Nach rund einem Jahr hat Gea endlich einen Käufer für die Kompressorentochter Gea Bock gefunden.

Gea

25.09.20
Deals

M&A-Deals: Gea, Roche, Osram Continental

Gea verkauft die Tochter Gea Bock, Roche geht in Irland auf Einkaufstour, und das Automotive-Joint-Venture von Osram und Continental ist geplatzt: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Gea findet Käufer für Kompressorenhersteller Bock

Der Maschinenbauer Gea hat einen Käufer für seine Tochter Gea Bock gefunden: Wie die Düsseldorfer mitteilten, geht der Kompressorenhersteller aus Frickenhausen an die Nord Holding. Der Finanzinvestor übernimmt neben der deutschen Gesellschaft auch die Tochtergesellschaften in Tschechien sowie die Standorte in China, Indien und Australien. Über finanzielle Transaktionsdetails haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Die Transaktion, die noch der Genehmigung der zuständigen Kartellbehörden bedarf, soll Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden. Gea wurde bei dem Verkauf von der Anwaltskanzlei Baker McKenzie (Federführung: Ingo Strauss) unterstützt. Die Anwaltskanzlei CMS (Federführung: Klaus Jäger) fungierte als Rechtsberater für die Nord Holding.

Gea hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres den Verkauf von Gea Bock geprüft. Die Düsseldorfer wollen sich künftig stärker auf ihre Kernmärkte konzentrieren und sich daher von ausgewählten Teilen der Divisionen Farm Technologies und Refrigeration Technologies trennen. Gea Bock gehörte bislang zum Bereich Kältetechnik und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2019 mit rund 340 Beschäftigten einen Umsatz von knapp 90 Millionen Euro.

Roche schluckt irisches Biotech Inflazome

Roche baut sein Geschäft mit Entzündungskrankheiten durch eine Übernahme aus: Der Schweizer Pharmariese kauft die irische Biotechfirma Inflazome. Dafür legen die Schweizer zunächst 380 Millionen Euro auf den Tisch. Neben dieser Vorauszahlung haben die Inflazome-Aktionäre Anspruch auf weitere Meilensteinzahlungen. Zu den Aktionären gehören unter anderem die Risikokapitalfirmen Forbion, Longitude Capital, Fountain Healthcare Partners sowie der Novartis Venture Fund.

Inflazome wurde bei dem M&A-Deal finanziell von der US-Investmentbank Lazard beraten, die Kanzleien Goodwin Procter und Byrne Wallace agierten als Rechtsberater des Biotechs. Die Iren entwickeln Wirkstoffe gegen verschiedene chronische Entzündungskrankheiten, wie beispielsweise Asthma, Parkinson oder Alzheimer.

Osram und Continental lösen Joint-Venture auf

Osram und Continental wollen ihr verlustgeplagtes Joint-Venture Osram Continental auflösen. Das 2018 gegründete Münchener Gemeinschaftsunternehmen für Autobeleuchtungen gehört Osram und Continental zu gleichen Teilen und beschäftigt derzeit 1500 Mitarbeiter an 14 Standorten.

Nun verhandeln die beiden Konzerne darüber, wie sie die eingebrachten Geschäfte wieder in die jeweiligen Unternehmen überführen können. Die Verhandlungen über die Rückführung sollen bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Grund für die Auflösung ist die Coronavirus-Krise: Ihren Schritt begründen die Unternehmen mit der „aktuellen, schwierigen Marktsituation“ besonders für Automobilzulieferer. Bereits erteilte Aufträge und eingegangene Verpflichtungen sollen noch erfüllt werden. Osram und Continental wollen der Automobilindustrie jedoch in einer Partnerschaft verbunden zu bleiben.

Zudem gibt es Neuigkeiten von der AMS-Front: Der österreichische Sensorspezialist hat in dieser Woche einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Osram abgeschlossen. Die verbliebenen Osram-Aktionären sollen nun bei einem Squeeze-out aus dem Unternehmen herausgedrängt werden. Als Abfindung erhalten sie von AMS 44,65 Euro je Osram-Aktie – und damit deutlich mehr als die 41 Euro je Papier, mit denen sich die Österreicher bereits 71 Prozent der Osram-Anteile gesichert haben. Osram wurde beim Vertragsabschluss von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.

ProSiebenSat.1 verkauft Myloc nach Italien

ProSiebenSat.1 verkauft den Düsseldorfer Infrastrukturanbieter Myloc Managed IT an den italienischen Cloud-Anbieter Wiit. Wie das Münchener Medienhaus bekanntgab, hat die Transaktion ein Gesamtvolumen in Höhe von 50 Millionen Euro. Das entspricht einer Multiples-Bewertung von 12x Ebit, wie die für ProSiebenSat.1 tätige M&A-Beratung Raymond James mitteilte.

Mit dem Verkauf setzt ProSiebenSat.1 die Strategie fort, sich auf das Kerngeschäft Entertainment zu fokussieren. Myloc ist eine Tochter der Technologieholding Virtual Minds, an der ProSiebenSat.1 seit 2015 mehrheitlich beteiligt ist. Virtual Minds konzentriert sich künftig noch stärker auf die Kernkompetenzen im Bereich Online-Marketing.

Weitere Meldungen

Mann + Hummel erweitert das Filtrationsportfolio: Die Ludwigsburger übernehmen Helsa Functional Coating, einen Spezialisten im Bereich der Aktivkohle- und Molekularfiltration. Mann + Hummel setzt dabei besonders auf die Gemeinsamkeiten der beiden Firmen: „Helsa Functional Coating hat durch die Zugehörigkeit zu einem Familienunternehmen mit ebenfalls langer Historie eine ähnliche Unternehmenskultur“, so Emese Weissenbacher, stellvertretende CEO und CFO. Zudem ergänzt der Zukauf das Industrieportfolio der Ludwigsburger. Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Die Kanzlei Linklaters (Federführung: Claudia Schneider) hat Mann + Hummel bei dem Deal unterstützt.

M&A statt IPO: Das rheinländische Biotech Jennewein geht für 310 Millionen Euro an den dänischen Wettbewerber Chr. Hansen. Jennewein beschäftigt 100 Mitarbeiter und rechnet für das kommende Jahr mit einem Umsatz in Höhe von 50 Millionen Euro. Wie die FAZ berichtet, war der Deal eigentlich nicht geplant – ursprünglich wollten die Rheinländer über einen Börsengang rund 100 Millionen Euro für den Ausbau der Produktion einsammeln. Doch mitten in der Coronakrise entschied sich das Unternehmen für die „risikoärmere“ Variante. Jennewein ließ sich bei der Transaktion finanziell von der Schweizer Großbank UBS und rechtlich von der Kanzlei Hogan Lovells beraten.

Der Wiener Stromkonzern Verbund übernimmt 51 Prozent der Anteile an der Pipeline-Tochter Gas Connect von dem österreichischen Öl- und Gasunternehmen OMV. Wie Verbund bekanntgab, beläuft sich der Kaufpreis auf 271 Millionen Euro. Zusätzlich werden die Wiener die ausstehenden Verbindlichkeiten von Gas Connect gegenüber OMV zum Zeitpunkt des Closings übernehmen, das in der ersten Jahreshälfte 2021 stattfinden soll. Zum Jahresende 2019 betrugen die Schulden laut Verbund 165,9 Millionen Euro. Insgesamt wird Verbund für den Deal 436,9 Millionen Euro bezahlen, in Abhängigkeit von der Schuldenhöhe zum Closing. Damit bewerten die Wiener Gas Connect mit 980 Millionen Euro ohne Schulden. OMV trennte sich bereits 2016 von 49 Prozent seiner Pipeline-Tochter – die Anteile gingen damals für 601 Millionen Euro an ein Konsortium um Allianz Capital Partners und den italienischen Netzbetreiber Snam.

Die Österreich-Tochter des Skandalkonzerns Wirecard bekommt einen neuen Eigentümer: Wie verschiedene österreichische Medien berichten, hat Insolvenzverwaltern Ulla Reisch (Kanzlei Urbanek Lind Schmied Reisch Rechtsanwälte) mit dem Frankfurter Private-Equity-Investor Aurin einen Käufer für den Payment-Service-Provider Wirecard Central Eastern Europe gefunden. Der Kaufpreis liegt den Berichten zufolge bei knapp vier Millionen Euro. Aurin will das Geschäft in Qenta umbenennen, der Standort soll in Graz bleiben.

Wird die Deutsche Bank zum Übernahmeziel des Schweizer Rivalen UBS? Der Schweizer „Sonntagszeitung“ zufolge plant UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber den Kauf einer europäischen Bank. Ganz oben auf der Einkaufsliste soll demnach unter anderem die Deutsche Bank stehen. Die UBS ziele auf Banken ab, die ähnlich aufgestellt seien und mit denen die Züricher in Konkurrenz stehen, sich gleichzeitig aber auch gut ergänzen – insbesondere im Investmentbanking. Neben der Deutschen Bank interessieren sich die Schweizer der Zeitung zufolge auch für die britische Barclays, bei den Strategiespielen von Weber spielen zudem die Commerzbank und die britische Lloyds Banking Group eine Rolle. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ hat die UBS auch die französische BNP Paribas im Visier.

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius verkauft das australische Distributionsgeschäft ihres Portfoliounternehmens Scholl Footwear an den australischen Händler Global Footcare Group. Wie der Münchener Investor bekanntgab, soll die Unternehmensgruppe mit Sitz in Coomera, Queensland, das Geschäft mit Scholl-Schuhen in Australien und Neuseeland über den Großhandel sowie über Spezialvertriebswege wie Apotheken, medizinische Fachkräfte und den Schuhfachhandel weiter vorantreiben. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Der Verkauf folgt der globalen Strategie von Scholl Footwear, „über regionale Partner und Branchenexperten zusätzliches Wachstum zu generieren und die Ertragssituation mittels Lizenz- und Distributionspartnerschaften weiter zu stärken“, so Aurelius.

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Brita kauft den Gasabfüllungsdienstleister Filltech komplett. Wie der Filterhersteller aus Taunusstein mitteilte, übernimmt er alle 130 Mitarbeiter, zudem plant er den Ausbau des Standorts in Warburg. Der Kaufpreis der Transaktion, die noch die Genehmigung der EU-Kartellbehörde benötigt, wird nicht genannt. Filltech ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: der Abfüllung von handelsüblichen CO2-Kartuschen für Trinkwassersprudler und dem Bau industrieller Füllanlagen. Mit dem Zukauf greift Brita den britischen Konkurrenten Sodastream an: Filltech liegt nach Angaben der Taunussteiner im Segment der Füllungen in Europa auf Platz 2 hinter Sodastream.

Der Private-Equity-Investor Apax reicht das Spezialpharmaunternehmen Neuraxpharm weiter: Der Spezialist für die Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) aus dem nordrhein-westfälischen Langenfeld geht an den britischen Finanzinvestor Permira. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal dieses Jahres erwartet. Neuraxpharm deckt rund 80 Prozent des europäischen Markts für ZNS-Arzneimittel ab und erzielt mit rund 850 Beschäftigten einen Jahresumsatz von mehr als 460 Millionen Euro. Apax hatte das Langenfelder Unternehmen 2016 erworben. Das PE-Haus wurde bei dem Deal von der Wirtschaftskanzlei Linklaters (Federführung: Ralph Drebes) beraten.

Der Treasury-Management-Software-Anbieter (TMS) Bellin übernimmt den Bonner Softwareanbieter Much-Net. Der Zukauf erfolgt im Rahmen einer Nachfolgeregelung von Gründer und Eigentümer Nikolai Bukureschtliew, wie Bellin mitteilte. Mit der Übernahme baut der TMS-Spezialist aus Ettenheim sein Angebot im Bereich Risikomanagement aus: Much-Net bietet Software und Services für die Bewertung von Finanzinstrumenten an. Über finanzielle Details der Transaktion, die bereits abgeschlossen ist, wurde Stillschweigen vereinbart. Erst im vergangenen Juni wurde Bellin von dem US-Softwarehaus Coupa übernommen.

Der Spezialchemiekonzern Evonik will sich offenbar von seinem Babycare-Geschäft trennen: Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtete, stellen die Essener die Weichen für eine Abspaltung des Geschäfts mit saugstarken Materialien und des Vorprodukts Acrylsäure, welche vor allem für die Produktion von Baby-Windeln benötigt werden. Die Vorbereitung dauere voraussichtlich sechs bis neun Monate – danach könnte das Evonik-Geschäft mit rund 800 Mitarbeitern verkauft oder in eine Partnerschaft eingebracht werden.

Der Private-Equity-Investor 3i erwirbt A-Z Gartenhaus mehrheitlich und investiert dafür rund 70 Millionen Euro in den Hamburger Onlinehändler. Im Rahmen der Transaktion investieren auch das Gartenhaus-Management und der Beirat in das Unternehmen, wie 3i bekanntgab. Die britische Beteiligungsgesellschaft will den Schwerpunkt der Hamburger nun auf die Erweiterung der Produktpalette in angrenzende Segmente und auf die Internationalisierung des Geschäfts legen. 3i-Partner Peter Wirtz sieht dabei „erhebliche Wachstumschancen in Nachbarländern wie Großbritannien, Frankreich, Skandinavien sowie Benelux“.

TLS Technik Spezialpulver wechselt den Eigentümer: Der Hersteller von Metallpulvern für den 3D-Druck aus Bitterfeld wird von dem Spezialchemiekonzern Altana übernommen. TLS soll künftig in die Altana-Tochter Eckart integriert werden, einem Hersteller von Effektpigmenten. Finanzielle Details werden nicht genannt, die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Der Deal soll im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden. Die Düsseldorfer Kanzlei Hoffmann Liebs (Federführung: Julian Hoff) hat Altana bei dem Zukauf begleitet.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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