weber war 2019 in die Insolvenz geraten.

Mit dem Zusammenlegen seiner Consumer-Bereiche „Laundry & Home“ und „Beauty Care“ will Henkel mittelfristig 500 Millionen Euro einsparen. Im Zuge des Sparkurses sollen weltweit voraussichtlich rund 2.000 Stellen wegfallen. Die Restrukturierungskosten werden in einer ersten Phase bei etwa 350 Millionen Euro liegen. Die beiden Bereiche beschäftigen knapp 20.000 Mitarbeiter, 15 Prozent von ihnen arbeiten in Deutschland. Marken mit einem Umsatzvolumen von 1 Milliarde Euro stehen auf dem Prüfstand und könnten verkauft oder eingestellt werden.

Klageerfolg für Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffé: Das Landgericht München hat die Jahresabschlüsse des Konzerns für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 für nichtig erklärt. In beiden Bilanzen seien die Aktivposten deutlich überbewertet worden. Damit entfällt die Grundlage für die Dividendenzahlungen für beide Jahre, diese könnte Jaffé nun zurückfordern. Wirecard hatte 2017 eine Dividende von 18 Cent je Stückaktie ausgezahlt, 2018 gab es je Aktie 20 Cent. Zu den Großaktionären zählte damals unter anderem die Beteiligungsgesellschaft des damaligen CEO Markus Braun.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Johannes Neumann-Cosel ist zu Patrimonium Asset Management mit Hauptsitz in der Schweiz gewechselt. Dort arbeitet er seit diesem Monat als Director im Bereich Private Debt mit einem Fokus auf „Special Situations“-Investitionen. Neumann-Cosel war bis vor Kurzem Partner bei der Restrukturierungsberatung Falkensteg.

Falco Weidemeyer ist bei der EY-Strategieberatung EY Parthenon zum Global Head of Turnaround & Restructuring Strategy aufgestiegen. Die erst kürzlich kommunizierte Beförderung trat bereits zum Jahreswechsel in Kraft. Weidemeyer behält zudem die Regionalverantwortung für die Region Europa. Weidemeyer war im Laufe seiner Karriere viele Jahre für Roland Berger tätig, wo er unter anderem als Senior Partner das Frankfurter Büro verantwortete.

Maximilian Majic wird Partner bei Oliver Wyman. Foto: Oliver Wyman

Maximilian Majic ist nach zwei Jahren bei EY-Parthenon zu der Strategieberatung Oliver Wyman gewechselt, wo er nun Partner im Bereich Turnaround & Restructuring in München ist. Der Schwerpunkt des Restrukturierungsberaters liegt auf der Automobilzuliefererindustrie. Zudem berät er bei finanziellen Restrukturierungen und Insolvenzverfahren.

paul.siethoff[at]finance-magazin.de

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Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt über verschiedene CFO- und Corporate-Finance-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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