Hat bereits genug vom Reisekonzern: Tui-CFO Birgit Conix

Tui AG

07.10.20
CFO

Tui-CFO Birgit Conix geht von Bord

Nach nur zwei Jahren und inmitten der Krise macht Tui-Finanzchefin Birgit Conix Schluss beim Reisekonzern. Ihr Nachfolger ist ein alter Weggefährte des Konzernchefs.

Abschied nach gerade mal zwei Jahren: Tui-Finanzchefin Birgit Conix hört zum Jahresende auf. Wie der Reisekonzern am heutigen Mittwochmorgen bekanntgab, soll sich die 54-Jährige bereits im Sommer zu diesem Schritt entschlossen haben. Für die Belgierin übernimmt ab Januar der langjährige Tui-Manager Sebastian Ebel den CFO-Posten.

„Vom Flugverbot für die Boeing 737Max bis zur Pandemie waren es keine leichten Jahre. Umso mehr weiß ich ihr großes Engagement und ihre Leistung zu schätzen“, lobte Tui-Aufsichtsratschef Dieter Zetsche Birgit Conix. Auch Tui-Chef Fritz Joussen dankte seiner Vorstandskollegin für ihren Einsatz in schwieriger Zeit. Sie habe in der Krise Finanzierungen und Liquidität auf ein sicheres Fundament gestellt, so Joussen.

Schwierige Zeit für Birgit Conix

Schon kurz nachdem Birgit Conix im Oktober 2018 das Finanzressort vom langjährigen Finanzchef Horst Baier übernahm, tat sich bei dem Reisekonzern der erste Krisenherd auf: Aufgrund des Groundings der neuen Boeing 737-Jets musste Tui die Gewinnprognosen deutlich kappen. An den Verhandlungen mit Boeing über eine Kompensation des entstandenen Schadens, der rund eine dreiviertel Milliarde Euro erreicht haben dürfte, war Conix maßgeblich beteiligt.

Im Frühjahr kam es schließlich zu einer Einigung mit Boeing. Die Details der Vereinbarung blieben unter Verschluss, aber sie entlasteten die Tui-Bilanz um einen erheblichen dreistelligen Millionenbetrag – vor allem, indem der Konzern nun weniger neue Jets abnehmen und diese auch erst später bezahlen muss.

Vor allem forderte die Coronavirus-Krise Conix heraus: Ende März erhielt Tui die Zusage über einen KfW-Kredit in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Zu ihrem Krisenmanagement gehören auch der angekündigte Abbau von 8.000 Stellen sowie die Flottenverkleinerung und Standortschließungen bei der Fluggesellschaft Tuifly. Auch beim Vorstand selbst wurde der Rotstift angesetzt: Seit April verzichten die Manager bis auf weiteres auf 30 Prozent ihres Grundgehalts. Für Conix bedeutete dies monatliche Einbußen von über 17.000 Euro.

Im August bekam der strauchelnde Reisekonzern weitere Staatshilfen. Die verfügbare Liquidität stieg dadurch auf 2,4 Milliarden Euro an, was aber auch einen Preis hatte: Tui-Anleihegläubiger stimmten der Aussetzung der Begrenzung der Finanzverschuldung nur zu deutlich verbesserten Zinskonditionen zu. So muss Tui für seine 300 Millionen Euro schwere Anleihe neuerdings 9,5 statt 2,1 Prozent Zinsen zahlen. Aktuell wird auch über eine Kapitalerhöhung spekuliert.

FINANCE-Köpfe

Birgit Conix, TUI AG

Birgit Conix beginnt ihre berufliche Karriere bei dem Medienkonzern RLX Group als Financial Analyst. Nach einer dreijährigen Station als Interne Auditorin bei dem Autozulieferer Tenneco durchläuft Conix von 1996 bis 2011 verschiedene Management- und Führungspositionen beim Healthcare-Konzern Johnson & Johnson. Sie ist in der Zeit sowohl in der Pharma- als auch in der Medizintechniksparte des Konzerns in Europa, im Mittleren Osten und in Afrika tätig.

Von 2004 bis 2007 agiert sie als Vice President Finance der Konzerntochter Janssen Deutschland. Von 2011 an ist Conix Senior Finance Director Western Europe beim internationalen Brauereikonzern Heineken. Zwei Jahre später wechselt sie zur belgischen Telenet, wo sie als CFO das Finanzressort verantwortet. Im Oktober 2018 übernimmt Conix den CFO-Posten bei dem Reisekonzern TUI. Seit Juli des gleichen Jahres war sie bereits Teil des Vorstands. Anfang Oktober 2020 gibt das Unternehmen bekannt, dass sich Conix im Sommer dazu entschlossen habe, ihre Vertragslaufzeit nicht zu verlängern und das Touristikunternehmen zum Jahresende verlassen werde.

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Joussen-Vertrauter Sebastian Ebel wird CFO

Angesichts der Tatsache, dass die Finanzierungssituation des Konzerns nach wie vor prekär ist – CEO Joussen bezeichnet den Bedarf an „Balance-Sheet-Repair“ auf 1,5 Milliarden Euro – überrascht der Rückzug der Finanzchefin. Auch bei der Lufthansa warf im Frühjahr trotz schwieriger Lage CFO Ulrik Svensson das Handtuch.

Anders als Svensson wird Conix ihren Nachfolger bis zum CFO-Wechsel aber noch einarbeiten. Neuer Finanzchef wird Sebastian Ebel, der derzeit das Vorstandsressort „Holiday Experiences“ verantwortet, wo Tui seine Hotels, Kreuzfahrten und Zielgebietsaktivitäten bündelt.

Ebel ist ein altgedienter Tui-Manager, der in den Neunzigerjahren schon für den Vorgängerkonzern Preussag gearbeitet hat. Er war auch schon für die Töchter Tui Deutschland und Tuifly zuständig, hat aber auch viel Erfahrung in der Finanzabteilung gesammelt: Von 2003 bis 2006 führte er das Controlling des Reisekonzerns, danach wechselte als CFO und Chief Operating Officer (COO) zur Werkstattkette A.T.U., wo er fast drei Jahre blieb. Anschließend agierte er an der Seite des jetzigen Tui-Chefs Joussen zwei Jahre lang als Finanzvorstand von Vodafone Deutschland, bevor er 2013 zu Tui zurückkehrte.

Die beiden Manager scheint ein enges Verhältnis zu verbinden: „Zusammen haben wir viele gemeinsame Herausforderungen gestemmt. Ich freue mich, Sebastian Ebel künftig als CFO an meiner Seite zu haben“, kommentierte Joussen die Personalie.

M&A- und Strategiechef wird befördert

Einen großen Teil von Ebels Aufgaben wird der aktuelle Strategie- und M&A-Chef Peter Krüger übernehmen: Hotels, Kreuzfahrten und das Fluggeschäft. Seine Verantwortung für M&A behält Krüger auch weiterhin. Der Manager kam 2017 als Leiter Investor Relations und M&A von der Deutschen Bank zu Tui.

Sein größter M&A-Deal bei Tui bislang war der Verkauf der Kreuzfahrttochter Hapag-Lloyd an das Joint Venture Tui Cruises, das die Niedersachsen zusammen mit Royal Caribbean Cruises betreiben. Ziel dieses Deals war es, die Konzernbilanz zu entlasten und über den 50-Prozent-Anteil an Tui Cruises von den Synergien zu profitieren, die die Integration von Hapag-Lloyd erzeugen soll. Trotz der verheerenden Auswirkungen der Coronakrise auf das Kreuzfahrtgeschäft wurde der Deal wie geplant im Sommer vollzogen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Alles zur Karriere der scheidenden Tui-CFO finden Sie auf dem Köpfe-Profil von Birgit Conix. Wie der Konzern versucht, die Coronakrise zu überstehen, können Sie auf unserer Themenseite zu Tui nachlesen.

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