Der Ferienflieger Condor kann sein Schutzschirmverfahren abschließen. Der Investorenprozess ruht aufgrund der Coronakrise jedoch.

Condor

27.10.20
Wirtschaft

Restrukturierungsnews: Condor, Brenntag, Dielmann

Der Ferienflieger Condor kann sein Schutzschirmverfahren beenden, Brenntag will sich neu ausrichten, und das Filialnetz von Schuhhaus Dielmann wird in Teilen verkauft: Die aktuellen Restrukturierungsnews im FINANCE-Überblick.

Condor kann Schutzschirmverfahren abschließen

Der Ferienflieger Condor wird Ende November das von Sachwalter Lucas Flöther begleitete Schutzschirmverfahren abschließen. Für die Airline, die im Zuge der Thomas-Cook-Pleite in Schieflage geraten war, ist es bereits der zweite Sanierungsplan. Das Unternehmen hatte sich nach einer geplatzten Übernahme durch die polnische LOT im Frühjahr zunächst Staatshilfe gesichert. Bis auf den 550 Millionen Euro schweren KfW-Kredit ist das Unternehmen nach Abschluss des Verfahrens entschuldet. Medienberichten zufolge sollen Gläubigerforderungen in Milliardenhöhe lediglich 13 Millionen Euro für Auszahlungen gegenüberstehen.

Aufgrund der Coronakrise ruht derzeit der Investorenprozess, die SG Luftfahrtgesellschaft fungiert vorübergehend als Treuhänder. Wenn sich die Marktlage bessert, soll das Condor-Management einen neuen Investorenprozess starten. Um Kosten zu sparen, war die Airline zuletzt in günstigere Büros umgezogen. Die Arbeitsplätze der rund 4.200 Mitarbeiter sind derzeit bis mindestens Dezember 2021 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.

Brenntag nennt Details zu Sparprogramm

Der Chemiedistributeur Brenntag will über sein Transformationsprogramm „Project Brenntag“ künftig „einen nachhaltigen jährlichen Beitrag“ zur Steigerung des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von etwa 220 Millionen Euro erzielen. Der Beitrag solle jährlich steigen, die volle Summe will das Unternehmen zu Beginn des Jahres 2023 erreichen. Die Details des Sparprogramms hat Brenntag nun vorgestellt: Von Januar 2021 will der Konzern in einer neuen operativen Struktur arbeiten. Diese wird aus den beiden globalen Geschäftsbereichen Brenntag Brenntag Essentials und Brenntag Specialties bestehen.

Zudem werden weltweit rund 100 Standorte geschlossen, um das Standortnetzwerk effizienter auszurichten. Weltweit werden durch das Sparprogramm voraussichtlich rund 1.300 der derzeit rund 17.500 Stellen entfallen. Der Personalabbau soll innerhalb der kommenden zwei Jahre erfolgen. Die Kosten für die Umsetzung von „Project Brenntag“ werden zu Netto-Zahlungsmittelabflüssen von insgesamt rund 370 Millionen Euro führen, kalkuliert das Unternehmen.

Erster Teilverkauf bei Schuhhaus Dielmann

Das Filialnetz von Schuhhaus Dielmann wird zerschlagen. Das Unternehmen MyShoes übernimmt acht Fachmärkte mit 160 Mitarbeitern des insolventen Wettbewerbers in Bayern und Hessen. Der Verkauf umfasst den Warenbestand, die Filialausstattung sowie Markenrechte. Über finanzielle Details wurde Stillschweigen vereinbart. Wenn Kartellbehörden und Vermieter zustimmen, sollen die Märkte zum 1. Dezember den Besitzer wechseln. Für die restlichen 18 Dielmann-Filialen läuft der Prozess weiter.

Er habe „die große Hoffnung, dass wir die meisten Geschäfte, nach Möglichkeit auch unter Einschluss der Zentralfunktionen von Dielmann, an einen neuen Inhaber werden verkaufen können“, sagte Georg Bernsau von der Kanzlei K&L Gates. Er hätte Dielmann gerne in seiner Gesamtheit verkauft. Der nun gewählte Weg sei aber für die Gläubiger „die wirtschaftlich beste Lösung“. Der Investorenprozess der Schwestergesellschaft Sporthaus Robert Hübner läuft unabhängig, Ergebnisse aus dem Prozess werden in den kommenden Wochen erwartet.

Von Buchwaldt übernimmt bei German Property Group

Im Insolvenzverfahren der German Property Group übernimmt der Jurist Justus von Buchwaldt (BBL Brockdorff) als Insolvenzverwalter. Ihn hat das Amtsgericht Bremen eingesetzt. Das Verfahren gegen die Immobiliengruppe, die im Verdacht steht, eine Art Schneeballsystem aufgebaut zu haben, wird von heftigen Querelen begleitet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter des Verfahrens war bislang Gerrit Hölzle (Görg) tätig, der jedoch zuletzt von German-Property-Chef Charles Smethurst öffentlich attackiert worden war. Smethurst wollte das Verfahren zudem von Bremen nach Hannover verlagern, scheitert damit jedoch.

Mit der forensischen Aufklärung der Vorgänge bei German Property ist derzeit die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY beauftragt. Hölzle hatte den Wert der vorhandenen Immobilien der German Property Group auf maximal 150 Millionen Euro geschätzt, dem stehen Berichten zufolge jedoch Investoreneinzahlungen von schätzungsweise mehr als 1 Milliarde Euro gegenüber.

Neue Eigentümer für ehemalige Recyclex-Unternehmen

Nachdem im Frühjahr mehrere Gesellschaften der früheren Recyclex-Gruppe Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt haben, gibt es nun neue Perspektiven: Die Tochter Norzinco hat das Schutzschirmverfahren beendet und wurde im Wege einer übertragenden Sanierung an ein Konsortium unter Führung der österreichischen IMR Gruppe verkauft. Als M&A-Berater begleitete Sigma Corporate Finance die Transaktion. Daniel Herper und Holger Jakob (FPS) begleiteten die Restrukturierung als Generalbevollmächtigte.

Auch das ehemalige Gruppenunternehmen Harz-Metall hat neue Eigentümer gefunden. Die Zink-Recycling-Sparte ging an ein belgisch-mexikanisches Joint Venture aus Jean Goldschmidt International und Zinc Nacional. Den Industriepark und die Blei-Recycling-Sparte hat die Bettels-Unternehmensgruppe übernommen. Die Eigenverwaltung begleiteten Thomas Paul (Paul und Collegen) sowie Andreas Ziegenhagen und Dirk Schoene (beide Dentons). Als Sachwalter war Arndt Geiwitz (SGP Schneider Geiwitz & Partner) bestellt. Der Verkaufsprozess wurde von IMAP geleitet.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Lebensmittellieferdienst Getnow hat Insolvenzantrag gestellt, nachdem zuvor eine Finanzierungsrunde für das Start-up gescheitert war. Vorläufige Insolvenzverwalter ist Max Liebig von der Kanzlei Jaffé. Er sucht nun nach Investoren für den Betrieb mit insgesamt über 130 Mitarbeitern an sieben Standorten. Getnow hatte bislang Investorengelder in zweistelliger Millionenhöhe aufgetrieben. Trotz Wachstums reichten jedoch die Umsätze nicht aus, um die Investitionskosten zu decken. Ziel ist nun eine übertragende Sanierung auf einen neuen Investor.

Das Telekommunikationsunternehmen Philion hat aufgrund von Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag für die Tochter Fexcom gestellt. Weitere Insolvenzanträge für Philion selbst sowie die Tochter O.B.S. wurden für die kommenden Tagen angekündigt. Man habe zwar „eine weitestgehende Einigung über die Eckpunkte einer stillen Beteiligung durch den Bund erzielt“, teilte Philion mit, zudem habe sich ein neuer Investor mit Eigenkapital beteiligen wollen. Jedoch sei letztlich keine abschließende Einigung über die Finanzierung erzielt worden.

Der nordhessische Autozulieferer Bo Parts hat Insolvenzantrag gestellt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Kai Dellit (HWW Hermann Wienberg Wilhelm). Das Unternehmen beschäftigt knapp 80 Mitarbeiter. Bo Parts ist Teil der Frimo-Gruppe. Die übrigen Unternehmen der Gruppe seien wirtschaftlich gesund und verfügten über eine langfristig gesicherte Finanzierung, heißt es in einer Mitteilung.

Der Kranhersteller Tadano Group restrukturiert die deutschen Gesellschaften Tadano Demag und Tadano Faun. Für beide Gesellschaften wurden Schutzschirmverfahren beantragt, als Sachwalter wurde jeweils Arndt Geiwitz (Schneider Geiwitz) bestellt. Tadano Demag beschäftigt in Zweibrücken rund 1.600 Mitarbeiter, bei Tadano Faun in Lauf an der Pegnitz arbeiten dem Unternehmen zufolge rund 900 Personen.

Der Hersteller von Flugzeuginnenraumausstattung E.I.S. Aircraft Products and Services hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die Mehrheit der Unternehmensanteile war erst Ende 2019 von EQT an die Hannover Finanz verkauft worden. Jörg Bornheimer (Görg) begleitet das Unternehmen als Generalbevollmächtigter, Dirk Obermüller (DHPG) wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Das E.I.S. will sich über einen Insolvenzplan sanieren.

Der Ingolstädter Herrenmodespezialist Bäumler Fashion hat aufgrund von Liquiditätsproblemen Insolvenzantrag gestellt. Ivo-Meinert Willrodt (Pluta) ist vorläufiger Insolvenzverwalter. Die Gesellschaft ist mit der Edinburgh Woollen Mill Group aus England verflochten und hat zuletzt auch deren Vertriebs- und Produktionsstrukturen genutzt. Die Produktion der Herrenmode erfolgte extern in Ungarn. Willrodt bearbeitete zuletzt in der Modebranche bereits das Insolvenzverfahren des Schmuck- und Modehändlers Monsoon Accessorize.

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Wegen des insolvenzbedingten Ausfalls einer Forderung musste die Geschäftsführung des auf automatische Lagersysteme spezialisierten Unternehmens Trafö-Förderanlagen nun selbst Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Marc Schmidt-Thieme (Kanzlei Hoefer Schmidt-Thieme). Der Anlagenbauspezialist war durch die Insolvenz der Konzernmutter Lingl-Gruppe Anfang Oktober in einen Liquiditätsengpass geraten.

Das Einkaufszentrum Stadtgalerie in Velbert hat Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Paul Fink (Fink Rinckens Heerma Rechtsanwälte) bestellt. Das erst 2019 eröffnete Einkaufszentrum musste im März zunächst die Insolvenz des Ankermieters Modehaus Mensing und danach den Covid-19-bedingten Lockdown verkraften. Die Galerie bleibt für Kunden und Mieter geöffnet und soll durch neue Ankermieter stabilisiert werden.

Distressed M&A-Deals

Für Ultraschalltechnik Halle, das sich seit Monatsanfang im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung befindet, ist ein Investorenprozess gestartet worden. Ralf Hage (Kanzlei Andres Partner) unterstützt das Unternehmen als Generalbevollmächtigter, Sachwalter ist Herbert Feigl (Feigl & Rothamel). Den M&A-Prozess begleiten Jens Titze (Averis) sowie das Beratungshaus Starkpartners. Eine Lösung soll bis Jahresende gefunden sein.

Für die Systemgastronomie Posteria in Saarbrücken, Teil der insolventen CB Sysgastro, läuft ein Investorenprozess. Insolvenzverwalter Franz Abel (Abel und Kollegen) legt dabei den Fokus auf strategische Interessenten aus dem Bereich der Systemgastronomie. Den M&A-Prozess betreut das Beratungshaus Mentor.

Die auf Kunststoffverarbeitung spezialisierte Weberit Dräbing Gruppe wird von einem Investor weitergeführt. Die Unternehmensgruppe hatte Anfang Mai 2020 Insolvenzantrag gestellt, Insolvenzverwalter ist Jens Lieser (Lieser Rechtsanwälte). Im Zuge einer übertragenden Sanierung wird das Unternehmen an die Weberit Plastics Technologies übergeben, hinter der der Unternehmer Nicolas Maggiarosa steht. Er übernimmt 122 Mitarbeiter.

Für Teile des insolventen Abrechnungsdienstleister AvP haben sich Interessenten gefunden: Noventi Health übernimmt den Bereich zur Abrechnung mit Krankenhausapotheken von AvP Deutschland. Heuking hat die Übernahme für AvP begleitet, Noventi Health wurde von BRL Boege Rohde Luebbehuesen sowie D+B Rechtsanwälte begleitet. AvP Deutschland hatte im September einen Insolvenzantrag gestellt, Jan-Philipp Hoos (White & Case) ist vorläufiger Insolvenzverwalter. Für weitere Sparten läuft die Investorensuche weiter.

Das Bundeskartellamt hat den Einstieg des US-Konzerns Tesla bei dem Autozulieferer ATW genehmigt. ATW war von der Schließung bedroht, nachdem die kanadische Muttergesellschaft Automation Tooling Systems in eine Krise geraten war. Für den Hersteller von Batteriefertigungsanlagen ATW arbeiten in Rheinland-Pfalz rund 210 Mitarbeiter. Tesla hatte 2016 bereits den Anlagenbauer Grohmann übernommen.

Der bayerische Unternehmer August Huber übernimmt die Marken- und Bildrechte sowie das Franchise-Konzept der San Francisco Coffee Company. Das teilte Insolvenzverwalter Max Liebig (Jaffé) mit. Der Investor möchte ein bundesweites Netz an Filialen mit Franchise-Partnern aufbauen. Die 1999 in München gegründete Coffeeshop-Kette befand sich seit Juli dieses Jahres im Insolvenzverfahren.

Die Salvia Unternehmensgruppe hat das Kerngeschäft der Rehms Building Gruppe, die eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchläuft, übernommen. Rund 550 Arbeitsplätze bleiben durch die Transaktion erhalten. Der Gebäudedienstleister wurde zuletzt von Nils Meißner und Mike Westkamp (beide Görg) als Chief Insolvency Officers unterstützt. Stephan Karl Michels (Michels Insolvenzverwaltungen) ist als Sachwalter bestellt. Salvia wurde von CMS (Federführung Jochen Lux) beraten. Für weitere Gesellschaften der Gruppe laufen noch Verkaufsverhandlungen.

Bei dem insolventen Oberflächenspezialisten Nanogate läuft die Investorensuche: Erste indikative Angebote liegen dem Unternehmen nach eigenen Angaben vor. Am Kerngeschäft der Saarländer sollen sowohl strategische Investoren als auch Beteiligungsgesellschaften Interesse zeigen. Nanogate saniert sich derzeit in Eigenverwaltung.

Für die Tidal Operations Germany (TOG), Betreiber von zehn Hotels der Marken Holiday Inn, Holiday Inn Express und Crowne Plaza, hat Insolvenzverwalter Michael Bremen (Pluta) den Investorenprozess gestartet. Die zugehörigen Immobilien sind nicht im Besitz der Gesellschaft. Insgesamt arbeiten aktuell 248 Mitarbeiter in den zehn Hotels. Ziel ist es, bis spätestens Jahresende einen neuen Betreiber des Portfolios zu finden. Die Vermieter und die Intercontinental Hotels Group, die auch das Hotelmanagement übernommen hat, haben sich mit dem Insolvenzverwalter auf eine Subordination von Miet- und Lizenzzahlungen geeinigt.

Die insolvente Sitec Präzisionstechnik aus Schwaben ist an einen Investor übertragen worden. Sitec hatte im Januar Insolvenzantrag gestellt, Insolvenzverwalter war Jochen Sedlitz (Menold Bezler). Bereits im April waren 40 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft gewechselt, durch die Investorenlösung bleiben 35 Arbeitsplätze erhalten. Sitec firmiert nun als Alpha Fertigungstechnik, die Gesellschafterin Sigloch Management & Beteiligungs GmbH stellt weiterhin Technologie und Produktionsflächen.

GSE Europe übernimmt im Rahmen einer übertragenden Sanierung die Vermögensgegenstände des thüringischen Maschinen- und Fahrzeugbauunternehmens BAT Bohr- und Anlagentechnik inklusive Standort. Ein Team von Concentro Management um Lars Werner und Philipp Goller hatte den Investorenprozess begleitet. BAT hatte Ende Juni Insolvenzantrag gestellt, zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Martin Linsenbarth (Reinhardt & Kollegen) bestellt.

Die Wirecard Acquiring & Issuing, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der insolventen Wirecard AG, hat ihre Anteile an Wirecard North America an Syncapay verkauft. Die Übernahme wird durch den PE-Investor Centerbridge finanziert, der damit auch Mehrheitsgesellschafter von Syncapay wird. In einer weiteren Transaktion übernimmt der Wettbewerber Unzer POS den Geschäftsbetrieb der Wirecard Retail Services sowie deren rund 20 Mitarbeiter in Aschheim, teilte Insolvenzverwalter Philip Heinke (Kanzlei Jaffé) mit. Unzer wurde im Jahr 2003 unter dem Namen Heidelpay gegründet und hat erst kürzlich einen neuen Standort in München eröffnet.

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Hersteller von Kunststoffspritzgussteilen Rettinger Kunststofftechnik wird den Geschäftsbetrieb zum 31. Januar 2021 einstellen. Für das Unternehmen, das zuletzt noch rund 60 Mitarbeiter beschäftigte, fand sich laut Insolvenzverwalter Tobias Hirte von Schultze & Braun kein Investor. Hirte hatte das Unternehmen nach dem Insolvenzantrag im September 2019 fortgeführt.

Nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens will Galeria Karstadt Kaufhof sukzessive bis Anfang 2021 noch 41 Filialen schließen. Ursprünglich standen 62 Filialen auf der Streichliste. Der Warenhauskonzern hatte sich in einem Schutzschirmverfahren saniert und darüber Schulden von mehr als 2 Milliarden Euro abgelegt. Knapp 130 Kaufhäuser mit gut 16.000 Arbeitsplätzen bleiben erhalten.

Der Leiterplattenhersteller Schoeller Electronics Systems muss spätestens zum 31. Januar den Betrieb einstellen. Der letzte verbliebene Interessent habe sich aus dem von Deloitte geleiteten M&A-Prozess zurückgezogen, teilte Insolvenzverwalter Michael Lojowsky von Schultze & Braun mit. Rund 180 Mitarbeiter erhalten die Kündigung.

Der Leuchtenhersteller Feilo Sylvania Germany hat seine Restrukturierung abgeschlossen. Ein Insolvenzplan wurde von den Gläubigern angenommen und vom Insolvenzgericht bestätigt. Das Unternehmen mit gut 200 Mitarbeitern hatte im Februar ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Sachwalter war Stefan Debus (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen), den Sanierungsprozess begleitete ein Team von White & Case um Partner Andreas Kleinschmidt.

Wenige Monate nach Eröffnung ist das Insolvenzverfahren von Curasan aufgehoben worden, der Insolvenzplan ist rechtskräftig. Er sieht eine Befriedigungsquote von mehr als 30 Prozent für die Gläubiger vor. Insolvenzverwalter in dem Verfahren war Frank Schmitt von Schultze & Braun. Der Mehrheitsgesellschafter Donau Invest hatte Mittel für die Fortführung bereitgestellt und die Gesellschaft mit Hilfe des Insolvenzplans übernommen. In diesem Zuge wurde Curasan auch von der Börse genommen.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Das Gesetz zur Fortentwicklung des Sanierungs- und Insolvenzrechts, mit dem auch die präventive Sanierung im deutschen Recht verankert werden soll, nimmt weiter Formen an. Nur wenige Wochen nach Vorlage des Referentenentwurfs Mitte September hat die Regierung Mitte Oktober nun bereits den Gesetzesentwurf vorgelegt. Das Gesetz soll bereits vom Jahresanfang 2021 an nutzbar sein.

Der Autozulieferer Benteler hat sich im Zuge seiner Restrukturierung mit wesentlichen Geldgebern geeinigt und eine Refinanzierungsvereinbarung mit einer Laufzeit bis Ende 2024 unterzeichnet. Details zu Volumen und Konditionen des Finanzierungspakets nannte das Unternehmen nicht. KfW-Kredite würden nicht in Anspruch genommen, teilte Benteler mit. „Wesentliche“ Finanzierungspartner hätten der Vereinbarung zugestimmt, die Zustimmung weiterer Finanzierer und die rechtliche Umsetzung sollen bis Ende des Jahres erfolgen. In der nächsten Phase der Transformation will Benteler den Schwerpunkt nun auf Ergebnisverbesserung, ein fokussiertes Produktangebot und gezielte Investitionen in Wachstumsfelder legen.

Bei dem Automobilzulieferer Veritas hat Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner (Brinkmann & Partner) mit dem Betriebsrat einen Sozialplan vereinbart. Wenn der Gläubigerausschuss zustimmt, werden 54 Mitarbeiter im Bereich Overhead und Verwaltung gekündigt. Nach derzeitigem Stand sollen mehr als 1.200 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Verwaltung soll bis zum Jahresende umstrukturiert und gestrafft werden. Die Suche nach einem Investor läuft unterdessen weiter, mit einem Ergebnis der Verhandlungen rechnet Plathner zum Jahreswechsel.

Die Bundesbank erwartet infolge der Coronakrise in den kommenden Monaten einen höheren Anteil an faulen Krediten: Demnach könnten die Wertberichtigungen von zuletzt rund 0,2 Prozent auf 0,8 Prozent des Kreditbestands steigen, heißt es im jüngsten Finanzstabilitätsbericht. Mit den Wertberichtigungen einher geht ein erwarteter Anstieg der Insolvenzen: Die Anzahl der Insolvenzanträge lag zuletzt bei durchschnittlich 5.000 Anträgen im Quartal. Für das erste Quartal 2021 rechnet die Bundesbank nun mit einem Anstieg auf mehr als 6.000 Anträge.

Der Fonds „Best Owner Group“ soll als Beteiligungsfonds künftig Automobilzulieferer kaufen, die aufgrund der Umstellung auf die E-Mobilität vor Herausforderungen stehen. Er soll bei 150 bis 200 Millionen Euro Volumen starten und hat eine Zielgröße von maximal 500 Millionen Euro. Als Geschäftsführer ist der frühere Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise vorgesehen. Sanierungsfälle will der Fonds nicht kaufen: Die Unternehmen sollen profitabel sein. Ziel sei es, vorhandene Produkte und Prozesse zu verbessern, um den sinkenden Stückzahlen Rechnung zu tragen. Investitionen seien dagegen nicht mehr geplant.

Der Schutzschirm für Warenkreditversicherer könnte bis Ende Juni 2021 verlängert werden. Wie die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer berichtet, verdichten sich die Signale, dass der Bund den in der Coronakrise aufgelegten Schutzschirm über das Jahresende hinaus verlängern möchte. In einem Schreiben an den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) verweist das Bundeswirtschaftsministerium demnach darauf, dass seit September Verhandlungen mit den Warenkreditversicherungen zur Verlängerung des Schutzschirms liefen. Die EU-Kommission müsste einer Verlängerung zustimmen.

Während der angeschlagene Konzern ThyssenKrupp noch um die Zukunft seiner Stahlsparte ringt, geht die Restrukturierung des Bereichs Federn und Stabilisatoren voran: Mit dem Betriebsrat hat der Konzern einen Sozialplan und Interessensausgleich für die Standorte Hagen und Olpe unterzeichnet. Dort entfallen rund 500 Arbeitsplätze, für die Betroffenen sind Übernahmeangebote auf andere Stellen im Unternehmen, eine Transfergesellschaft sowie Unterstützung bei der Suche nach Arbeitsplätzen außerhalb der Gruppe geplant. Die Fertigung von Stabilisatoren in Olpe soll bis Ende 2021 auslaufen, dies kostet rund 330 Stellen. In Hagen entfallen durch Umstellungen der Produktion bis Sommer 2022 bis zu 160 Stellen. 

Das Unternehmen Eterna Mode hat sich mit seinen Gläubigern auf neue Konditionen für den im März 2021 fälligen Schuldschein geeinigt. Das 25 Millionen Euro umfassende Papier wird bis mindestens September verlängert, unter bestimmten Voraussetzungen kann die Laufzeit sogar bis Juni 2023 ausgedehnt werden. Parallel arbeitet Eterna Mode an einer Verlängerung seiner im März 2022 fälligen Anleihe, die ebenfalls ein Volumen von 25 Millionen Euro aufweist. Die Laufzeit der Anleihe soll um drei Jahre verlängert werden.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Die Restrukturierungskanzlei BBL Brockdorff hat Christian Knittel als Local Partner in das Frankfurter Büro geholt. Er war zuletzt regionaler Partner bei Brinkmann & Partner, davor war er für Ashurst sowie Wellensiek tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Beratungen in der Krise oder Insolvenz, insbesondere bei Haftungsfragen.

Die Unternehmensberater Dietmar Axt und Richard Millward sowie der Jurist Michael Rößner verstärken als External Advisors das Team von Bain & Company rund um Turnaround-Beratung und Transformation. Bain arbeitet in dem Bereich mit einem Netzwerk aus Anwaltskanzleien, Insolvenzberatungen, Banken und Private-Equity-Häusern zusammen. Axt führte bis 2019 als CEO den Bekleidungshersteller Mustang. Millward war vor seiner Beratertätigkeit mehrere Jahre in führenden Positionen bei Rothschild & Co sowie Dresdner Kleinwort tätig. Rößner hat bereits mehrere Transformationen aus Finanzierungssicht als Konsortial- und Sicherheitenpool-Führer begleitet.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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