Hallhuber schließt die Restrukturierung mit einem Management-Buy-out ab.

Hallhuber

27.05.21
Wirtschaft

Restrukturierungsnews: Hallhuber, Nanogate, Condor

Bei Hallhuber übernehmen die Manager, Techniplas schnappt sich die insolvente Nanogate, und der Ferienflieger Condor hat einen neuen Mehrheitseigentümer: Die aktuellen Restrukturierungsnews im FINANCE-Überblick.

Management-Buy-out bei Hallhuber

Hallhuber kann das im April 2020 eingeleitete Schutzschirmverfahren verlassen, die Gläubiger haben dem Insolvenzplan zugestimmt. Sämtliche Unternehmensanteile gehen dabei im Zuge eines Management-Buy-outs an CEO Rouven Angermann und CFO Torsten Eisenkolb über. Auch die Finanzierer Robus Capital sowie CSP sollen das Unternehmen weiterhin „dauerhaft begleiten“. Robus Capital hatte die frühere Gerry-Weber-Tochter Hallhuber im Sommer 2019 mehrheitlich übernommen und bleibt einer Mitteilung zufolge finanziell engagiert. Details dazu wurden nicht bekannt.

Bei Hallhuber, das noch vor gut einem Jahr rund 2.000 Mitarbeiter zählte, bleiben mehr als 1.000 Arbeitsplätze erhalten. Für das kommende Geschäftsjahr peilt CEO Angermann einen Umsatz von 150 bis 160 Millionen Euro an, der Online-Anteil am Umsatz soll bei rund 30 Prozent liegen. Im Geschäftsjahr 2018/19 hatte Hallhuber noch knapp 200 Millionen Euro umgesetzt. Sachwalter des Schutzschirmverfahrens war Christian Gerloff (Kanzlei Gerloff Liebler), die Restrukturierung begleitete ein Team von AC Tischendorf. Hallhuber nutzte für das Verfahren einen von den Gläubigern einstimmig verabschiedeten Masseunzulänglichkeitsplan, bei dem trotz Masseunzulänglichkeit im Zuge eines Insolvenzplans restrukturiert und in die Rechte der Massegläubiger eingegriffen werden kann. 

Techniplas steigt bei Nanogate ein

Für den Geschäftsbetrieb des Oberflächenspezialisten Nanogate hat sich ein Investor gefunden: Die US-amerikanische Techniplas-Gruppe übernimmt im Zuge eines Asset Deals Vermögenswerte der Nanogate SE sowie der insolventen Töchter Nanogate Management Services, Nanogate NRW, Nanogate PD Systems und Nanogate Neunkirchen. Nach Abschluss des Deals bliebe Nanogate ohne operatives Geschäft zurück und würde abgewickelt. Ein Team von Noerr (Lead Counsel Marlies Raschke) hat den Deal juristisch begleitet. Acxit Capital Partners (Christian Nicolas Bächstädt, Daniel Kiechle) war M&A-Berater von Nanogate. Die von Nanogate gehaltenen Beteiligungen an nicht-insolventen Tochtergesellschaften sollen im Wege von Share Deals übergehen.

Der laut Unternehmensangaben im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegende Kaufpreis wird zur Gläubigerbefriedigung eingesetzt. Der Generalbevollmächtigte Matthias Bayer (Kanzlei Abel und Kollegen) nannte die Quote „beachtlich“, ohne sie genauer zu beziffern. Die Töchter Nanogate Textile & Care Systems und Nanogate Electronic Systems sollen noch separat verkauft werden, Investorengespräche laufen. 

Attestor übernimmt Condor-Mehrheit

Der von Jan-Christoph Peters gegründete Turnaround-Investor Attestor übernimmt mit 51 Prozent die Mehrheit an der angeschlagenen Airline Condor. Attestor bringt 200 Millionen Euro Eigenkapital mit und hat weitere 250 Millionen Euro für die Modernisierung der Langstreckenflotte zugesagt. Laut Condor bleiben alle 4.050 Arbeitsplätze bei der Fluglinie und bei Condor Technik erhalten.

Für die übrigen 49 Prozent der Anteile hat Attestor eine Kaufoption, zu der allerdings keine Details bekannt sind. Vorerst verbleiben die Anteile bei der Treuhandgesellschaft SG Luftfahrtgesellschaft, die im November nach Abschluss des Schutzschirmverfahrens bei Condor eingestiegen war. Der Bund und das Land Hessen haben zudem eine Restrukturierung des insgesamt 550 Millionen Euro schweren KfW-Darlehens aus dem April 2020 zugesagt und verzichten dabei auf die Rückzahlung von 150 Millionen Euro.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die auf die Instandhaltung von industriellen Rohrleitungen spezialisierte Kiel Industrial Services AG hat Insolvenz beantragt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Jörg Gollnick (Heidland Werres Diederichs Rechtsanwälte). Die Kiel-Gruppe erwirtschaftete zuletzt mit knapp 1.200 Mitarbeitern und durchschnittlich 750 Zeitarbeitern einen Jahresumsatz von insgesamt rund 142 Millionen Euro. Für Kiel Industrial Services läuft ein Investorenprozess, den die M&A-Beratung Montag & Montag begleitet.

Die Fachklinik Waldeck in Schwaan bei Rostock will sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren. Burkhard Jung vom Beratungshaus Restrukturierungspartner verantwortet die Restrukturierung als neuer Geschäftsführer. Sachwalter des Verfahrens ist Christoph Morgen (Brinkmann & Partner). Die Fachklinik konnte nach eigenen Angaben zuletzt nicht mehr kostendeckend arbeiten. Unter anderem hatte die Corona-Pandemie zu Umsatzeinbußen geführt. Ein Sanierungsplan für die Klinik soll im Sommer fertiggestellt werden.

Der schwäbische Mittelständler Atlanta Antriebssysteme E. Seidenspinner hat ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Das Unternehmen mit rund 290 Mitarbeitern durchläuft bereits seit 2019 eine Restrukturierung. Jan Metzner (Elsässer) ist als Sanierungsexperte in die Geschäftsführung eingetreten. Sachwalter ist Dietmar Haffa von Schultze & Braun. Atlanta war nach eigenen Angaben von den starken Einbrüchen der Maschinenbaubranche stark getroffen, die Corona-Pandemie habe die Lage weiter verschärft. 

Der Arzneimittelhändler Docpharm hat die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die Corona-Pandemie habe die bereits zuvor eingeleiteten Sanierungsbemühungen ins Stocken gebracht, hieß es zur Begründung. Tillmann Peeters und Michael Ferber (beide Falkensteg) begleiten die Restrukturierung als Generalbevollmächtigte. Ziel ist die Neuaufstellung über einen Insolvenzplan. Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun ist vorläufiger Sachwalter des Verfahrens.

Distressed M&A-Deals

Das Recyclingunternehmen Romplast PE-Regenerat wird Teil der Karl-Bachl-Gruppe. Laut Insolvenzverwalter Dirk Pehl von Schultze & Braun ist damit der letzte verbliebene Geschäftsbetrieb der insolventen Fischer-Recycling-Gruppe verkauft. Die Übernahme erfolgt rückwirkend zum 1. Mai. Die Karl-Bachl-Gruppe beschäftigt gut 2.800 Mitarbeiter im In- und Ausland.

Der Geschäftsbetrieb der Papierfabrik Zerkall Renker & Söhne soll auf die neu gegründete Papierfabrik Zerkall übertragen werden. In einem von der Beratung Eichenfels geleiteten Investorenprozess erhielt der Unternehmer Frank Féron den Zuschlag. Die Gläubigerversammlung muss der Transaktion noch zustimmen. Seit November 2020 durchläuft Zerkall eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Als Generalbevollmächtigte begleiten Christoph Enkler und Sebastian Netzel von Brinkmann & Partner den Sanierungsprozess. Biner Bähr von White & Case ist Sachwalter.

Der Stahlhersteller ArcelorMittal übernimmt das Draht verarbeitende Unternehmen Dortmunder Blankstahl durch eine übertragende Sanierung. Laut Insolvenzverwalter Markus Birkmann (BBL Brockdorff & Partner) bleiben alle 82 Arbeitsplätze erhalten. Die Investorensuche begleitete André Schröer von der M&A-Beratungsgesellschaft Livingstone

Die auf Oberflächenveredelung spezialisierte Engel-Gruppe hat den Geschäftsbetrieb von HAI Kurtscheid im Zuge einer übertragenden Sanierung von Insolvenzverwalter Alexander Jüchser (Lieser Rechtsanwälte) übernommen. 50 der vormals 55 Arbeitsplätze bleiben erhalten. Das Unternehmen hatte wegen drohender Zahlungsunfähigkeit im Februar einen Insolvenzantrag gestellt. Concentro Management begleitete den Investorenprozess. 

Die insolvente Maschinenfabrik Möllers wird als Möllers Packaging Technology weitergeführt. Wie Insolvenzverwalter Stefan Meyer (Pluta) mitteilte, stimmte der Gläubigerausschuss einem Verkauf an die belgische Arodo Group zu, das Closing der Transaktion ist erfolgt. 86 Arbeitsplätze bleiben erhalten, mehr als 70 Arbeitsplätze werden dem Erwerberkonzept zufolge abgebaut. Die betroffenen Mitarbeiter können zunächst in eine Transfergesellschaft wechseln. 

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Autozulieferer MGG aus dem schwäbischen Waiblingen hat ein präventives Sanierungsverfahren abgeschlossen. Laut der Kanzlei Menold Bezler, die das Verfahren begleitet hat, ist es das erste abgeschlossene Verfahren in Baden-Württemberg. MGG war Eigentümerin des Betriebsgrundstücks und mehrere Maschinen des Familienunternehmens Eisele Pneumatics, das im Herbst 2020 in die Insolvenz rutschte. Diese führte zu Mietausfällen und damit zur Schieflage bei MGG. Einer Mitteilung zufolge sollen die Gläubiger „eine deutlich höhere Quote als im Rahmen eines regulären Insolvenzverfahrens“ erhalten, die genaue Höhe nannten die Verantwortlichen jedoch nicht. Dietmar Haffa (Schultze & Braun) war in dem Verfahren als Restrukturierungsbeauftragter eingesetzt.

Mehr zu diesem Thema bei

alternativer_text

Die FINANCE-Plattform für Restrukturierung
und unternehmerischen Wandel

Zum Newsletter anmelden

Die Gläubiger des insolventen Fußballklubs KFC Uerdingen haben dem Insolvenzplan zugestimmt. Der Drittligist durchläuft seit Januar eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Bei einer Zerschlagung hätten die Gläubiger womöglich nur 0,8 Prozent ihrer Forderungen zurückerhalten, zitieren Medien den Insolvenzverwalter Claus-Peter Kruth (AndresPartner). Durch die Zustimmung zum Insolvenzplan sei nun eine Quote von bis zu 17 Prozent möglich.

Im Insolvenzverfahren des Wochenblatt Verlags Ravensburg werden die Forderungen der Gläubiger vollständig erfüllt, teilte Insolvenzverwalter Michael Wahl (Pluta) mit. Der Verlag musste im Dezember 2017 Insolvenzantrag stellen, nachdem die Gesellschafter entschieden hatten, den Geschäftsbetrieb einzustellen. Die Tochter MCT Media-Center Tuttlingen war seit Anfang 2018 im Insolvenzverfahren, dort war Pluta-Anwalt Reinhard Wünsch als Verwalter eingesetzt. Auch in diesem Verfahren sollen die Gläubiger eine 100-prozentige Quote erhalten. Durch Einzug einer hohen Anzahl an kleinvolumigen Forderungen habe man die Insolvenzmasse „deutlich“ erhöhen können, erklärte Wahl. Auch der Verkauf von Assets habe zur hohen Quote beigetragen. Ein drittes Verfahren über das Vermögen des Unternehmens WBL Pressezustellservice soll im Jahreserlauf beendet werden, die Insolvenzquote ist noch offen.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Ein Covenant-Bruch bringt Eterna Mode in die Bredouille. Im ersten Quartal wurden dem Unternehmen zufolge auf Basis der vorläufigen Zahlen die Financial Covenants des Schuldscheindarlehens gebrochen, die Gläubiger erhalten dadurch ein außerordentliches Kündigungsrecht. Das Unternehmen verhandelt nun mit den Gläubigern über eine einvernehmliche Lösung.

Der frühere CEO und der ehemalige CFO der inzwischen insolventen Leuchtmittelfirma Hess sind zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie in den Jahren 2011 und 2012 die Bilanzen des Konzerns manipuliert haben sollen. Der frühere Finanzvorstand erhielt eine Strafe von 17 Monaten auf Bewährung, der Ex-Geschäftsführer neun Monate auf Bewährung. Zuvor hatte es eine Verständigung zwischen den Angeklagten und der Staatsanwaltschaft gegeben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Commerzbank hat sich mit den Arbeitnehmervertretern auf die Eckpunkte für den bis Ende 2024 geplanten Stellenabbau geeinigt. Für erweiterte Altersregelungen, darunter eine auf sieben Jahre ausgeweitete Vorruhestandsregelung, hat die Bank zusätzliche Restrukturierungsaufwendungen von rund 225 Millionen Euro veranschlagt. Insgesamt rechnet die Commerzbank nun mit Restrukturierungsaufwendungen von etwas mehr als 2 Milliarden Euro, davon wurden gut 900 Millionen Euro bereits bis Ende 2020 gebucht. Weitere Schritte könnten 2023 bevorstehen: Dann will die Bank den Stand des Stellenabbaus prüfen. Wenn nötig, könnten dann kollektive Arbeitszeitverkürzung oder betriebsbedingte Kündigungen zum Einsatz kommen. Insgesamt will die Commerzbank bis 2024 brutto rund 10.000 Vollzeitstellen abbauen, 2.500 Stellen werden im Gegenzug neu geschaffen.

Erst kürzlich hatte sich Adler öffentlich über mangelnde öffentliche Unterstützung in der Corona-Pandemie beklagt, nun sind Gelder geflossen: Als erstes Unternehmen in einem Insolvenzverfahren erhält Adler Unterstützung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), wie aus einer Auflistung der WSF-Aktivitäten des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht. Demnach hat der Modehändler im Mai einen Kredit über 10 Millionen Euro erhalten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Sie haben eine interessante News, die in unserem nächsten Restrukturierungsticker nicht fehlen sollte? Dann schreiben Sie uns an sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de.

Die wichtigsten Nachrichten aus der Welt der Restrukturierung finden Sie künftig in unserem neuen Themen-Hub Transformation by FINANCE sowie regelmäßig auch im zugehörigen Newsletter.