Vossloh hat in dieser Woche den Verkauf der Sparte „Locomotives“ an CRRC unter Dach und Fach gebracht.

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30.04.20
Deals

M&A-Deals: Vossloh, RIB Software, Vonovia

Vossloh erhält grünes Licht für den Lok-Deal, Schneider Electric sichert sich die Mehrheit an RIB Software, und Vonovia sieht derzeit schlechte Chancen für eine Deutsche-Wohnen-Übernahme: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Grünes Licht für Verkauf von Vossloh-Loks nach China

Vossloh darf sein Zuggeschäft endlich an CRRC verkaufen: Wie aus einer Pressemitteilung des Bundeskartellamts hervorgeht, genehmigt die Wettbewerbsbehörde den Verkauf der Sparte „Locomotives“ an den chinesischen Bahntechnikriesen. Kartellamtschef Andreas Mundt zufolge sei es auszuschließen, dass die Übernahme zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs auf dem Markt für Rangierlokomotiven in Europa führen werde.

Die Bonner Kartellwächter hatten Ende November vergangenen Jahres eine vertiefte Prüfung des Deals eingeleitet. Die Übernahmepläne gaben die Unternehmen im August vergangenen Jahres bekannt, nachdem Vossloh schon seit mehreren Jahren auf der Suche nach einem Käufer für das kriselnde Kieler Werk gewesen war. Die M&A-Beratung Clairfield begleitet die Transaktion.

Schneider Electric gelingt RIB-Übernahme

Die milliardenschwere Übernahme von RIB Software durch Schneider Electric ist fast perfekt: Wie der französische Elektrotechnikkonzern bekannt gab, haben die Aktionäre im Rahmen des freiwilligen Übernahmeangebots für das schwäbische Softwarehaus 66,64 Prozent der RIB-Aktien angedient. Zusätzlich hat sich Schneider die 9,99-prozentige RIB-Beteiligung von ENA-CEO George Kounelakis gesichert. Die Franzosen kontrollieren nun insgesamt 76,63 Prozent der Anteile an dem Stuttgarter Unternehmen – die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie haben sie weit übertroffen.

Darüber hinaus erwägt Schneider Electric, RIB nach dem Erwerb von der Börse zu nehmen – der Abschluss eines Beherrschungsvertrag werde aber nicht beabsichtigt. Der Transaktion, die im zweiten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden soll, bedarf nur noch der Genehmigung durch die US-Behörde für Auslandsinvestitionen CFIUS. Die RIB-Aktionäre, die ihre Aktien bislang nicht angedient haben, können dies während der zweiten Annahmefrist bis zum 11. Mai tun. Die Franzosen bieten 29 Euro je RIB-Papier und bewerten das Stuttgarter Softwarehaus dabei mit 1,4 Milliarden Euro.

Schneider Electric ist auch noch anderweitig am deutschen M&A-Markt aktiv: Die Franzosen übernehmen Proleit, einen Automatisierungs- und Prozessleittechniker für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie aus Herzogenaurach. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Schneider Electric wurde bei der Transaktion, die noch kartellrechtlicher Genehmigungen bedarf, von der Anwaltssozietät Hengeler Mueller (Federführung: Andreas Hoger und Maximilian Schiessl) beraten.

Vonovia: Keine Chance für Deutsche-Wohnen-Deal?

Vonovia hält die Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen aktuell offenbar nicht für möglich. Das berichtete die Nachrichtenagentur „Reuters“. „Der Vorstand sieht derzeit und unter den gegebenen Umständen keine Chance für eine derartige Transaktion”, zitiert der Bericht eine mit den Überlegungen vertraute Person aus dem Umfeld des Gremiums. Dabei stelle vor allem der Berliner Mietendeckel eine Hemmschwelle für die Umsetzung des M&A-Deals dar.

Vergangene Woche hatte der Bochumer Immobilienriese in einem Statement zu den Kaufspekulationen zumindest nicht dementiert, grundsätzlich über einen erneuten Übernahmeversuch des Mitbewerbers Deutsche Wohnen nachzudenken. Momentan habe die Bewältigung der Coronavirus-Krise jedoch Priorität, zudem wolle man eine Übernahme nicht ohne politische Rückendeckung tätigen.

Ado will Beherrschungsvertrag für Adler

Ado Properties treibt den Deal mit Adler Real Estate voran: Dafür will der Luxemburger Immobilienriese den Abschluss eines Beherrschungsvertrag für Adler aufsetzen, wie Ado in einer Pressemitteilung bekannt gab. Damit solle nach dem Zusammenschluss beider Unternehmen die Zusammenarbeit erleichtert werden. Für den Abschluss des Beherrschungsvertrags braucht Ado die Zustimmung des Adler-Vorstands und die der Adler-Aktionäre.

Das SDax-Unternehmen hält nach Abschluss des Übernahmeangebots für seinen Wettbewerber rund 94 Prozent der Adler-Aktien. Sofern der Beherrschungsvertrag abgeschlossen wird, wird den übrigen Adler-Aktionären ein Abfindungsangebot unterbreitet – dabei gebe es dem Unternehmen zufolge für sie die Möglichkeit, Adler-Papiere gegen Ado-Papiere zu tauschen, oder die Adler-Aktien mit Anspruch auf eine jährliche Ausgleichszahlung zu behalten.

Berater-News

Alexander Doll ist wieder aufgetaucht: Der ehemalige Deutsche-Bahn-CFO wird ab dem 1. Mai neuer Aufsichtsratschef der M&A-Beratung Lincoln International. Wie aus einem internen Memo der Beratung hervorgeht, wird Doll zudem Mitglied des Global Management Committees von Lincoln. Ende vergangenen Jahres musste der ehemalige Bahn-Finanzchef nach einem Machtkampf im Vorstand seinen Posten räumen. Bei seinem neuen Mandat kann Alexander Doll seine Beratererfahrung einbringen: Seine Karriere startete er bei Lehman Brothers, später folgten Wechsel zur Schweizer UBS, zur US-Investmentbank Lazard und nach Großbritannien zu Barclays.

Neben dem prominenten Neuzugang vermeldet Lincoln auch einen Neuzugang auf der operativen Ebene: Christian Schwarzmüller wird Managing Director für den Sektor „Chemicals“ in der DACH-Region. Schwarzmüller kommt von Lazard, wo er in der M&A- und Restrukturierungsberatung tätig war.

Über einen personellen Abgang bei Lincoln berichtet zudem die Frankfurter Allgemeine Zeitung: Tobias Ramminger, der ehemalige M&A-Chef des Automobilzulieferes Schaeffler, hat bekanntgegeben, dass er zu einer anderen Bank wechseln wird, so die FAZ. Ramminger war erst vor zwei Jahren zu Lincoln gewechselt.

Weitere Meldungen

In der Diskussion um Maßnahmen zur Rettung der Lufthansa hat sich CSU-Chef Markus Söder gegen eine Verstaatlichung der Airline ausgesprochen: „Die Lufthansa soll nicht verstaatlicht werden”, sagte Söder am Montag nach einer Videokonferenz des Parteivorstands der Nachrichtenagentur „Reuters“. Söder ziehe eine stille Beteiligung des Staats einer klassischen Aktienbeteiligung vor. Nach der Coronavirus-Krise solle der Staat dann bald wieder aus der Lufthansa aussteigen. Die Lufthansa hingegen wehrt sich gegen einen Einstieg des Staates, weil dieser voraussichtlich mit umfangreichen Mitspracherechten einhergeht. Die Airline soll offenbar sogar erwägen, die Verhandlungen mit dem Bund platzen zu lassen, um unter ein Schutzschirmverfahren zu flüchten.

VR Equitypartner kauft das zweite Add-on für sein Portfoliounternehmen Kälte Eckert: Der Frankfurter Private-Equity-Investor übernimmt das auf Klima- und Kältetechnik spezialisierte Unternehmen Gartner, Keil & Co. Verkäufer ist der bisherige Alleingesellschafter und Geschäftsführer Frank Keil. Er wird das operative Geschäft weiterhin leiten. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht genannt worden. Gartner, Keil & Co. wurde 1990 im baden-württembergischen Neulußheim gegründet und beschäftigt 16 Mitarbeiter. VR Equitypartner hatte bereits Ende November vergangenen Jahres den Wettbewerber Günther Kältetechnik als erstes Add-on für Kälte Eckert übernommen. Kälte Eckert wurde bei der Transaktion von Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Rainer Herschlein) beraten.

Der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick darf das deutsche Heizstromkunden-Geschäft von E.on übernehmen. Das Bundeskartellamt und die EU-Kommission haben die Anfang März vereinbarte Transaktion jetzt abgesegnet. Die Übernahme will Lichtblick zum 1. August 2020 vollziehen. Der Deal gehört zu den Auflagen, die die EU-Kommission im Rahmen der Übernahme von Innogy durch E.on auferlegt hat: E.on soll sich im Zuge der Transaktion vom wesentlichen Teil seines deutschen Heizstromgeschäfts trennen, lautet die Anordnung der Behörde. E.on wurde bei dem Deal von der Kanzlei Linklaters (Federführung: Christoph Barth) beraten.

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Eugen Rehm Esslinger Fleischwaren (Rehm) ist gerettet: Der insolvente Wursthersteller aus Aichwald bleibt im Familienbesitz. Das Unternehmen wird von Rehm Fleischwaren übernommen, das ebenfalls der Familie Rehm gehört. Rehm musste im Mai 2019 Insolvenz beantragen, nachdem mehrere Großaufträge weggebrochen waren. Die Verkäuferseite wurde bei dem Deal von Ebner Stolz (Federführung: Michael Euchner) begleitet.

BÖAG übernimmt die ICF Bank mehrheitlich: Wie die Trägergesellschaft der Börsen in Düsseldorf, Hamburg und Hannover bekannt gab, hat sie sich neben dem Deal zusätzlich die Option auf weitere Anteile an der Frankfurter Wertpapierhandelsbank gesichert. Verkäufer der Mehrheitsbeteiligung sind die Unternehmensgründer. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch Gremien und Aufsichtsbehörden. BÖAG zufolge verbindet die beiden Unternehmen „bereits seit Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit“. Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Jörg Schewe und Michael Dröge) hat die BÖAG bei der Transaktion untersützt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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