Der Fleischwarenproduzent Schwarz Cranz muss seinen Geschäftsbetrieb einstellen. Ein Distressed M&A-Deal war geplatzt.

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29.12.20
Wirtschaft

Restrukturierungsnews: Schwarz Cranz, Tadano Demag, Arlington

Der Wurstproduzent Schwarz Cranz muss nach einem geplatzten M&A-Deal schließen, Tadano Demag legt seinen Sanierungsplan vor, und Arlington Germany wird in kleinerer Form weitergeführt: Die aktuellen Restrukturierungsnews im FINANCE-Überblick.

Deal geplatzt: Schwarz Cranz muss schließen

Eigentlich wollte Insolvenzverwalter Friedrich von Kaltenborn-Stachau (Kanzlei BRL Boege Rohde Luebbehuesen) den Wurstproduzenten Schwarz Cranz an die zum Tönnies-Konzern gehörende Zur-Mühlen-Gruppe verkaufen. Doch die Transaktion ist gescheitert: In zwei Produkten wurde ein Bakterienbefall mit Listerien festgestellt, Schwarz Cranz musste die Waren zurückrufen. Während einer folgenden Grundreinigung sei dann ein Wartungsstau entdeckt worden, berichtete der Insolvenzverwalter gegenüber lokalen Medien.

Die Zur-Mühlen-Gruppe hat Berichten zufolge den Mitarbeitern in der Produktion angeboten, an andere Standorte der Gruppe zu wechseln. In dem Bereich arbeitet der Großteil der 550 Schwarz-Cranz-Beschäftigten. Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens wird zum Jahresende eingestellt. 

Tadano Demag legt Sanierungsplan vor

Die Kranhersteller Tadano Demag und Tadano Faun, die sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren wollen, haben ihren Sanierungsplan beim Amtsgericht Zweibrücken eingereicht. Zu Jahresanfang 2021 soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden.

Die japanische Muttergesellschaft Tadano steht dem Unternehmen zufolge „in engem und kontinuierlichem Austausch mit dem Management ihrer deutschen Töchter“. Das Unternehmen soll dem Sanierungsplan zufolge „in allen wesentlichen Bereichen“ restrukturiert werden. Unter anderem will die Geschäftsführung die Organisation neu ausrichten und das Produktportfolio modernisieren. Die Abläufe zwischen den Standorten Zweibrücken und Lauf sollen besser aufeinander abgestimmt und damit effizienter werden.

Als Generalbevollmächtigten (CRO) begleitet Martin Mucha (Grub Brugger) das Management. Arndt Geiwitz (SGP Schneider Geiwitz & Partner) ist Sachwalter des Verfahrens. Ein erster Abstimmungstermin mit der Gläubigerversammlung wird voraussichtlich in der zweiten Februarhälfte stattfinden. Die Geschäftsführung geht derzeit davon aus, das Schutzschirmverfahren zum Ende des ersten Quartals 2021 verlassen zu können.

Für Tadano ist diese Entwicklung bitter. Die Japaner hatten erst im Februar 2019 das Mobilkrangeschäft von Demag inklusive der Fertigung in Zweibrücken übernommen und damals 215 Millionen US-Dollar an den Verkäufer Terex gezahlt.

Arlington Germany wird auf Kern beschränkt

Der Automobilzulieferer Arlington Germany soll nach der Insolvenz in Eigenverwaltung als Teil einer restrukturierten Arlington Gruppe weiterbestehen. Das Unternehmen soll sich künftig auf das Kerngeschäft mit Thermostaten für Autos konzentrieren. Die Übertragung auf die Erwerbergesellschaft im Rahmen eines Asset Deals soll bis Ende Januar 2021 vollzogen werden. Alter wie neuer Eigentümer ist Berichten zufolge der US-Investor Cartesian Capital. Arlington Germany ist Teil der britischen Arlington Industries Group, die ebenfalls ein Insolvenzverfahren durchläuft.

Laut CRO Christian Stoffler (Kanzlei Gerloff Liebler) sichert die nun gefundene Lösung für den deutschen Teil „den Großteil der Arbeitsplätze“. Die ursprünglich zum Unternehmen gehörende Borg-Warner-Ventilproduktion nebst einer Produktionsstätte wurde inzwischen geschlossen, 61 Arbeitsplätze sind dadurch weggefallen. Die deutsche Gesellschaft beschäftigt nun noch rund 280 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Christian Schmitt (Gerloff Liebler) ist Generalbevollmächtigter des Unternehmens, Sachwalter in dem Verfahren ist Holger Leichtle (Görg). Den Investorenprozess leitete Ernst & Young. Künftig sollen auch im Kerngeschäft Funktionen zusammengelegt und Managementebenen gestrichen werden, um die Kosten zu senken. Dentons hat die Transaktion rechtlich beraten. 

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Hundhausen findet im zweiten Anlauf Käufer

Das Gießereiunternehmen Walter Hundhausen ist im zweiten Anlauf aus der Insolvenz heraus verkauft worden: Käufer ist der Gussteilhersteller Beinbauer Group, der mehrheitlich im Besitz des Finanzinvestors H.I.G. Capital ist. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, die Transaktion soll im Laufe des ersten Quartals 2021 abgeschlossen werden und würde 380 Arbeitsplätze sichern.

Insolvenzverwalter Dirk Andres (Andres Partner) hatte ursprünglich Ende August den Verkauf an CE Capital Partners im Zuge eines Assets Deals verkündet, die Transaktion scheiterte anschließend jedoch. Gründe dafür wurden nicht bekannt. Durch den Zusammenschluss mit Beinbauer soll nun ein integrierter Zulieferer entstehen, der die gesamte Wertschöpfungskette von Guss über Bearbeitung bis hin zur Beschichtung abdeckt. Die Investorensuche leitete die Beratungsgesellschaft Starkpartners. H.I.G. Capital hat in einer Mitteilung angekündigt, in den kommenden Jahren „signifikante Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe“ zu planen.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Einzelhandelskette Spiele Max will sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren. Torsten Martini von der Kanzlei Leonhardt Rattunde wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Das Unternehmen hatte durch Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie Umsatzeinbußen zu verkraften. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 600 Mitarbeiter in etwa 70 Filialen und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Sanierungsbevollmächtigter ist Andreas Kleinschmidt (White & Case).

Der Beschichtungsspezialist KSI will sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren. Dem Unternehmen mit 185 Mitarbeitern drohte die Zahlungsunfähigkeit. Steffen Rauschenbusch von der Kanzlei Ernestus begleitet das Unternehmen als Generalbevollmächtigter. Thomas Oberle (Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz) wurde vom Amtsgericht Ludwigshafen zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Das Unternehmen war durch hohe Investitionskosten in neue Technologien und einen Absatzeinbruch in Schieflage geraten und soll nun über einen Sanierungsinsolvenzplan neu ausgerichtet werden. Diesen begleitet die Unternehmensberatung Bachert & Partner. Parallel laufen Gespräche mit möglichen Investoren. 

Der Heilbronner Werkzeughersteller Tianjin Motor Dies Europe (TQM) mit 150 Mitarbeitern hat Insolvenzantrag gestellt. Dietmar Haffa von Schultze & Braun ist vorläufiger Insolvenzverwalter. Laut Unternehmen haben Umsatzrückgänge wegen Überkapazitäten in der Werkzeugbaubranche zu Verlusten und zur Zahlungsunfähigkeit geführt. Ein Investorenprozess soll nun neue Geldgeber bringen. Tianjin Motor Dies Europe wurde 2013 gegründet und übernahm damals den Geschäftsbetrieb des insolventen Werkzeugbauers GIW.

Das Nürnberger Sicherheitsunternehmen Engelhardt & Co. Sicherheit mit 289 Mitarbeitern hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt. Elske Fehl-Weileder von Schultze & Braun ist vorläufige Insolvenzverwalterin. Ursache der wirtschaftlichen Schwierigkeiten seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Veranstaltungsbereich, die dem Sicherheitsdienst Umsatzrückgänge von 80 Prozent einbrockten. Ziel ist der Erhalt des Unternehmens, auch der Einstieg eines Investors ist Fehl-Weileder zufolge möglich. Erste Gespräche mit Interessenten gebe es bereits.

Das auf Weihnachtszubehör spezialisierte Unternehmen Käthe Wohlfahrt will sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren. Das Unternehmen mit rund 280 Mitarbeitern war unter anderem durch die Absage von Weihnachtsmärkten in Bedrängnis geraten. Im Zuge der Restrukturierung soll die Struktur der Verkaufsstellen und Filialen überprüft werden, außerdem will das Unternehmen Prozessabläufe verbessern und mehr Umsatz im E-Commerce erzielen. Matthias Kühne (Kanzlei Nickert) unterstützt die Geschäftsführung im Verfahren, Sachwalter ist Volker Böhm (Schultze & Braun). Die Beratungsgesellschaft Struktur Management Partner (Leitung Georgiy Michailov) begleitet die Umsetzung des Sanierungskonzepts.

Der Pflegeheimbetreiber Dr. Wiesent Sozial hat Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Das Unternehmen war früher unter dem Namen „Senivita Sozial“ bekannt und hatte zur Finanzierung unter anderem auch Mittelstandsanleihen genutzt. Die aktuelle Anleihe notiert nur noch bei 5 Prozent ihres Nennwerts. Hubert Ampferl von der Kanzlei Dr. Beck & Partner wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufen. Die sechs Pflegeeinrichtungen für Senioren sowie für Kinderkrankenpflege und Behindertenhilfe in Nordbayern werden weitergeführt. Ampferl will nun die finanzwirtschaftlichen Strukturen des Unternehmens neu ausrichten. Bis Mitte März soll dies abgeschlossen sein.

Der Reiseanbieter East Asia Tours hat Insolvenzantrag gestellt. Insolvenzverwalter ist Christoph Rosenmüller von der Kanzlei Kühnel, Rosenmüller & Kollegen. Der Fernreiseanbieter war gut 30 Jahre lang am Markt aktiv. 

Distressed M&A-Deals

Die DS Unternehmensgruppe aus Stapelfeld bei Hamburg übernimmt den insolventen Grillhersteller Landmann. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, die Transaktion soll im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden. Landmann beschäftigt rund 200 Mitarbeitende und erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von rund 60 Millionen Euro. DS wurde bei der Transaktion zur Due Diligence und den steuerlichen Aspekten von PwC beraten. Insolvenzverwalter von Landmann ist Malte Köster (WillmerKöster), beraten wurde er von der Kanzlei Grub Brugger.

Der Geschäftsbetrieb des Spritzgussherstellers Bock aus Baden-Württemberg geht zum Jahreswechsel an das Unternehmen Plastium über. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Laut Insolvenzverwalter Florian Schiller (Pluta) sichert die Transaktion rund 40 Arbeitsplätze, 35 Mitarbeitern erhielten betriebsbedingt die Kündigung. Als Interimsmanager begleiteten Helmuth Rauscher und Fredrik Ljungman von Acta Management das Unternehmen durch den Prozess. 

Insolvenzverwalter Michael Jaffé (Jaffé Rechtsanwälte) hat einen weiteren Teil des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard verkauft. Der südafrikanische Anbieter Adumo übernimmt Wirecard Solutions South Africa, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Wirecard Technologies. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht genannt. Der Verkauf von Wirecard Südafrika beinhaltet auch die Wirecard Payment Services Namibia, die Aufsichtsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Das erste Tochterunternehmen der Wurzel Mediengruppe ist verkauft worden: Die Verlagsgruppe Wort & Bild, zu der unter anderem die „Apotheken Umschau“ gehört, übernimmt die auf Apothekenmarketing spezialisierte Werbeagentur Markom. Diese wird in das Gruppenunternehmen Isartal Health Media integriert. Mehrere Unternehmen der Wurzel Mediengruppe hatten Anfang November Insolvenzanträge gestellt, vorläufiger Insolvenzverwalter ist Dietmar Haffa von Schultze & Braun.

Die Hair & More Friseurbetriebe haben bundesweit Salons der bundesweiten Friseurkette C&M Company aus der Insolvenz übernommen und führen sie unter ihrer Marke „Loom Hairstyle + Kosmetik“ weiter. Dadurch bleiben 57 Salons und 340 Arbeitsplätze erhalten. Zuvor wurden im Zuge der Sanierung 16 nicht rentable Salons geschlossen, 44 Beschäftigte mussten das Unternehmen verlassen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Insolvenzverwalter war Jens-Sören Schröder (Johlke Niethammer).

Der Windanlagenbauer Senvion, der im Frühjahr 2019 Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hat, hat den Geschäftsbetrieb der Tochter Senvion India an die Global Renewable Energy Development Holding Company verkauft. Senvion steht derzeit unter Führung der Sanierer Thorsten Bieg und Gerrit Hölzle (beide Görg). Die Transaktion wurde rechtlich von DLA Piper und Cyril Amarchand Mangaldas beraten, als M&A-Berater war Rothschild mandatiert. Zu Beginn dieses Jahres hat Senvion bereits das europäische Onshore-Service-Geschäft an Siemens Gamesa verkauft.

Der Geschäftsbetrieb von Eisenmann Lactec wird im Zuge einer übertragenden Sanierung an das Unternehmen Xtrapart verkauft. Laut Insolvenzverwalter Joachim Exner (Dr. Beck & Partner) sollen der Standort in Rodgau sowie „ein wesentlicher Teil der Arbeitsplätze“ erhalten bleiben. Der Lackiertechnikbetrieb war Ende Juli 2019 im Zuge der Eisenmann-Konzerninsolvenz in Schieflage geraten, im Oktober 2019 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. 

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Personaldienstleister Fair Personal + Qualifizierung hat die Insolvenz in Eigenverwaltung abgeschlossen. Der Insolvenzplan wurde Ende September rechtskräftig. Sachwalter in dem Verfahren war Stefan Meyer (Pluta). Eric Coordes (Mönig Wirtschaftskanzlei) begleitete das Verfahren als Sanierer. Das Unternehmen hatte durch den Lockdown im Frühjahr starke Umsatzverluste erlitten und im Mai die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.

Die Gläubigerversammlung des Unternehmens ZIM Flugsitz hat dem Insolvenzplan zugestimmt. ZIM war erst zu Jahresanfang mehrheitlich an den Turnaround-Investor Aurelius verkauft worden und durchläuft seit dem Sommer eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Mit Annahme des Insolvenzplans kann das Verfahren abgeschlossen werden. Die Arbeitsplätze am Hauptstandort in Markdorf am Bodensee bleiben nach der Restrukturierung erhalten, verkleinert wurde dagegen der Produktionsstandort in Schwerin. In Markdorf haben ein Effizienzprogramm und effizientere Prozesse zu Einsparungen geführt. ZIM Flugsitz beschäftigt nun rund 150 Mitarbeiter in Deutschland, davon rund 130 Mitarbeiter in Markdorf. CRO des Unternehmens war Jochen Glück (Pluta), Maximilian Pluta beriet ZIM Flugsitze. Sachwalter des Verfahrens war Martin Mucha (Grub Brugger).

Die Rückübertragung des Modeherstellers Escada an den Vorbesitzer Regent ist abgeschlossen. Wie Insolvenzverwalter Christian Gerloff (Kanzlei Gerloff Liebler) mitteilte, werden durch den Asset Deal 76 der rund 180 Arbeitsplätze erhalten. Teile der Zentralverwaltung und ein Geschäft in München führt der neue Besitzer weiter, die weiteren Aktivitäten von Escada in Deutschland stellt er zum 28. Februar ein. Allen & Overy hat den Insolvenzverwalter bei der Transaktion beraten, Regent wurde von Taylor Wessing begleitet.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Der Autozulieferer Benteler ist bei seiner Restrukturierung vorangekommen: Das Unternehmen hat sich mit Geldgebern auf eine Refinanzierung mit einer Laufzeit bis Ende 2024 geeinigt. KfW-Kredite würden dabei nicht in Anspruch genommen, teilte der Konzern mit. Details zum Kreis der Finanzierungspartner sowie zu Umfang und Konditionen der Refinanzierung nannte das Unternehmen nicht, Medienberichten zufolge geht es um rund 30 Banken und eine Schuldenlast von rund 1,8 Milliarden Euro. Berichten zufolge drückt Benteler eine Schuldenlast von rund 2 Milliarden Euro, die vorwiegend an der in Salzburg ansässigen Holding hängen sollen. Benteler durchläuft bereits seit 2018 eine Restrukturierung.

Die Commerzbank verbucht im vierten Quartal 2020 weitere Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen über insgesamt 610 Millionen Euro. Diese beziehen sich auf den Abbau von 2.300 Vollzeitstellen bis 2024. Im dritten Quartal dieses Jahres waren bereits Restrukturierungsrückstellungen über rund 200 Millionen Euro für ein Altersteilzeitprogramm abgebildet worden. Die Bank hatte bereits im September 2019 angekündigt, insgesamt 4.300 Vollzeitstellen einsparen zu wollen. Details zu weiteren Restrukturierungsplänen will die Commerzbank in den kommenden Monaten bekanntgeben.

Die Gläubiger von Eterna Mode haben einer Verlängerung der 2022 auslaufenden Mittelstandsanleihe über 25 Millionen Euro bis zum Juni 2024 zugestimmt. Die Laufzeit eines Schuldscheindarlehens über 25 Millionen Euro, das zunächst bis September 2021 prolongiert worden war, verlängert sich bis Juni 2023. Heuking Kühn Lüer Wojtek hat die Transaktion rechtlich begleitet, weitere Berater waren One Square Advisors, die IR-Agentur Cometis sowie für die Versammlungsabwicklung Link Market Service. Auf der zweiten Gläubigerversammlung waren 33,5 Prozent der Gläubiger anwesend, knapp 98 Prozent von ihnen votierten für die Verlängerung.

Der Rasenmäherhersteller Sabo wird in Gummersbach rund 30 der insgesamt 120 Stellen abbauen, um die Restrukturierung voranzutreiben. Die Betroffenen, die im Backoffice, der Verwaltung und zum Teil in der Produktion arbeiten, wechseln im Januar für neun bis zwölf Monate in eine Transfergesellschaft. Sabo war erst vor wenigen Monaten von John Deere an Mutares verkauft worden.

Gegen das erste Unternehmen der Mobilfunkgruppe Philion, die Strategie- und Managementholding Philion SE, wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Die operativen Unternehmen Fexcom sowie One Brand Solutions befinden sich noch im vorläufigen Verfahren. Verwalter für alle drei Unternehmen mit insgesamt rund 400 Beschäftigten ist Joachim Voigt-Salus von der gleichnamigen Kanzlei. Simon Leopold (ABG Consulting-Partner) begleitet die operative Sanierung der Filialisten und den M&A-Prozess. Gespräche mit strategischen Investoren liefen bereits. Im Miet- und Arbeitsrecht berät Stefan Ettelt (Kanzlei Kulitzscher & Ettelt) die Geschäftsleitung und Insolvenzverwaltung. Auch der ehemalige Fexcom-Gesellschafter Frank Demmler begleitet den Sanierungsprozess.

Im vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung des Flughafens Paderborn-Lippstadt hat das Gericht den vorläufigen Insolvenzplan gebilligt. Am 29. Januar sollen die Gläubiger über den Plan abstimmen. Geht er durch, könnte die Eigenverwaltung im Frühjahr 2021 enden. Der jährliche Zuschuss der Gesellschafter soll von bis zu 5 Millionen Euro auf maximal die Hälfte sinken, die Belegschaft schrumpft von 170 auf voraussichtlich 65 Mitarbeiter. Anstelle von zuvor 700.000 Fluggästen soll der Airport etwa 300.000 Passagiere im Jahr befördern. Generalbevollmächtigter des Flughafens ist Yorck Streitbörger von der Wirtschaftskanzlei Streitbörger.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Tobias Hartwig übernimmt die Leitung des Standorts Hannover bei Schultze & Braun. Hartwig wird regelmäßig in Niedersachsen, Brandenburg und Berlin als Insolvenzverwalter bestellt und leitet bereits das Büro in Braunschweig. Im Bank- und Kapitalmarktrecht verstärkt Martin Kropp das Team in Hannover, er war zuvor unter anderem für die Kanzlei Luther tätig. 

Alvarez & Marsal befördert Managing Director Patrick Siebert zum Co-Chef in Deutschland. Zusammen mit Jürgen Zapf und Bob Rajan wird er das Deutschlandgeschäft von A&M leiten. Die Personalie sei eine Reaktion „auf die zunehmende Bedeutung von Beratungsleistungen im Bereich komplexer Unternehmenstransformationen“, teilte das Beratungshaus mit. Siebert war seit Herbst 2016 Managing Director im Bereich Corporate Transformation Services. Zuvor war er bei KPMG Restructuring.

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