Auch im Jahr 2020 gab es einige aufsehenerregende Personalwechsel.

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30.12.20
CFO

Das waren die spektakulärsten CFO-Wechsel 2020

Das Corona-Jahr brachte nicht nur überraschende Abgänge, sondern auch fulminante Karrieresprünge und Jobwechsel. Ein Rückblick auf die spektakulärsten CFO-Wechsel 2020.

Der doppelte Aufstieg von Ex-Sunrise-CFO André Krause

Kein schlechtes berufliches Jahr war es für André Krause. Anfang des Jahres 2020 stieg der damalige Finanzvorstand des Schweizer Telekomunternehmens Sunrise zum Unternehmenschef auf, nachdem CEO Olaf Swantee in Folge der zunächst geplatzten Übernahme des Kabelunternehmens UPC Schweiz von Bord gegangen war.

Im August 2020 kam es dann doch zur Fusion – allerdings anders als ursprünglich geplant. Denn dieses Mal bot die UPC-Mutter Liberty Global 6,3 Milliarden Euro für Sunrise, der M&A-Deal wurde im November erfolgreich abgeschlossen. Und abermals gab es für André Krause eine Beförderung: Er wurde Vorstandschef des neuen Unternehmens Sunrise UPC.

Klaus Patzak: Von Siemens Energy zu Schaeffler

Im März sorgte Klaus Patzak für Schlagzeilen in der Wirtschaftspresse: Gemeinsam mit CEO Michael Sen warf er als CFO von Siemens Energy noch vor dem Spin-off vom Mutterkonzern das Handtuch. Medienberichten zufolge sollen sich die beiden im Streit über die finanzielle Mitgift und den Grad der Unabhängigkeit mit Siemens-Chef Joe Kaeser, seinem designiertem Nachfolger Roland Busch und auch Finanzvorstand Ralf Thomas überworfen haben.

Lange blieb der selbstbewusste Finanzmanager mit einem Faible für schwierige Aufgaben allerdings nicht ohne Job: Bereits im August gab der 55-Jährige sein Comeback als CFO beim Automobilzulieferer Schaeffler. Dort konnte Patzak denn auch gleich klotzen und sammelte für das Unternehmen im Oktober 1,5 Milliarden Euro am Bondmarkt ein. Gemeinsam mit Schaeffler-CEO Klaus Rosenfeld bereitet der Finanzmanager in Herzogenaurach die anstehende große Transformation vor. Und auch für eine riesige Kapitalerhöhung legte er den Grundstein.

Peter Peters: Erst Schalke-CFO, dann Fifa-Funktionär

Der Juni 2020 begann mit einem Paukenschlag in Königsblau. CFO-Urgestein Peter Peters warf überraschend nach 27 Jahren beim Fußballverein Schalke 04 hin. Zuvor war der 58-Jährige nicht nur aufgrund des Kommunikationsdesasters rund um den „Härtefallantrag“ unter Druck geraten. Auch die schwierige finanzielle Lage, in der sich der Traditionsverein seit Beginn der Coronavirus-Krise befindet, tat ihr übriges.

Entgegen anders lautender Medienberichte betonte Peters in einem Interview mit der „Sport Bild“, dass es weder einen Dissens mit seinen Vorstandskollegen noch mit dem Aufsichtsrat gegeben habe. Auch sei sein Abgang alles andere als plötzlich gekommen. „Ich habe mich seit einem Jahr mit der Frage beschäftigt, ob es für mich persönlich noch Sinn ergibt, bei Schalke 04 weiterzuarbeiten“, sagte er der Zeitung.

FINANCE-Köpfe

Peter Peters, FC Schalke 04

Nach seinem Studium arbeitet Peters von 1987 bis 1991 als Sportredakteur bei der Zeitschrift RevierSport, der Westfälischen Rundschau und der WAZ Dortmund.1991 wechselt Peters die Seiten und fängt im Management des 1. FC Kaiserslautern an, wo er bis 1993 stellvertretender Geschäftsführer ist. Seit 1993 ist er als Vorstand für den FC Schalke 04 tätig und verantwortet die Bereiche Finanzen und Organisation des Fußballkonzerns. Im Juni 2020 tritt Peter Peters als Finanzvorstand von Schalke zurück.

zum Profil

Anfang Oktober präsentierte Schalke 04 dann Christina Rühl-Hamers als seine Nachfolgerin. Die 44-jährige Diplomkauffrau, Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin ist bereits seit 2010 bei dem Bundesligisten tätig und war zuvor als Direktorin für Finanzen und Personal im Einsatz.

Und Peters? Der überraschte mit Karriere-News auf höchster fußballpolitischer Ebene: Anfang Dezember ließ der europäische Fußballverband UEFA verlauten, dass DFB-Vize Peters im April 2021 für einen Sitz im Rat des Welt-Fußballweltverbands Fifa kandieren wird – ohne Gegenkandidaten. Er soll dort die Nachfolge von Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel antreten.

Stefanie Münz: Die erste weibliche LBBW-Vorständin

Im Juli dieses Jahres wurde eine Zeitenwende bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) eingeläutet: Zum ersten Mal in der Geschichte des Finanzinstituts wurde mit Stefanie Münz eine Frau für den Konzernvorstand angekündigt. Münz wird vom 1. Januar 2021 an den neu geschaffenen Posten als CFO übernehmen und neben den Finanzgeschicken auch das Ressort Operations und Prozesse betreuen.

Mit der 40-Jährigen kommt ein echtes LBBW-Eigengewächs zum Zug: Vor 18 Jahren startete Münz ihre berufliche Karriere im Controlling bei der LBBW-Tochter Südleasing. Zuletzt kümmerte sie sich bereits zwei Jahre als Bereichsvorständin um die Finanzen, Strategie und Digitalisierung von Deutschlands größter Landesbank.

CFO-Chaos bei der Lufthansa

Für die Deutsche Lufthansa endet das sicherlich aufwühlendste Jahr der Firmengeschichte. Mitten in der Pandemie war der Kranich-Airline auch noch der Finanzvorstand abhandengekommen: Anfang April erklärte Lufthansa-CFO Ulrik Svensson mit Verweis auf gesundheitliche Gründe völlig überraschend seinen sofortigen Rücktritt.

Statt einen neuen Finanzchef zu suchen, wurden die CFO-Aufgaben zunächst auf die übrigen Vorstandsmitglieder aufgeteilt. So gingen wesentliche Teile des Finanzressorts auf das Ressort „IT, Digital und Innovation“ von Leiter Thorsten Dirks über, welches daraufhin den neuen Namen „Digital und Finanzwesen“ erhielt. Den M&A-Bereich erhielt „Personal & Recht“-Vorstand Michael Niggemann, während sich Lufthansa-CEO Carsten Spohr um die Investor Relations kümmerte.

Nach nicht einmal drei Monaten verabschiedete sich auch Thorsten Dirks aus der „internen Team-Lösung“. Einem Bericht des „Handelsblatt“ zufolge soll der Manager nicht bereit gewesen sein, den nach dem Einstieg des deutschen Staats geltenden Bonusverzicht für das Top-Management zu akzeptieren. Variable Vergütungen können bei der Fluggesellschaft bis zu 50 Prozent des Gesamtgehalts ausmachen. Für Dirks sprang Carsten Spohr als Interims-CFO in die Bresche.

Im November gab der MDax-Konzern schließlich die Berufung von Remco Steenbergen zum neuen Finanzvorstand bekannt. Zum Jahresbeginn 2021 soll der Niederländer, der vom Schweizer Schokoladenkonzern Barry Callebaut kommt, die Bereiche Controlling und Risikomanagement, Corporate Finance, Rechnungswesen und Bilanzen, Steuern, Einkauf sowie M&A verantworten.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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