Thermo Fisher will mehr für Qiagen zahlen. Reicht das?

Qiagen

16.07.20
Deals

Thermo Fisher erhöht Angebot für Qiagen

Der US-Laborausrüster Thermo Fisher hat nun doch sein Übernahmeangebot für den Corona-Profiteur Qiagen erhöht. Aber reicht das? Zuvor hatte ein Finanzinvestor noch mehr gefordert.

Thermo Fisher gibt nach: Der US-Laborausrüster hat sein Übernahmeangebot für Qiagen erhöht. Statt 39 Euro bietet Thermo Fisher den Aktionären nun 43 Euro pro Qiagen-Aktie. Zudem gibt er sich nun mit einer Mindestannahmeschwelle von 66,67 Prozent statt wie zuvor 75 Prozent zufrieden. Falls die Schwelle nicht erreicht wird, muss Qiagen eine Ausgleichszahlung von 95 Millionen US-Dollar zahlen, so die Bedingung.

Es wurde bereits seit einigen Wochen darüber spekuliert, ob Thermo Fisher den Preis für den Corona-Profiteur Qiagen erhöhen wird. Zuletzt nahm der Gegenwind noch einmal deutlich zu: Der US-Hedgefonds Davidson Kempner Capital Management hatte abermals öffentlich die Führung des Biotechkonzerns dazu aufgerufen, die positive Empfehlung für den M&A-Deal zurückzunehmen. Die New Yorker, die nach eigenen Angaben über mehrere Fonds rund 3 Prozent der Anteile an Qiagen halten, polterten in einem offenen Brief an Vorstand und Aufsichtsrat gegen das ihrer Meinung nach zu niedrige Übernahmeangebot durch den US-Laborausrüster Thermo Fisher.

Qiagen ist wegen Corona stark gewachsen

Sie begründeten dies mit der starken Gewinnsteigerung im zweiten Quartal von Qiagen und dem angehobenen Ausblick. Der MDax-Konzern profitierte zuletzt von der starken Nachfrage nach Testkits im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. Jüngst hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass der Umsatz im zweiten Quartal bei konstanten Wechselkursen um 19 Prozent auf 443 Millionen US-Dollar zugelegt hat. Anfang Mai war der deutsch-niederländische Konzern, der im MDax notiert, noch von einem Anstieg von 12 Prozent ausgegangen.

Auch für das dritte und vierte Quartal geht das Unternehmen von einem starken Wachstum aus. Für das Gesamtjahr 2020 geht Qiagen von einem Umsatzanstieg von bis zu 18 Prozent aus. Und auch für 2021 gibt sich das Unternehmen sehr optimistisch, da die Testkits auch nach Bereitstellung eines möglichen Impfstoffs noch längerfristig gebraucht würden. Den bereinigten Gewinn je Aktie für 2020 sieht das Unternehmen bei mindestens 2 Dollar gegenüber 1,43 Dollar je Aktie im Vorjahr.

US-Investor sah Qiagen deutlich unterbewertet

„Das Q2-Update und der Ausblick sind konservativ und unterschätzen die Aussichten von Qiagen erheblich“, ließ Davidson Kempner wissen. Der Finanzinvestor verwies auf die Konsensschätzungen im März, wo für 2020 noch ein Gewinn je Aktie von 1,52 US-Dollar erwartet wurde. Im Vergleich dazu stelle die neue Unternehmensprognose eine Steigerung von 36 Prozent dar.

Roland Sackers, Qiagen N.V.

Nach seinem Studium tritt Roland Sackers 1995 der Prüfgesellschaft Arthur Andersen bei und bleibt dort bis 1999. Danach wechselt er zu Qiagen, zunächst als Vice President für Finanzen. 2004 wird er zum Finanzvorstand ernannt, wo er seitdem die Entwicklung und Umsetzung der langfristigen Finanzplanung verantwortet, die der Wachstumsstrategie des Unternehmens zugrunde liegt. Im Jahr 2006 wird Roland Sackers darüber hinaus zum Managing Director ernannt.

zum Profil

In einer eigenen Gewinnprognose ging Davidson Kempner für 2020 sogar von einem Gewinn je Aktie von 2,54 US-Dollar aus. Gleichzeitig wies der Investor auf eine Analysten-Schätzung der Berenberg Bank hin, die den Gewinn je Aktie für das Gesamtjahr bei 2,28 US-Dollar sehe. „Wir glauben, dass der Aktienkurs des Unternehmens selbst unter den konservativsten Szenarien höher als der Angebotswert gehandelt wird“, äußerten sich die Hedgefonds-Manager bullish.

Die damalige Offerte von 39 Euro je Aktie hielt Davidson Kempner daher für „völlig unzureichend“. Die New Yorker verweigerten sich dem Angebot und riefen andere Aktionäre dazu auf, es ihnen gleich zu tun. Das hatte den Druck auf Thermo Fisher wohl erhöht. Aber wird der Finanzinvestor mit dem neuen Angebot zufrieden sein? Denn am Ende seiner Ausführungen forderte er 50 Euro je Aktie und damit 7 Euro mehr als nun geboten.

Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen neues Angebot

Anfang März hatte Qiagen das milliardenschwere Übernahmeangebot des US-Laborausrüsters Thermo Fisher bekannt gegeben. Zum damaligen Zeitpunkt war das Angebot eine Prämie von rund 24 Prozent auf den Schlusskurs vom 2. März. Einschließlich der Nettoverschuldung von rund 1,26 Milliarden Euro lag die Bewertung für das Biotech-Unternehmen bei 10,4 Milliarden Euro. Damals hatten Qiagen-Vorstände und Kontrollgremien ihren Anteilseignern die Annahme des Kaufangebots, welches einem Ebit-Multiple von 27,4x entspricht, empfohlen.

Nun empfehlen Vorstand und Aufsichtsrat das neue Angebot. Die Angebotsfrist wurde auf den 10. August verlängert.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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Informationen zum Qiagen-CFO bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von Roland Sackers.