Der Damenschuhproduzent Peter Kaiser will sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren. Die Coronakrise hatte zu Umsatzausfällen geführt.

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08.10.20
Wirtschaft

Restrukturierungsnews: Peter Kaiser, AvP, Avana

Die Peter Kaiser Schuhfabrik beantragt ein Schutzschirmverfahren, die Insolvenz des Apotheken-Abrechnungszentrums AvP schockiert die Branche, und in München ist die Fondsverwaltungsgesellschaft Avana Invest pleite: Die aktuellen Restrukturierungsnews.

Peter Kaiser Schuhfabrik im Schutzschirmverfahren

Die Peter Kaiser Schuhfabrik will sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren. Das Unternehmen musste aufgrund des Lockdowns im Frühjahr Umsatzrückgänge verkraften. Auch danach seien Kunden zurückhaltender gewesen, teilte das Unternehmen mit. Das 1838 gegründete Unternehmen ist nach eigenen Angaben die älteste Damenschuhfabrik in Europa und setzte im vergangenen Jahr 48 Millionen Euro um.

Als Generalbevollmächtigter begleitet Martin Mucha (Grub Brugger) die Restrukturierung. Das Unternehmen Peter Kaiser Retail, das den Vertrieb im stationären Handel und online verwaltet, sowie die Schuhfabrik im portugiesischen Felgueiras sind nicht von dem Insolvenzverfahren betroffen. Als vorläufiger Sachwalter für die Peter Kaiser Schuhfabrik wurde Günter Staab (Kanzlei Staab & Kollegen) bestellt. 

Apotheken-Abrechnungszentrum AvP ist insolvent

Das Apotheken-Abrechnungszentrum AvP Deutschland hat Insolvenz beantragt und damit ein Beben im deutschen Apothekermarkt ausgelöst. AvP wickelt Zahlungen für tausende Apotheken in Deutschland ab, die Kunden warten Berichten zufolge zum Teil auf sechsstellige Beträge. Mit rund 3.500 Kunden und einem jährlichen Abrechnungsvolumen von rund 7 Milliarden Euro gilt AvP als einer der größten Abrechnungsdienstleister in Deutschland.

Bereits vor einigen Monaten war der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei AvP aufgekommen, die Bafin setzte daraufhin einen Sonderbeauftragten ein. Dieser stellte nun auch den Insolvenzantrag. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen zwei AvP-Führungskräfte wegen des Verdachts auf Bankrotthandlungen.

Jan-Philipp Hoos (White & Case) wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter von AvP Deutschland bestellt. Johan Schneider (Heuking Kühn Lüer Wojtek) berät das Unternehmen. Weitere Gesellschaften der AvP-Gruppe werden von Jens M. Schmidt und Robert Fliegner (Runkel Rechtsanwälte) vertreten.

Avana Invest stellt Insolvenzantrag

Die Münchener Fondsverwaltungsgesellschaft Avana Invest ist insolvent. Es ist die erste Insolvenz einer Kapitalverwaltungsgesellschaft, die nach den Regelungen des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) reguliert wird. Den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens hatte die Bafin gestellt. Bafin-regulierte Unternehmen zeigen eine Insolvenz oder drohende Zahlungsunfähigkeit zunächst bei der Aufsichtsbehörde an, die dann nach einer Prüfung den Insolvenzantrag beim Amtsgericht stellt.

Matthias Hofmann von der Kanzlei Pohlmann Hofmann ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bei Avana Invest bestellt worden. Ziel ist es, die Avana-Invest-Fonds an andere Gesellschaften zu übertragen. Bis spätestens Ende November will Hofmann Lösungen für alle Geschäftsbereiche gefunden haben. Die Fondsvermögen sind als Sondervermögen geschützt und nicht von der Insolvenz betroffen. 

Flughafen Paderborn saniert in Eigenverwaltung

Der Flughafen Paderborn-Lippstadt will sich über eine Insolvenz in Eigenverwaltung neu aufstellen. In diesem Zuge soll ein in den vergangenen Monaten ausgearbeitetes Sanierungskonzept umgesetzt werden. Bereits vor der Coronakrise reichten die Erlöse des Flughafens nicht aus, um die Betriebs- und Investitionskosten zu decken. Aufgrund der Reisebeschränkungen während der Corona-Pandemie lagen die Passagierzahlen des Regionalflughafens zuletzt um 85 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.

Die EU-Kommission erlaubt derzeit Betriebsbeihilfen von 2,5 Millionen Euro jährlich – im Falle des Flughafens Paderborn würde aber selbst die doppelte Summe nicht ausreichen, um die Verluste zu decken, teilte Yorck Streitbörger (Kanzlei Streitbörger) mit, der zum Generalbevollmächtigten des Flughafens berufen wurde. Stefan Meyer von der Kanzlei Pluta wurde zum vorläufigen Sachwalter im Eigenverwaltungsverfahren bestellt.

Der Flughafen Paderborn-Lippstadt soll dem Sanierungskonzept zufolge deutlich schrumpfen, um die Kosten zu drücken. Auch Stellenstreichungen sind Teil des Konzepts, zurzeit beschäftigt der Flughafen 167 Mitarbeiter. 

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Krumbacher Anlagenbauer Lingl hat Insolvenz angemeldet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Arndt Geiwitz bestellt, im Unternehmen  begleitet Christian Plail das Verfahren (beide SGP Schneider Geiwitz). Lingl beschäftigt derzeit nach eigenen Angaben rund 400 Mitarbeiter, der Umsatz lag 2019 bei rund 72 Millionen Euro. Auch das Tochterunternehmen SMB Maschinenbau hat einen Insolvenzantrag gestellt. In beiden Fällen sind Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit die Gründe. Lingl hatte bereits 2013 einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, es war damals eines der ersten ESUG-Verfahren. Das Eigenverwaltungsverfahren war erst im Oktober 2019 beendet worden.

Der Schuhhändler CCC Germany will sich über ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung sanieren. Sanierungsgeschäftsführer ist Markus Küthe (Stellmach & Bröckers), zum vorläufigen Sachwalter wurde Stefan Meyer (Pluta) bestellt. CCC Germany durchläuft seit 2019 eine Restrukturierung. Der Lockdown habe das Unternehmen im Restrukturierungsprozess „empfindlich zurückgeworfen“, sagte Geschäftsführer Peter M. Wolf. Sanierungsgeschäftsführer Küthe sieht in den großen Verkaufsflächen und hohen Mieten ein Problem. Die Gespräche mit Geschäftspartnern über mögliche Sanierungsbeiträge seien jedoch „anspruchsvoll“. Das Unternehmen unterhält 65 Läden und hat keinen eigenen Onlineshop. Die HR Group als Gesellschafterin ist von dem Antrag auf Eigenverwaltung nicht betroffen.

Der Personaldienstleister Fair Personal + Qualifizierung will sich über einen Insolvenzplan sanieren. Das Eigenverwaltungsverfahren wurde vor wenigen Tagen eröffnet. Sanierungsberater Eric Coordes (Wirtschaftskanzlei Mönig) begleitet die Ausarbeitung des Insolvenzplans, der in den kommenden Wochen finalisiert werden soll. Als Sachwalter ist Stefan Meyer (Pluta) eingesetzt. Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens muss das Unternehmen nun die Löhne und Gehälter wieder aus eigener Kraft zahlen.

Die Aluminium-Rheinfelden-Gruppe hat die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens beantragt. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Holger Leichtle (Görg) bestellt. AC Tischendorf Rechtsanwälte begleitet das Schutzschirmverfahren rechtlich. Auch die Tochtergesellschaften Alloy, Semis und Carbon sind Teil des Insolvenzverfahrens. Leichtle ist erst vor einigen Monaten mit seinem Team von Schultze & Braun zu Görg gewechselt und soll dort die Insolvenz- und Eigenverwaltungspraxis im baden-württembergischen Raum ausbauen.  

Das Amtsgericht München hat nun auch das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Wirecard Retail Services (WDRS) eröffnet. Als Insolvenzverwalter wurde Philip Heinke (Kanzlei Jaffé) bestellt. Das Unternehmen betreut rund 3.600 Kunden vorwiegend in Deutschland, der Geschäftsbetrieb geht weiter. Verhandlungen mit potentiellen Investoren laufen bereits. Ein weiterer Teil des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard ist bereits verkauft: Laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé gehen die rumänischen Töchter der Wirecard Sales International Holding an den Zahlungsdienstleister SIBS. Wirecard Romania bedient auch Banken in Moldawien.

Das Eigenverwaltungsverfahren über das Versandhaus für Ladendekorationen Heinrich Woerner wurde eröffnet. Als Sachwalter bestellte das Heilbronner Amtsgericht Tibor Braun (Kanzlei Illig, Braun, Kirschnek). Alexander Verhoeven (Buchalik Brömmekamp) sowie die Restrukturierungsberatung Plenovia unterstützen das Management beim Erarbeiten des Sanierungskonzepts. Das Unternehmen will sich über einen Insolvenzplan neu aufstellen. 

Distressed M&A-Deals

Das Softwareunternehmen Maihiro Products ist von Insolvenzverwalter Max Liebig (Kanzlei Jaffé) an Nagarro Allgeier verkauft worden. Nagarro Allgeier will mit der Übernahme sein Portfolio in angrenzende Bereiche erweitern. Finanzielle Details zur Transaktion wurden nicht bekannt.

Die Pressmetall-Gruppe, die mit ihren beiden Werken in Gunzenhausen (Bayern) und Hoym (Sachsen-Anhalt) seit Dezember 2019 eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchläuft, hat eine Lösung für das Werk in Hoym gefunden. Zum 1. Oktober ist der Standort an LMG Manufacturing übergegangen. Der Betrieb mit 170 Arbeitsplätzen soll uneingeschränkt fortgeführt werden. Bei Pressmetall ist Detlef Specovius (Schultze & Braun) als Sanierungsberater an Bord, Sachwalter ist Stefan Debus (Müller-Heydenreich Bierbach). Den M&A-Prozess begleitete Fabian Hammer (enomyc). Für das Werk in Gunzenhausen läuft die Investorensuche noch, ist aber den Sanierern zufolge „sehr weit fortgeschritten“. 

Der Geschäftsbetrieb des Schuhproduzenten Sioux wird nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens künftig von einer neugegründeten Tochtergesellschaft der Sioux Holding weitergeführt. Das Unternehmen hatte im Juni Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Sachwalter im vorläufigen Verfahren und nun Insolvenzverwalter ist Thomas Rittmeister (Reimer Rechtsanwälte). Im Rahmen eines M&A-Prozesses habe sich letztlich die Sioux-Gruppe selbst durchgesetzt, teilte er mit. Die Gesellschafter engagierten sich demnach mit einem siebenstelligen Betrag, um das Geschäft neu aufzusetzen. Über finanzielle Details sowie den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. 

Nachdem im August der Komplettverkauf scheiterte, hat Insolvenzverwalter Joachim Exner (Dr. Beck & Partner) nun einen Teil der Lackieranlagen-Sparte („Paint and Assembly“) des Automobilzulieferers Eisenmann an den Investor Nimbus verkauft. Nimbus ist auf die Übernahme von Unternehmen in Sondersituationen spezialisiert. Für die Eisenmann-Geschäftsbereiche „Application Technology“ und „Environmental Technology“ laufen weiter Investorengespräche. Durch die Transaktion bleiben weitere 110 Arbeitsplätze erhalten. In Summe wurden fünf Geschäftsbereiche mit insgesamt 515 Arbeitsplätze verkauft. Rund 650 Mitarbeiter werden nicht von einem Investor übernommen werden. Für sie wurde eine Qualifizierungsgesellschaft eingerichtet.

Markus Esser, Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Esser Print Solutions, übernimmt den Wettbewerber Bosch Druck Solutions aus der Insolvenz. Das Unternehmen hatte im Mai dieses Jahres zunächst Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und war seit Ende Juli im Regelverfahren. Sachwalter und später Insolvenzverwalter war Marc-André Kuhne (Schneider Geiwitz), während der Eigenverwaltung  begleitete zudem die Kanzlei Schiebe & Collegen die Neuausrichtung.

Die Berliner Beteiligungsgesellschaft Precapital Partners steigt bei der insolventen Bäckereikette Dat Backhus ein. Das rechtlich unter Heinz Bräuer GmbH firmierende Unternehmen soll bis Jahresende das Insolvenzverfahren beenden können. Bis Mitte Oktober soll ein Insolvenzplan erstellt werden. Laut Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus (BRL) bleibt neben dem Filialnetz auch der Produktionsstandort in Hamburg erhalten. Die Bäckereikette beschäftigt rund 1.000 Arbeitnehmer und umfasst 93 Filialen. 

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Gläubigerversammlung des Unternehmens Galvanoform Gesellschaft für Galvanoplastik hat dem in der Eigenverwaltung erstellten Insolvenzplan einstimmig zugestimmt. Damit kann das Unternehmen das Insolvenzverfahren beenden. Rund 140 der vormals 180 Arbeitsplätze an den beiden Firmenstandorten in Lahr bleiben erhalten. Als Sachwalter war Marc-Philippe Hornung (Kanzlei Schilling, Zutt & Anschütz) eingesetzt. Den Sanierungsprozess hat die Kanzlei Menold Bezler begleitet. Der Hersteller von Präzisionswerkzeugen hatte im Dezember Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. 

Nachdem die Gläubiger den Insolvenzplan einstimmig angenommen haben, ist das Schutzschirmverfahren des Textilhändlers Sinn fünf Monate nach der Antragstellung aufgehoben worden. Als Sachwalter war Rolf Weidmann (Görg) eingesetzt. Zudem begleitete Thomas Kluth (Kluth Rechtsanwälte) das Unternehmen durch das Eigenverwaltungsverfahren. Bei der Erarbeitung des Insolvenzplans unterstützte FRH Fink Rinckens Heerma. Das Modehaus war infolge der Coronakrise in Schieflage geraten. Die Insolvenzgläubiger können Weidmann zufolge mit einer Quote von voraussichtlich bis zu 5 Prozent ihrer angemeldeten Forderungen rechnen, soweit sie nicht aus der Verwertung von Sicherheiten bereits höher entschädigt wurden.

Der Automobilzulieferer Gußwerke Leipzig hat zum 30. September die Produktion eingestellt. Zuvor hatte sich der letzte verbliebene Interessent aus dem Bieterprozess zurückgezogen, teilte Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch (Schultze & Braun) mit. Eine Sanierung über einen Insolvenzplan kam ihm zufolge nicht infrage, da die für 2021 erwarteten Bestellungen nicht ausgereicht hätten, um das Unternehmen aus eigener Kraft zu finanzieren. Bauch hatte den Geschäftsbetrieb seit dem Insolvenzantrag im Oktober 2019 geführt. Die Investorensuche hatte PwC geleitet. Ein chinesischer Investor hatte kurz vor dem Lockdown im März eine Absichtserklärung abgegeben, die Verhandlungen dann jedoch abgebrochen. Von dem Aus des Unternehmens sind 400 Mitarbeiter betroffen. 

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Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hat das Schutzschirmverfahren beendet. Das Amtsgericht in Essen hob das Verfahren auch für die Tochterunternehmen Karstadt Sport, Karstadt Feinkost, Le Buffet und Dinea auf, nachdem die Gläubiger den Insolvenzplänen zugestimmt haben. Sie verzichten Medienberichten zufolge auf Forderungen von über 2 Milliarden Euro. Im Zuge der Neuausrichtung wird Galeria Karstadt Kaufhof auch 40 Warenhäuser schließen, knapp 130 Filialen bleiben erhalten. Seit Oktober ist der Konzern damit schuldenfrei. Künftig will das Galeria-Management stärker auf den Onlinehandel setzen. Auf den Bereich entfielen zuletzt weniger als 5 Prozent der Umsätze. Das Unternehmen hatte im April nach mehrwöchigen Schließungen wegen der Coronakrise ein Schutzschirmverfahren beantragt. 

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Die Verhandlungen um eine Refinanzierung des Autozulieferers Benteler ziehen sich offenbar weiter hin. In den Bankgesprächen sei die Frage nach Sicherheiten ein entscheidendes Thema, erfuhr die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer aus Finanzkreisen. Benteler zufolge soll der Refinanzierungsprozess voraussichtlich im Laufe des Oktobers abgeschlossen werden. 

Thyssenkrupp hat Anfang Oktober den Anlagenbau im Automobilbereich zweigeteilt. Während der auf Karosseriemontage spezialisierte Anlagenbauer im Konzern bleiben soll, will Thyssenkrupp sich von den Aktivitäten im Bereich Antriebs- und Batteriemontage trennen. Mit der Neuausrichtung gehen weitere Restrukturierungen an den einzelnen Standorten einher. In beiden Einheiten sollen im seit 1. Oktober 2020 laufenden Geschäftsjahr rund 800 Stellen abgebaut werden. Rund 500 Stellen entfallen dabei auf Standorte in Deutschland. Insgesamt sind bei Thyssenkrupp in Deutschland derzeit rund 3.200 Mitarbeiter im automobilen Anlagenbau beschäftigt.

Im Zuge der Sanierung wird das Schuhhaus Dielmann zum Jahresende 13 Filialen der Marken Dielmann, DStep und Sommerkind in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz schließen. 84 Mitarbeitern wird gekündigt. Das Unternehmen hatte im Juni ein Schutzschirmverfahren beantragt. Die Schließungen seien „aus wirtschaftlichen und insolvenzrechtlichen Gründen“ ein unerlässlicher Schritt, erklärte Geschäftsführer und CRO Michael Specht. Weitere 26 Filialen von Schuhhaus Dielmann sowie acht Geschäfte des Sporthaus Robert Hübner bleiben geöffnet. Das Unternehmen führt derzeit Gespräche mit Kaufinteressenten. 

Der Verbindungstechnikspezialist Norma ist in seinen Verhandlungen mit der IG Metall über die bevorstehende Sanierung vorangekommen. Demnach könnten bis zu 100 der derzeit rund 700 Beschäftigten in Maintal betriebsbedingt gekündigt werden und weitere Mitarbeiter über ein Freiwilligenprogramm aussteigen. Zuvor war von bis zu 160 betriebsbedingten Kündigungen die Rede. Bis 2025 sollen weitere betriebsbedingte Kündigungen in Maintal ausgeschlossen werden. Der Norma-Standort im thüringischen Gerbershausen mit 160 Beschäftigten wird Ende 2022 geschlossen, anschließend wird bis Ende 2023 eine Transfergesellschaft eingerichtet.

Das auf Krebstherapien spezialisierte Unternehmen Medigene will ein Sparprogramm einführen, um die Finanzierung des Unternehmens bis ins dritte Quartal 2022 sicherzustellen. So will das Unternehmen seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten konzentrieren und die Mitarbeiterzahl um 25 Prozent senken. Für die Restrukturierung fallen einmalig Kosten von rund 1 Million Euro an, die Medigene in den Geschäftsjahren 2020 und 2021 verbuchen will.

Vom Jahreswechsel an sollen Unternehmen in Deutschland ein Verfahren zur präventiven Sanierung nutzen können. Gedacht ist es für Unternehmen, denen eine Zahlungsunfähigkeit droht, die aber noch nicht zahlungsunfähig sind. Zentrales Instrument ist ein Restrukturierungsplan, dem die Gläubiger allerdings nicht mehr einstimmig zustimmen müssen. Dies soll Behinderungen durch Akkordstörer ausschließen. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bei pandemiebedingter Überschuldung wurde unterdessen wie erwartet bis Jahresende verlängert. Für zahlungsunfähige Unternehmen gilt die Antragspflicht bereits seit Anfang Oktober wieder. 

Die Insolvenzverwalter der vier deutschen P&R-Containerverwaltungsgesellschaften bereiten eine erste Abschlagszahlung an die Gläubiger vor. Die bislang aus Vermietung und Verwertung der Containerflotte erzielten Beträge müssen dafür zwischen den vier P&R-Gesellschaften aufgeteilt werden, dem Vorschlag für diese Aufteilung müssen die Gläubiger in vier schriftlichen Gläubigerversammlungen bis zum 17. November zustimmen. Die Containerverwertung läuft über eine Schweizer P&R-Gesellschaft, die sämtliche Erlöse an die Insolvenzverwalter der deutschen Gesellschaften auszahlen muss. Rund 400 Millionen Euro wurden laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé bereits erzielt. Ziel sei es, mindestens 1 Milliarde Euro an die Gläubiger auszuschütten.

Der Autozulieferer Eberspächer schließt Ende 2021 das Werk für Fahrzeugheizungen in Esslingen. Davon betroffen sind rund 300 Mitarbeiter. Für sie sei ein Sozialplan vereinbart worden, zudem soll eine Transfergesellschaft gegründet werden. Das Unternehmen verlagert die Produktion von Fahrzeugheizungen künftig nach Polen.

Das Schweizer Unternehmen Leclanché muss seine Restrukturierung neu aufstellen. Eine mit der Eneris-Gruppe geschlossene Partnerschaft zur Neuausrichtung wurde ausgesetzt. Davon betroffen sind auch Darlehensverträge über 42 Millionen Franken. Stattdessen springt nun der Hauptaktionär Fefam mit einem Brückenkredit über 34 Millionen Franken ein. Zudem sollen Schulden über Debt-Equity-Swaps in Eigenkapital umgewandelt werden. 

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Lars Richter leitet künftig die Restrukturierungsteams in Köln, Stuttgart und München bei Rödl & Partner. Er war zuvor als Senior Director bei der Restrukturierungsberatung Alvarez & Marsal tätig, zudem war er Partner und Head of Corporate Restructuring bei dem auf Mittelständler fokussierten Beratungshaus Dr. Wieselhuber & Partner. Richter bringt Erfahrung mit Turnaround-Programmen und Sanierungsgutachten sowie Distressed-M&A-Transaktionen mit.

Der Insolvenzrechtler Gunnar Müller-Henneberg wechselt in das Stuttgarter Büro von Luther. Müller-Henneberg, der sein Team zu Luther mitnimmt, war bislang für Schultze & Braun tätig. Er startete seine Karriere in der auf Restrukturierungen spezialisierten Kanzlei Elsäßer, die Ende 2014 in Schultze & Braun aufging. 

Holger Ellers ist neuer Partner im Bereich Restrukturierung bei Dentons. Er war zuvor rund 14 Jahre für Baker McKenzie tätig und leitete zuletzt die deutsche Restrukturierungspraxis. Er soll bei Dentons an der Schnittstelle von Restrukturierung, Insolvenz- und Gesellschaftsrecht beraten und den Bereich Distressed M&A mit abdecken. Seine Branchenschwerpunkte sind Mode, Einzelhandel und Automotive. Mit dem Zugang wächst die deutsche Restrukturierungspraxis von Dentons auf 21 Rechtsanwälte, darunter fünf Partner.

Insolvenzverwalter Norman Häring ist mit einem dreiköpfigen Team zu der Kanzlei Tiefenbacher gewechselt, wo er als Partner einsteigt. Er ist auf Insolvenzverwaltung sowie die Restrukturierung von mittelständischen Unternehmen spezialisiert. Er ist zudem Lehrbeauftragter für den Fachbereich Insolvenzrecht, Sanierung und Turnaround-Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

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