Die Wiesbadener Aareal Bank stellt einen „signifikanten Minderheitsanteil“ der IT-Tochter Aareon ins Schaufenster.

Aareal Bank

22.05.20
Deals

M&A-Deals: Aareal Bank, Vapiano, Bastei Lübbe

Die Aareal Bank will Teile ihrer IT-Tochter an Private Equity abgeben, Vapiano verkauft die ersten Gesellschaften, und Bastei Lübbe findet einen Käufer für die kriselnde Gamingsparte: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Aareal Bank will Aareon-Anteile an Private Equity abgeben

Lange hatte sich die Aareal Bank gegen einen Verkauf von Aareon gewehrt – nun will sie sich zumindest von einem Teil ihrer IT-Tochter trennen. Wie der Immobilienfinanzierer mitteilte, sei man bereit, eine signifikante Minderheitsbeteiligung an Private-Equity-Investoren zu verkaufen. Die Unternehmensberatung Arma Partner wurde von Aareal damit beauftragt, einen strukturierten Prozess mit „ausgewählten, langfristig orientierten Finanzinvestoren“ aufzusetzen. Die Begründung: Finanzinvestoren könnten die stark M&A-getriebenen Wachstumspläne von Aareon besser und schneller umsetzen.

Wie viele Anteile den Besitzer wechseln sollen, ist nicht bekannt – die Analysten von Warburg rechnen mit 20 bis 30 Prozent. Die Wiesbadener beabsichtigen nach eigener Aussage, mehrheitlich an Aareon beteiligt zu bleiben. Die Tochter sei integraler Bestandteil der im Januar bekanntgegebenen Strategie „Aareal Next Level“.

In den vergangenen Monaten hatten Aareal-Aktionäre – allen voran der aktivistische Investor Teleios – den Verkauf von Aareon gefordert. Teleios scheint unzufrieden mit dem Kompromiss: Der Hedgefonds verlangt der Nachrichtenagentur „Reuters“ zufolge einen zweigleisigen M&A-Prozess – es soll also sowohl ein Mehrheits- als auch einen Minderheitsverkauf geprüft werden. Durch den vollständigen Verkauf der IT-Tochter könne „beträchtlich mehr Geld in die Kassen des Immobilienfinanzierers“ gespült werden, zitiert der Bericht Teleios. Milder gestimmt zeigte sich der Aktivist Petrus Advisers, der in einem Interview im Februar keinen Komplettausstieg der Aareal Bank aus Aareon forderte.

Vapiano Frankreich und Luxemburg werden verkauft

Vapiano findet einen Käufer für seine Tochtergesellschaften in Frankreich und Luxemburg: Wie die insolvente Restaurantkette mitteilte, stimmte der Gläubigerausschuss dem Erwerb der Gesellschaften durch ein Bieterkonsortium um Mario C. Bauer, dem ehemaligen CEO International Franchising der Vapiano Gruppe, zu. Bauer übernimmt 75 Prozent der Anteile an der Lavenir S.A. sowie weitere Forderungen und Vermögensgegenstände im Zusammenhang mit den französischen und luxemburgischen Vapiano-Töchtern. Der Gesamtkaufpreis beträgt 22 Millionen Euro. Die Transaktion soll im Juni dieses Jahres abgeschlossen werden.

Darüber hinaus schließt das Bieterkonsortium mit Vapiano Franchising International eine langfristig ausgelegte Franchisevereinbarung ab – so soll eine Grundlage für einen künftig gemeinsamen Marktauftritt geschaffen werden. Anfang des Monats wurde bekannt, dass Vapiano plant, diverse Unternehmensteile zu verkaufen.

Bastei Lübbe verkauft Krisentochter

Bastei Lübbe trennt sich von Daedalic Entertainment: Wie das Verlagshaus bekanntgab, erwerben Daedalic-Gründer Carsten Fichtelmann sowie Co-Geschäftsführer Stephan Harms im Rahmen eines Management Buy-outs 41 Prozent der Anteile an dem kriselnden Spieleentwickler. Bastei Lübbe wird weiterhin mit 10 Prozent am Unternehmen beteiligt bleiben. Über die finanziellen Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Beteiligungsverkauf verfolgt Bastei Lübbe das Ziel, sich stärker auf das Verlagsgeschäft zu konzentrieren.

Der nicht zum Kerngeschäft gehörende Bereich Daedalic bereitete Bastei Lübbe in den vergangenen Monaten einige Sorgen: Im Februar musste der Verlag bei Daedalic eine Abschreibung in Höhe von 12 bis 14 Millionen Euro vornehmen – 5 Millionen Euro davon entfielen auf den Goodwill. In der Folge mussten die Bergisch-Gladbacher ihre Geschäftsprognose zurückziehen. Seitdem hatte der Verlag nach „Optionen für eine Neupositionierung“ des Spieleentwicklers gesucht.

ThyssenKrupp plant massiven Umbau

ThyssenKrupp soll erneut zerlegt werden: Der Essener Industriekonzern hat eine neue Unternehmensstrategie erarbeitet und plant demnach, eine „Group of Companies“ mit einem schlanken Führungsmodell und einem strukturierten Portfolio zu werden. Zuletzt hatte die Coronavirus-Krise den Krisenkonzern zusätzlich unter Druck gesetzt. Die Neuausrichtung betrifft insbesondere das Stahlgeschäft und Marine Systems: Für die beiden Unternehmensteile sucht ThyssenKrupp nun eine externe Lösung.

Für die Stahlsparte prüfen die Essener diverse Konsolidierungsoptionen. Dem „Handelsblatt“ zufolge zählen die chinesische Baosteel und SSAB aus Schweden zu den Kaufinteressenten. Auch der indische Rivale Tata Steel soll nach der vor rund 2 Jahren gescheiterten Übernahme wieder Interesse zeigen. CEO Martina Merz sagte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, dass sie eine Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Salzgitter für möglich hält – die Niedersachsen erklärten kurz darauf jedoch gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“, sich nicht in Verhandlungen mit ThyssenKrupp zu befinden. Für die Werftentochter Marine Systems sucht ThyssenKrupp ebenso Möglichkeiten für eine Konsolidierung und bevorzugt eine Partnerschaft mit Wettbewerbern. Bei beiden zum Verkauf stehenden Konzernteilen befinde man sich bereits in Verkaufsgesprächen mit potentiellen Interessenten.

Weitere Geschäftsbereiche, darunter der Anlagebau oder das Edelstahlwerk in Italien, werden zu dem Segment „Multi Tracks“ zusammengefasst und auf den Prüfstand gestellt. Insgesamt sind in dem Segment 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, die einen Umsatz von 6 Milliarden Euro generieren. Den Bereichen Infrastructure, Grobbleche und Battery Solutions könnte ein Verkauf oder die Schließung von Standorten bevorstehen. Weiterhin Teil von ThyssenKrupp bleiben der Werkstoffhandel, die Industriekomponenten sowie das Automobilzulieferergeschäft.

EnBW: österreichisches Joint-Venture für E-Mobilität

EnBW und Smatrics wollen gemeinsam die Ladeinfrastrukur für Elektromobilität in Österreich ausbauen: Dafür gründen der Karlsruher Energieversorger und der österreichische Elektromobilitätsspezialist das Joint-Venture „Smatrics Mobility+“. EnBW wird 51 Prozent der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Smatrics Mobility+ werde das bestehende Ladenetz für Elektroautos von Smatrics inklusive 100 Schnellladestandorten übernehmen und soll – vorbehaltlich kartellbehördlicher Zustimmung – „im Laufe dieses Jahres“ seine Arbeit aufnehmen. Die Kanzleien Oppenländer (Federführung: Felix Born) und Beira (Federführung: Michael Barnert) haben EnBW bei dem M&A-Deal begleitet. Smatrics wurde von KPMG Law beraten.

Smatrics, selbst ein Joint-Venture von Siemens, OMV und Verbund, bleibe in seiner Funktion als internationaler Elektromobilitätsdienstleister weiterhin eigenständig. EnBW verfügt mit der Marke „EnBW Mobilty+“ bereits über 340 Schnellladestandorte in Deutschland, zudem befänden sich 140 weitere Standorte in Realisierung. Bis 2025 wolle EnBW über 2.200 Schnellladestandorte betreiben.

Berater-News

Die Deutsche Bank ernennt Tammo Bünnemeyer zum Managing Director. Das geht aus einem internen Memo der Bank hervor, das FINANCE vorliegt. Bünnemeyer kommt von der Investmentbank Greenhill und wechselt zum August in das Frankfurter „EMEA TMT Coverage Team“. Künftig betreut er das Geschäft mit Firmenkunden, Finanz- sowie Venture-Capital-Investoren aus der DACH-Region, insbesondere aus den Bereichen Technologie und Fintech. Seine Schwerpunkte hat Bünnemeyer im Bereich M&A sowie bei strategischen Finanzierungen.

Weitere Meldungen

Startschuss für die Qiagen-Übernahme durch Thermo Fisher: Wie der US-Laborausrüster und das deutsch-niederländische Biotech-Unternehmen mitteilten, hat die Annahmefrist für die 10 Milliarden Euro schwere Offerte am 18. Mai begonnen. Sie endet am 27. Juli. Die Amerikaner bieten 39 Euro je Qiagen-Aktie, die Mindestannahmeschwelle liegt bei 75 Prozent. Vorstand und Aufsichtsrat von Qiagen empfehlen, das Angebot anzunehmen. Qiagen zufolge sollen in der für den 30. Juni geplanten virtuellen Hauptversammlung auch einige Tagesordnungspunkten im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot behandelt werden.

Übernimmt die Deutsche Telekom weitere Anteile an T-Mobile US von der Softbank? Einem Bericht des „Wall Street Journals“ zufolge befindet sich der japanische Telekomkonzern mit den Bonnern in Verhandlungen über den Verkauf eines Teils seiner Beteiligung. Mit einem Deal würde die Telekom ihren Anteil an dem US-Mobilfunkunternehmen von derzeit rund 43 Prozent auf über 50 Prozent erhöhen. Die Japaner fordern offenbar 20 Milliarden Dollar für die Anteile an dem mit der Softbank-Tochter Sprint fusionierten Unternehmen. Der Marktwert von T-Mobile US liegt derzeit bei rund 120 Milliarden Dollar.

Wie geht es nach dem Downgrade weiter mit Tui? Wie ein Unternehmenssprecher der „Börsenzeitung“ bestätigte, erwägt der Reisekonzern, sich von Verlustbringern zu trennen. Zunächst versuche Tui aber die entsprechenden Unternehmensteile wieder fit zu machen. Welche Bereiche genau betroffen sind, stehe derzeit stehe noch nicht fest. Zuvor zitierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung Tui-Chef Fritz Joussen: Tui sei nicht mehr stark genug, um „die strukturell schwächeren Gesellschaften im Konzern durchzubringen“. Konzernteile, die schon länger Verluste einbringen würden und auch in Zukunft keinen besseren Ausblick hätten, müssten sich daher neu aufstellen. Sofern dies nicht möglich sei, werde sich Tui von Einheiten trennen oder deren Betrieb einstellen, so der Bericht.

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Könnte der Verkauf des BASF-Pigmentgeschäfts an DIC noch kippen? Wie die „Börsenzeitung“ berichtete, prüft die japanische Wettbewerbsbehörde JFTC die Übernahme der Sparte durch den japanischen Chemiekonzern vertieft. Die Behörde habe weitere Informationen von DIC angefordert. Um welche Informationen es sich dabei konkret handelt, ist nicht bekannt. Zudem soll es Drittparteien ermöglicht werden, sich zu möglichen wettbewerbsrechtlichen Problemen äußern zu können. Ende August vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Japaner das Pigmentgeschäft der Ludwigshafener für einen Unternehmenswert von 1,15 Milliarden Euro kaufen wollen.

Die Optikerkette Fielmann beteiligt sich an Ubimax und übernimmt im Rahmen einer B-Finanzierungsrunde 10 Prozent der Anteile an dem Bremer Start-up für Datenbrillen. Das gaben die Hamburger in einer Pressemitteilung bekannt. Der Einstieg bei dem Anbieter für Smart Glasses erfolgt als Schritt der Fielmann-Digitalisierungsstrategie 2025. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Ubimax bedient weltweit über 400 Kunden und verfügt über vier Standorte in Deutschland sowie Tochtergesellschaften in den USA und Mexiko.

Das Schweizer Softwarehaus Softwareone kauft Gorillastack. Die australische Software-as-a-Service-Plattform ist auf das Cloud-Kostenmanagement sowie das Echtzeit-Event-Monitoring für den US-Cloud-Computing-Anbieter Amazon Web Services spezialisiert. Mit dem Zukauf fügt Softwareone neue Funktionen zur Automatisierung und für die Sicherheit ihrer Pyracloud hinzu. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt.

Die italienische Ariston Thermo Group übernimmt die Mehrheit an dem Heizungsbau-Start-up Kesselheld. Verkäufer sind die Kesselheld-Gründer Martin Teichmann und Sascha Camilli. Sie bleiben mit einer Minderheit rückbeteiligt und auch Geschäftsführer des Düsseldorfer Unternehmens. Zur Höhe der Beteiligung oder zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Nicht in die Transaktion eingeschlossen ist die Kesselheld-Tochter Handwerksunion. Die M&A-Beratung IMAP hat die Verkäuferseite bei dem Deal begleitet.

Der Lagerlogistik-Anbieter Kardex erwirbt Robomotive mehrheitlich. Die genaue Höhe der Beteiligung an dem niederländischen Robotertechnologieunternehmen sowie der Kaufpreis sind nicht bekannt. Mit der Transaktion erweitern die Züricher ihr Angebot im Bereich der Kommissionierung. Das Alleinstellungsmerkmal der Firma mit neun Vollzeitangestellten sei die Nachbildung der adaptiven Auge-Hand-Koordination des Menschen mit Hilfe von Robotern, 3D-Kameras, Greifern und intelligenten Software-Algorithmen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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