Alexander Dolls Kampf bei der Bahn, Knobels Aufstieg zum Henkel-Chef und Jan Kempers Wechsel in die Start-up-Szene: Das Jahr 2019 hatte einige spannende CFO-Wechsel parat.

Deutsche Bahn/Henkel/FINANCE-TV/Collage FINANCE

03.01.20
CFO

Das waren die spektakulärsten CFO-Wechsel 2019

Pleiten, Aufstiege und Intrigen – das Jahr 2019 hatte von allem was zu bieten. Ein Rückblick auf die spektakulärsten CFO-Wechsel des vergangenen Jahres.

Platz 5: Hans-Jürgen Wiecha: Krisenarbeit bei Senvion

Anfang Februar trat Hans-Jürgen Wiecha das Amt beim krisengeplagten Windanlagenbauer Senvion an – und einen erfahrenen CFO konnte das Unternehmen gut gebrauchen: Der Preisverfall in der Windbranche traf Senvion besonders hart. Auch die Berufung von Neil Robson als Chief Restructuring Officer brachte nicht die erhoffte Wende: Senvion meldete Anfang April Insolvenz an.

Allerdings gelang es dem neu formierten Managementteam des Windanlagenbauers um CFO Wiecha im Frühjahr, dem Unternehmen einen Massekredit über 100 Millionen Euro zu sichern und den Betrieb damit am Laufen zu halten. Eine neue Perspektive eröffnete sich im Herbst: Nach M&A-Verhandlungen übernahm der deutsch-spanische Konkurrenten Siemens Gamesa wesentliche Teile Senvions.

Platz 4: Helen Giza: Zeitenwende bei FMC

Nach über 20 Jahren bei Fresenius und fast zehn Jahren als Finanzchef des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care verkündete Michael Brosnan im Februar 2019 seinen Abschied: „Meine Karriere bei Fresenius Medical Care war ein erfüllender, aber auch herausfordernder Abschnitt meiner beruflichen Laufbahn“, sagte er. Brosnan begann seine Fresenius-Karriere 1998 bei Spectra Renal Management, dem Labordienstleistungsgeschäft von FMC Nordamerika, als Vice President für Finanzen und Administration. 2003 wurde er CFO von FMC Nordamerika und stieg zum Jahresanfang 2010 zum Finanzvorstand der Konzernmutter Fresenius Medical Care in Bad Homburg auf.

Für das Fresenius-Urgestein kam die US-Amerikanerin Helen Giza auf den CFO-Posten. Sie wechselte zum 1. November von der US-Tochter des japanischen Pharmaunternehmens Takeda, wo sie als Finanzchefin und seit 2018 als Chief Integration and Divestiture Management Officer für den gesamten Takeda–Pharmaceuticals-Konzern tätig war.

Mit Gizas Berufung steigt die Zahl an weiblichen CFOs im Dax auf immerhin fünf. In einem Report der Allbright-Stiftung vom September 2019 schneidet Deutschland schlecht ab: Beim Vergleich des Frauenanteils auf Vorstandsebene zwischen den USA, Schweden, Großbritannien, Frankreich, Polen und Deutschland der Allbright-Stiftung liegt Deutschland auf dem vorletzten Platz: Lediglich 14,7 Prozent der Vorstände sind weiblich, nur Polen schneide mit 13 Prozent schlechter ab. Berufungen nach dem 1. September 2019 sind darin allerdings noch nicht enthalten.

Platz 3: Jan Kemper: Von ProSiebenSat.1 zu Omio

Einen der Überraschungswechsel des Jahres 2019 lieferte der ehemalige ProSiebenSat.1-CFO Jan Kemper: Nach zwei Jahren als CFO von ProSiebenSat.1 tauschte er im April das Münchener Großkonzernleben gegen einen Job bei dem Berliner Reiseplattform-Start-up Omio. Omio betreibt eine App über die Nutzer Bahn-, Bus- und Flugverbindungen buchen können. Das Berliner Unternehmen beschäftigt 300 Mitarbeiter und ist damit wesentlich kleiner als Kempers bisherige Stationen, zu denen neben ProSiebenSat.1 auch das Vorzeige-Start-up Zalando zählt. Der größte Pluspunkt des Start-ups Omio für den promovierten Volkswirt: „Die Kombination aus dem Mobility-Sektor, plus dem inspirierenden Gründer Narem Shaam und Shareholdern, die bereit sind auch die nächsten Jahre zu finanzieren und diese Vision zu verwirklichen, das hat mich gereizt.“

Einen Nachfolger für Kemper hatte der als eigenwillig geltende ProSiebenSat.1-Chef Max Conze schnell gefunden: Der ehemalige CFO des Verpackungskonzern Gerresheimer, Rainer Beaujean, ist seit dem 1. Juli Finanzchef des MDax-Konzerns.

Platz 2: Carsten Knobel: Vom CFO zum Henkel-Chef

In den vergangenen Jahren haben immer mehr CFOs den schwierigen Schritt an die Konzernspitze gesucht. Mit Carsten Knobel traut sich nun der nächste Finanzchef an die Unternehmensführung: Er übernahm am 1. Januar die Verantwortung für den Konsumgütergiganten Henkel als Vorstandsvorsitzender.

Knobels wichtigste Aufgabe: Trotz schwieriger gesamtwirtschaftlicher Lage und einer Gewinnwarnung muss er Henkels digitale Transformation weiter vorantreiben. Die erste Digitalisierungsinitiative hatte noch Knobels Vorgänger Hans Van Bylen angestoßen. Bereits seit Oktober ist der Neu-CEO für die Digitalisierung des Düsseldorfer Unternehmens verantwortlich: Im Zuge der Berufung des neuen Chief Digital & Information Officer Michael Nilles übernahm Knobel die Zuständigkeit für diesen Bereich.

Nach dem Abschied von Henkel-Urgestein Hans Van Bylen, der rund 35 Jahre bei dem Dax-Konzern arbeitete, übernimmt mit Knobel wieder ein Henkel-Eigengewächs die Unternehmensverantwortung: Der 50-Jährige begann seine berufliche Karriere 1995 als Vorstandsassistent bei Henkel. Nach Stationen im Controlling, M&A und dem operativen Geschäft stieg er 2006 zum Leiter Konzernstrategie und Konzern-Controlling auf, 2012 wurde er zum CFO berufen.

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Carsten Knobel, Henkel AG

Carsten Knobel startet seine berufliche Karriere 1995 als Assistent des damaligen Forschungsvorstands bei Henkel. Es folgt der Wechsel ins Controlling, wo er einige Jahre das internationale Marketing-Controlling der strategischen Geschäftseinheit Haar im Unternehmensbereich Kosmetik und Körperpflege (heute Beauty Care) leitet. Von 2000 bis 2002 ist Knobel innerhalb des Kosmetik-Geschäfts für das Controlling in den Regionen Nordamerika, Lateinamerika und Asien zuständig. 2002 verantwortet er als International Marketing Manager die Schwarzkopf-Marke Taft. 2003 wird er Direktor für Business Development im Geschäftsbereich Kosmetik und Körperpflege.

Ab 2006 leitet Knobel als Corporate Vice President die Konzernstrategie und das Konzerncontrolling von Henkel. 2009 steigt er zum Corporate Senior Vice President auf und übernimmt zusätzlich die Funktion des Finanzdirektors für den Unternehmensbereich Kosmetik und Körperpflege. Im Juli 2012 wird Carsten Knobel als CFO in den Vorstand berufen. Dort verantwortet er neben dem Unternehmensbereich Finanzen auch die Bereiche Einkauf und Integrated Business Solutions. Im Oktober 2019 wird Knobel zum Henkel-Chef befördert, seinen Posten tritt er im Januar 2020 an.

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Und auch bei der Nachfolge auf der Position des CFO bleibt Henkel seiner Strategie treu: Mit Marco Swoboda wurde wieder ein Eigengewächs Finanzchef: Er übernahm zum 1. Januar das Finanzressort. Swoboda ist seit 23 Jahren bei Henkel und verantwortete in dieser Zeit unter anderem die weltweite Finanzorganisation sowie die Bereiche Corporate Accounting, Beteiligungscontrolling sowie Corporate Finance/Treasury.

Platz 1: Alexander Doll: Messerwetzen bei der Bahn

Am Ende wurde ihm wohl der Deal zum Verhängnis, der ihn überhaupt zur Bahn gebracht hatte: Bahn-CFO Alexander Doll hatte noch als Deutschland-Chef von Barclays die Übernahme der britischen Arriva durch die Deutschen Bahn begleitet, nun möchte der Konzern sich von Arriva trennen, doch der jüngste Verkaufsprozess scheiterte. Die Bahn erhoffte sich Verkaufserlöse von 4 Milliarden Euro – dem Vernehmen nach sollen die Gebote nur bis 2 Milliarden Euro betragen haben. 

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Alexander Doll, Deutsche Bahn AG

Alexander Doll entwickelt sich auf einem untypischen Weg in den Finanzbereich: Nach dem Abitur studiert er Philosophie und Biologie. Darauf folgen eine Ausbildung zum Bankkaufmann und ein betriebswirtschaftliches Studium, das er mit einem MBA in Atlanta abschließt. Nebenbei arbeitete er als Kofferboy und Komparse an der Oper.

Nach dem Berufsstart bei Lehman Brothers in New York arbeitet Alexander Doll von 2001 an acht Jahre lang als Managing Director bei der Schweizer UBS. 2009 wechselt er zur Investmentbank Lazard, für die er die nächsten Jahre weltweit die Bereiche Transport und Logistik leitet. 2013 wird Doll Chef des Deutschlandgeschäfts der britischen Großbank Barclays. Nach fünf Jahren in dieser Position folgt im April 2018 der Wechsel zur Deutschen Bahn, wo er für die Bereiche Güterverkehr und Logistik verantwortlich zeichnet. Im Januar 2019 übernimmt er zusätzlich die Position des CFOs. Im November 2019 wird öffentlich, dass Doll die Deutsche Bahn zum Ende des Jahres verlassen wird. Wohin es ihn zieht, ist nicht bekannt.

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Dolls Abgang waren Wochen öffentlich ausgetragener Streitereien, Machtspiele und Intrigen vorausgegangen. Er solle die Aufsichtsräte zu spät über Probleme beim Arriva-Verkauf informiert haben, lautete ein Vorwurf an Doll. Andere Stimmen sagen dagegen, Doll habe bei der Vendor Due Diligence des Arriva-Deals Ungereimtheiten entdeckt. Der Konzern war zuletzt beispielsweise wegen dubioser Beraterverträge mit Ex-Managern der Bahn in Erklärungsnot geraten.

Im Aufsichtsrat erhielt der ehemalige Investmentbanker zuletzt sogar unerwartete Unterstützung von den Arbeitnehmervertretern, doch genützt hat es wenig: Doll hat den Machtkampf verloren. Medienberichten zufolge soll er sich seine Vertragsauflösung zum Jahresende einiges haben kosten lassen: Im Raum steht ein siebenstelliger Betrag. Sein Nachfolger wird nun zum 1. Februar 2020 der promovierte Jurist Levin Holle, ehemaliger Berater der Boston Consulting Group und zuletzt Abteilungsleiter im Finanzministerium. Holle kennt den Staatskonzern gut: Er sitzt seit einiger Zeit im Aufsichtsrat der Bahn.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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