Der Kali- und Salzhersteller K+S will sein Geschäft in Nord- und Südamerika verkaufen, um seinen Schuldenberg zu drücken.

Svetlana Angelus/iStock/Getty Images

13.03.20
Deals

M&A-Deals: K+S, Infineon, Renk

K+S stellt sein Salzgeschäft ins Schaufenster, Infineon nimmt die nächste Hürde beim Cypress-Deal, und Triton will auch den Rest der VW-Tochter Renk: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

K+S will Salzgeschäft verkaufen

Neuaufstellung bei K+S: Der Kasseler Kali- und Salzkonzern will das Salzgeschäft in Nord- und Südamerika vollständig verkaufen. Einen Verkaufspreis nennt K+S nicht. Analysten schätzen jedoch, der geplante Verkauf könnte 2,2 Milliarden Euro in die Kassen von K+S spülen. Die Transaktion steht im Kontext einer umfassenden Restrukturierung, gemäß der sich die Kasseler nun auf das Hauptgeschäft mit Düngemitteln und Spezialitäten konzentrieren wollen.

Weiterer Kernaspekt der Restrukturierung: Die Kasseler müssen dringend Schulden abbauen. Die Nettofinanzverbindlichkeiten von K+S lagen zum Jahresende 2019 bei gut 3,1 Milliarden Euro. Der Verkauf des Salzgeschäfts und die umfangreiche Restrukturierung sollen die Verschuldung von K+S in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich um rund 2 Milliarden Euro senken.

Im Jahr 2019 erwirtschaftete K+S 4 Milliarden Euro, das ist nahezu so viel wie im vorangegangenen Geschäftsjahr. Das nun zum Verkauf stehende Salzgeschäft erzielte einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ebitda von 230 Millionen Euro. Den M&A-Deal will K+S noch in diesem Jahr abschließen.

CFIUS genehmigt Infineon-Cypress-Deal

Infineon nimmt eine wichtige Hürde bei der geplanten Übernahme von Cypress Semiconductor: Die für Auslandsinvestitionen zuständige US-Behörde CFIUS hat dem Münchener Chiphersteller grünes Licht für den Kauf des US-Konkurrenten gegeben. Damit ist der 9 Milliarden Euro schwere M&A-Deal allerdings noch nicht durch, denn die Genehmigung der chinesischen Behörde SAMR (State Administration for Market Regulation) steht noch aus. Infineon will die Transaktion zum Ende des ersten Quartals oder Anfang des zweiten Quartals dieses Jahres abschließen. Ursprünglich sollte die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte der Münchener schon zum Jahreswechsel über die Bühne gegangen sein.

In der vergangenen Woche sorgte ein Bericht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ für Unruhe bei Infineon. Die Agentur berichtete unter Berufung auf Insider, die Behörde CFIUS würde US-Präsident Donald Trump empfehlen, den Cypress-Deal zu untersagen. Die Begründung der Behörde gemäß Bloomberg: Sowohl Infineon als auch Cypress haben chinesische Kunden, die nach dem Deal möglicherweise Zugriff auf amerikanische Technologien hätten. Eigenen Angaben zufolge würde der Dax-Konzern nach der vollzogenen Übernahme zum achtgrößten Chiphersteller der Welt aufsteigen – in der Autoindustrie würde Infineon sogar zu künftigen Nummer eins.

Triton bietet Renk-Aktionären mehr als VW

Triton hat im Rahmen des öffentlichen Übernahmeangebots für die restlichen Anteile des VW-Großgetriebeherstellers Renk einen Kaufpreis bekanntgegeben: Wie der Private-Equity-Investor der Nachrichtenagentur „Reuters“ mitteilte, bietet er den Minderheitsaktionären 106,20 Euro je Renk-Papier. Dieser Betrag richtet sich nach dem gewichteten Drei-Monats-Kurs der Renk-Aktie. Die erste Annahmefrist läuft bis zum 19. Mai.

Ende Januar sicherte sich Triton die Mehrheit der VW-Tochter Renk. Für 76 Prozent der Anteile bezahlte der Private-Equity-Investor 530 Millionen Euro. Auf den Tisch legte der Finanzinvestor damals je Aktie allerdings weniger, als das Papier zu dem Zeitpunkt an der Börse wert war: Triton bezahlte 97,80 Euro je Aktie, der Kurs notierte da jedoch bei etwa 109 Euro. Heute ist das Papier rund 107 Euro wert. Der Mutterkonzern VW will sich auf sein Kerngeschäft fokussieren und sich in diesem Zuge von weiteren Geschäftsbereichen trennen, darunter von dem Großmotorenbauer MAN Energy Solutions.

Aktivist stört Villeroy & Boch

Anfangt dieses Jahres, nachdem verschiedene Medien über einen möglichen Deal berichtet hatten, gab der Keramikhersteller Villeroy & Boch bekannt, eine Übernahme des Wettbewerbers Ideal Standard zu überprüfen. Jetzt will der aktivistische Investor Lakestreet Capital den geplanten Deal vereiteln. „Wir lehnen den Erwerb der Ideal Standard ab – halten ihn sogar für ein existenzbedrohendes Risiko”, zitiert die Nachrichtenagentur „Reuters“ den Schweizer Investor.

Stattdessen fordert Lakestreet eine höhere Dividendenausschüttung an die Aktionäre – anstelle der geplanten 55 Cent je Stamm- und 60 Cent je Vorzugsaktie schlägt Lakestreet-Chef Christian Kappelhoff-Wulff 1,45 und 1,50 Euro für die jeweiligen Papiere vor. Hinter Ideal Standard stehen die Finanzinvestoren CVC und Anchorage.

Projektentwickler Nexity kauft Pantera mehrheitlich

Der französische Wohnimmobilienentwickler Nexity übernimmt die Mehrheit an dem Kölner Wettbewerber Pantera. Wie die Unternehmen bekannt gaben, beteiligt sich Nexity mit 65 Prozent. Pantera-Gründer und Vorstand Michael Ries behält die restlichen 35 Prozent. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Im Rahmen ihrer strategischen Kooperation wollen die Kölner auch sogenannte Serviced Apartments für Senioren anbieten. Aktuell umfasst das Portfolio von Pantera mehr als 2.500 Einheiten an 15 Standorten. Das Ziel der Kooperation mit den Franzosen: „Mit Nexity wollen wir unser Portfolio bis 2022 verdoppeln, auf dann mehr als eine Milliarde Euro”, so Ries. Nexity wurde bei dem Deal von der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg (Federführung: Michael Wiesbrock und Torsten Engers) begleitet.

OMV kauft und verkauft

Der österreichische Mineralölkonzern OMV erhöht seine Beteiligung an dem Wettbewerber Borealis auf 75 Prozent. Verkäufer der Anteile ist der arabische Staatsfonds Mubadala. Bislang hielt OMV 36 Prozent an Borealis. Mubadala wird nach dem Deal noch 25 Prozent an Borealis behalten. Der Kaufpreis liegt bei 4,7 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 4,2 Milliarden Euro). Mit dem Abschluss des Deals, der noch von Behörden genehmigt werden muss, rechnet OMV bis Ende 2020.

Zugleich starteten die Wiener den Verkaufsprozess für ihr Tankstellengeschäft in Deutschland, das 287 Tankstellen umfasst, sowie für Gas Connect Austria. An dem Spezialisten für Erdgas-Hochdruckleitungen hält OVM aktuell 51 Prozent, die die Österreicher an den Stromerzeuger Verbund verkaufen möchten. Hierzu sind die Unternehmen in exklusive Verkaufsverhandlungen getreten. Einen potentiellen Käufer für das deutsche Tankstellengeschäft nannte OMV nicht.

Berater-News

Die M&A-Boutique Parkview bestellt Gerhard Killat zum Senior Advisor. In dieser Funktion wird Killat aus dem Frankfurter Büro heraus öffentliche Übernahmen begleiten und bei Bewertungsfragen beraten. Zuvor war der Berater bei der Investmentbank Lazard in Deutschland tätig. Zu seinen weiteren Karrierestationen gehören Merrill Lynch und die Deutsche Bank. Beraten hat Gerhard Killat unter anderem bei dem Merger von Krupp und Thyssen und der Porsche-Übernahme durch Volkswagen.

Weitere Meldungen

Allianz übernimmt die Mehrheit an Controlexpert. Das Unternehmen mit Sitz im rheinländischen Langenfeld wickelt Gutachten, Kostenvoranschläge, Rechnungen und Wartungsbelege von Kfz-Schäden digital ab. Wie die Allianz mitteilte, wickelt sie den Deal über ihren Investmentarm Allianz X und in Zusammenarbeit mit der Allianz Deutschland ab. Verkäufer sind der Finanzinvestor General Atlantic sowie andere Anteilsinhaber. Zu finanziellen Transaktionsdetails wurden keine Angaben gemacht. Controlexpert behält neben dem Geschäftsmodell auch seine operative Eigenständigkeit sowie die Markenidentität. General Atlantic wurde von der Investmentbank GCA Altium finanziell und von der Kanzlei Milbank (Federführung: Sebastian Heim) rechtlich beraten.

Kühne + Nagel verkauft den Großteil seines britischen Kontraktlogistikgeschäfts an den Rivalen XPO Logistics. Wie Schweizer Logistikkonzern bekanntgab, trennt er sich in diesem Zuge von den Geschäftsfeldern Drinks Logistics, Food Services sowie Retail & Technology. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Mit dem Closing rechnen die Schweizer in der zweiten Hälfte dieses Jahres. Kühne + Nagel zufolge erzielte das Geschäft im Jahr 2019 einen Umsatz von rund 750 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 708 Millionen Euro) und beschäftigt rund 7.500 Mitarbeiter.

Rolf Elgeti hat seine Beteiligung an Francotyp-Postalia (FP) erneut aufgestockt: Wie der Frankiermaschinenbauer mitteilte, hält Elgeti über sein Investmentvehikel Obotritia Capital nun rund 28 Prozent der Anteile an FP. Zuvor war der Investor mit 20,7 Prozent bei den Berlinern beteiligt. Durch den Zukauf kratzt Elgeti nun an der 30-Prozent-Schwelle, ab der ein Pflichtangebot für FP fällig wäre. Der Unternehmer übt schon seit Monaten Druck auf den Frankiermaschinenbauer aus. Zuletzt eskalierte der Konflikt: Elgeti hatte zunächst den Abgang von FP-CEO und CFO Rüdiger Andreas Günther verlangt, woraufhin der FP-Aufsichtsrat Günther einen Aufhebungsvertrag anbot.

Nur gut eine Woche, nachdem er die Schwelle von 5 Prozent überschritten hat, hat der tschechische Investor Daniel Kretinsky bei ProSieben Sat.1 schon die nächste Meldeschwelle erreicht: Seine Beteiligung beträgt inzwischen mehr als 10 Prozent.

Der Bieterkreis um Wella verkleinert sich: Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ am Dienstag unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtete, sollen sich der Konsumgüterkonzern Henkel sowie der Private-Equity-Investor KKR noch im Rennen um die deutsche Haarpflegemarke befinden. Die Finanzinvestoren Advent und Cinven seien hingegen ausgeschieden. Der zur Milliardärsfamilie Reimann gehörende US-Kosmetikriese Coty hatte seine gesamte Sparte „Professional Beauty“, zu der auch Wella gehört, im Oktober vergangenen Jahres ins Schaufenster gestellt. Henkel wird dabei Interesse an Wella nachgesagt – die Düsseldorfer wollten sich seither aber nicht dazu äußern.

Im Rahmen einer kartellrechtlichen Auflage der Innogy-Übernahme muss sich Eon von seinem tschechischen Geschäft trennen. Jetzt buhlen offenbar vier tschechische Top-Milliardäre und ein Energieversorger um das tschechische Strom- und Gas-Endkundengeschäft der Essener. Wie das „Handelsblatt“ unter Bezug auf mit der Sache vertraute Personen berichtete, sind die Unternehmer Daniel Kretinsky, Petr Kellner, Karel Komareks und Pavel Tykac sowie der tschechische Energiekonzern Prazska energetika aufgefordert worden, bis Ende April verbindliche Angebote einzureichen. Mit der Organisation der Transaktion sei die BNP Paribas beauftragt. Die Sparte könnte eine Bewertung von 800 bis 900 Millionen Euro inklusive Schulden erzielen, was dem sechsfachen Ebitda-Multiple entspräche, so der Bericht weiter.

Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr übernimmt die Mehrheit an Techno-Step. Das Böblinger Unternehmen entwickelt Systeme zur Analyse von Prozessdaten, die in den Lackieranlagen von Autoherstellern zum Einsatz kommen. Techno-Step-Gründer Markus Schultheiß bleibt auch nach dem Abschluss der Transaktion Geschäftsführer. Zur genauen Höhe der Beteiligung sowie dem Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Böblinger Firma erzielte Dürr zufolge im Geschäftsjahr 2018/19 einen Umsatz von 3,5 Millionen Euro.

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RSBG will sich von seinen R. Stahl-Anteilen trennen: Wie aus einer Kapitalmarktmitteilung hervorgeht, will sich die Beteiligungsgesellschaft von ihren 14,25 Prozent trennen, nachdem ein Verkaufsangebot der Anteile an die Familienaktionäre von R. Stahl gescheitert war. RSBG ist eine Tochter der Kohlestiftung RAG.

Die Heristo-Gruppe trennt sich von ihrer Mehrheitsbeteiligung an Likemeat: Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, verkauft das Nahrungsmittelunternehmen seinen 51-prozentigen Anteil an dem Fleischersatzhersteller an die US-Firma Food United. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Mit dem Zukauf will Foods United im Markt für Fleischersatzprodukte ein „Beteiligungsportfolio entlang der gesamten Wertschöpfungskette“ aufbauen. Hinter der US-Firma steht der Schweizer Investor Blue Horizon. Heristo hatte 2016 die Mehrheit bei Likemeat übernommen. Beim Verkauf der Beteiligung wurde die Gruppe von Deloitte Legal (Federführung: Michael von Rüden) beraten.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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