Die Rewe Group will von Lekkerlands Logistiknetzwerk profitieren und könnte hierfür bis zu 1 Milliarde Euro zahlen.

Rewe

31.05.19
Deals

M&A-Deals: Rewe, ProSiebenSat.1, Metro

Rewe übernimmt Lekkerland, Berlusconi greift nach ProSiebenSat.1 und um Metros China-Geschäft buhlen viele Interessenten: Diese und weitere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Rewe greift nach Lekkerland

Der Handelskonzern Rewe Group schluckt den Fachgroßhändler Lekkerland. Mit 4.900 Mitarbeitern beliefert Lekkerland insgesamt 91.000 Verkaufsstellen und verfügt über ein engmaschiges Logistiknetz, von dem die Kölner mit ihrem Zukauf profitieren wollen.

Welchen Kaufpreis Rewe für seinen Konkurrenten zahlt, ist nicht bekannt. Legt man für die Unternehmenswertberechnung von Lekkerland allerdings den operativen Gewinn (Ebit) aus dem vergangenen Jahr von 92,7 Millionen Euro und die aktuellen FINANCE-Multiples zugrunde, könnte es sich bei der Transaktion um einen Milliardendeal handeln. Bei der Transaktion wurde Lekkerland von P+P Pöllath + Partners (Federführung: Matthias Bruse) rechtlich beraten.

ProSiebenSat.1: Allianz mit Berlusconis Mediaset

Mediaset steigt bei ProSiebenSat.1 ein. Der italienische Medienkonzern von Silvio Berlusconi beteiligt sich mit 9,6 Prozent bei den Münchenern. Das Aktienpaket ist rund 330 Millionen Euro wert. Im April hatte ProSiebenSat.1-CEO Max Conze Gerüchte über Fusionsverhandlung mit dem italienischen Konkurrenten noch entschieden zurückgewiesen.

Beide Medienkonzerne arbeiten bereits seit fünf Jahren in der Europäischen Medienallianz zusammen. Die Vorstände beider Konzerne bezeichneten den Einstieg der Italiener bei ProSiebenSat.1 dementsprechend als „freundlich“. Aktuell machen beiden Medienunternehmen die rückläufigen Umsätze bei TV-Werbungen zu schaffen. Der Aktienkurs von ProSiebenSat.1 legte nach der Meldung um rund 5 Prozent auf mehr als 15 Euro zu.

Metros China-Geschäft lockt offenbar viele Interessenten

Der Handelsriese Metro macht Fortschritte beim Konzernumbau: Mehr als acht Bietergruppen sind offenbar am China-Geschäft des MDax-Konzerns interessiert. Dies berichtete die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf Insider. Bis auf den US-amerikanischen Einzelhandelskonzern Walmart seien alle weiteren Interessenten aus China.

Die potentiellen Käufer haben bis zum 10. Juni Zeit, unverbindliche Angebote einzureichen. Insiderschätzungen zufolge könnte das chinesische Metro-Geschäft zwischen 1,5 und 2 Milliarden Dollar wert sein. Metro werde bei der angestrebten Transaktion von den beiden US-Investmentbanken Citigroup und JPMorgan beraten.

TE Connectivity kurz vor First-Sensor-Übernahme

First Sensor könnte bald einen neuen Eigentümer bekommen: Die Berliner führen fortgeschrittene Verhandlungen mit dem US-schweizerischen Kaufinteressenten TE Connectivity. Der Sensorhersteller bietet zunächst unverbindlich 28 Euro je First-Sensor-Aktie. Das entspricht einer Unternehmensbewertung von rund 286 Millionen Euro.

Ob es tatsächlich zu einem Übernahmeangebot von TE Connectivity kommt, sei derzeit allerdings noch nicht abzusehen, so First Sensor. Hauptaktionär des Berliner Sensorunternehmens ist der Private-Equity-Investor Deutsche Private Equity (DPE) mit rund 40 Prozent. Schon im vergangenen Oktober hatte DPE seinen First-Sensor-Anteil ins Schaufenster gestellt – damals waren es allerdings noch 36 Prozent.

Weitere Meldungen

Der französische Industriekonzern Saint-Gobain verkauft seine deutsche Baufachhandelssparte Saint-Gobain Building Distribution Deutschland (SGBDD) an den dänischen Baustoffkonzern Stark Group. Saint-Gobain zufolge wurde die Transaktion mit 335 Millionen Euro bewertet. Zu SGBDD gehören Marken wie Raab Karcher, Keramundo und Fliesen Discount. Saint-Gobain wurde bei der Transaktion von der Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer begleitet.

Der US-amerikanische Batterie-Hersteller Energizer verkauft Varta Consumer Batteries an den deutschen Wettbewerber Varta. Dieser hatte den Geschäftsbereich vor 17 Jahren an Spectrum Brands verkauft, der das Geschäft nun aufgrund von Kartellvorgaben wieder abgeben musste. Varta erwartet einen Netto-Kaufpreis von rund 100 Millionen Euro. Die Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper (Federführung: Roland Maaß und Gerald Schumann) hat Varta beim Kauf unterstützt.

F24, ein Software-as-a-Service-Anbieter für Alarmierung und Krisenmanagement, übernimmt den norwegischen Wettbewerber One Voice. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Wie die Münchener mitteilten, behalten die Gründer von One Voice ihre Positionen im Unternehmen und investieren zudem einen „beträchtlichen Anteil“ ihrer Verkaufserlöse in F24. Raymond James Corporate Finance (Federführung: Philipp Stein, Florian Helmreich und Nima Tehranchi) hat F24 bei der Übernahme beraten. Die Verkäuferseite wurde von Nordhaven Corporate Finance unterstützt.

Die CMH Group, ein Anbieter für Track & Trace-Softwarelösungen im Bargeldkreislauf, kauft Zeiser Software. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Bei der Finanzierung wurde CMH von seinem Mehrheitsgesellschafter Silver Investment Partners (SIP) unterstützt. SIP zufolge werde die Sparte nach der Ausgliederung aus der Zeiser-Gruppe als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen „SeriSoft“ firmieren. Der Zukauf von Zeiser Software ist die vierte CMH-Übernahme innerhalb weniger Monate.

HannoverFinanz steigt als Mehrheitsgesellschafter bei Lacon Electronic ein: Wie beide Unternehmen bekannt gaben, beteiligt sich das Private-Equity-Haus mit 70 Prozent an dem Karlsfelder Elektrogerätehersteller. Die Rückbeteiligung des Managementteams von Lacon Electronic über ein Owner-Buy-out liegt bei 30 Prozent. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Lacon Electronic wurde bei der Transaktion von MP Corporate Finance beraten. HannoverFinanz wurde von Deloitte (Financial, Tax), Androschin & Partner (Commercial Due Diligence), PWC Legal (Legal Due Diligence), Shearman & Sterling (Banking) und Yellow Birds Consulting (Operational & Organisational Due Diligence) unterstützt.

Die Beteiligungsgesellschaft Indus Holding kauft den Metalldetektorhersteller Mesutronic Gerätebau. Indus mit Sitz in Bergisch Gladbach erwirbt dabei 89,9 Prozent der Mesutronic-Anteile. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Indus zufolge werden die Mesutronic-Alteigentümer überwiegend an dem Unternehmen beteiligt bleiben und dieses weiterhin eigenständig führen.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Mutares übernimmt 80 Prozent der Anteile am italienischen Kabelbaum-Anbieter Plati Elettroforniture und legt das Unternehmen mit dem bestehenden Portfolio-Unternehmen Elastomer Solutions zusammen. Verkäufer ist die chinesische Deren Gruppe. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Der Abschluss der Transaktion werde bis Juni dieses Jahres erwartet. Mutares zufolge sei der Plati-Zukauf bereits die vierte Transaktion und dritte Add-On-Akquisition für die Münchener im Jahr 2019.

Schur Flexibles Group kauft den schwedischen Konkurrenten Scandiflex von der finnischen Tilgmann Group. Wie der österreichische Anbieter von Verpackungslösungen mitteilte, werde Scandiflex künftig unter dem Namen „Schur Flexibles Scandiflex“ firmieren. Schur Flexibles decke den gesamten skandinavischen Markt ab und erziele dort über 120 Millionen Euro Umsatz. Zu Transaktionsdetails wurden keine Angaben gemacht. MP Corporate Finance hat Schur Flexibles bei der Übernahme beraten.

Das Modeportal Outfittery übernimmt den Berliner Wettbewerber Curated Shopping Group, zu dem auch die Marke Modomoto gehört. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Das neue Unternehmen werde Outfittery zufolge unter der Hauptmarke „Outfittery“ auftreten. Outfittery-Gründerin Julia Bösch bleibe CEO des zusammengeschlossenen Unternehmens. Die Integration der beiden Firmen soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Outfittery wurde bei der Transaktion von der Kanzlei CMS Hasche Sigle (Federführung: Stefan-Ulrich Müller und Tilman Weichert) rechtlich beraten.

Der tschechische Energiekonzern CEZ Group und die Jenaer Tochter Elevion übernehmen die Hermos AG und die Hermos Schaltanlagen GmbH. Transaktionsdetails sind nicht bekannt. CEZ und Elevion wurden beim Kauf von der Kanzlei Weil (Federführung: Christian Tappeiner) beraten. CEZ wurde zudem von der tschechischen Kanzlei Skils (Federführung: Karel Muzikar) unterstützt.

Die belgische Beteiligungsgesellschaft Gimv übernimmt den unterfränkischen Batteriehersteller Smart Battery Solutions. Wie hoch der Anteil ist, gaben die Unternehmen nicht bekannt. Weitere Transaktionsdetails sind ebenfalls nicht bekannt. Beraten wurde die Investmentgesellschaft von P+P Pöllath + Partners (Federführung: Tim Kaufhold und Nico Fischer).

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.