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Restrukturierungsnews: MAN, Bodensee-Airport, MV Werften

Das MAN-Werk im österreichischen Steyr hat doch noch eine Zukunft: Investor Siegfried Wolf steigt ein.
MAN Truck & Bus

Investorenlösung für MAN-Standort in Steyr

Das Nutzfahrzeugwerk von MAN im österreichischen Steyr hat im zweiten Anlauf doch noch einen neuen Eigentümer gefunden: Der Investor Siegfried Wolf übernimmt den Standort über sein Vehikel WSA. Ein erstes Angebot Wolfs hatte die Belegschaft vor einigen Wochen noch abgelehnt. MAN hatte daraufhin angekündigt, den Standort zu schließen.

Bei den kürzlich aufgenommenen erneuten Verhandlungen hätten sich beide Seiten aufeinander zubewegt, heißt es in einer Mitteilung. Schlüssige Angebote weiterer Kaufinteressenten lagen laut MAN für das Werk in Steyr nicht vor. Der Standort soll in den kommenden Wochen an den neuen Eigentümer übergehen, der sämtliche Mitarbeiter übernimmt. MAN Truck & Bus will in Steyr bis Mai 2023 für seine Linien produzieren lassen.

Flughafen Friedrichshafen legt Finanzplan vor

Der Bodensee-AirportFriedrichshafen, der eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchläuft, hat seinen Finanzierungsplan für die Neuaufstellung vorgelegt. Die Gremien der Hauptgesellschafter Stadt Friedrichshafen und Bodenseekreis müssen die Finanzierung mittragen. Sachwalter des Flughafens ist Alexander Hubl (SGP Schneider Geiwitz).

Bis 2025 kalkuliert der Flughafenbetreiber im operativen Bereich mit einem Finanzbedarf von 13,9 Millionen Euro. Hinzu kommen Infrastrukturinvestitionen über 22,6 Millionen Euro sowie Finanzierungsaufwendungen von 7,4 Millionen Euro – in Summe ein Finanzbedarf von knapp 44 Millionen Euro bis 2025. Von 2024 an soll das operative Geschäft wieder schwarze Zahlen schreiben, dann könnten die Investitionszuschüsse auf 3 Millionen Euro jährlich begrenzt werden.

Neben Zuschüssen soll der Verkauf von Flughafengrundstücken mit anschließender Rückanmietung liquide Mittel freisetzen. Eine Zustimmung der EU-Kommission zum Finanzierungsplan ist Voraussetzung dafür, dass der Airport sein Eigenverwaltungsverfahren beenden kann. Die Gläubigerversammlung soll dem Insolvenzplan Ende Juli zustimmen. Das Verfahren soll bis Jahresende abgeschlossen sein. 

Erneute WSF-Mittel für MV Werften

Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) stützt die kriselnden MV Werftenmit insgesamt 300 Millionen Euro. Die Werften sind mit mehr als 3.000 Mitarbeitern der größte Industriebetrieb Mecklenburg-Vorpommerns. Sie erhielten zunächst einen Überbrückungskredit von 193 Millionen Euro, nun legte der WSF über eine stille Beteiligung nochmals 107 Millionen Euro nach.

Im nächsten Schritt soll die Restrukturierung des Konzerns vorangetrieben werden. Laut IG Metall greift mit Bereitstellung der WSF-Mittel auch der geplante Personalabbau, voraussichtlich zum 1. August müssen etwa 650 Mitarbeiter an den drei Standorten Rostock, Stralsund und Wismar gehen. Sie können zunächst in eine Transfergesellschaft wechseln. 

Krise bei Mittelstandsanleihen

Gleich mehrere Emittenten von Mittelstandsanleihen müssen unangenehme Gespräche mit ihren Gläubigern führen: Das Modehaus Eterna will Zinszahlungen für seine Anleihe endfällig stellen. Hintergrund sind Verhandlungen mit den Gläubigern eines 25 Millionen Euro schweren Schuldscheindarlehens. Die Schuldscheininvestoren haben ein Kündigungsrecht, weil Eterna zum 31. März 2021 einen Financial Covenant nicht eingehalten hat. Auf dieses Recht sollen die Gläubiger verzichten, fordern dafür aber Zugeständnisse. Unter anderem soll Eterna die Zinszahlung für die 2017 begebene 25 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe aussetzen. Die Anleihegläubiger sollen zustimmen, dass die Zinsen ab März 2021 endfällig am Ende der Laufzeit im Jahr 2024 gezahlt werden. Bis dahin stehen noch rund 5,8 Millionen Euro aus. Erst wenn die Bondholder zustimmen, dürften auch die Schuldscheingeber zu Zugeständnissen bereit sein.

Auch Eyemaxx musste mit seinen Anleihegläubigern kürzlich einen Covenant-Reset verhandeln. Das Unternehmen wollte eigentlich bis spätestens Ende Mai verspätet seinen Jahresabschluss 2019/2020 vorlegen, musste wegen Differenzen in Bewertungsfragen aber auch diesen Termin verstreichen lassen. Die Prüfung habe vom WirtschaftsprüferEbner Stolz nicht wie geplant bis Ende Mai abgeschlossen werden können, hieß es. Einen neuen Veröffentlichungstermin für den Jahresabschluss nannte Eyemaxx nicht.

Auch für die Zeichner der Unternehmensanleihe des Nussproduzenten Hylea gab es schlechte Nachrichten: Das Unternehmen hatte mitgeteilt, die zu Beginn dieses Monats fälligen Halbjahreszinsen für seinen mit 7,25 Prozent verzinsten Bond nicht fristgerecht zahlen zu können. Eine Gläubigerversammlung ist für den 28. Juni angesetzt. 

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Unternehmensverantwortlichen des Reinigungsmittelherstellers Sopronem haben Insolvenzantrag gestellt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Stephan Michels (Michels Vorast Insolvenzverwaltungen). Die 180 Beschäftigten erhalten zunächst Insolvenzgeld. Michels geht derzeit davon aus, das Unternehmen nur über eine Investorenlösung sichern zu können, da auch Vorgängerunternehmen von Sopronem in der Vergangenheit bereits Insolvenzverfahren durchlaufen haben. Ziel sei es, einen Investor zu finden, der das Unternehmen übernimmt. Sopronem erzielte zuletzt rund 90 Millionen Euro Jahresumsatz. 

Über die Kosmetikgesellschaft Weulbier, die Kosmetikprodukte verschiedener Eigenmarkten fertigt, ist die Insolvenz in Eigenverwaltung eröffnet worden. Weulbier soll über einen Insolvenzplan saniert werden. Die Geschäftsführung wird von Rüdiger Bauch (Schultze & Braun) beraten. Joachim Voigt-Salus (Voigt-Salus Rechtsanwälte) ist Sachwalter. 2020 hatte ein Großkunde einen Liefervertrag fristlos gekündigt, bereits vorproduzierte Ware musste das Unternehmen abschreiben. Die daraufhin fälligen Abschreibungen sowie die Kosten für den folgenden Rechtsstreit hätten die Liquidität stark belastet, heißt es zur Begründung der Schieflage. Durch die Coronakrise sank zudem die Nachfrage nach Kosmetikprodukten, bei Weulbier ging der Umsatz um rund 20 Prozent zurück.          

Distressed M&A-Deals

Die KW Automotive Group hat zum 1. Juni den Geschäftsbetrieb des insolventen Zulieferers BBS von Insolvenzverwalter Thomas Oberle (Schilling, Zutt & Anschütz) übernommen. BBS wird neu ausgerichtet und soll sich künftig auf den Bereich Aftermarket sowie die Produktion und den Vertrieb von Rädern konzentrieren. Von den 470 Arbeitsplätzen an den beiden Standorten Schiltach und Herbolzheim werden 162 abgebaut, die Mitarbeiter können in eine Transfergesellschaft wechseln. Der Felgenhersteller BBS hatte im Juli 2020 zum dritten Mal Insolvenz angemeldet. 

Das Logistikunternehmen Bremer Container Service (BCS) hat einen neuen Eigentümer gefunden. Laut Insolvenzverwalter Hendrik Heerma (FRH Fink Rinckens Heerma) gehen im Zuge des M&A-Deals alle Arbeitnehmer mit über. Einem Bericht des Fachblatts „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ zufolge handelt es sich bei dem Käufer um die Spedition SST mit Hauptsitz in Hamburg. 

Der Automobilzulieferer Plan B Engineering Solutions ist seit Monatsanfang Teil des Unternehmens Syntech. Plan B hatte im März Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt, Insolvenzverwalter war Jan Markus Plathner (Brinkmann & Partner). Zu Details der Transaktion wurde nichts bekannt.

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Werkzeugmaschinenhändler GLM hat die Insolvenz in Eigenverwaltung abgeschlossen. Nachdem die Gläubigerversammlung einem Insolvenzplan zugestimmt hat, wurde das Verfahren Ende Mai rund sechs Monate nach der Eröffnung aufgehoben. Ein Team von White & Case um Daniel Schwartz begleitete GLM bei der Restrukturierung, Claus-Peter Kruth (Andres Partner) war Sachwalter des Verfahrens. Betriebswirtschaftlich begleitete Hahn Consultants die Sanierung.

Die Gläubiger des Containerherstellers Thielmann Ucon haben dem Insolvenzplan zugestimmt. Das Unternehmen hatte Ende Januar ein Schutzschirmverfahren beantragt. Als Sachwalter wurde Marc-Philippe Hornung (Schilling, Zutt & Anschütz) bestellt. Ein Team um Gunnar Müller-Henneberg (Luther) hat die Restrukturierung begleitet. 

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Der finanziell angeschlagene Anlagen- und Maschinenbauer Frimo erhält in der Coronakrise ein Darlehen in Höhe von 10 Millionen Euro vom Bund, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Frimo erzielt rund 200 Millionen Euro Umsatz und liefet Werkzeuge und Fertigungsanlagen für die Kunststoffindustrie. Das Unternehmen gehört dem Private-Equity-Investor DBAG

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Der Europäische Rat und das Europaparlament haben 1,1 Millionen Euro aus Mitteln des „Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung“ (EGF) für 476 Beschäftigte der insolventen GMH Guss Gruppe genehmigt. Es ist seit 2007 das elfte Unternehmen in Deutschland, für das EGF-Mittel genehmigt wurden, erklärte Christopher Seagon (Kanzlei Wellensiek), der die Mittel beantragt hat. Der Betrag wird aus Bundesmitteln noch um 0,7 Millionen Euro aufgestockt, so dass die Transfergesellschaft für GMH Guss insgesamt 1,8 Millionen Euro erhält. Aus den Mitteln können etwa Qualifizierungen finanziert werden.

Die Restrukturierungsboutique THM Partners eröffnet neben ihrem Standort in London nun auch ein Büro in Frankfurt. Das Gesicht am deutschen Markt wird Michael Keppel, der zuletzt die Restrukturierung der Drogeriemarktkette Douglas begleitet hat. Er soll für THM die Aktivitäten in der DACH-Region leiten. THM Partners beschäftigt nach eigenen Angaben rund 40 Restrukturierer. 

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Martin Dummler verantwortet künftig als neuer Geschäftsführer das administrative Geschäft der auf Restrukturierung und Insolvenzen spezialisierten Kanzlei BBL Brockdorff & Partner. Der promovierte Jurist arbeitete zuletzt als selbstständiger Rechtsanwalt in der insolvenznahen Beratung sowie im Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht. Von 1999 bis 2004 war er Mitglied der Geschäftsleitung bei Haarmann Hemmelrath, wo er zum Schluss eine zentrale Servicegesellschaft verantwortete. In den zurückliegenden Monaten hatte JuttaHumeldt als Interimsmanagerin die Strukturen aufgebaut. BBL hat zum Jahresanfang mehrere vormals getrennt agierende Gesellschaften für Insolvenzverwaltung und Beratung in einer organisatorischen Einheit zusammengeführt. Auf Partnerebene gibt es einen Abgang: Andreas Pantlen, der seit 2015 für BBL tätig war, wird die Kanzlei zum 30. Juni verlassen.

Hans Wamsteker
ist neuer Director bei Eight Advisory Germany im Bereich Transformation & Transaction Tech. Das 2009 in Frankreich gegründete Unternehmen berät zu Transaktions-, Transformations- und Restrukturierungsfragen. Wamsteker war vor seinem Wechsel unter anderem Leiter Project Management & Consulting bei dem Automobilzulieferer Borg Warner und Leiter Strategie bei Infosys. Zu seinen weiteren Stationen zählen Lufthansa Systems und Accenture. Eight Advisory beschäftigt nach eigenen Angaben in Frankreich, Belgien, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz mehr als 500 Mitarbeiter, davon 61 Partner. 

Michael Weiss ist neuer Partner im Bereich Restrukturierung bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC. Von München aus soll er Unternehmen verschiedener Branchen bei Transformationsprojekten beraten. Ein Fokus liegt auf dem Private-Equity-Sektor. Weiss bringt rund 19 Jahre Berater-Erfahrung aus seiner Zeit bei A.T. Kearney (heute Kearney) mit, wo er im Bereich Strategie und Top-Line-Transformation tätig war. Unter anderem leitete Weiss die Landesgesellschaften in Rumänien und der Türkei, 2009 wurde er Partner der Beratung. 2017 wechselte er als Group Head Strategy and Operations zu dem Finanzdienstleister Alexander Forbes in Südafrika und leitete dessen strategische Transformation.

Bei der Unternehmensberatung Falkensteg ist Peter Carl neuer Partner im Bereich Restrukturierung. Er begleitete unter anderem die Sanierung der Praktiker Baumärkte sowie von Golfino. Der Restrukturierungsbereich bei Falkensteg wächst damit auf 17 Berater.

Die Kanzlei DLA Piper hat Dietmar Schulz und Christ Parker zu internationalen Co-Heads der Praxisgruppe Restructuring ernannt. Sie folgen auf Peter Somekh, der sich künftig auf seine Aufgabe als Regional Managing Partner für den Nahen Osten und als Managing Partner für Afrika konzentrieren wird. Schulz arbeitet seit 2012 für DLA Piper in München und leitet seit 2014 die deutsche Restrukturierungsgruppe. Sein Fokus liegt auf Restrukturierungen, Non-Performing-Loans und Distressed M&A. Parker ist seit 2007 bei DLA Piper in London tätig und spezialisiert auf Insolvenzverfahren. Er leitet das internationale Team für streitige Restrukturierungen.

Alvarez & Marsal holt Jens Nawrath als dritten Managing Director in sein europäisches Debt-Advisory-Team. Er soll auch eng mit dem Team für finanzielle Restrukturierungsberatungen zusammenarbeiten. Nawrath war zuletzt knapp zwei Jahre lang Partner im Financial Advisory des Big Four Deloitte, wo er das deutsche Team für Debt & Capital Advisory leitete. Zu seinen weiteren Stationen zählen CFM Corporate Finance Management, Houlihan Lokey sowie die Commerzbank.

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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