Sixt hat einen Corona-Hilfskredit von der KfW bekommen – der Kapitalmarkt blieb dem Unternehmen verwehrt.

Sixt

07.05.20
Finanzierungen

Auch Puma und Sixt sichern sich KfW-Kredite

Der Run auf großvolumige KfW-Kredite hält an: Nun haben auch Puma und Sixt zugeschlagen. Bei dem Sportartikelhersteller beteiligt sich die KfW an einer Finanzierung über 900 Millionen Euro, bei Sixt geht es um insgesamt 1,5 Milliarden Euro.

Die KfW hat sich an zwei weiteren Großkrediten beteiligt: Der Sportartikelhersteller Puma und der Autovermieter Sixt haben sich Kredite mit Beteiligung der Staatsbank gesichert. Bei Sixt geht es um insgesamt 1,5 Milliarden Euro, die ein Bankenkonsortium aus BayernLB, Commerzbank, DZ Bank, Unicredit sowie KfW stellt. Der Anteil der privaten Banken an der Gesamtkreditsumme beträgt 460 Millionen Euro, teilte eine Sprecherin des Unternehmens auf FINANCE-Anfrage mit. Der Rest der Summe entfalle auf die KfW. Damit stellt die Staatsbank rund 70 Prozent der Kreditsumme.

Der Kredit wurde für eine Laufzeit von bis zu zwei Jahren zu „marktüblichen Konditionen“ abgeschlossen, Details hierzu nannte das Unternehmen nicht. Der Konsortialkredit soll dem Unternehmen mehr finanziellen Spielraum verschaffen. Das Geschäft des Autovermieters leidet derzeit unter der durch das Coronavirus stark eingeschränkten Mobilität und dem Konjunktureinbruch: „Circa 60 Prozent unserer Buchungen sind Retail-Buchungen, die von Faktoren wie Konsumklima und Beschäftigungssicherheit mit beeinflusst werden“, sagte CFO Jörg Bremer im vergangenen Herbst in einem Interview mit FINANCE. Der Konzern war damals noch stark auf Wachstum ausgelegt.

Kapitalmarkt für Sixt verschlossen

Zwar hatte Sixt nach eigenen Angaben zum Ende des ersten Quartals 2020 noch eine Eigenkapitalquote von etwa 24 Prozent und lag damit über dem von CFO Bremer ausgerufenen Mindestziel von 20 Prozent. Doch der finanzielle Spielraum des Familienkonzerns ist durch die Coronakrise stark eingeschränkt.

Sixt baut in der Regel seinen Fuhrpark im Frühjahr aus und hat zwischen Juli und September den größten Flottenbestand. „Wenn Autos die Flotte verlassen, erhöht sich die Liquidität. Umgekehrt müssen wir sicherstellen, dass in Wachstumsphasen immer genügend Mittel für den Flottenaufbau bereitstehen. Dafür nutzen wir den Kapitalmarkt und ziehen auch unsere Kreditlinien regelmäßig nach oben“, erklärte Bremer im Herbst gegenüber FINANCE.

Doch der Weg über den Kapitalmarkt ist derzeit versperrt: „Der Abschluss dieses Konsortialkredits ist vornehmlich der Tatsache geschuldet, dass der Kapitalmarkt für Unternehmen unserer Größe ohne externes Rating infolge der Covid-19-Pandemie gegenwärtig nicht zugänglich ist“, stellt Sixt in einer Mitteilung unmissverständlich klar.

Sixt kommt bei Leasing-Anteilsverkauf voran

Im Gegenzug für den KfW-Kredit muss Sixt in diesem Jahr auf Dividendenzahlungen verzichten, einzige Ausnahme ist die jährliche Mindestdividende von 0,05 Euro für Vorzugsaktien. Zudem teilte der Konzern mit, die Flotte weltweit deutlich zu verkleinern und weitere Einsparungen von bis zu 100 Millionen Euro umsetzen zu wollen. Verkleinerungen hatte der Konzern stets im Blick: „Ein wichtiger Punkt ist, unsere Flotteneinkaufsverträge mit maximaler Flexibilität zu verhandeln, so dass wir in einer Phase wirtschaftlicher Abkühlung weniger Autos abnehmen könnten“, erklärte CFO Bremer bereits im Herbst.

Weitere Zuflüsse könnten aus dem Verkauf der gut 40-prozentigen Beteiligung an der Tochter Sixt Leasing kommen, bei dem der Autovermieter heute einen Schritt weitergekommen ist. Der Käufer Hyundai Capital Bank Europe hat die Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent bei dem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot an die Sixt-Leasing-Aktionäre deutlich überschritten, wie Sixt Leasing heute Vormittag mitteilte. Inklusive der Beteiligung von Sixt kommen die Käufer bereits auf knapp 73 Prozent.

Puma finanziert mit KfW im Konsortium

Auch Puma hat einen KfW-Kredit beantragt und nun auch erhalten: Gemeinsam mit elf weiteren Banken stellt das Konsortium dem Sportartikelhersteller eine neue Kreditlinie über 900 Millionen Euro. Die direkte Beteiligung der KfW liegt bei 625 Millionen Euro. Details zu den Konditionen sind nicht bekannt.

Mit dem Kredit will Puma die Phase niedrigerer Einnahmen überbrücken. Eine Prognose traut sich das Unternehmen derzeit nicht zu: Es sei „nicht möglich, die finanziellen Auswirkungen auf das Gesamtjahr abzuschätzen“, betonte CEO Björn Gulden. Auch um die Lieferkette sorgt sich der Konzern offenbar: „Wir haben alle unsere Partner gebeten, für eine eigene zusätzliche Finanzierung zu sorgen, um die Geschäftstätigkeit in der Krise aufrecht erhalten zu können“, sagte Gulden.

Operatives Ergebnis bei Puma bricht ein

Die heute vorgelegten Quartalszahlen zeigen, wie stark die Coronakrise Puma getroffen hat: Ende März seien etwa 80 Prozent der Einzelhandelsverkaufsstellen geschlossen gewesen, heißt es darin. Aufgrund der negativen Auswirkungen durch die Pandemie sank das operative Ergebnis (Ebit) dem Konzern zufolge im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresquartal um 50 Prozent auf 70,2 Millionen Euro (Vorjahr: 142,5 Millionen Euro).

Besserung ist nicht in Sicht: Derzeit erzielt Puma nach eigenen Angaben nur etwa 50 Prozent der üblichen Einnahmen. Die finanzielle Entwicklung im zweiten Quartal werde voraussichtlich noch schlechter ausfallen als im ersten Quartal. Die Vorstandsriege um CEO Gulden und CFO Michael Lämmermann verzichtete im April angesichts der Krise bereits auf ihr Gehalt. Auch Pumas direkter Wettbewerber Adidas hatte sich angesichts der Corona-Folgen kürzlich einen 3 Milliarden Euro schweren KfW-Kredit gesichert.

FINANCE-Köpfe

Michael Lämmermann, Puma SE

1988 beginnt Michael Lämmermann seine Karriere bei der Murata Elektronik GmbH in Nürnberg, einer Tochtergesellschaft der Murata Manufacturing aus Japan, als Assistent des Kaufmännischen Leiters. Später steigt er zum Leiter der Buchhaltung und des Controllings auf. Seit 1993 arbeitet Michael Lämmermann für das Sportlifestyle-Unternehmen Puma. Im Jahr 1998 wird er zum Direktor des Controllings ernannt, ein Jahr später wird er CFO  und COO von Puma Nordamerika in Westford, Massachusetts. Diese Position hat er zehn Jahre lang inne, bevor er 2009 nach Deutschland zurückkehrt und wenig später Geschäftsbereichsleiter für Finanzen wird.  Im Januar 2013 wird er zum CFO von Puma befördert.

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Hohe Nachfrage nach KfW-Krediten

Staatsbank verzeichnet derzeit eine enorme Nachfrage nach den KfW-Hilfen: Bis Ende April seien Corona-Hilfe-Anfragen mit einem Antragsvolumen von insgesamt mehr als 33,1 Milliarden Euro gestellt worden, teilte die KfW mit. Insgesamt waren mehr als 25.500 Anträge eingegangen, die meisten davon entfielen auf Kreditvolumina bis 800.000 Euro.

Beim Antragsvolumen entfielen dagegen fast 19,6 Milliarden Euro auf Anträge mit Kreditvolumina über 100 Millionen Euro. Neben anderen sollen sich Ceconomy und ThyssenKrupp um KfW-Hilfen bemühen, der kriselnde Touristikkonzern Tui hat Zusagen für eine KfW-Kreditlinie über 1,8 Milliarden Euro erhalten, die Fluglinie Condor bekam kürzlich einen Kredit mit KfW-Beteiligung über 550 Millionen Euro.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Mehr über den Werdegang des Puma-Finanzchefs finden Sie im Steckbrief zu Michael Lämmermann in unserem CFO-Almanach FINANCE-Köpfe.

Einen Artikel über die Rolle der KfW in der Krise sowie weitere Hintergründe über den Umgang der CFOs mit den Corona-Folgen finden Sie auch in der aktuellen FINANCE-Printausgabe, die Sie hier als E-Paper beziehen können.

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