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Restrukturierungsnews: Rational Einbauküchen, Hakle, Görtz

Der Küchenhersteller Rational Einbauküchen ist insolvent. Foto: Robert Kneschke - stock.adobe.com
Der Küchenhersteller Rational Einbauküchen ist insolvent. Foto: Robert Kneschke - stock.adobe.com

Küchenhersteller Rational Einbauküchen ist insolvent

Der Küchenhersteller Rational Einbauküchen ist insolvent. Der Grund dafür ist kurios: Aufgrund eines Stromausfalls in der Region sei es bei dem Unternehmen zu einem „Totalausfall entscheidender Teile der Serversysteme, mit der die Planung und Produktion der Küchen und wesentliche weitere Unternehmensprozesse gesteuert werden“ gekommen. Der damit einhergehende Datenverlust habe dazu geführt, dass das Unternehmen keine Aufträge bearbeiten könne.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist Stefan Meyer (Pluta) bestellt. Für die Zukunft des Unternehmens ist laut Pluta geplant, „eine Liquidation zu vermeiden und schnellstmöglich eine Fortführungslösung zu finden“. Mit einem offenen M&A-Prozess soll nun ein Investor gefunden werden, der das Unternehmen übernimmt.

Toilettenpapierhersteller Hakle ist zahlungsunfähig

Der Toilettenpapierhersteller Hakle hat eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen begründet den Schritt damit, dass „massiv gestiegene Kosten für Material- und Energiebeschaffung sowie für den Transport“ bisher nicht ausreichend an die Kunden weitergegeben werden konnten. „Die energieintensive Papierindustrie unterliegt seit dem Beginn der Corona-Pandemie 2020 starken Verwerfungen im global agierenden Rohstoff-, Logistik- und Energiemarkt“, erläutert Hakle weiter.

Die Düsseldorfer beschäftigen rund 220 Mitarbeiter. Als vorläufiger Sachwalter ist Jan-Philipp Hoos (White & Case) bestellt, zudem beraten Hakle im Insolvenzverfahren die Kanzlei McDermott Will & Emery und Restrukturierungsberatung AMBG.

Schuhhändler Görtz meldet Insolvenz an

Der Schuhhändler Görtz ist insolvent. Die Einzelhandelskette meldete Anfang September Insolvenz an, die Muttergesellschaft „Ludwig Görtz“ will dabei unter das Schutzschirmverfahren. Für die beiden Töchter „Görtz Retail“ und „Görtz Logistik“ hat das Unternehmen jeweils Anträge auf eine Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das Management von Görtz bleibt bei beiden Verfahren weiterhin im Amt.

Grund für die finanzielle Schieflage sind laut Görtz „deutliche Umsatzrückgänge“, da die Nachfrage aufgrund von gestiegenen Energiekosten und der Inflation gesunken sei. Mit der Restrukturierung wollen die Hamburger ihre Kostenstruktur an die veränderten Marktbedingungen anpassen. Der Schuhhändler beschäftigt 1800 Mitarbeiter in 160 Filialen. Nach Orsay ist Görtz bereits die zweite Insolvenz eines großen Modehändlers in diesem Jahr.

Deutsche Lichtmiete findet ungewöhnlichen Käufer

Die Deutsche Lichtmiete hat einen Käufer gefunden und besteht unter neuem Namen fort. Die DLM Deutsche Leuchtmittel (DLM) kauft über einen Asset Deal das Leuchtmittelunternehmen aus dem niedersächsischen Oldenburg. Die Kaufsumme soll sich auf 175 Millionen Euro belaufen haben.

Hinter dem Käufer DLM steckt ein Übernahmevehikel von One Square Advisors – jene Restrukturierungs-Beratung, die vorher die Anleihegläubiger beraten hat. One Square hat DLM eigens für die Übernahme gegründet. Für Frank Günther, Managing Partner bei One Square, sprechen günstige Marktumstände, ein fester Kundenstamm und ein gut gefülltes Warenlager dafür, dass das Fortführungskonzept gute Voraussetzungen hat. Über einen möglichen Interessenskonflikt beim Kauf äußert sich Günther im FINANCE-Interview.

Eine alternative Auffanglösung, die Ex-Lichtmiete-CEO Gert Sieger hatte vorstellen wollen, wurde verworfen, da Sieger kein Konzept vorlegte. Im Raum stehen aber weiterhin die Ermittlungen wegen Verdacht auf Kriminalinsolvenz gegen das ehemalige Management der Deutschen Lichtmiete.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Automobilzulieferer Dr. Schneider stellte Anfang September einen Insolvenzantrag. Das Kronacher Unternehmen, das in Deutschland rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt, hatte bereits im Februar „Personalanpassungen“ angekündigt. Als Grund für die Insolvenz führt Dr. Schneider die Auswirkungen der Coronakrise an. Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist Joachim Exner (Dr. Beck) bestellt.

Der Drehteilehersteller Leipold hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen mit rund 300 Beschäftigten führt „sehr stark gestiegenen Herstellungskosten durch explodierende Energiekosten sowie die Preissteigerungen bei den Betriebs- und Hilfsstoffen“ sowie „Schwierigkeiten in den Lieferketten“ als Gründe für die finanzielle Lage des Unternehmens an. Sachwalter ist Thorsten Schleich (Schleich & Partner), als Generalbevollmächtigter agiert Martin Mucha (Grub Grubber).

Der Online-Schuhhändler Surf4shoes befindet sich in Schieflage. Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist Michael Pluta (Pluta) bestellt. Laut Pluta werde der Geschäftsbetrieb fortgeführt, Neubestellungen seien weiter möglich und Kunden würden weiterhin beliefert werden. Das Unternehmen mit 17 Beschäftigten erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro.

Die Harfid-GmbH, ein Tochterunternehmen der Harfid-Holding, befindet sich im vorläufigen Insolvenzverfahren. Das Unternehmen ist der Öffentlichkeit vor allem als Sponsor der Fußballclubs Schalke 04 und Rot-Weiß-Essen bekannt. Laut Harfid habe die Materialknappheit auf dem globalen Rohstoff- und Logistikmarkt dazu geführt, dass es zu Bauverzögerungen und zu einem Anstieg der Baukosten kam. Diese Verzögerungen könne das Unternehmen nun nicht mehr kompensieren. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Biner Bähr (White & Case), in der Sanierung wird Harfid von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Lohr + Company begleitet.

Das baden-württembergische Familienunternehmen Carl Leipold hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Als Grund für die finanzielle Situation führt der Drehteilehersteller „sehr stark gestiegenen Herstellungskosten durch explodierende Energiekosten sowie die Preissteigerungen bei den Betriebs- und Hilfsstoffen“ an. Zum Sachwalter hat das Amtsgericht Offenburg Thorsten Schleich (Schleich & Partner) bestellt. Als Generalbevollmächtigter wurde Martin Mucha (Grub Brugger) berufen.

Distressed M&A-Deals

Für die Franz Wölfer Elektromaschinenfabrik aus Osnabrück gibt es eine Fortführungslösung. Das Unternehmen wird im Zuge einer übertragenden Sanierung von der Investmentgesellschaft Kairos Industries übernommen und firmiert künftig unter dem Namen „Wölfer Motoren GmbH“. „Wölfer passt hervorragend in unser auf langfristige Wertentwicklung ausgerichtetes Portfolio“, erläutert Kairos-Vorstand Steffen Liebich. Kairos Industries übernimmt alle 64 Beschäftigten von Franz Wölfer. Insolvenzverwalter war Stefan Meyer (Pluta). Im M&A-Prozess beriet Markus Fauser (Anchor).

Die insolvente Anwaltsvermittlungsplattform Advocado hat einen Käufer gefunden. Das Technologieunternehmen Legal Tech Lab, eine Tochter der Gansel Unternehmensgruppe,  übernimmt das Unternehmen inklusive aller knapp 35 Beschäftigten. Der Käufer will damit sein Produktportfolio erweitern. Auch wenn der neue Eigentümer laut der Kanzlei Görg die Standorte in Greifswald und Berlin weiterführen will, werde es organisatorische und personelle Umstrukturierungen geben. Als Insolvenzverwalter agierte Mathias Gellert, im M&A-Prozess wurde Gellert von den Görg-Partnern Karl-Friedrich Curtze und Florian Schmitz unterstützt.

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Zukunft des Bahnverkehrsunternehmens Stauden-Verkehrs-GmbH (SVG) ist gesichert. Die Gläubiger des Unternehmens haben dem Insolvenzplan einstimmig zugestimmt. Teil des erarbeiteten Insolvenzplans ist eine neue Eigentümerstruktur, bei der zwei Investoren sämtliche Anteile übernehmen. Dabei kann das Unternehmen in seiner derzeitigen Rechtsform weiterbestehen. Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn (Pluta) erwartet, dass die Gläubiger eine Insolvenzquote „im zweistelligen Bereich“ erhalten werden.

Weitere Restrukturierungs- und Branchennews

Der Gashändler Uniper steht vor der Verstaatlichung. Wie Uniper am gestrigen Mittwoch bekanntgab, wir der Bund im Zuge einer Kapitalerhöhung 93 Prozent der Uniper-Anteile übernehmen. Zudem wird der Bund die Anteile des Mehrheitseigentümers Fortum übernehmen, damit steigt die staatliche Beteiligung an dem Gaskonzern auf 99 Prozenz. Zusätzlich soll Uniper von der Bundesregierung eine Kapitalspritze in Höhe von 8 Milliarden Euro erhalten.

Laut eines Urteil des Bundesgerichtshofs gibt es eine neue Methode, die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens festzustellen. Die Entscheidung des BGH ermöglicht es nun, an jeweils drei Stichtagen innerhalb eines dreiwöchigen Zeitraumes einen vereinfachten Liquiditätsstatus zu erstellen, indem man lediglich die Aktiva I (konkret zum Stichtag präsente Geldmittel aus Kasse, Bank und Forderungen) und die Passiva I (konkret zum Stichtag fällige Verbindlichkeiten) einander gegenüberstellt. Die neue verkürzte Methode könnte vor allem Insolvenzverwaltern die Arbeit erleichtern.

Der Bund will die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags wegen Überschuldung erleichtern. Konkret geht es dabei um Insolvenzanträge, die wegen Überschuldung gestellt werden. Der Prognosezeitraum im Rahmen der sogenannten Überschuldungsprüfung soll von zwölf auf vier Monate verkürzt werden.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Der Automotive-Experte Heiko Rauscher kommt als Senior Managing Director zu FTI-Andersch. Rauscher kommt von Oliver Wyman, bei FTI-Andersch wird er sich um Kunden aus den Sektoren Automotive und herstellende Industrie kümmern.

Jens von Loos wechselt von der Restrukturierungsberatung Falkensteg zu Deloitte. Bei dem Big-Four-Haus leitet er nun als Managing Director den Bereich Debt & Capital Advisory. Bei Falkensteg war von Loos etwas mehr als zweieinhalb Jahre in einer ähnlichen Funktion tätig.

Das Beratungsunternehmen Eight Advisory verstärkt seinen Restrukturierungsberatung am deutschen Standort. Dazu kommt Christian Czernay vom Konkurrenten PwC. Czernay wird bei Eight Advisory als Director in der Restrukturierung und Performance Improvement Practice des Münchner Büros tätig sein.

Info

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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