Die Friseurkette Klier Hair Group ist im Schutzschirmverfahren.

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15.09.20
Wirtschaft

Restrukturierungsnews: Klier, Pimkie, R+S

Die Klier Hair Group und der Betreiber der Modekette Pimkie wollen sich jeweils über Schutzschirmverfahren sanieren, und die insolvente Dienstleistungsgruppe R+S soll Teil der Thelen-Gruppe werden: Die aktuellen Restrukturierungsnews im FINANCE-Überblick.

Friseurgruppe Klier Hair Group im Schutzschirmverfahren

Die Friseurgruppe Klier Hair Group mit Sitz in Wolfsburg hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein Schutzschirmverfahren für seine deutschen Gesellschaften beantragt. Das Unternehmen ist die Dachgesellschaft der Ketten Frisör Klier, Super Cut, Hair Express, Essanelle, Styleboxx, Cosmo und Beautyhairshop. Die Gruppe zählt nach eigenen Angaben 1.400 Salons und Shops in Deutschland und beschäftigt 9.200 Mitarbeiter, davon 130 in der Verwaltung und im Logistikzentrum in Wolfsburg. Die Gesellschaften in Österreich, Tschechien und der Slowakei mit 106 Salons befinden sich nicht im Schutzschirmverfahren.

Die Friseurkette hatte durch Ladenschließungen während der Coronakrise Umsatzeinbußen zu verkraften, eine Überbrückungsfinanzierung ist einer Unternehmensmitteilung zufolge „bereits wieder aufgebraucht“. Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze & Braun soll die Restrukturierung als Chief Restructuring Officer (CRO) begleiten. Michael Melzer übernimmt als neuer CEO den Vorsitz der Geschäftsführung. Als Sachwalter wurde Silvio Höfer (Kanzlei Anchor) bestellt.

Das Unternehmen will nun einen Sanierungsplan erarbeiten und in diesem Zuge auch die Geschäftsprozesse sowie Kostenstrukturen auf den Prüfstand stellen. Dazu zähle auch das Filialnetz, teilte die Gruppe mit. 

Pimkie-Betreiber Framode im Schutzschirm

Die nächste Modekette gerät ins Straucheln: Das badische Unternehmen Framode, das die derzeit rund 75 Filialen der Modekette Pimkie in Deutschland entwickelt und betreibt, will sich mit Hilfe eines Schutzschirmverfahrens sanieren. Ein solches Verfahren beantragten in diesem Jahr unter anderem bereits das Modehaus Esprit sowie Bonita.

Ziel der Neuausrichtung bei Pimkie ist es, das Digitalgeschäft auszubauen und zugleich möglichst viele Filialen zu erhalten. Die Restrukturierungsberatung Plenovia begleitet den Prozess. Kilian Haus (Buchalik Brömmekamp) unterstützt die Geschäftsführung als Generalbevollmächtigter. Juristisch berät Katrin Schröder (Osborne Clarke) die Framode-Geschäftsleitung zu der Restrukturierung. Als vorläufiger Sachwalter wurde Felix Höpker (White & Case) bestellt. Die Pimkie-Geschäfte in Österreich sowie Schwestergesellschaften von Framode sind nicht Teil des Schutzschirmverfahrens. 

Thelen Gruppe übernimmt Dienstleister R+S

Die insolvente Dienstleistungsgruppe Deutsche Reinigung + Service (R+S) soll Teil des Essener Familienunternehmens Thelen Gruppe werden. Die 2.540 Arbeitsplätze sollen in der nun gefundenen Lösung erhalten bleiben.

Der Projektentwickler Thelen übernimmt die operativen Gesellschaften und Immobilien von Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt (Kanzlei BBL). Die Tochterbetriebe in Leipzig und Nürnberg hatte Sandra Weimann (ebenfalls BBL) betreut. Voraussetzung für die Transaktion ist, dass die R+S-Gläubigerversammlung im Oktober dem Insolvenzplan zustimmt. R+S hatte bereits im April 2019 Insolvenzantrag gestellt.

Kreditech-Nachfolger Monedo stellt Insolvenzantrag

Das Hamburger Fintech Monedo, bis vor Kurzem noch als Kreditech im Markt bekannt, hat Insolvenzantrag gestellt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Christoph Morgen von der Kanzlei Brinkmann & Partner. Das Fintech hatte sich zunächst auf die Vergabe von Mikrokrediten spezialisiert und war von Verbraucherschützern für hohe Zinssätze kritisiert worden.

Mit der Namensänderung im Frühjahr dieses Jahres wollte das Unternehmen, das zuletzt umfassende Wertberichtigungen auf sein Geschäft vornehmen musste, auch einen Strategieschwenk vollziehen und weniger riskante Kredite ausgeben. Das Fintech wurde 2012 gegründet. Morgen spricht derzeit mit möglichen Geldgebern. Das Management hatte bereits vor dem Insolvenzantrag mit der Suche nach einem Investor begonnen. Erst Anfang September hatte CFO Mariusz Dabrowski das Fintech verlassen.

Schlemmer findet neuen Investor

Der Autozulieferer Delfingen übernimmt die Europa- und Afrika-Geschäfte von Schlemmer, einem insolventen Zulieferer für Spritzgusskomponenten. Die Geschäfte stehen für rund 100 Millionen Euro Umsatz und beschäftigen etwa 1.000 Mitarbeiter. Delfingen erzielte 2019 einen Umsatz von 230 Millionen Euro und beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiter in 20 Ländern. Beraten wurde Delfingen von PwC (Frank Girotto) und Taylor Wessing (Christian Traichel).

Die Anteile an dem chinesischen Joint Venture Ningbo Schlemmer Automotive sowie deren Tochtergesellschaften in Asien, die insgesamt rund 2.100 Mitarbeiter beschäftigen, hat mit Wirkung zum 1. August der langjährige Kooperationspartner Ningbo Fengmei Industrial übernommen. Ein Team von Görg (Federführung Florian Wolff) hat Ningbo Fengmei bei der Transaktion beraten.

Schlemmer hatte Ende 2019 Insolvenzantrag für mehrere Tochtergesellschaften gestellt, begleitet durch Roland Berger wurde daraufhin ein Investorenprozess aufgesetzt. Insolvenzverwalter war Hubert Ampferl (Dr. Beck & Partner), er wurde rechtlich von Ashurst beraten.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Elektroniklieferant Vonmählen hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Klaus Pannen (Kanzlei Pannen Rechtsanwälte) bestellt. Ein Team von PwC Legal um Christian Abel sowie der PwC Wirtschaftsprüfung um Axel Steffen berät Vonmählen bei der Restrukturierung. Das Unternehmen soll über einen Insolvenzplan neu ausgerichtet werden. Das Unternehmen hatte im Zuge der Corona-Pandemie Masken verkauft, Berichten zufolge sollen Kunden wegen vermeintlicher Mängel nicht gezahlt haben. Einen Stundungsantrag hatte das Finanzamt abgelehnt, zudem hat eine der Hausbanken eine Kreditlinie fällig gestellt, teilten die Berater des Unternehmens mit.

Die deutsche Sparte der internationalen Reisebürokette STA Travel hat Insolvenzantrag gestellt. Als vorläufige Sachwalterin des Eigenverwaltungsverfahrens wurde Romy Metzger (SGP Schneider Geiwitz) bestellt. Das Unternehmen war durch die Reisebeschränkungen im Zuge der Coronakrise schwer getroffen worden. Wenige Tage zuvor hatte bereits die Schweizer Muttergesellschaft Insolvenz beantragt.

Die Josef Dewender Lebensmittelgroßhandlung hat Insolvenzantrag gestellt. Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin wurde Dorothee Madsen (BRL) bestellt. Das Unternehmen mit knapp 120 Mitarbeitern beliefert Großküchen und erzielte zuletzt rund 45 Millionen Euro Jahresumsatz. Neben Sanierungsoptionen will Madsen auch einen Verkauf prüfen.

Der E-Scooter-Produzent Metz Mecatech hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen ist aus dem Blitzgeräteproduzenten Metz hervorgegangen, der vor rund sechs Jahren eine Insolvenz durchlaufen hat und danach aufgespalten wurde. Mecatech hatte sich zuletzt auf den Elektroroller „Moover“ fokussiert, dessen Absatz jedoch unter den Erwartungen geblieben war. Zum Insolvenzverwalter wurde der Nürnberger Jurist Harald Schwartz (Kanzlei SRI) bestimmt, er sucht nun nach einem Investor.

Der Wurst- und Fleischwarenhersteller Schwarz Cranz, der zuletzt mit 550 Arbeitnehmern rund 130 Millionen Euro Jahresumsatz erzielte, hat eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Vorläufiger Sachwalter ist Friedrich von Kaltenborn-Stachau (BRL). Die Geschäftsführung von Schwarz Cranz wird während der Restrukturierung von einem Team um Jan Ockelmann (Schneider Geiwitz)  verstärkt. Ziel der Gesellschafter ist eine Sanierung durch einen Insolvenzplan.

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Über den Garnproduzenten Enka wurde am 1. September ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Das Unternehmen mit zuletzt 42 Millionen Euro Jahresumsatz arbeitet derzeit an einem Sanierungsplan. Detlef Specovius von Schultze & Braun begleitet die Geschäftsführung im Verfahren, Marcus Winkler (Winkler Gossak) ist als Sachwalter eingesetzt.

Der Modekonzern Escada hat Insolvenz für die Escada SE beantragt. Es ist nach 2009 das zweite Insolvenzverfahren des Unternehmens. Wie beim ersten Mal ist Christian Gerloff zum vorläufigen Insolvenzverwalter gewählt worden. Escada war erst vor rund einem Jahr von der indischen Unternehmerin Megha Mittal an den US-Investor Regent verkauft worden.

Distressed M&A-Deals

Die Dynos Gruppe hat den Geschäftsbereich Technische Papiere des Unternehmens Cordier Spezialpapier im Wege eines Asset Deals aus der Insolvenz in Eigenverwaltung übernommen. Die Verkäufer wurden in den Verhandlungen von Lupp + Partner begleitet. Damit bleiben die Produktionsstandorte in Bad Dürkheim und Mühltal mit 113 Arbeitsplätzen erhalten. Für den Cordier-Geschäftsbereich mit Graphischen Papieren wird nach wie vor ein Käufer gesucht. Cordier hatte Ende Oktober 2019 die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, Thomas Rittmeister von Reimer Rechtsanwälte wurde als vorläufiger Sachwalter eingesetzt. Als Generalbevollmächtigte sind Justus von Buchwaldt und Rouven Quick (BBL Bernsau Brockdorff) an Bord.

Die Unternehmen der insolventen PPS Imaging Gruppe sind zwei Monate nach Insolvenzantragsstellung verkauft worden. Eine Investmentgesellschaft um Michael Krieger, ehemaliger geschäftsführender Gesellschafter der PPS, übernimmt die Gruppenunternehmen PPS Imaging und Apalis mit Standorten in Berlin und Dresden. Ein namentlich nicht genannter weiterer Investor übernimmt die Niggemeyer Bildproduktion. Gruppenweit bleiben 200 Arbeitsplätze erhalten. Als Insolvenzverwalter waren Dietmar Penzlin (Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin) und Matthias Wolgast (Münzel & Böhm) eingesetzt. Den Investorenprozess begleitete die Unternehmensberatung Restrukturierungspartner (Leitung Werner Warthorst).

Beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard arbeitet Insolvenzverwalter Michael Jaffé am Verkauf der internationalen Beteiligungen der Wirecard Sales International Holding. Mehrere Investoren sollen an Wirecard Romania interessiert sein, verbindliche Angebote sollen in diesen Tagen eingehen. Auch an den Firmen PT Wirecard Technologies Indonesia und PT Prima Vista Solusi in Indonesien sowie Wirecard Vietnam gebe es „hohes Interesse“, laut Insolvenzverwalter liegen bereits mehrere indikative Angebote vor. Weitere asiatische Tochtergesellschaften werden noch zum Verkauf gestellt. Für Wirecard Asia sowie Wirecard Singapore soll zudem ein eigener CRO eingesetzt werden.

Der Elektroautohersteller E.go Mobile firmiert seit diesem Monat als Next.e.Go Mobile. An dem neuen Unternehmen beteiligte sich das Private-Equity-Unternehmen ND Industrial Investments mehrheitlich, das Managementteam um Gründer Günther Schuh hält ebenfalls Anteile. Auch die Tochtergesellschaften und die etwa 450 Mitarbeiter gehen im Zuge eines Betriebsübergangs auf die neue Gesellschaft über. Das Unternehmen hatte im April Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Sachwalter war Biner Bähr (White & Case), Generalbevollmächtigter war Paul Fink (FRH Fink Rinckens Heerma). Ein Team der Kanzlei Oppenhoff (Leitung: Nefail Berjasevic) hat ND Industrial Investments beraten.

Die Beteiligungsgesellschaft CE Capital übernimmt die wesentlichen Vermögenswerte des Gießereiunternehmens Walter Hundhausen. Wie Insolvenzverwalter Dirk Andres (Andres Partner) mitteilte, soll die Übertragung zum 1. Oktober erfolgen. Die Käuferin hatte sich im Rahmen eines strukturierten Investorenprozesses durchgesetzt. CE Capital will Geschäftsbetrieb, Standort und rund 380 Beschäftigte übernehmen. 105 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs und können in eine Transfergesellschaft wechseln. Durch Investitionen in Technik und Anlagen sowie Verbesserungen im Planungs- und Fertigungsprozess soll das Unternehmen wieder profitabel werden. Das M&A-Verfahren hat die Beratungsgesellschaft Starkpartners Consulting begleitet. CE Capital wurde von Reimer Rechtsanwälte sowie Knight Wendling beraten.

Die Bader Maschinenbau Gruppe ist von Insolvenzverwalter Martin Hörmann (Anchor Rechtsanwälte) an ein Investorenkonsortium verkauft worden. Zum Käuferkonsortium gehören die Geschäftsführer der Standorte Babenhausen und Wachau sowie die neu formierte Bader Holding, an der unter anderem der Mittelstandsinvestor GFEP Family Equity beteiligt ist. Das Unternehmen war bereits vor der Coronakrise aufgrund der schwierigen Lage in der Automobilbranche in Schieflage geraten, im Zuge der Restrukturierung hat Hörmann 300 der vormals 1.000 Mitarbeiter entlassen. Die Käufer übernehmen drei operative Gesellschaften in Deutschland und die beiden Standorte in Ungarn und Rumänien. Produktion und Verwaltung werden aus Senden an die übrigen Standorte verlagert.

Der Schweizer Investor United Rivers übernimmt mit zwei Gesellschaften den Geschäftsbetrieb der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDS), die im Juni Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hatte. Die bisherigen Firmen werden über Regelinsolvenzverfahren abgewickelt. Vorläufiger Sachwalter von SDS war Frank-Rüdiger Scheffler, bei der Tochter Elbezeit war es Nils Freudenberg (beide Tiefenbacher Rechtsanwälte). Sie sind nun zu Insolvenzverwaltern der Altgesellschaften bestellt worden. Während der Eigenverwaltung war Burkhard Jung (Restrukturierungspartner) als Sanierungsgeschäftsführer eingesetzt. Die insolvenz- und arbeitsrechtliche Beratung lag bei Mulansky + Kollegen, die Investorensuche hat Enomyc (Leitung: Jörg Balz) begleitet. 

Das Porzellanunternehmen Kahla, das im März Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hatte, ist im Rahmen einer übertragenden Sanierung zum 1. September an den Investor Daniel Jeschonowski übergegangen. Jeschonowski sanierte von 2016 an bereits den Werbeartikelhersteller Senator, den er Ende 2019 vom Vorbesitzer Perusa Partners übernahm. Der Porzellanhersteller Kahla gehörte in den zurückliegenden 26 Jahren der Inhaberfamilie Raithel. Das Eigenverwaltungsverfahren begleitete Jürgen Wallner (Kanzlei Wallner Weiß) gemeinsam mit Sachwalter Kai Dellit (Kanzlei hww).

Das Arsengeschäft der im Schutzschirmverfahren befindlichen PPM Pure Metals ist im Zuge einer übertragenden Sanierung an den Investor Lafayette Mittelstand Capital übergegangen. Dadurch bleiben das Geschäft und die Arbeitsplätze am Standort Osterwieck erhalten. Für den Betriebsstandort in Langelsheim wurde dagegen eine Transfergesellschaft eingerichtet. Generalbevollmächtigter war Holger Jakob (FPS Fritze Wicke Seelig), Sachwalter war Arndt Geiwitz von SGP Schneider Geiwitz & Partner. Den M&A-Prozess begleitete Sigma Corporate Finance. Lafayette wurde von Bub Memminger und Partner sowie arbeitsrechtlich von Alexander Lorenz (PWWL) beraten. PPM war im Mai als Teil der deutsch-französischen Recylex-Gruppe in ein Schutzschirmverfahren gegangen.

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Das Modeunternehmen LPP Deutschland hat seinen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens beim Amtsgericht Hamburg zurückgezogen. Die 19 Geschäfte der Marke Reserved sowie die Online-Shops der Marken Cropp, House, Mohito und Sinsay bleiben bestehen. Auch die knapp 500 Arbeitsplätze werden erhalten. Eingeleitete Sanierungsmaßnahmen sowie ein Entgegenkommen der Vermieter haben dem Unternehmen zufolge die Wende gebracht. Arno Doebert (Reimer Rechtsanwälte) hat die Geschäftsführung bei der Sanierung begleitet, bei der Einleitung des Schutzschirmverfahrens beriet Sebastian Siepmann (Möhrle Happ Luther). Als vorläufiger Sachwalter war Matthias Wolgast von der Kanzlei Münzel & Böhm eingesetzt. 

Der chinesische Konzern Jomoo hat zum 1. September über seine Deutschlandtochter die Übernahme des Küchenunternehmens Poggenpohl vollzogen. Ein vor einigen Monaten zunächst angekündigter Verkauf an den britischen Küchenhersteller Lux Group war nicht zustande gekommen. Neuer Poggenpohl-Geschäftsführer ist Ralf Marohn. Er leitete seit 2014 den Küchenhersteller RWK & Kuhlmann Küchen in Löhne, der nach einer Insolvenz im Jahr 2014 von der chinesischen Boloni-Gruppe übernommen worden war. Insolvenzverwalter von Poggenpohl war Manuel Sack.

Die Gläubiger des insolventen Pharmaherstellers Curasan haben den Insolvenzplan angenommen. Der Plan sieht vor, dass die Beteiligungsgesellschaft Donau Invest, die bereits Mehrheitsaktionärin ist, Curasan übernimmt. Geplant ist eine Kapitalherabsetzung auf Null mit anschließender Barkapitalerhöhung über 400.000 Euro. Die neuen Aktien wird ausschließlich Donau Invest zeichnen. Der Investor hatte bereits während des laufenden Verfahrens Mittel für die Fortführung des Geschäfts bereitgestellt und stellt laut Insolvenzverwalter Frank Schmitt (Schultze & Braun) auch einen Beitrag für die Befriedigung offener Forderungen zur Verfügung. Näher beziffert wurde dieser allerdings nicht. Die Insolvenzquote liegt bei voraussichtlich gut 33 Prozent. Nach der Übernahme soll Curasan von der Börse genommen werden.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Der verschuldete Automatenbetreiber Selecta bekommt frisches Geld vom Mehrheitseigner KKR. Rund 125 Millionen Euro schießt KKR an Eigenkapital nach, zusätzlich zu einer bereits im März zugesagten Super-Senior-Fazilität über 50 Millionen Euro. Im Gegenzug erhält KKR Vorzugsaktien über 175 Millionen Euro einer neu formierten und in Luxemburg notierten Holding. Zudem muss Selecta drei Anleihen mit Volumina von 865 Millionen Euro, 375 Millionen Euro und 250 Millionen Schweizer Franken restrukturieren. Sie werden unter anderem in neue Papiere getauscht, die bei höherer Verzinsung zwei Jahre später als die bisherigen Anleihen und damit erst 2026 fällig werden. Zudem soll eine revolvierende Kreditlinie bis 2026 verlängert werden. Selecta zufolge hat eine „substantielle“ Zahl an Gläubigern bereits ihre Zustimmung für den Plan signalisiert, die weiteren Anleihebesitzer will das Unternehmen bei Besprechungen im Oktober überzeugen.

Die Gläubiger des Reisekonzerns Tui haben den Weg für einen weiteren KfW-Kredit frei gemacht. Voraussetzung dafür war, dass die Begrenzung der Finanzverschuldung der Hannoveraner in den Anleihebedingungen aufgehoben wird. Im Gegenzug erhalten die Zeichner der 300 Millionen Euro umfassenden Anleihe einen höheren Zinssatz, der Kupon steigt von 2,125 auf stattliche 9,5 Prozent. Von April an muss Tui zudem alle drei Monate 2 Prozent des Gesamtnennbetrags zahlen, außerdem erhalten die Gläubiger einen einmaligen festen Betrag.

Der Sanierungsplan für den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof ist mit großer Mehrheit gebilligt worden, teilte Sachwalter Frank Kebekus (Kebekus et Zimmermann) mit. Als Generalbevollmächtigter begleitet Arndt Geiwitz (SGP Schneider Geiwitz) die Restrukturierung. Zwar sollen rund 16.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben, 4.000 Mitarbeiter werden jedoch voraussichtlich ihre Jobs verlieren. Der Warenhauskonzern will bis zu 47 Filialen schließen. Gegen Galeria Karstadt Kaufhof bestehen Gläubigerforderungen von rund 3 Milliarden Euro, sofern überall die Maximalforderungen angesetzt werden. Bis zu 500 Millionen Euro könnten an die Gläubiger ausgezahlt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf die Sanierer.

Die Gläubiger der insolventen Restaurantkette Vapiano werden nur einen kleinen Teil ihrer Forderungen retten können: Insolvenzverwalterin Ruth Rigol (Pluta) rechnet mit einer Insolvenzquote von rund 3 Prozent. Nachdem die wesentlichen Assets des Unternehmens verkauft wurden, wird die börsennotierte Gesellschaft aufgelöst. 

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Harald Blania ist zum ordentlichen Vorstandsmitglied des Online-Reifenhändlers Delticom bestellt worden. Er hat in den zurückliegenden acht Monaten bereits als Chief Performance Manager den Restrukturierungsprozess des Unternehmens begleitet und wird diesen künftig befristet bis zum 28. Februar 2021 als Vorstandsmitglied verantworten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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