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NRW verweigert Takko die Landesbürgschaft

Takko bekommt keine Landesbürgschaft vom Bund.
Roland Rampsch - stock.adobe.com

Schlechte Nachrichten für Takko: Der kriselnde Mode-Discounter erhält vom Bundesland NRW keine Landesbürgschaft, wie Takko am heutigen Montag mitteilte. Takko hatte im Februar um eine Bürgschaft gebeten, die Verhandlungen sind nun aber „de facto gescheitert“, meldet Takko.

Für Takko könnte die Absage für einen kurzfristigen Überbrückungskredit zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen. Der anhaltende Lockdown belastet das Unternehmen schwer und bringt Takko „in eine wirtschaftliche Extremsituation“, wie das Unternehmen selbst zugibt. So kostet der Lockdown den Mode-Discounter nach eigenen Angaben Woche für Woche 10 Millionen Euro. Allein im zweiten Lockdown habe die Firma nahezu 130 Millionen Euro an liquiden Mitteln verloren.

Die eigene wirtschaftliche Verfassung vor der Coronakrise bezeichnet Takko als „kerngesund“, weshalb das Unternehmen die Verweigerung der Landesbürgschaft nicht nachvollziehen kann. „Ich bin mehr als enttäuscht darüber, dass uns das Land NRW in dieser Situation nicht unterstützt. Wir sind unverschuldet in diese Lage geraten. Die Bürgschaft hätte uns als profitables Unternehmen wieder Luft zum Atmen verschafft, um kurzfristig die operativen Kosten zu decken. Um mehr wäre es nicht gegangen“, beklagt sich Karl-Heinz Holland, Beiratsvorsitzender und Interims-CEO.

Den schwarzen Peter schiebt Takko nicht nur dem Land NRW, sondern explizit auch dem Big-Four-Haus PwC zu. NRW hat PwC beauftragt zu prüfen, ob Takko eine Bürgschaft gewährt werden kann. Die von PwC auferlegten Bedingungen für die Bürgschaft seien nach intensiven Verhandlungen mit Banken, Investoren und Partnern aber „unerfüllbar“ gewesen, behauptet Takko.

Takko braucht frisches Geld

Jetzt will sich der Mode-Discounter um andere Lösungen bemühen, „um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern“. Viele Möglichkeiten, um an frisches Geld zu kommen, hat Takko nicht. Takko hat bereits Anleihen ausstehen, doch das bedeutet nicht zwingend, dass der Konzern auch jetzt aktuell noch einen Zugang zum Kapitalmarkt hat. Schon nach dem ersten Lockdown im Mai hatte Takko die vierteljährliche Zinszahlung für die 285 und 225 Millionen Euro schweren Anleihen zwischenzeitlich ausgesetzt, der Anleihekurs stürzte daraufhin auf unter 20 Prozent vom Nennwert ab. Bis Januar erholte er sich wieder bis auf 90 Prozent, doch nun droht der nächste Absturz, ausgehend von einem Kursniveau knapp über 80 Prozent.

Zusätzlich belastet wird Takkos Standing am Kapitalmarkt von den undurchsichtigen Vorgängen im Hintergrund. Im Sommer kam es zu einem Tauziehen zwischen den Bondholdern und den Anteilseignern Arnold und Alexander Matschull, die beide – Vater und Sohn – CEO von Takko waren. Im Sommer unterbreiteten sie den Anleihegläubigern mehrere Übernahmeangebote, die die Gläubiger jedoch als unangemessen empfanden. Erst ein Eingreifen von Haupteigentümer Apax beruhigte die aufgeheizte Stimmung. Im August nahm Takko die Zinszahlungen wieder auf, doch eine Lösung für die angespannte Finanzlage wurde seitdem nicht gefunden.

Fehlt Takko eine Hausbank?

Dass sich die Lage jetzt derart zuspitzt und Nordrhein-Westfalen Takko nicht zur Seite springen will, könnte an den beteiligten Personen und der Finanzierungsstruktur des Modehändlers liegen. Generell sind die KfW und die öffentliche Hand zurückhaltend, hoch verschuldeten Unternehmen unter die Arme zu greifen, wenn auf der Eigentümerseite ein finanzkräftiger Private-Equity-Investor steht.

Gleichzeitig benötigt jede Rettungsfinanzierung abseits des Kapitalmarkts eine Hausbank, die einen Teil des Kreditrisiko übernimmt. Da sich Takko bei seiner langfristigen Finanzierung seit langem stark auf den Bondmarkt stützt, könnte es an einer Hausbank mangeln, die bei Takko im Fall einer Insolvenz viel zu verlieren hätte.

CFO Andreas Silbernagel lässt sein Amt ruhen

Nicht nur finanziell kommt Takko in Bedrängnis, auch auf der Personalseite ist der Textilhändler in Bewegung. So wechselte das Unternehmen im Januar seine Führung aus und hat derzeit nur interimistisch einen CEO und CFO. Karl-Heinz Holland, der vorher Vorsitzender des Takko-Beirats war, übernahm zunächst für Alexander Matschull, der Takko auf eigenen Wunsch hin verließ. Auch CFO Andreas Silbernagel lässt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen bis auf Weiteres ruhen. Seine Aufgaben übernimmt interimistisch Ernst de Kuiper, der davor CFO und CIO des Möbelhändlers Leen Bakker war.

Takko ist nur einer von vielen Modehändlern, die durch die Coronakrise in Schieflage geraten sind. Galeria Karstadt Kaufhof, Escada, Gerry Weber und Adler sind nur einige Namen, die sich gerade einer Restrukturierung unterziehen müssen. Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet damit, dass die Modeindustrie jene Branche in diesem Jahr sein wird, die am meisten Insolvenzen wird verzeichnen müssen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Mehr zu dem Modehändler in der Krise erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Takko.