Der Gläubigerausschuss der insolventen Restaurantkette Maredo hat die Betriebsstillegung beschlossen.

Maredo

04.02.21
Wirtschaft

Restrukturierungsnews: Maredo, Hussel, Paderborn Airport

Die Restaurantkette Maredo stellt den Betrieb ein, die Süßwarengeschäfte Hussel, Arko und J. Eilles gehen in die Eigenverwaltung, und die Gläubiger des Flughafens Paderborn können mit 25 Prozent Insolvenzquote rechnen: Die aktuellen Restrukturierungsnews im FINANCE-Überblick.

Maredo stellt Betrieb ein

Der Gläubigerausschuss der Restaurantkette Maredo hat beschlossen, den Betrieb stillzulegen. Eine Fortführung ist damit vom Tisch, allerdings ist es möglich, dass sich noch ein Interessent für die Marke Maredo findet. Das Unternehmen hatte im März 2020 Insolvenzantrag gestellt, seitdem lief unter Insolvenzverwalter Nikolaos Antoniadis (Antoniadis & Ure) eine operative Sanierung, in deren Rahmen unprofitable Standorte geschlossen wurden. Die operative Sanierung war nach FINANCE-Informationen im Sommer abgeschlossen, einen laufenden Investorenprozess stoppte dann allerdings die erneute Schließung der Restaurants im November.

Staatliche Hilfen bekam Maredo nicht bewilligt, da diese nicht an Unternehmen in Schieflage gezahlt werden. Kritiker monieren, dass dies auch solche Unternehmen trifft, bei denen die Sanierung abgeschlossen, jedoch das formale Verfahren noch nicht beendet ist. Inzwischen hat Maredo 450 Mitarbeitern zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt, eine Rumpfmannschaft erledigt noch die insolvenzspezifischen Arbeiten. 

Arko, Hussel und J. Eilles sanieren in Eigenverwaltung

Die drei Unternehmen Arko, Hussel und J. Eilles der Deutschen Confiserie Holding gehen in die Insolvenz in Eigenverwaltung. Vorläufiger Sachwalter bei Arko ist Tjark Thies (Reimer Rechtsanwälte). Bei J. Eilles und Hussel ist Dietmar Penzlin von der Kanzlei Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin als vorläufiger Sachwalter eingesetzt. Alle drei Gesellschaften werden von Rainer Eckert und Markus Kohlstedt von der Kanzlei Eckert begleitet.

Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt fortgeführt. Die Gehälter der insgesamt rund 1.600 Beschäftigten sind vorerst durch das Insolvenzgeld gesichert. Die Geschäfte waren von den Corona-bedingten Lockdowns betroffen. Laut Thies hat beispielsweise Arko keine staatlichen Corona-Hilfen erhalten, da es als Lebensmittelhändler eingestuft ist und damit von den Schließungsanordnungen nicht betroffen war. Dennoch brach aber der Kundenverkehr ein. Die DCH-Gruppe betreibt bundesweit rund 350 eigene Filialen, davon etwa 135 Arko-Läden. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro. Die Sanierungsberater von Eckert rechnen im Frühsommer mit der Vorlage eines Insolvenzplans. 

Paderborn Airport: Gläubiger erhalten 25 Prozent

Die Gläubigerversammlung hat den Insolvenzplan des Paderborn-Lippstadt Airport einstimmig angenommen. Der Regionalflughafen durchläuft seit September eine Insolvenz in Eigenverwaltung, Generalbevollmächtigter ist Yorck T. Streitbörger von der Wirtschaftskanzlei Streitbörger, Sachwalter ist Stefan Meyer (Pluta).

Die Gläubiger erhalten dem Plan zufolge eine feste Insolvenzquote von 25 Prozent. Die größten Gläubiger des Flughafens sind die Sparkasse Paderborn, die kommunale Zusatzversorgungskasse KVW aus Münster sowie die Bundesagentur für Arbeit. Bei einer Zerschlagung des Airports hätte laut Insolvenzplan aufgrund hoher Abwicklungsosten keine Quote ausgezahlt werden können. Ein Verkauf des Geschäftsbetriebs wurde geprüft, jedoch hat dem Unternehmen zufolge keiner der 100 angesprochenen möglichen Investoren ein verwertbares Angebot eingereicht.

Die Sanierung soll nun in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Der jährliche Zuschuss, den die Gesellschafter an den Airport leisten müssen, soll künftig von vormals bis zu 5 Millionen Euro jährlich auf maximal 2,5 Millionen Euro absinken. Der Zuschuss ist kein Verlustausgleich, sondern dient der Finanzierung der Betriebspflicht und umfasst beispielsweise die Ausgaben für die Betriebsfeuerwehr. Die Zahl der Mitarbeiter wird deutlich reduziert und sinkt von 170 auf 65 Beschäftigte. Anstelle von zuletzt 700.000 Fluggästen können dann noch bis zu 300.000 Fluggäste im Jahr abgefertigt werden.

Commerzbank vor massiver Neuausrichtung

Die Commerzbank plant eine tiefgreifende Restrukturierung, um ihre Kosten in den kommenden vier Jahren deutlich zu senken und die Profitabilität zu steigern. Konkret sollen die Kosten im Jahr 2024 gegenüber den erwarteten Zahlen für 2020 um 1,4 Milliarden niedriger liegen, das wäre eine Einsparung von 20 Prozent. Im Zuge der Restrukturierung will die Bank bis 2024 rund 10.000 Vollzeitstellen abbauen, in Deutschland betrifft dies etwa jeden dritten Arbeitsplatz. Für den Personalabbau sollen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden. Die Zahl der Filialen soll von derzeit 790 auf bundesweit rund 450 Standorte schrumpfen. Im Gegenzug will die Bank in den kommenden vier Jahren insgesamt 1,7 Milliarden Euro in die Modernisierung der IT und den Ausbau der digitalen Angebote investieren.

Insgesamt rechnet die Commerzbank mit Restrukturierungsaufwendungen von 1,8 Milliarden Euro, die bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres vollständig bilanziell erfasst sein sollen. Für einen Anteil von 0,8 Milliarden Euro wurde bereits im Geschäftsjahr 2020 Vorsorge getroffen, weitere 0,1 Milliarden Euro entfallen auf das Jahr 2019. Weitere Details zu der Neuausrichtung will die Bank e auf ihrer Bilanzpressekonferenz am 11. Februar vorstellen.

Sparprogramm bei Siemens Energy

Bei Siemens Energy stehen harte Einschnitte bevor. Bereits im vergangenen September hatte das Unternehmen auf einem Kapitalmarkttag angekündigt, die Kosten im Segment „Gas and Power“ um mindestens 300 Millionen Euro senken zu wollen. Details zu den konkreten Schritten stellte Siemens Energy in dieser Woche vor: Geplant sind unter anderem Einsparungen bei externen Dienstleistern sowie im Einkauf und eine Vereinfachung der IT-Landschaft. Durch schlankere Strukturen und den Abbau von Überkapazitäten werden weltweit rund 7.800 Arbeitsplätze wegfallen, davon rund drei Viertel in Management, Verwaltung und Vertrieb. Etwa 3.000 Arbeitsplätze streicht der Konzern in Deutschland, vollständig soll jedoch keiner der Standorte geschlossen werden.

Die Maßnahmen sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2025 vollständig umgesetzt sein, der Großteil soll schon bis Geschäftsjahresende 2023 erfolgen. Das Geschäftsjahr endet bei Siemens Energy zum Ende des Monats September. In den Geschäftsjahren 2020 bis 2023 rechnet das Unternehmen mit einem mittleren bis hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag an Einmalkosten für die Restrukturierung.

Promod Deutschland beendet Filialverkauf

Der Modekonzern Promod stellt nach knapp 30 Jahren den stationären Handel in Deutschland ein und vertreibt seine Produkte künftig nur noch online. Die französische Konzernmutter will sich im stationären Handel künftig auf frankophone Länder fokussieren. Über Promod Deutschland war im September das Insolvenzverfahren eröffnet worden, Insolvenzverwalter ist Marco Kuhlmann (Kreplin & Partner).

Aufgrund der Corona-Pandemie musste Promod massive Umsatzeinbrüche hinnehmen. Die letzten der vormals 32 Filialen in Deutschland sollen Ende Februar schließen. Promod Deutschland hatte auch einen M&A-Prozess geprüft und Verträge mit Vermietern nachverhandelt, die wirtschaftliche Stabilität sei jedoch bei diesen Konzepten „nicht garantiert“ gewesen, so der Insolvenzverwalter. 

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Staatsanwaltschaft in Essen ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen Manager des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof (GKK). Die Kaufhauskette hatte im Frühjahr 2020 ein Schutzschirmverfahren angestoßen. Die Ermittlungen, über die zunächst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hatte, befinden sich Berichten zufolge noch in einem frühen Stadium. Auslöser war offenbar eine Strafanzeige einer Privatperson.

Ein Anwalt des Unternehmens bestreitet die Vorwürfe und betonte, GKK sei vor Beantragung des Schutzschirmverfahrens nicht zahlungsunfähig gewesen. Dies gehe auch aus einer Bescheinigung eines Wirtschaftsprüfers hervor. Ein Schutzschirmverfahren steht Unternehmen grundsätzlich nur bei drohender Zahlungsunfähigkeit offen, nicht aber wenn diese schon eingetreten ist. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds hat dem vom erneuten Lockdown getroffenen Warenhauskonzern erst kürzlich ein nachrangiges Darlehen von bis zu 460 Millionen Euro gewährt.

Senivita Social Estate (SSE) hat Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Hubert Ampferl aus der Kanzlei Dr. Beck & Partner bestellt. SSE entwickelt, baut und projektiert Pflegeimmobilien und betreibt insgesamt zwölf Pflegeeinrichtungen mit insgesamt rund 330 Mitarbeitern. Der Betrieb der Häuser laufe weiter, teilte das Unternehmen mit. Senivita hatte im vergangenen Jahr eine Anleiheemission abbrechen müssen, weil das Zeichnungsniveau zu gering war. Mit der Finanzierung hätte eine Wandelanleihe abgelöst werden sollen.

Claus-Peter Kruth (Andres Partner) ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter der KFC Uerdingen 05 Fußball GmbH bestellt worden, der Betreibergesellschaft des Fußball-Drittligisten. Bereits jetzt sei klar, dass es ohne weiteres finanzielles Engagement von Sponsoren, die in den KFC investieren, keine dauerhafte Perspektive gebe, sagte Kruth. Der Geschäfts- und Spielbetrieb von KFC Uerdingen in der 3. Fußball-Liga soll aufrechterhalten werden.

Der Lebensmittelproduzent Klaas + Pitsch Fleisch- und Wurstwaren hat ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Unternehmen mit 95 Mitarbeitern ist unter anderem als Lieferant für Airlines und Restaurantketten tätig und musste aufgrund der Corona-Pandemie massive Umsatzeinbußen hinnehmen. Dirk Andres (Kanzlei Andres Partner) begleitet das Unternehmen als Restrukturierungsverantwortlicher. In den kommenden Monaten soll nun ein Restrukturierungsplan erarbeitet werden. Sachwalter ist Andreas Pantlen (BBL Brockdorff). Die Klaas + Pitsch Fleischerei ist nicht vom Schutzschirmverfahren betroffen.

Der Saucenhersteller Gepp’s will sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren. Vorläufiger Sachwalter des Verfahrens ist Matthias Hofmann (Kanzlei Pohlmann Hofmann). Das Unternehmen mit 215 Mitarbeitern betreibt bundesweit 32 Geschäfte. Diese sind zwar geöffnet, die Kundenfrequenz ist jedoch dem Unternehmen zufolge stark eingebrochen. Es habe „in absehbarer Zeit“ Zahlungsunfähigkeit gedroht. Als Generalbevollmächtigter unterstützt Stefan Ettelt (Kanzlei Kulitzscher & Ettelt) die Geschäftsführung. Simon Leopold (ABG Consulting-Partner) begleitet die Restrukturierung als Sanierungsgeschäftsführer. Gepp’s soll über einen Insolvenzplan saniert werden.

Die Baumot Group hat beim Amtsgericht Bonn Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Davon betroffen sind auch die Tochtergesellschaften Twintec Technologie und Baumot Deutschland sowie Baumot Technologie. Als Generalbevollmächtigter begleitet Wolf-Rüdiger von der Fecht das Verfahren, zum vorläufigen Sachwalter für die Baumot Group bestellte das Gericht Andreas Pantlen (BBL Brockdorff).

Mehr zu diesem Thema bei

alternativer_text

Die FINANCE-Plattform für Restrukturierung
und unternehmerischen Wandel

Zum Newsletter anmelden

Die Regionalfluggesellschaft Sun-Air of Germany, eine Tochter der dänischen Sun-Air, hat beim Amtsgericht in Augsburg Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Michael Bauer (Dr. Beck & Partner) bestellt. Die Airline operierte in Deutschland zuletzt vom Regionalflughafen in Friedrichshafen am Bodensee aus.

Insgesamt zehn Gesellschaften der Cura Sana Gruppe befinden sich seit Ende Januar im vorläufigen Insolvenzverfahren. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Peter G. Theile. Die Gesellschaften betreiben zusammen neun Altenpflegeheime sowie vier Tagespflegeeinrichtungen in Hessen und Baden-Württemberg, 415 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen. Theile hat einen M&A-Prozess angestoßen. Insgesamt gehören zur Gruppe 13 Gesellschaften, für eine weitere wurde bereits Mitte Januar ein Insolvenzantrag gestellt, zwei weitere sind derzeit nicht operativ tätig.

Der Hersteller von Edelstahlbehältern Thielmann Ucon hat die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Vorläufiger Sachwalter ist Marc-Philippe Hornung (Schilling, Zutt & Anschütz). Im Zuge des Verfahrens soll auch der Produktionsstandort in Hausach (Baden-Württemberg) restrukturiert werden.

Distressed M&A-Deals

Das Unternehmen Safe-to-net Family Store übernimmt im Zuge eines Asset Deals den Geschäftsbetrieb, 81 Stores und 220 Mitarbeiter der Mobilfunkhändler Fexcom und One Brand Solutions aus der Insolvenz. Hinter dem Käufer stehen die Unternehmen SafeToNet Deutschland sowie Prokom. Die vormals zur Philion-Grupp gehörenden Mobilfunkhändler Fexcom und One Brand Solutions mit rund 400 Mitarbeitern und 150 Läden hatten Ende Oktober Insolvenz angemeldet. Insolvenzverwalter ist Joachim Voigt-Salus (Kanzlei Voigt Salus). Simon Leopold (ABG Consulting-Partner) begleitete die operative Sanierung sowie den M&A-Prozess. Im Bereich Arbeitsrecht und Mietrecht beriet Stefan Ettelt (Kanzlei Kulitzscher & Ettelt) die Geschäftsleitung und Insolvenzverwaltung. Die Mietverträge für die 81 Filialen müssen nun noch auf die Käufer übertragen werden.

Die van Laack Gruppe übernimmt das Modehaus Sør Rusche aus der Insolvenz. Der Asset Deal umfasst die Geschäftsaktivitäten sowie Anteile an Sør Rusche, nähere Details teilten die Unternehmen jedoch nicht mit. Zwischen 21 und 25 Filialen sowie der Online-Shop sollen an van Laack übergehen, die Mietverträge will der Käufer neu verhandeln. McDermott Will & Emery hat bei der M&A-Vereinbarung beraten. Van Laack war seit vielen Jahren als Lieferant für Sør tätig. Der Herrenausstatter hatte im März 2020 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.

Das Autohaus Fischer aus Jena übernimmt die Standorte Gera, Triptis und Oettersdorf der insolventen BEK Autogruppe aus Gera. Laut Insolvenzverwalter Rolf Rombach (Rombach Rechtsanwälte Insolvenzverwalter) laufen für die weiteren Standorte in Bad Lobenstein, Schleiz und Pössneck noch Gespräche mit möglichen Interessenten. Der nun getätigte Verkauf sichert rund 120 Arbeitsplätze, finanzielle Details wurden nicht bekannt.

Elpa Food hat rückwirkend zum Jahresanfang den insolventen Fleischverarbeiter Birkan Food Company übernommen. Im Zuge der Transaktion bleiben die 86 Arbeitsplätze vollständig erhalten, teilte Insolvenzverwalter Holger Blümle von Schultze & Braun mit. Der Hersteller von Dönerspießen hatte im Oktober Insolvenzantrag gestellt.

Die Vermögensgegenstände des insolventen Maschinenbauers Namac gehen im Zuge einer übertragenden Sanierung an das Unternehmen Puttler. Namac hatte im Januar 2020 Insolvenzantrag gestellt, Insolvenzverwalter war Thomas Reichelt (Diligens Rechtsanwälte). Den Investorenprozess, mit dessen Abschluss alle Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen, begleitete das Beratungshaus Concentro.

Der schwäbische Stahlbauer Geisselmann übernimmt einen Teil der ZKK-Gruppe aus der Insolvenz heraus. Laut ZKK-Insolvenzverwalter Dietmar Haffa (Schultze & Braun) gehen „wesentliche Teile“ an den neuen Inhaber über, 87 der vormals 109 Arbeitsplätze können erhalten werden. Unter anderem gehen die Bereiche ESB Excelsior Schwarz Blechverarbeitung sowie E+R Laserblechtechnik über. ZKK hatte im November 2020 Insolvenzantrag gestellt.

Der Automobilzulieferer Sonnplast, der bereits im September 2018 Insolvenz angemeldet hat, hat einen Investor gefunden. Dieser soll laut Insolvenzverwalter Joachim Exner (Dr. Beck & Partner) alle rund 220 Arbeitsplätze erhalten. Namentlich wurde der neue Inhaber nicht genannt, es handelt sich einer Mitteilung zufolge um „einen strategischen Investor“. Der 2013 gegründete Hersteller von Spritzgussteilen firmiert künftig unter Sonnplast Solutions.

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Gläubiger des Unternehmens Framode, Betreiber der Modekette Pimkie, haben dem Insolvenzplan einstimmig zugestimmt. Dem Fachmagazin „Textilwirtschaft“ zufolge sollen im Zuge der Restrukturierung 40 der insgesamt 75 Filialen geschlossen werden, dadurch würden 150 Mitarbeiter ihre Stellen verlieren. Das Unternehmen hatte Ende November ein Schutzschirmverfahren beantragt. Sachwalter ist Felix Höpker (White & Case). Kilian Haus (Buchalik Brömmekamp) begleitet das Unternehmen als Generalbevollmächtigter. Juristische Beraterin ist Katrin Schröder von Osborne Clarke, die betriebswirtschaftliche Beratung liegt bei Jelmer Kruse von der Unternehmensberatung Plenovia.

Nach mehreren Abschlagszahlungen in den zurückliegenden Jahren sind die Schlussverteilungen in den Verfahren der seit Januar 2012 insolventen Petroplus-Unternehmen erfolgt. Die Gläubiger der Petroplus Bayern (PB), Petroplus Deutschland (PDG) sowie der Petroplus Raffinerie Ingolstadt (PRI) bekommen ihre Forderungen nahezu vollständig zurück.

Bei PB erhielten die insgesamt 376 Gläubiger mehr als 18,6 Millionen Euro auf ihre festgestellten Forderungen ausgezahlt, das entspricht laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé einer Quote von 100 Prozent. In Verfahren für PDG wurden bislang 491,6 Millionen Euro an 116 Gläubiger verteilt, eine Quote von 97,2 Prozent. Durch eine noch ausstehende Nachtragsverteilung soll die Quote noch einmal steigen. Im PRI-Verfahren erhalten die 930 Gläubiger ihre Forderungen in voller Höhe und zuzüglich Zinsen, ausgezahlt wurden rund 56 Millionen Euro.

Die Gläubiger der Ortrander Eisenhütte haben dem Insolvenzplan mit überwiegender Mehrheit zugestimmt. Damit wird die Eisengießerei in Familienhand fortgeführt, alle 280 Arbeitsplätze bleiben erhalten. Die Unternehmensberatung Restrukturierungspartner hat das Unternehmen beim Investorenprozess begleitet. Die Eisenhütte war im Oktober 2019 in die Insolvenz gerutscht, Insolvenzverwalter war Olaf Seidel (Kanzlei Andres Partner).

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

MAN hat sich mit den Arbeitnehmern auf eine Vereinbarung zur Neuausrichtung von MAN Truck & Bus geeinigt. Das Geschäft soll umfassend restrukturiert werden, Ziel ist eine Ergebnisverbesserung von bis zu 1,7 Milliarden Euro. Dafür soll unter anderem das Entwicklungs- und Produktionsnetzwerk neu aufgestellt werden. Der Standort Wittlich wird den Plänen zufolge verkleinert. Der Standort in Plauen sowie der österreichische Standort Steyr mit seinen rund 2.200 Arbeitnehmern stehen auf dem Prüfstand. Dort sind auch ein Verkauf oder eine Schließung mögliche Optionen. Insgesamt sollen in Deutschland über alle Unternehmensbereiche hinweg bis Ende 2022 rund 3.500 Stellen entfallen. Den Restrukturierungsaufwand schätzt das Management insgesamt auf einen oberen dreistelligen Millionenbetrag.

Behrens fährt bei seiner Restrukturierung zweigleisig: Sollte ein M&A-Prozess nicht das gewünschte Ergebnis bringen, könnte ein mit einem Anleihe-Großgläubiger abgestimmtes Konzept greifen. Dieses sieht einen Kapitalschnitt der Aktie mit anschließender Barkapitalerhöhung mit Bezugsrecht für die Altaktionäre vor. Zudem würden die beiden Behrens-Anleihen restrukturiert. Das Konzept ist jedoch laut dem Unternehmen, das seit November eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchläuft, nur „eine denkbare Option für die weitere Entwicklung“. 

Der Chemiekonzern BASF will seine Einheit Global Business Services weiter straffen. Ein Großteil der Dienstleistungen soll künftig in drei Hubs in Berlin, in Kuala Lumpur/Malaysia sowie Montevideo/Uruguay erbracht werden. Dadurch will der Konzern von 2023 an jährlich über 200 Millionen Euro Kosten reduzieren. Bis Ende 2022 entfallen durch die Umstellung weltweit bis zu 2.000 Stellen in der Einheit Global Business Services, davon etwa 600 am Standort Ludwigshafen. Die Einheit wurde erst am 1. Januar 2020 eingerichtet und umfasste zu Beginn rund 8.400 Mitarbeiter.

Der Industriekonzern ThyssenKrupp hat den Verkaufsprozess für die Zementanlagenbau-Tochter gestoppt. Die eingegangenen Angebote hätten „nicht überzeugen“ können, zitiert das „Handelsblatt“ aus einem Schreiben des Managements an die Mitarbeiter. Ziel sei es nun, einen „Turnaround“ im Zementanlagenbau zu schaffen – möglicher Weiterverkauf zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausgeschlossen.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Klaus Hubert Görg, Namensgeber der Wirtschaftskanzlei Görg, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Der Jurist machte sich unter anderem als Insolvenzverwalter der Arcandor Gruppe einen Namen. Görg trug zudem dazu bei, das Verfahren der Insolvenz in Eigenverwaltung zu etablieren. Solche Verfahren begleitete er unter anderem bei Agfa Gaevert.

Rainer Bizenberger kehrt zu seiner früheren Wirkungsstätte zurück: Der Restrukturierer, der erst vor rund einem Jahr zu EY gewechselt war, ist seit Anfang Februar wieder als Managing Director für Alix Partners tätig. Bizenberger arbeitete 16 Jahre für Roland Berger, zuletzt als Senior Partner und Standortleiter in Berlin, bevor er 2017 erstmals zu Alix Partners wechselte. Zuletzt war der Restrukturierer bei EY als Head of Turnaround and Restructuring Strategy tätig. 

Christian Ebner wechselt in das Financial-Restructuring-Team von Alvarez & Marsal in der Region EMEA. Er soll sich vor allem auf den deutschen und italienischen Markt konzentrieren. Ebner startet als Managing Director. Er berät seit 17 Jahren bei finanziellen Restrukturierungen, im Debt Advisory sowie bei M&A-Transaktionen. Vor seinem Wechsel zu A&M war Ebner unter anderem sieben Jahre lang für das Restructuring Advisory Team von Deloitte in London tätig, zuletzt als Partner.

Maximilian Dressler ist neuer Partner im Bereich Restructuring, Performance, Transformation & Transaction bei Roland Berger (RPT). Er wechselt von PwC, wo er rund sieben Jahre als Director im Bereich Business Recovery Services tätig war. Seine Karriere startete der Rechtsanwalt bei der Insolvenzverwalterkanzlei SBL Rechtsanwälte. Dressler berät im Schwerpunkt in der operativen Insolvenzbegleitung sowie bei außergerichtlichen Vergleichen.

Der Gesellschafts- und Insolvenzrechtler Sebastian Zeeck hat sich als Equity Partner der Kanzlei Oppenhoff angeschlossen. Zeeck war zuvor Gründungspartner des Hamburger Büros von Eversheds Sutherland. Der Bereich Insolvenzrecht & Restrukturierung bei Oppenhoff umfasst mit dem Neuzugang nun insgesamt sechs Partner.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de 

Sie haben eine interessante News, die in unserem nächsten Restrukturierungsticker nicht fehlen sollte? Dann schreiben Sie uns an sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de.

Die wichtigsten Nachrichten aus der Welt der Restrukturierung finden Sie künftig in unserem neuen Themen-Hub Transformation by FINANCE sowie regelmäßig auch im zugehörigen Newsletter.